Die Suche nach der Quelle

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Es ist ein neblig verschneiter Tag.
Ich mache mich auf, um eine Quelle zu suchen, die unweit von hier entspringen soll. Mehrmals habe ich bereits versucht sie zu finden. Bislang ohne Erfolg. Alles was auf Ihre Existenz hinweist, ist eine Bildtafel, an einer Wegkreuzung. Wenige Meter weiter, verliert sich ihre Spur. Die Beschilderung endet. Zwei einheimische Spaziergänger erklärten mir bei der letzten Wanderung die grobe Richtung. Damit versuche ich nun den Ursprung zu finden.
Nach kurzer Zeit des Laufens steil bergab durch den Wald und über ein Feld höre ich schließlich ein Bächlein plätschern. „Über den Bach drüber und schon sind sie da“, höre ich in Gedanken die alten Auskünfte. Doch dort ist nicht mehr, als eine Wegkreuzung mit widersprüchlichen Beschilderungen. Die eine Tafel zeigt nach links, die andere nach rechts. „Was stimmt denn nun“, denke ich verwirrt. Schließlich entscheide ich mich, für heute einer Richtung zu folgen und bei Bedarf einen neuen Ansatz zu machen, sollte ich mein Ziel nicht erreichen. Irgendwann ist der Wald zu ende und auch der Wanderweg. Quelle sehe ich keine. Ich kehre um.
Zurück an der Kreuzung laufe ich noch ein kurzes Stück in die entgegengesetzte Richtung, in der Hoffnung, doch noch etwas zu entdecken. Dann trete ich erfolglos den Rückweg an.

Während ich einen Fuß vor den anderen setze, denke ich nach.
Die Quelle habe ich nicht gefunden, aber was sagt mir das?ice-3051195_1920
Manchmal gibt es im Leben nur Symptome ohne erkennbare Ursache, genau so, wie die Schilder und der plätschernde Bach das Symptom einer Quelle sind. Den Ursprung wirklich zu finden kann manchmal schwierig sein, selbst wenn man genau weiß, wonach man sucht. Er ist über die Jahre gut versteckt im Dickicht.
Wir Menschen denken oft, es wäre etwas besonders die Gründe für etwas zu kennen oder das würde uns handlungsfähiger in der Gegenwart machen. Nicht selten fangen wir sogar an die eigenen Wahrnehmung zu bezweifeln, wenn wir den Ursprung unseres Handelns und Fühlens nicht sofort erfassen können. Aber ist denn der Fluss weniger da, nur weil ich die Quelle nicht gefunden habe?
Ich bin darüber gelaufen, seinen Spuren gefolgt, habe ihn berührt, mit meinen Händen in das kalte Wasser gefasst und wäre auf den matschigen Wegen mehrfach fast ausgerutscht. Niemals käme ich auf die Idee ihn in seiner Existenz zu negieren, geschweige denn die Quelle.
Mit meinem Leben sieht das anders aus.
Oft bin ich durch den Schlamm gekrochen, durch die Sümpfe meiner Seele gewatet, habe den Atem des Schreckens gerochen, mein Herz vor Schmerzen bersten spüren, Bilder von Qualen zerhämmerten meinen Kopf und schließlich habe ich vor Verzweiflung geweint.
Weshalb?
Die Quelle so vieler Dinge kenne ich nicht, habe nur eine grobe Ahnung, dass sie existiert und aus welchen Wassern sie besteht. Ihre Folgen und Symptome dagegen nehme ich eindrücklich wahr.
Für meine Seele griff hier in der Vergangenheit häufig ein Fluß-Quell-Paradox:
Ist dann vielleicht alles gar nicht passiert? Oder bilde ich mir die Schmerzen gar nur ein? Bin ich Faul? Undankbar?  Verrückt? Gibt es Überhaupt eine Quelle.
Statt die Abspaltung der Quelle zu akzeptieren, wird die gesamte Erfahrung ausradiert. Das widerspricht jedoch einem Naturgesetz.
Das ist in etwa so, als würde ich nach dem Spaziergang sagen, ich war nie in diesem Wald und habe mir den Fluss wahrscheinlich eingebildet, nur weil ich nicht an seinem Ursprung war.

