Glauben als Entscheidungsfrage

In den letzten Tagen haben wir viel über das Thema des sich selbst glaubens nachgedacht. Begonnen hat alles mit einer sehr intensiven Therapiestunde. Wir arbeiteten daran eine Erinnerung zusammen zu setzen. Mittlerweile kennen wir uns gut genug, dass wir wissen, dass die Zweifel bzw. ein starkes Hinterfragen immer zeitgleich mit intensiver Innenarbeiten auftauchen. Der Umstand beeinträchtigt uns nicht mehr derart stark, als er das am Anfang unserer Therapie tat. Damals war dadurch nicht nur keine Innenarbeiten möglich, sondern oft genug auch unser Leben durch Suizidgedanken bedroht, weil wir miesen Lügner bestimmt kein Leben verdient hätten. Nach langer Auseinandersetzung lag der entscheidende Durchbruch in einem Kompromiss. Wir wollten gemeinsam neutral auf die Bilder und Gefühle in unserem Kopf schauen, ohne sie als wahr oder unwahr zu bewerten. Das konnten die Leute, deren Job es war um unser Leben zu zweifeln, mittragen. Von dem Zeitpunkt an konnten wir in der Therapie anfangen über unsere inneren Vorgänge zu sprechen, ohne derart heftige Folgen aus Zweifelgründen zu bekommen. Die Glaubensfragen klopften zwar immer wieder an, aber ohne das extreme Ausmaß.

Gestern war etwas neu. Ich sprach über die Teile einer Erinnerung, die ich wusste und darüber, dass es darin eine Stelle gibt, an der das „Filmbild“ wie bei einem unsauberen Schnitt springt. Ich sprach über die Angst, nicht mehr in die Situation hineininterpretieren zu wollen, als wirklich war, aber dass die Stelle nun mal nicht ganz rund ist. Da können wenige Sekunden fehlen, Minuten oder Stunden, aber irgendetwas fehlt.
Und dann spürte ich das kleine Mädchen, das damals betroffen war. Es war schrecklich alleine und extrem verwirrt und ich saß da und bemühte mich die neutrale Position zu halten, um überhaupt tiefer hinschauen zu können, ohne dass in meinem Kopf Chaos ausbrach. Dann schwabbte mich ihre Gefühlsflut weg. Wir saßen vor unserer Therapeutin und schluchzten tränenüberströmt. Nach einiger Zeit sagte ich heiser: „Vielleicht wollen wir uns auch einfach glauben! Sie hat doch sonst niemanden. Wir können uns doch nicht auch noch selbst im Stich lassen. Wir wollen uns einfach dafür entscheiden.“ Dann legte ich den Arm um das kleine gequälte Mädchen.
Seitdem ist innen etwas anders. Immer wieder nehme ich das Kind in den Arm und versuche da zu sein. Weil ich es so möchte. Weil wir ihr glauben wollen. Weil es sowas von unfair wäre diesem Leid mit Neutralität zu begegnen.

Mir ist darüber etwas bewusst geworden. In das Thema „Glauben“ spielen sicher mehrere Bereiche hinein. Wir machen viel von der direkten Faktenlage abhängig, ermitteln oft unerbittlicher in uns, als jede Polizei es je tun könnte und machen es uns nicht leicht unsere Wahrheit zu erkunden. Letztlich gibt es aber einen Punkt, an dem muss man sich einfach entscheiden. Dabei ist die Faktenlage zweitrangig. Da geht es nur um die innere Grundhaltung, die man einnehmen möchte. Das ist genau so, wie andere Menschen sich dafür oder dagegen entscheiden Opfern von diesen Taten zu glauben oder auch nicht. Ich muss einen Standpunkt dazu beziehen, ob ich mich verlassen will oder an meiner Seite bleiben. Wir müssen das. In Anbetracht des Leides, das sich jeden Tag vor unseren inneren Augen abspielt, bleiben wir.

Wir glauben uns, weil wir es so wollen!

Melinas Fragen und Schmetterlingsphilosophien 🙂

Die lieben Melinas haben uns in den Kommentaren zu „Ein Beitrag für eure Fragen“ ihre Gedanken und Themenwünsche zukommen lassen.

