Lena Jensen – Opferberichterstattung zwischen Glauben und Zweifel

„Irgendwie hatte ich an manchen Stellen ein komisches Gefühl – aber ich wollte nicht die Person sein, die ein mögliches Opfer infrage stellt. Also habe ich es weggeschoben.“

Ob solche Zweifel berechtigt sind oder nicht, lässt sich im Einzelfall oft gar nicht eindeutig objektiv klären. Und genau darin liegt das Dilemma: Zwischen dem Wunsch, Betroffenen zuzuhören, und der Unsicherheit, wie mit Irritationen umzugehen ist.

Auch im Zusammenhang mit der Influencerin Lena Jensen, deren öffentlich geschilderte Missbrauchserfahrungen zuletzt zunehmend diskutiert werden, taucht dieser Gedanke derzeit häufiger auf. In sozialen Medien und einzelnen Berichten werden dabei Widersprüche und offene Fragen zu ihren Aussagen thematisiert – eine abschließende Klärung und Einordnung steht jedoch bislang aus.

Die Zurückhaltung bei der Kritik von Opfern ist verständlich. Denn wer Zweifel äußert, riskiert schnell, auf der falschen Seite zu stehen: als unsensibel, als „Victim Blamer“, im schlimmsten Fall als jemand, der strukturell dazu beiträgt, dass Betroffenen nicht geglaubt wird.

Und doch bleibt die Frage: Darf man Zweifel haben – und wenn ja, wie geht man verantwortungsvoll damit um?

Weiterlesen