Jeder Fluss hat seine Quelle. Er führt das gleiche Wasser, wie sie. Dabei ist es egal, ob man seinen Ursprung bewusst kennt. In seinem Sein zeigt sich dieser von ganz allein. Es wird Zeit den Symptomen zu vertrauen. Sie beweisen die Existenz der Quelle.
Woraus sonst würde der Bach gespeist?

Was uns die Bachblüten über das Leben erzählen – Agrimony

Ich sitze auf meinem Bett und höre zu, wie mir eine mehr als flüchtige Bekannte erzählt, dass sie sich einfach nicht zeigen kann. Sie traue sich nicht ihre Maske abzulegen und sichtbar werden zu lassen, wie schlecht es ihr gehe. Niemand kenne sie wirklich. Dabei leide sie wie ein Hund. Nach Außen sei sie dennoch die strahlende Puppe.

Ohne großartig nachzudenken, fällt mir die Bachblüte „Agrimony“ ein. Echt zu sein, ist ihr großes Thema. Aufhören der Welt etwas vorzumachen und zu sich selbst zu stehen.
Nach einigen Sätzen verklingen die Erzählungen im Raum. Ich wende mich anderen Dingen zu, wohl auch, weil ich ihr derzeit gar nicht mehr helfen will. Bevor ich wieder bei Anderen sein kann, muss ich selbst Kraft tanken.
Die Gesprächsinhalte verhallen.

Was in meiner Seele hängen bleibt, ist die Präsenz des gemeinen Odermennigs. Ich spüre der gelben Blume nach. Es ist, als sage sie sanft, aber bestimmt: „Sei ehrlich! Hör auf dich zu verbiegen! Es gibt keinen Grund alles mit sich selbst auszumachen.“
Hmm,… aber darf ich das?
Die Welt besteht wohl auch aus dunklen Stunden. Das lässt sich nicht vermeiden. Man kann weder davor, noch vor sich selbst fliehen. Die Frage ist, wie man damit umgeht und ob Konflikte sichtbar werden dürfen, wenn sie auftreten.
Aber diese Erwartung an das Dauerlächeln wird nicht erst bei Konflikten spürbar. Wie oft haben wir es erlebt, dass uns jemand eine Freude machen wollte, wir uns aber so gar nicht darüber gefreut haben… eigentlich… Denn was wir spürten ist die innere Wunschhaltung an uns und die Traurigkeit, die wir auslösen würden, wenn wir „echt“ reagierten.
Wir haben in der Vergangenheit viel daran gearbeitet wieder mehr wir selbst sein zu dürfen und unsere Gefühle so zu zeigen, wie sie sind. Dennoch verstecken wir uns manchmal mit dem geheimen Seelenschmerz vor der Umgebung.
Im inneren halten wir noch einmal kurz das Bild der Pflanze vor unserem geistigen Auge. „Hab Mut du selbst zu sein! Du bist das Beste was dir passieren kann!“

Drei Tropfen in einem Wasserglas, werden zur heilsamen Begleitung zum Selbst.
Sichtbar sein als ganzes.
Agrimony als Essenz des Seins.

Bullet-Journal-itis

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Die Sonrisas vom Distanzblog haben uns angesteckt. 😊
Sie haben auf ihrem Blog verschiedene Ideen zur Gestaltung eines Notizbuches für Menschen mit Traumafolgestörungen und DIS eingestellt.
Interessierte finden die wirklich tollen Entwürfe hier:
• „Organisation für komplexe Traumafolgestörungen 1“
• „Organisation für komplexe Traumafolgestörungen 2“
• „Organisation für komplexe Traumafolgestörungen 3“
• Unter den passwortgeschützten Beiträgen sind auch noch Anregungen dabei.

Da wir so begeistert waren, haben wir uns mittlerweile auch ein kleines Büchlein besorgt und angefangen darin zu schreiben. Bislang haben wir auf den klassischen Kalender und die Wochenübersichten verzichtet. Wir freuen uns einfach, wenn wir auf diese Weise mehr miteinander ins Gespräch kommen. Die lästigen Termine tragen wir in einen separaten Kalender ein, um sie nicht zum Hemmnis werden zu lassen, das Journal zur Hand zu nehmen. Gestern haben wir wichtiges für unsere Therapie darin festgehalten. Heute kam die Seite für schöne Momente dazu. Bei den „Happy Moments“ wollen wir kleine Glücksmomente festhalten. „Zeit für uns“ bietet den Wortraum uns bewusst mit unserem für Innen zu beschäftigen, gemeinsam ein Buch zu lesen oder etwas anderes zu unternehmen.

