Die Namen der Peiniger

Es ist Nacht. Ich bin wach. Mein Körper sucht Ruhe und hat doch Angst vor dem Schlaf. „Am Anfang war das Wort“, denke ich. Es gibt Worte, die werden zu selten ausgesprochen. Dazu gehören die Namen der Peiniger. Mein Wort hatte bereits einen Anfang. Vor mehr als 10 Jahren haben wir angefangen hier über unsere Geschichte zu schreiben. An unterschiedlichen Stellen haben wir in der Zwischenzeit Zeugnis von der erlittenen Folter abgelegt – zum Teil sehr detailliert. Doch eine Sache fehlt in der öffentlichen Auseinandersetzung weitestgehend: Konkrete Angaben zu den Tätern. Es gibt sie. Sie sind da. Doch ihr Stuhl steht leer im Raum. Unbesetzt. Als Platzhalter und Mahnmal. Sie teilen ihn sich. Denn obwohl sie viele sind, wird er nie gebraucht. Ihr gemeinsames Reservierungsschild: „Täter.“

Warum benennen wir nicht?

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Die Traumabubble und das Dilemma der Gesprächskultur zu DIS und ritueller Gewalt

Mir fällt in der Traumabubble zunehmend auf, dass eine gewisse Gesprächskultur verloren geht – jene Form des Austauschs, die echte Reflexion, Perspektivenvielfalt und Nachdenklichkeit zulässt. Im Kern steckt die Community in einem Dilemma: Man darf weder die Verletzlichkeit Einzelner untergraben, noch problematische Inhalte ignorieren. Doch wer offen über persönliche Perspektiven spricht, riskiert schnell massive Anfeindungen.

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Freierzitate zu Prostitution und Menschenhandel – gelungener Aktivismus für Betroffene oder erneute Entmenschlichung!?

Im Beitrag setze ich mich kritisch mit der Verwendung von Freierzitaten in der Aufklärungsarbeit über Prostitution auseinander. Er beleuchtet, warum es einen entscheidenden Unterschied macht, ob Betroffene selbst über ihre Erfahrungen sprechen oder ob Organisationen Täterstimmen wiedergeben. Aus traumaethischer und menschenrechtlicher Perspektive wird hinterfragt, wie Aufklärung gelingen kann, ohne Gewalt erneut zu reproduzieren oder Betroffene zu entwürdigen.

Ich verstehe, was Aktivisten mit Freierzitaten bezwecken wollen und bin als ehemalige Betroffene trotzdem dagegen, diese Zitate von Freiern einfach so zu teilen. Das hat folgende ethische Gründe:

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Woher kommt das Motiv? – Verschwörungsmythen im Kontext okkulter Ideologie verstehen: Teil 1 – QAnon

QAnon entstand 2017 auf anonymen Internetforen wie 4chan und 8kun. Ein rätselhafter Nutzer mit dem Pseudonym „Q“ begann kryptische Nachrichten über die Machenschaften der US-Regierung zu posten. „Q“ behauptete, über geheime Informationen aus dem US-Regierungssystem zu verfügen („Q-Clearance“). Was zunächst wie ein harmloses Rätsel wirkte, entwickelte sich schnell zu einem globalen Mythos.

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Dissoziative Überbrückung verstehen: Symptome, Ursachen und ein neuer Blick auf Schutzreaktionen

Viele Betroffene von Trauma und Dissoziation kennen dieses Gefühl: Du siehst dich selbst handeln, obwohl dein Kopf klar sagt: „Hör auf!“ Du nimmst dich wahr wie in einem Film, kannst aber nicht eingreifen.

Dieses Phänomen ist kein Zeichen von Willensschwäche oder mangelnder Disziplin. Es ist ein Schutzmechanismus des Nervensystems, den ich „dissoziative Überbrückung“ nenne. Ein Überlebensmuster, das dich in der Vergangenheit geschützt hat – und heute in Stresssituationen automatisch aktiviert wird.

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Was bedeutet sicherer Raum für die Traumatherapie?

„Dafür braucht es einen sicheren Rahmen.“ Das Problem in der Traumatherapie: Der „sichere Raum“ wird oft theoretisch beschworen, aber praktisch nicht gelebt. Viele Fachkräfte sehen „sicheren Raum“ als Rahmenbedingungen (ruhiges Zimmer, wohlwollender Therapeut, Klinik mit Rufbereitschaft) – und vergessen, dass Sicherheit vor allem eine körperliche Erfahrung ist, nicht ein Konzept!

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Dissoziative Identitätsstörung im Baby- und Kleinkindalter: Alle ein bisschen multipel?

