Der Geschmack in meinem Mund beginnt sich zu verändern. Metallisch. Leicht blutig. Ich spüre nach innen und merke: Mein Nervensystem ist im Alarm.
Geschmack ist kein isolierter Sinn. Er entsteht aus dem Zusammenspiel von Geschmacksknospen auf der Zunge, Speichelzusammensetzung, Durchblutung der Mundschleimhaut, Geruchssinn, zentraler Verarbeitung im Gehirn (Insula, limbisches System, präfrontaler Cortex) und autonomem Nervensystem. Wenn Stress auftritt, greifen mehrere dieser Ebenen gleichzeitig ineinander.
Die Geschmackswahrnehmung kann sich deshalb bei Stressreaktionen verändern. Wenn das Nervensystem hochfährt, passieren unter anderem folgende Dinge:
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In Zeiten, in denen Gewalt und Missbrauch gesellschaftlich stärker diskutiert werden, erleben viele Betroffene eine paradoxe innere Bewegung: Während im Außen Sichtbarkeit entsteht, wächst im Inneren oft Unsicherheit. Nicht selten taucht dann ein Thema auf, über das kaum gesprochen wird — die Angst, den eigenen Erinnerungen nicht vertrauen zu können.
Dieses Erleben wird zunehmend als False Memory Anxiety beschrieben. Es geht dabei nicht um den Nachweis „falscher Erinnerungen“, sondern um den Zustand, in dem Menschen beginnen, ihre Wahrnehmung, Erinnerungsfragmente, inneren Bilder oder körperlichen Reaktionen permanent zu hinterfragen. Zweifel werden zum ständigen Begleiter: Was, wenn ich mich irre? Was, wenn ich etwas konstruiere? Kann ich mir selbst glauben?
Definition: False-Memory-Anxiety bezeichnet einen Zustand ausgeprägter Verunsicherung und Angst im Verhältnis zu den eigenen Erinnerungen, bei dem Betroffene beginnen, Erinnerungsfragmente, innere Bilder oder Körperreaktionen systematisch zu hinterfragen. Im Traumakontext kann dieser Zweifel unter anderem durch fragmentierte Erinnerung, intensive Trigger- oder Stressreaktionen sowie gesellschaftliche Diskurse über „falsche Erinnerungen“ verstärkt werden und zu erheblichem Leidensdruck, innerem Druck und Verunsicherung in Bezug auf die eigene Person führen. Der Begriff beschreibt dabei nicht die Falschheit von Erinnerungen, sondern den belastenden Zweifel an ihnen.
Um dieses Phänomen zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf mehrere wissenschaftliche und gesellschaftliche Ebenen, die zusammenwirken.
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Ich starre gedankenversunken aus dem Fenster. Immer wieder spiele ich meine Lebenszüge auf einem inneren Schachbrett durch. Wie steht wohl das Spiel? Bin ich dabei zu gewinnen oder habe ich eine Position des Gegners übersehen, die mich in Kürze platt macht.
Mein Ausstieg aus dem organisierten Verbrechen liegt nicht hinter mir. Er ist ein anhaltendes Lebensgefühl. Bei jedem neuen Schritt, denke ich das Täternetzwerk mit. Das „frühreife Mädchen“ ist erwachsen geworden. Eine junge Frau. Doch sie hält die angefolterte Struktur ihrer Kindheit gefangen: funktionieren, planen, taktisch vorgehen, Rollenverteilung, Hierarchien, Züge und Gegenzüge.
„Frühreif“ sei sie als Kind gewesen. „Ungewöhnlich erwachsen für ihr Alter“. Doch trotz des schweren sexuellen Missbrauchs und der extremen Gewalt, hatte die „Frühreife“ nur am Rande mit Sexualität zu tun. Oftmals ging es in geplanten Operationen mit einflussreichen Menschen um etwas ganz anderes.
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„Hilfst du mir bitte beim Kochen?“, ruft die Mutter. „Ich komme sofort“, tönt es aus dem Kinderzimmer.
Neben Schule und Hausaufgaben bleibt kaum Zeit, denn seit dem Kindergarten ist es die Pflicht des kleinen Mädchens, im Haushalt mit anzupacken – damit es ihr Vater schön hat, wenn er nach Hause kommt. Gute Frauen machen das so.
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Jeden Donnerstag treffen sie sich. Mein Vater und seine „Brüder“.
Sie versammeln sich, um ihre gemeinsame Ideologie zu stärken: ihre Werte, ihre Weltsicht, ihre „Ordnung“. Die Treffen folgen einem festen Ablauf – mit Symbolen, Rangstrukturen und Ritualen, die für alle Beteiligten selbstverständlich sind.
Kerzen werden entzündet. Bestimmte Texte werden vorgelesen. Alle wissen genau, wann man spricht und wann man schweigt.
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„Zieh dich aus.“ Ich verstehe nicht, aber mache trotzdem. „Auch die Unterhose.“ Er deutet dem kleinen Mädchen an, sich ins Bett zu legen. Ich krieche unter die Decke. Wortlos. Verwirrt. Innerlich fragend. Äußerlich wie erwartet. Bis er fertig ist. Danach geht der Alltag weiter. Genau so, wie auch die Gewalt Alltag ist.