Wir sind gespannt, was sich im Laufe der Zeit noch so ergibt.
Vielen Dank liebe Sonrisas für diese Anregung! ❤️

Herzogin Kartoffeln mit Roter Bete

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Manchmal muss es bei uns einfach schnell gehen. Wenn es mir nicht gut geht, habe ich oft keine Kraft lange am Ofen zu stehen.
Heute haben wir uns deshalb für ein nicht ganz selbst zubereitetes Gericht entschieden. Bei den Herzogin Kartoffeln haben wir auf das fertige Produkt von Edeka zurück gegriffen. Das schmeckt uns von den Discountprodukten am besten. Es geht natürlich auch jede andere Sorte.

Die rote Bete haben wir klein geschnitten. Um uns die Finger nicht einzufärben, haben wir sie einfach in den Quickchef von Tupper geworfen und mit ein paar kräftigen Zügen durch’s Messer gejagt. Danach haben wir die Bete in einem kleinen Topf mit Sahne gekocht. Zum Würzen haben wir uns für ein Lorbeerblatt, etwas Salbei, Salz und Pfeffer entschieden. Weißer Balsamico rundet den Geschmack ab. Nach ein paar Minuten ist die rote Bete gar und man kann das cremige Gemüse essen.

Die Zutaten im Überblick:
– Drei Rote Bete (geht auch bereits gekocht)
– 200g Schlagsahne
– 1 Lorbeerblatt
– 1 Zweig Salbei
– 3 EL weißer Balsamico
– Salz
– Pfeffer

Beilagen nach Belieben. In unserem Fall z.B. die Herzoginkartoffeln.

Guten Appetit! 🍴 😊

Bunte Ärztekiste

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Ich sitze beim Arzt im Wartezimmer.
Neben mir niest und schnupft es. „Sei standhaft“, feuere ich mein Immunsystem an.
Ich brauche nur ein Attest. Ich sitze am Fenster und schnappe nach Frischluft. Meine Augen kleben an den Buntstiften, während meine Gedanken Kreise ziehen.

„Wird alles so laufen, wie wir uns das derzeit ausmalen?“
Wir wollen nach Dresden und wissen doch eigentlich gar nicht wie es da ist, wohl aber wie es sein sollte… Ich wünsche mir dort in meiner Vielfalt sein zu können. Aber klappt das, wenn die Therapeutin am Telefon sagt, dass sie hauptsächlich über den ANP arbeiten, um die Spaltung nicht zu vergrößern? Das hab ich mir anders vorgestellt… Ich verkneife mir den Kommentar, was ich von so einer Aussage halte. 🙄
Ich möchte am liebsten in die Klinik, um hinterher geheilt ganz normalen Alltag zu leben. Je länger ich darüber nachdenke, desto unrealistischer erscheint mir das…

Es wird wohl eher ein Prozess.

D-Mannose bei Blasenentzündung

Seit wir denken können haben wir Probleme mit Blasenentzündungen. Früher so schlimm, dass wir spätestens alle sechs Wochen Antibiotikum brauchten. Zwischenzeitlich hatten wir das nun zumindest soweit im Griff, dass wir über unser Stresslevel gegensteuern konnten und dadurch deutlich seltener Beschwerden hatten. Am Wochenende allerdings schlug die Entzündung in der Nacht von Samstag auf Sonntag richtig zu. Die Blase schmerzte, wir hatten ständig Harndrang und jeder Toilettengang war eine Qual.
Was also tun?
Da von unseren Ärzten niemand Dienst hatte, suchten wir die Notdienstapotheke auf. Wir wollten uns etwas besorgen, das die Symptome lindert, bis wir am Montag zum Arzt können. Über den alleinigen Erfolg unserer Maßnahmen waren wir skeptisch, da wir schon früher sämtliche alternative Methoden von Cranberrys bis Bärentraubenblätter ausprobiert haben. Bis zu einem gewissen Grad haben wir gute Erfolge damit erzielt. Über die leichten Anfänge einer Blasenentzündung waren wir zu dem Zeitpunkt aber schon deutlich hinaus…