Tolle Idee, liebe Sofie!
Was wenn diese Diagnose DIS eben nur eine Diagnose ist und mehr nicht? Vielleicht ist es ein revolutionärer Gedanke, wenn wir alle als vorgeburtlich, in der Kleinkindzeit, in der Kindheit, in der Jugend, und auch noch später ALLE sehr traumatisiert sind, alle dissoziiert sind, gespalten, geschädigt, „zu Tode“ verletzt, gebrochen, verstört….worden sind und wir im Grunde alle Therapie bräuchten….oder eben eine andere Sichtweise entwickeln müssten, statt nur den sog. „Kranken“ (mit Diagnose) eine Therapie zu genehmigen?
Wenn ich mich Tag für Tag umsehe und in den vielen Begegnungen des Tages soviele Menschen mit verletzten Seelen erlebe, die ausblenden, nicht reflektieren, alles abwehren was ihnen nicht gefällt, blind und mit Scheuklappen herumlaufen, mit den Fingern auf andere zeigen…..denke ich, dass die Menschen hier in den Blogs bei Dir und vielen anderen und auch bei mir mit diesen Diagnosen DIS, DDNOS, Borderlines ….mitlesen und sich äußern, doch eigentlich die Sorte Mensch sind, die am wenigsten therapiebedürftig sind, weil sie imstande sind, einen ehrlichen Blick auf sich selbst und diese sich zerstörende Welt in der Lage sind – zu werfen….Was sagst Du dazu? Und findest Du es auch, dass es eigentlich ein Geschenk ist, dass wir durch unser Schicksal gelernt haben stärker und mutiger zu werden um die Wahrheiten in uns und in der Welt zu suchen?

Manche Fragestellungen sind fast schon philosophisch und wir mussten sie erst einmal auf uns wirken lassen. Dabei war es sehr interessant darüber nachzusinnen. Im folgenden wollen wir euch einen kleinen Einblick in unsere Schmetterlingsphilosophie diesbezüglich geben. 😉 Weiterlesen

Freizeitspaß und Entspannung

Zu „Ein Beitrag für euere Fragen“  sind bereits die ersten Rückmeldungen eingegangen. Eine davon wollen wir hier nun Aufgreifen. Die Farbe Bunt wollte folgendes von uns wissen:

„Hallo 🙂. Was sind denn so eure liebsten und angenehmsten Unternehmungen/Beschäftigungen, um zur Ruhe zu kommen/zu entspannen und/oder Dinge, an denen ihr euch freuen könnt?“

Soweit ich weiß, haben wir darüber auch tatsächlich noch nie direkt geschrieben. Danke also für diese Anregung!

Zunächst ist es so, dass Entspannung für uns im Alltag als Thematik kaum auftaucht. Das liegt nicht daran, dass wir kein Bedürfnis danach hätten oder niemals nach Möglichkeiten dazu suchen. Tatsächlich haben wir eher so etwas wie eine „Entspannungs-Sperre“. Sobald das Ziel „Entspannung“ direkt benannt wird, können wir uns darauf nicht mehr so gut einlassen. Wir gehen in eine Abwehrhaltung. Irgendetwas in uns sträubt sich. Die Entspannung wird „spannend“. Die genauen Gründe dafür, kann ich nicht benennen. Manchmal steckt aber sicher die Angst dahinter, darüber mit etwas aus der Vergangenheit in Kontakt zu kommen.

Nichts desto trotz, bauen auch wir in unseren Alltag natürlich Ruhephasen ein. Weiterlesen

Alison Miller – Become Yourself

Die Pandoras teilten auf ihrem Blog ein Video von einem Vortrag von Alison Miller.

