Mission Freedom und Hope e.V. – wenn fundamentalchristliche Weltbilder auf schwer traumatisierte Menschen treffen

Organisierte Gewalt, Zwangsprostitution, rituelle Gewalt und Menschenhandel gehören zu den schwersten Gewaltformen, die Menschen erleiden können. Ein Ausstieg ist oft langwierig und gefährlich. Viele Betroffene schaffen ihn nicht. Umso wichtiger sind kompetente Hilfestrukturen, die traumatisierte Menschen umfassend schützen, professionell begleiten und evidenzbasierte therapeutische Unterstützung anbieten.

Wer die Internetseiten von Mission Freedom und Hope e.V. besucht, gewinnt zunächst den Eindruck zweier engagierter Organisationen, die sich dieser Aufgabe widmen. Beide Vereine bezeichnen sich als christlich orientiert und arbeiten nach eigenen Angaben auf Grundlage eines „christlichen Menschenbildes“. Hope e.V. betont zudem, dass den Mitarbeitenden professionelle Qualifizierung wichtig sei und sie regelmäßig an Fortbildungen, Seminaren und Schulungen teilnehmen würden.

Auf den ersten Blick wirkt das Angebot durchaus seriös. Beide Vereine begleiten Ausstiegsprozesse aus der Prostitution, betreiben Streetwork im Rotlichtmilieu, leisten Präventions- und Aufklärungsarbeit und bieten Schutzunterkünfte an. Mission Freedom schreibt auf seiner Internetseite zudem, in zwei vollstationären heilpädagogisch-therapeutischen Wohngruppen Kinder und Jugendliche langfristig stabilisieren und begleiten zu können.

Bei genauerer Betrachtung ergibt sich jedoch ein deutlich komplexeres Bild. Recherchen verschiedener Medien sowie Kritik von Behörden und Fachverbänden werfen seit Jahren erhebliche Fragen hinsichtlich der fachlichen Arbeitsweise und der zugrunde liegenden religiösen Überzeugungen auf.

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Wenn Trauma als Fluch verstanden wird und Spiritualität gefährdet

Was passiert, wenn Symptome von Traumafolgen nicht als Folgen von Gewalt verstanden werden, sondern als Wirkung von Flüchen, Dämonen, unreinen Geistern, Okkultismus oder spirituellen Belastungen?

Wenn Dissoziation, Angst, Scham, Suizidalität oder innere Konflikte nicht mehr als Traumafolgen betrachtet werden, sondern als Zeichen einer diffusen feinstofflichen Belastung?

Was passiert mit der Selbstbestimmung der Betroffenen?

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Deutsche Opfer von Menschenhandel und Prostitution – wie Klischees das Erkennen von Betroffenen verhindern

Können wir bitte anfangen mehr über diesen blinden Fleck in der Gesellschaft zu sprechen und mit der Vermittlung irreführender Täter- und Opferbilder aufhören?

Ja, auch deutsche Mädchen und Frauen werden Opfer von Menschenhandel und Prostitution – und das nicht selten.

Ich werde im folgenden Beitrag den Begriff „deutsche Opfer“ betonen. Nicht, weil die Nationalität der Frauen, die Gewalt erleben für mich irgendeinen Unterschied macht, sondern weil es mir darum geht die deutschen Frauen in der Diskussion überhaupt erst einmal als Betroffene sichtbar zu machen.

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Der letzte echte „Arbeitstag“

Wir liegen im Bett. Halb wach. Halb dissoziativ im dicken Nebel. Uns ist warm. An der Wand spielen Schatten. Die Lamellen der Rollos zeichnen Gitternetze über die Rauhfasertapete. Fast symbolisch für das nächtliche Gefängnis, dass uns umhüllt. Ich spüre meine Rippen. Ein Gast, der selten im Bewusstsein auftaucht. Die Bilder ziehen im Kopf Kreise. Licht und Schatten. Wir denken darüber nach, wie das früher alles so war. Die Flucht… Der Ausstieg… Unser letzter echter „Arbeitstag“ im organisierten Verbrechen.

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Der Freier

Du sagst du bist Freier
und damit hast du recht,
denn du darfst hier wählen
und ich sitz‘ hier fest.

Du nennst mich Nutte
und stempelst mich ab
und vergisst dabei ganz,
was mir den Namen gab.

Du frägst nicht nach dem Alter,
oder wie es mir geht,
weil all dein Interesse allein
an Körperöffnungen besteht.

Manchmal denkst du, du wärst anders,
denn du kommst nur zum Reden
und vergisst dabei eins:
Man kann auch sprechend Grenzen übertreten.

Egal was du tust,
immer bin ich dein Objekt,
dass für etwas Geld im Beutel
menschliche Schwächen überdeckt.

Ich bin dein Ausweg, deine Machttankstelle,
auf der Flucht vor dir selbst
und ich zahle mit Schmerzen,
wenn du mich bestellst.

Doch ich tue es ja gern
und natürlich mit freiem Willen,
anders könnte ich die Panik,
die du mir machst, gar nicht stillen.

Wenn mich nicht täglich Dissoziation
vor mir selbst bescheißen würde,
wären Männer wie du
eine riesige Hürde.

Niemals dürftest du mir nah sein
oder von deinen Gedanken erzählen,
denn dann hätte ich ja Selbstwert
und der liese mich wählen.

Doch es reicht dir,
wenn ich zerbrochen lachend
deinen Bedürfnissen genüge.
Für jedes andere Verhalten
kassier‘ ich ohnehin eine Rüge.

Ich bin dein Roboter,
von meinen Tätern, dazu gemacht
und ich gab mein Leben
für deine kurze Nacht.

Wie komm ich nur auf sowas!?
Es geht doch bloß um Lust und Spaß
und weil nicht sein kann, was nicht sein darf:
„War da was!?“

© Sofies viele Welten