Lena Jensen – Opferberichterstattung zwischen Glauben und Zweifel

„Irgendwie hatte ich an manchen Stellen ein komisches Gefühl – aber ich wollte nicht die Person sein, die ein mögliches Opfer infrage stellt. Also habe ich es weggeschoben.“

Ob solche Zweifel berechtigt sind oder nicht, lässt sich im Einzelfall oft gar nicht eindeutig objektiv klären. Und genau darin liegt das Dilemma: Zwischen dem Wunsch, Betroffenen zuzuhören, und der Unsicherheit, wie mit Irritationen umzugehen ist.

Auch im Zusammenhang mit der Influencerin Lena Jensen, deren öffentlich geschilderte Missbrauchserfahrungen zuletzt zunehmend diskutiert werden, taucht dieser Gedanke derzeit häufiger auf. In sozialen Medien und einzelnen Berichten werden dabei Widersprüche und offene Fragen zu ihren Aussagen thematisiert – eine abschließende Klärung und Einordnung steht jedoch bislang aus.

Die Zurückhaltung bei der Kritik von Opfern ist verständlich. Denn wer Zweifel äußert, riskiert schnell, auf der falschen Seite zu stehen: als unsensibel, als „Victim Blamer“, im schlimmsten Fall als jemand, der strukturell dazu beiträgt, dass Betroffenen nicht geglaubt wird.

Und doch bleibt die Frage: Darf man Zweifel haben – und wenn ja, wie geht man verantwortungsvoll damit um?

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Die Traumabubble und das Dilemma der Gesprächskultur zu DIS und ritueller Gewalt

Mir fällt in der Traumabubble zunehmend auf, dass eine gewisse Gesprächskultur verloren geht – jene Form des Austauschs, die echte Reflexion, Perspektivenvielfalt und Nachdenklichkeit zulässt. Im Kern steckt die Community in einem Dilemma: Man darf weder die Verletzlichkeit Einzelner untergraben, noch problematische Inhalte ignorieren. Doch wer offen über persönliche Perspektiven spricht, riskiert schnell massive Anfeindungen.

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Konkurrenzkampf unter Opfern ritueller Gewalt – Victim Blaming, Mobbing und der Kampf um die wahrere Geschichte

Gestern haben wir darüber geschrieben, wie groß und paradox die gesellschaftlichen Anforderungen an Opfer sein können und dass es im Grunde nicht möglich ist ihnen gerecht zu werden. Gewaltbetroffene und traumatisierte Menschen sind immer wieder Anfeindungen ausgesetzt und werden sowohl mit ihren Aussagen, als auch als Person, hinterfragt. Häufig besteht bei den Opfern ein hoher Rechtfertigungsdruck für die eigene Wahrnehmung und das Gefühl die persönliche Geschichte beweisen zu müssen. Nach unserem Empfinden potenziert sich dieser Druck nocheinmal, wenn es um Schilderungen organisierter und ritualisierter Gewalt geht. Nun sollte man meinen, dass sich zumindest Betroffene untereinander unterstützen, weil sie das innere Erleben aus der eigenen Geschichte heraus irgendwie nachvollziehen können. Die Realität sieht leider immer wieder anders aus. Auf diversen Plattformen wird dann von ebenfalls Betroffenen diskutiert, ob die Geschichte einer bestimmten anderen Betroffenen stimmen kann. Gepostete Beiträge werden auf Widersprüche durchforstet, analysiert und daraufhin bewertet, ob man sie für glaubhafte Schilderungen eines echten Opfers ritueller Gewalt hält. Aber warum ist das so? Weshalb dieser Konkurrenzkampf statt Schulterschluss!? In den folgenden Zeilen wollen wir euch an unseren Gedanken, Ängsten und Erfahrungen zu diesem Thema teilhaben lassen.

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