Die Inhalte erscheinen uns sehr wichtig. Leider ist das Original nur in englischer Sprache zu hören. Deshalb haben wir uns dazu entschieden es hier Stück für Stück zu übersetzen. Die Teile werde ich hier im Laufe der Zeit ergänzen. Auch wenn ich mich sehr darum bemüht habe, möglichst wörtlich wiederzugeben, übernehme ich keine Garantie, dass sich in meine deutsch Übersetzungen nicht auch Fehler eingeschlichen haben könnten. Zur besseren Verständlichkeit im Satzbau war es teilweise notwendig Phrasen sinnerhaltend umzustellen. Manches „und“ oder „also“ aus dem sprachlichen Redefluss habe ich im Zuge der Leserfreundlickeit weggelassen. Ich bin keine gelernte Übersetzerin. Bitte prüft deshalb im besten Falle auch nochmal selbst nach.

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Zugfahrt zu meinen Tönen

Wir sitzen im Zug.
Hinter uns macht ein Kind rabatz. Als ob mein Kopf nicht schon voll genug wäre, bringt es mit seinen Quengeleien mein Synapsensystem zum Überlaufen. Ich habe nichts gegen das Kind an sich, nur gegen das, was es auslöst. Ich möchte weg und kann nicht. Die Bahn ist voll. Mein Ziel lässt auf sich warten. Früher als gedacht löst sich unvermittelt zumindest das äußere Problem. Die Familie ist angekommen und steigt einige Stationen vor mir aus.
Während mir die Sonne auf’s Gesicht scheint, bin ich damit beschäftigt, mich selbst zu halten, um nicht an der Kinderstimme zu zerbrechen. Die Triggerbilder rasen durch meinen Kopf. Alte Verletzungen treiben mir stille Tränen in die Augen. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb ich in der Regel öffentliche Verkehrsmittel meide. Zu viele Menschen mit zu hohem Triggerpotenzial. In meinem Auto bin ich kuschelig mit mir alleine. Da kommt mir keiner dumm, niemand quetscht sich neben mich und die Kontakte auf dem Weg bleiben berechenbar. Heute wollten wir es mit dem Zug versuchen, weil es an sich praktischer gewesen wäre – theoretisch.

Wir versuchen aus den weiten Gedankenschleifen zurück zu unserem eigentlichen Ziel zu kommen. Darauf haben wir uns schon am Morgen gefreut. Noch einmal mit der S-Bahn umsteigen, dann sind wir da.
Wir gehen singen.
Eine Stunde mit einer Lehrerin haben wir uns lange nicht gegönnt. Unsere Seele mag es Töne zu finden und Klänge zu bauen und atmend den Emotionen Stimme zu geben. Die Arbeit mit unserem Lautorgan eröffnet uns neue Räume. Manchmal haben wir in den Gesangstunden lange feststeckende Tränen geweint. Sie liefen einfach, während wir uns sanft bewegten und dehnten, um Resonanzräume zu schaffen. Wir sind gespannt, wie es heute sein wird. Ein Neuanfang nach Jahren.

Ein paar schöne Gedanken weiter, singt unsere Seele wieder in Dur statt Moll. Wir steigen aus und laufen die letzten Meter zum Ziel.
Trotz bitterer Winterkälte begleiten uns Sonnenstrahlen.
„Let the Sunshine in…“

Stunden für Minuten

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Ich kann Stunden damit verbringen

mich an eine Minute zu erinnern.

 

Quelle unbekannt

DIS und der Beginn der Gewalt

Zu dem Beitrag „DDNOS und Programmierung“  gab es jede Menge Kommentare, die teilweise auch in andere spannende Themenbereiche führten.
Wir möchten heute nochmal die Wortmeldungen um die Entwicklung einer DIS und den Beginn der Gewalt herausgreifen. So sind sie leichter zu finden und etwas sortierter. An einigen Stellen habe ich des Umfanges wegen deutlich gekürzt. Wer sich genauer dafür interessiert findet die original Kommentare unter dem eingangs verlinkten Beitrag.

Angefangen hat alles mit unserer Aussage:
„Eine DIS entsteht nur bei Traumatisierungen vor dem fünften Lebensjahr. Danach kann „nur“ noch eine DDNOS entstehen. Sollte die Traumatisierung also erst mit 6 oder 7 Jahren begonnen haben ist eine DIS als Traumafolge nicht möglich.“
Da ahnten wir noch nicht, dass wir damit eine Diskussion lostreten würden. Für uns war es ein Fakt aus Erfahrung und irgendwie gingen wir davon aus, dass das auch die Fachwelt so sieht.