Der Apotheker hat uns ein Produkt empfohlen, dass als Wirkstoff D-Mannose enthält. Dabei handelt es sich um einen Zucker, der vom Körper nicht verstoffwechselt wird. Er wird über die Nieren wieder ausgeschieden und ist auf seinem Weg durch den Körper in der Lage die Bakterien in Blase und Harnwegen zu binden. Auf diese Weise können sie sich nicht mehr an der Blasenwand anlagern und die schmerzhafte Entzündung verursachen.
In meinem Fall sollte ich die D-Mannose drei mal täglich als Trinkpulver einnehmen. Das schmeckt angenehm nach Himbeere. Ganz billig war das Präparat nicht. Auf meiner nachträglichen Recherche im Internet habe ich aber auch schon günstigere Varianten gefunden. Auch bei DM soll es ein ähnliches Produkt geben, allerdings mit geringerem Wirkstoffgehalt.

Einen Tag später bin ich erstaunt und begeistert. Meine Blasenentzündung ist so gut wie gar nicht mehr wahrnehmbar. Geblieben ist nur ein ganz leichtes Ziehen am Ende des Wasserlassens. Vermutlich wird sich auch das im Laufe des Tages noch legen. Ich bin froh diesmal nicht auf Antibiotikum zurückgreifen zu müssen. So dankt mir auch mein ohnehin entzündeter Darm. Das Pulver werde ich noch einige Tage weiter nehmen. Da es auch vorbeugend wirksam sein kann und keine Nebenwirkungen hat, überlege ich gerade, ob ich es anschließend in geringer Dosierung weiter verwende. Auf dem Beipackzettel wird diese Möglichkeit bei chronischer Blasenentzündung beschrieben.
Für‘s erste bin ich mehr als zufrieden mit dem Produkt.

Diagnostikvorläufer

Am Donnerstag waren wir in einer Klinik mit Traumaambulanz, um mal wieder Diagnostik zu machen. Hintergrund zu dem ganzen Aufwand ist die Antragstellung für einen Klinikaufenthalt. Die Therapeutin in der angestrebten Klinik hat uns in einem Gespräch mitgeteilt, dass es für den Antrag in unserem Fall wichtig wäre, bereits eine gesicherte Diagnose beizulegen. Dann wäre zum einen die Auswahl an alternativ möglichen Kliniken geringer, zum anderen könnte mich aber auch die Traumaklinik direkt auf die DIS-Station einordnen.
„Kein Problem“, war mein erster Gedanke. „Schwerer, als ich mir das vorgestellt habe“, mein zweiter nach einigen anrufen. Die erste Therapeutin, die die Diagnose vor über 10 Jahren gestellt hat, arbeitet nicht mehr und ist auch nicht anderweitig erreichbar. „Ok, gut. Es gab ja auch noch welche nach ihr“, beruhige ich mich. Ich greife also zum Hörer und wähle weiter. Eine Andere ist derzeit schwer an Krebs erkrankt und nicht in der Lage etwas auszustellen. Der angebotene Schrieb einer Beratungsstelle ist nicht ausreichend. Die Psychotherapeutin an meiner vierten Anlaufstelle, sagt zu mir etwas zu schreiben, wäre aber froh, die Testdiagnostik der Traumaambulanz in der ich vor einigen Jahren vorstellig war, zusätzlich mit einbeziehen zu können. Das würde der Diagnose zusätzlich Gewicht verleihen. Also rufe ich auch dort an und bitte um die Übersendung der Unterlagen. Das geht jedoch nicht so einfach, weil dort die Therapeutin, die damals die Diagnose gestellt hat, nicht mehr arbeitet und Dritte den Befund nicht schreiben können, ohne mich jemals gesehen zu haben. Nach längerer Diskussion, dass doch Patientendaten nicht einfach nicht mehr greifbar sein können, weil das Personal wechselt, lädt man mich kurzfristig zu einem Termin ein, in der man die Diagnostik wiederholt. Soweit also die Vorgeschichte zu dem Termin in der Ambulanz.