In Fachkreisen wird eine Entstehungsmodell der DIS immer populärer: Am Anfang unseres Lebens, so heißt es, wären wir in gewisser Weise alle multiple. Die Gehirnfunktionen würden alle noch getrennt voneinander ablaufen und sich erst im Laufe der Zeit so verbinden, zusammenwachsen und integrieren, dass letztlich eine Gesamtpersönlichkeit entsteht. Diesen Prozess würden frühkindliche Traumatisierungen unterbrechen, so dass sich später das Bild einer dissoziativen Identitätsstörung zeigen könne. Die Persönlichkeit wachse bei einer DIS einfach gar nicht erst richtig zusammen.

Wir wollen uns in diesem Beitrag kurz aufzeigen, weshalb die genannte Betrachtung für uns persönlich problematisch ist:

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Der Fall „White Tiger“ – internationales, satanistisches Netzwerk quält Kinder in Deutschland

Im Jahr 2021 begeht ein 13-Jähriger Teenager in Amerika augenscheinlich Selbstmord. Eltern schalten die Polizei ein. Ermittlungen führen zu einem Netzwerk, das schier unvorstellbar grausame Taten an Kindern, Jugendlichen und Tieren bis hin zum Mord begeht. Es wird klar: Der Suizid war Mord. 2023 informiert das FBI deutsche Behörden zu den Vorgängen. Im Visier steht ein inzwischen 20-jähriger aus Hamburg, der unter dem Pseudonym „White Tiger“ agiert. Er ist Teil einer international agierenden Internetgruppierung. Die Tatvorwürfe: Mord, versuchter Mord, schwerer sexueller Missbrauch von Kindern, Vergewaltigung und weitere Taten. Trotz der aus dem Ausland vorliegenden Daten des FBIs, müssen alle Ermittlungen in Deutschland im Jahr 2023 von vorne beginnen, um die Ergebnisse rechtssicher überhaupt vor Gericht verwerten zu dürfen. Bis zur Festnahme von „White Tiger“ dauert es deshalb bis Juni 2025 – 4 Jahre nach dem Mord und 2 Jahre nach den bereits bekannten Ergebnissen des FBIs! Bei der Hausdurchsuchung werden Betäubungsmittel, Tierleichen, Tierpräparate und 12 Terrabyte an Datenmaterial gefunden. Darunter Bildschirmaufnahmen und Livemitschnitte, in denen sich die kindlichen Opfer auf Anweisungen der Täter vor laufender Kamera zum Teil schwerwiegende Verletzungen beibringen mussten, Suizid begingen oder den Versuch unternahmen und sexuelle Handlungen tätigen mussten. Kinder, zum Teil noch Babys und Tiere werden sexuell ausgebeutet, grausam zu Tode gequält und ausgeweidet. Jan Hieber, Leiter des LKA stellt fest: Es handelt sich um ganz reale Gewalthandlungen! 8 Geschädigte des „White Tigers“ konnten inzwischen identifiziert werden, zwei davon aus Hamburg, eine aus Niedersachsen. Begangen wurden die Taten aus Mordlust und zur Befriedigung des sexuellen Geschlechtstriebs. Zu den Körperverletzungen gehörte auch das Einritzen von Symbolen oder Schriftzügen der Gruppierung in die Haut (Cut Sign) als Trophäe. 13.000 Kinderpornographische Daten sind inzwischen ausgewertet. Hunderttausende müssen noch mit enormen Aufwand gesichtet werden. Polizeipräsident Schnabel weist bei der Pressekonferenz darauf hin, dass das betriebliche Gesundheitsmenagment den Ermittlern psychologische Unterstützung zur Seite gestellt habe, um die Folgen der Auswertung zu minimieren und macht gleichzeitig darauf aufmerksam: Die Opfer sind völlig ungeschützt und zum Teil noch nicht einmal identifiziert.

Wie genau agiert nun diese Tätergruppierung? Was können wir daraus für den Opferschutz und über rituelle Gewalt lernen:

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Diagnose DIS –

Wie können sinnvolle Gespräche zur DIS-Diagnose gelingen, in denen schwierige Aspekte angesprochen werden, ohne Betroffene zu stigmatisieren? Was braucht es, um sinnvoll ins Gespräch zu kommen, statt unsinnige Kontroversen wie eine kaputte Schallplatte zu wiederholen?

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„Blinder Fleck“ – eine Klinikfachtagung für oder gegen Betroffene!?

Liz Wieskerstrauch, die Regisseurin des Kinofilms „Blinder Fleck“, wurde von den Kitzberg-Kliniken darum gebeten eine dreitägige Fachtagung zu konzipieren, auf der die DIS kontrovers diskutiert wird (Quelle: @blinder_fleck_kinofilm Instagram). Der Titel „Trauma oder Suggestion“ lässt nicht unbedingt etwas gutes erahnen.

Ist das nun gut oder schlecht!? Passiert so Arbeit für Betroffene? Meine Gedanken:

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