Der Bunte Ring stellte daraufhin sein Wissen darum gegenüber:
Laut Huber heißt es:
„Als auslösenden Faktor findet man bei über 95 Prozent aller DIS-PatientInnen eine Geschichte schwerer, langanhaltender frühkindlicher Traumatisierung in Form von sexuellem, physischem, psychischem und rituellem Missbrauch vor allem im Elternhaus, der _zumeist_ schon _vor dem fünften_ Lebensjahr begonnen hat.“

Dagmar Eckers erklärte in einem Referat beim Institut für Traumatherapie Oliver Schubbe:
„Ein kleines Kind verfügt noch nicht über Kampf-Flucht-Reaktionen, somit erhöht sich das Risiko einer Dissoziation. Je kleiner Kinder sind, desto eher reagieren sie bewusstseinsspaltend auf Bedrohungen. Ab dem _achten_ Lebensjahr reagiert das Kind eher überreizt und die Symptome sind deutlicher.“
(https://www.traumatherapie.de/emdr/workshops/berlin2003/eckers)

Bereits 1998 hieß es im Journal of Traumatic Stress, Vol. 11, No. 4:
„…and the trauma scores for the earliest developmental period involved the first _6_ years of life. The reported traumas generally were of long duration.“

Die isst-d sagte 2011 in ihren Guidelines:
„Briefly, many experts propose a developmental model and hypothesize that alternate identities result from the inability of many traumatized children to develop a unified sense of self that is maintained across various behavioral states, _particularly_ if the traumatic exposure first occurs _before the age of 5_.“

sowie:
„DID develops during the course of childhood, and clinicians have _rarely_ encountered cases of DID that derive _from adult-onset trauma_ (unless it is superimposed on preexisting childhood trauma and preexisting latent or dormant fragmentation).“

Laut all unseren Informationen, besuchten Fachvorträgen, Workshops, Fachbüchern und Studien ist die Aussage zusammengefasst: Im Regelfall tritt eine DID/DIS auf, wenn ein Trauma, dass die nichtdissoziative Bewältigungsfähigkeit des Kindes übersteigt, in der frühen Kindheit (je nach Fachkraft zwischen [0-2 wird allgemein als nicht erinnerbar und auslösend angesehen] dem 2-11 Lebensjahr) begonnen hat, über längere Zeit [meistens 1 oder mehr Jahre] angehalten hat und dem Kind nicht (ausreichend) geholfen wurde. Dieser ‚Regelfall‘ bedeutet demnach aber nicht, dass es keine ‚Ausreisser‘ gibt. Uns wurde mehrfach von verschiedenen Fachleuten erklärt, dass es auf die individuelle emotionale Reife und Bewältigungsfähigkeit des Kindes ankommt. Das Gehirn eines Kind ist nicht einfach nur des Alters wegen in der Lage nicht bewusstseinsspaltend zu reagieren. Sonst ließe sich auch nicht erklären, dass zwei Kinder gleichen Alters und mit (tatsächlich) gleicher traumatischer Erfahrung unterschiedlich reagieren. Das eine Kind bildet eine DID/DIS aus, das andere nicht.

Daraufhin versuchten wir unsere Erfahrungswerte genauer zu erläutern:
Hallo, 🙂
ich bin etwas erstaunt, weil ich spontan gesagt hätte, das steht doch in allen Fachbüchern so. Auch von meinen Therapeuten habe ich bislang nie anderes gehört.

Bevor ich auf die offiziellen Quellen genauer eingehe, möchten wir persönlich einen Standpunkt dazu beziehen:
Wir halten das nach unseren Erfahrungen und Wissensstand für ausgeschlossen. Ein 11-jähriges Kind entwickelt keine DIS ohne entsprechende frühkindliche Traumatisierung. Kein Programmierer dieser Welt, würde das bestätigen.
Die Quelle für dieses „hohe Alter“ geht auch aus den Zitaten leider nicht hervor.