Was lernen wir daraus:
Man sollte sich seine Diagnosen immer im Laufe der Therapie mindestens einmal schriftlich bestätigen lassen, auch wenn man das zu dem Zeitpunkt nicht braucht. Man weiß nie, wofür es mal gut ist.

In der Traumaambulanz ist man sehr freundlich zu uns. Die Ärztin und Psychotherapeutin, die für uns eingeteilt wurde, ist mit unserem Anliegen direkt bestens vertraut. Sie hat die alten Akten vor sich liegen und sich eingelesen. Mit Ruhe beginnt sie die erneute Diagnostik. An Zeit mangelt es nicht. Das empfinden wir als sehr positiv. Wir arbeiten uns durch mehrere Fragebögen. Anschließend klärt sie im freien Gespräch Dinge, die ihr zusätzlich wichtig erscheinen. Am Ende kann sie die Diagnose ihrer früheren Kollegin bestätigen. Die DIS ist eindeutig. Dazu kommen andere Probleme, wie etwa eine Essstörung und Depressionen.

Wir sind froh, dass wir das gemacht haben. Der Umgang in der Ambulanz mit uns, hätte nicht besser sein können. Das Vorgehen können wir auch für unsichere DIS-ler, die endlich eine sichere Diagnose wollen, nur empfehlen. Auch im Nachgang zum Termin bekamen wir direkt Unterstützung angeboten.
Trotzdem schlauchen uns die Folgen des Untersuchungsgesprächs immer noch. Wir sind seit Tagen komatös müde, können uns kaum auf den Beinen halten und kämpfen mit starken Schmerzen. Zumindest hat sich der Termin aber auf unserem Weg zur Traumaklinik gelohnt. 😊

Wenn‘s mal wieder gar nicht rund läuft…

“Don‘t let the Muggles get you down!“

Ronald Weasley in „Harry Potter“ von
J. K. Rowling

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An manchen Tagen hilft nur die Magie eines guten Buches, das uns fortträgt in die wunderbare Welt der Fantasie. Harry Potter steht bei uns da ganz oben auf der Liste. Wir kennen ihn zwar schon in- und auswendig, aber wir lieben die Sprache und die Bilder, die er in uns zaubert jedes Mal auf’s Neue.

Einen Teelöffel Worte

Ich sitze hier und nuckle kopfüberfüllt am Strohalm der Capri-Sonne mit Orangengeschmack. Genau genommen ist es keine echte, sondern eine billigere Variante und noch genauer genommen habe ich längst den Überblick verloren, wer hier eigentlich in diesem Moment alles sitzt. Das angebliche Fruchtsaftgetränk schmeckt. Jetzt ist es zu allem Überfluss aber leer.
Ich werfe das ausgesaugte Plastikdingens unachtsam vor mich auf den Tisch. Meine Hände suchen im Kühlschrank hinter mir nach einem Joghurt. Sie finden ihn schließlich auf der obersten Ebene. Während kleine Finger mit Mühe die Abdeckfolie aufziehen und beginnen mit dem Teelöffel in der Creme-Matsche mit Mandeln herumzustochern, weil sie weder aussieht noch schmeckt wie Fruchtzwerge, begegnen sich im Innen unsere Gedanken.

„Na, heute schon gelebt?“, fragt mich ein Jugendlicher flapsig.
Die Frage kommt irgendwie überraschend. „Öhm, naja, also,… wie man’s nimmt“, antworte ich.
„Gut, dass du das so genau weißt“, lacht er. „Wie kommt’s, dass du hier drin rumhängst?“
„Ja, wie kommt das eigentlich?“, denke ich für mich selbst noch einmal. „Irgendwie war da die Limo, das Joghurt und ein stiller Moment und dann wollte ich einfach mal sehen, was in mir so los ist.“
Während ich weiter versuche mich auf das Gespräch zu konzentrieren, machen sich Kopfschmerzen und Müdigkeit breit. Ich wandere mit dem Laptop zum Bett. Die Katze war vor mir da und hat größere Teile davon bereits besetzt. Ich kuschle mich dennoch dazu.
Über den Kopfschmerzen verliere ich den direkten Draht nach innen. Für mich wirkt alles Durcheinander. Für andere Innens scheint es geregeltes Chaos zu sein.
Je bewusster ich versuche mir Zeit für das „Wir“ zu nehmen, umso schwieriger wird es jedoch. Meine Augen beginnen zu krampfen und zu zucken. Bald will ich einfach nur noch schlafen.
„Ich wünsche allen eine gute Nacht“, verabschiede ich mich.
Ein kleines „Gute Nacht“ hallt zurück.
Dann beende ich das bewusste Gespräch, rutsche einfach aus meiner sitzenden Position nach unten und lege mich zum Ausruhen auf die Seite.
Es ist spät und ich kenne den Mechanismus bereits. Für heute gebe ich nach.
Morgen ist ein neuer Tag, mit einer neuen Chance sich kennen zu lernen.