Man könnte denken, es habe sich um „ganz normalen“ Missbrauch gehandelt. In der Situation selbst gab es keinen offensichtlichen Anhalt für ideologie geprägte Gewalt.
Bei genauerer Betrachtung jedoch muss man feststellen, dass es um das geht, was ich „implizite rituelle Gewalt“ nenne.
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Die meistbenutzte Argumentationslinie von Leugnern & Medien lautet:
„Die Täter glauben ja gar nicht wirklich an die Ideologie – das ist alles nur ein Fetisch.“
Dieser sogenannte Fetisch-Mythos ist heute eines der wichtigsten Einfallstore, durch die Ideologie von Täterstrukturen verharmlost, verschleiert und aus der öffentlichen Debatte gedrängt wird. Er dient als Rettungsanker für alle, die die Existenz ideologisch, ritueller Gewaltstrukturen leugnen möchten, obwohl Beweismittel, Abläufe und Symbolik eindeutig darauf hinweisen. Der „Fetisch-Mythos“ dient oft dazu, Strukturen organisierter Gewalt in der Gesellschaft abzuwehren.
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Steif stehe ich da und blicke auf meine kleine Kinderhand. Sie umschließt Markstücke und Pfennige, die mir mein Onkel soeben mit viel Kraft in die Hand gedrückt hat. Dann verschwand er aus der Tür. Gerade noch ist er mit einem Sturm der gewaltvollen Vernichtung über mich hinweggefegt, der mir noch Jahrzehnte später Tränen in die Augen treiben wird. Ich fühle mich leer und ausgelöscht. Messerscharf hat er mit seinen Worten meine gesamte kindliche Würde aus mir entfernt. „Wer will schon so sein und so aussehen wie du!?“, hallen seine Worte in mir nach. Nun bin ich in der Küche meiner Großeltern stehen gelassen. Was ich mit dem Geld soll, weiß ich in dem Alter noch gar nicht. In mir brennt nur der wahnsinnige Schmerz, den ich schlucken muss. Ich bin unerträglich und für alle eine Zumutung, also muss ich mich wenigstens anstrengen. Lächeln. Nicht weinen. Niemanden belasten. Mich fassen. Vielleicht umklammere ich das Geld deswegen so sehr und starre in meiner Verzweiflung darauf, weil ich hoffe, dass es mir sagt, wie das ganz leicht geht. Mein Onkel scheint sich damit von seinen Entgleisungen zumindest frei gekauft zu haben. Denn von dem Zeitpunkt der Übergabe an, tun alle so, als wäre nie etwas geschehen. Nur ich, ich stehe da: Allein, verwirrt, entwürdigt, leer, bezahlt dafür, jetzt ganz normal mit Alltag weiter zu machen, zu schweigen und mir von der soeben erlittenen Gewalt nichts anmerken zu lassen.
Mehr als dreißig Jahre später sitze ich in meiner Therapiestunde und weine Rotz und Wasser. In mir reihen sich die Bilder aneinander, in denen mir Geschenke gemacht wurden – um mich zu entwürdigen.
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Es ist Nacht. Ich bin wach. Mein Körper sucht Ruhe und hat doch Angst vor dem Schlaf. „Am Anfang war das Wort“, denke ich. Es gibt Worte, die werden zu selten ausgesprochen. Dazu gehören die Namen der Peiniger. Mein Wort hatte bereits einen Anfang. Vor mehr als 10 Jahren haben wir angefangen hier über unsere Geschichte zu schreiben. An unterschiedlichen Stellen haben wir in der Zwischenzeit Zeugnis von der erlittenen Folter abgelegt – zum Teil sehr detailliert. Doch eine Sache fehlt in der öffentlichen Auseinandersetzung weitestgehend: Konkrete Angaben zu den Tätern. Es gibt sie. Sie sind da. Doch ihr Stuhl steht leer im Raum. Unbesetzt. Als Platzhalter und Mahnmal. Sie teilen ihn sich. Denn obwohl sie viele sind, wird er nie gebraucht. Ihr gemeinsames Reservierungsschild: „Täter.“
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Im Beitrag setze ich mich kritisch mit der Verwendung von Freierzitaten in der Aufklärungsarbeit über Prostitution auseinander. Er beleuchtet, warum es einen entscheidenden Unterschied macht, ob Betroffene selbst über ihre Erfahrungen sprechen oder ob Organisationen Täterstimmen wiedergeben. Aus traumaethischer und menschenrechtlicher Perspektive wird hinterfragt, wie Aufklärung gelingen kann, ohne Gewalt erneut zu reproduzieren oder Betroffene zu entwürdigen.
Ich verstehe, was Aktivisten mit Freierzitaten bezwecken wollen und bin als ehemalige Betroffene trotzdem dagegen, diese Zitate von Freiern einfach so zu teilen. Das hat folgende ethische Gründe:
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