Die Dimension der Heilung

„Es ist wie bei einem Schock. Alle Energie zieht sich von den Extremitäten zurück, um nur noch die lebenswichtigen Organe zu versorgen. Bei Ihnen ist es gerade ähnlich. Das was passiert ist, war einfach zu viel. Es ist keine Kraft mehr da, sich um das Außen und den Alltag zu kümmern. Ihre Seele hat jetzt andere Prioritäten. Sie braucht die Energie um ihr Innerstes zu erhalten und zu heilen.
Der einzige Unterschied zum investierten Kraftaufwand ist, dass sie dafür leider keinen Uniabschluss oder besondere Auszeichnungen im Außen bekommen. Was sie leisten ist dadurch weniger sichtbar, aber gewiss nicht weniger wertvoll für Sie selbst und unsere Gesellschaft.“ 

Diese Worte meiner Therapeutin haben mich sehr bewegt. Sie bringen sehr gut auf den Punkt, worum es in meiner Situation derzeit und im Leben vieler traumarisierter Menschen geht. Alltagseinbrüche heißen Heilung. Die Anerkennung im Außen dafür fehlt leider häufig.
Neulich habe ich ein Zitat gelesen:
„Jede Frau, die sich selbst heilt, heilt alle Frauen, die vor ihr da waren und all die, die nach ihr kommen.“  
Der Verfasser ist mir leider unbekannt. Gefunden habe ich es hier.
In meinem Herzen gibt es einen Teil, der sich über diese Aussagen freut. Sie zeigen die gesellschaftliche Dimension, die mutige Frauen mit ihrer eigenen Heilarbeit leisten und machen klar, dass Selbstwerteinbrüche nicht sein müssen. Im Gegenteil, sie können stolz auf ihre Courage sein, die sie mitbringen ihren Themen ins Auge zu blicken. Vielleicht sind andere Überlebende, genau wie ich im Moment, über manche Strecken nicht dazu in der Lage, auch noch einen Beruf zu managen oder normalen Alltag zu leben. Sie werden nicht für ihre seelischen Glanzleistung bezahlt und müssen unter Umständen, auf die Versorgung durch den Staat zurückgreifen. Manchmal fallen dann auch noch blöde Sprüche. Man fühlt sich schlecht anderen auf der Tasche zu liegen. Aber hey – es ist ok, dafür aus der Gemeinschaftskasse bezahlt zu werden, dass man Themen therapiert, für die der Staat zu feige ist und sonst keine Lösungen anbieten kann. Für die er es noch nicht einmal hinbekommt, geeignete Therapiemöglichkeiten zu schaffen. Damit meine ich jetzt nicht nur die mangelhaften „Ich stell dich auf die Beine“-Angebote in Kliniken die lediglich funktionierfähig machen sollen. Um Aufarbeitung geht es kaum. Wer das Trauma deckeln kann, gilt als gesund. Was, wenn ich mehr erwarte!? Ich möchte nicht Krankenkassenfinanziert lernen dauerzuverdrängen. Ich möchte mit Empathie und Herzlichkeit auf meine Wunden schauen dürfen. Begleitet. Von Menschen, die Ohnmacht und Schmerz aushalten können und nicht ihre Ziele an mir verwirklichen wollen/müssen.

Das Geschenk der heilenden Frauen an diese Welt ist ein ganz besonderes:
Sie bringen Stück für Stück die Emotionen zurück und ein gesundes Selbst- und Menschenbild in dem euere Kinder sicher aufwachsen.