„Uns wurde mehrfach von verschiedenen Fachleuten erklärt, dass es auf die individuelle emotionale Reife und Bewältigungsfähigkeit des Kindes ankommt. Das Gehirn eines Kind ist nicht einfach nur des Alters wegen in der Lage nicht bewusstseinsspaltend zu reagieren.“
Doch. Genau das ist der Fall. Ein guter Programmierer überlegt sich nicht umsonst, was er bis zu welcher Altersstufe umgesetzt haben muss, weil er dann keinen Zugriff mehr auf bestimmte Ebenen hat. Da hat er auch keinen „Zeitvorteil“ wenn das Kind emotional weniger reif wäre. Das Kind ist natürlich in der Lage weiterhin zu spalten, jedoch nicht im Sinne einer DIS, sofern die Anlagen nicht gemacht wurden.

„Sonst ließe sich auch nicht erklären, dass zwei Kinder gleichen Alters und mit (tatsächlich) gleicher traumatischer Erfahrung unterschiedlich reagieren. Das eine Kind bildet eine DID/DIS aus, das andere nicht.“
Auch das lässt sich dennoch erklären. Das nämlich hat mit individuellen Persönlichkeitsmerkmalen zu tun. […]

Das Zeitmanagement bei der Schädigung ist wichtig. Die zunehmende Myelinisierung des Gehirns spielt bei der Entstehung einer DIS eine große Rolle. Diese erreicht mit ca. fünf Jahren einen Zustand, der die Ausbildung einer DIS massiv erschwert. Zudem konnten sich dann bereits andere Verbindungen von neuronalen Netzwerken bilden. Der Neocortex und die Großhirnrinde wird zunehmend erschlossen. Synapsen bilden sich und erstellen andere gesunden Verbindungen. Je mehr davon zu beginn der Traumatisierung umgesetzt ist, desto unwahrscheinlicher bis unmöglich wird die DIS.
Dann nämlich bleiben die Teile nicht mehr dauerhaft vom Bewusstsein getrennt, wie es bei der DIS der Fall ist. Es greifen andere Bewältigungsstrategien.

Der Bunte Ring ergänzte neben vielen weiteren wichtigen Dingen mit einem Beispiel aus seiner Begleitung von Betroffenen:
Ich habe zwei Betroffene bei Der Bunte Ring in der Begleitung gehabt, die im Alter von 8 und 9 Jahren waren, als sie die ersten Traumata erlebten und diese beiden sind mit der Diagnose DID/DIS von sämtlichen Kliniken und Fachleuten eingestuft worden. Ob tatsächlich keinerlei frühere Traumatisierung vorlag konnte bei beiden Damen aber nicht geklärt bzw. endgültig ausgeschlossen werden. 

Vergissmeinnicht sagte dazu:
Eine Traumatisierung vorher ist nicht ausgeschlossen, nur weil die Damen es nicht erinnern.
Wir haben uns an die ersten Traumata ewig nicht „erinnert“! Und „wenn eine Programmierung perfekt ist, erfährt man nichts von ihr im Außen oder von den ANPs“ – sinngemäß aus meiner Erinnerung nach Alice Miller…

Zunächst einigten wir uns dann darauf, die Informationen einfach so stehen zu lassen. Meine Erfahrungen konnte ich nicht zweifelsfrei belegen, auch wenn ich mir, aus dem was ich erlebt habe, sehr sicher war. Den bunten Ring beschäftigte das Thema dennoch ebenso weiter, wie mich. In der Zwischenzeit haben wir beide nochmal in der Fachwelt nachgehakt:

Von unserer Seite noch ein kleiner Nachschub zum Thema Altersgrenzen:
Wir haben bezüglich der Entwicklung einer DIS nach dem 5. Lebensjahr heute unsere Therapeutin befragt. Sie meinte, sie hätte bislang von einer strikten Altersbegrenzung weder gehört, noch gelesen und meinte sie sei da einfach offen für alles. Das Gehirn sei bis ca. zum 10. Lebensjahr sehr formbar. Ob es nach dem 5. Lebensjahr noch im Sinne einer DIS reagiert sei für sie zumindest eine mögliche Option. Unsere Aussage diesbezüglich könne sie aber fachlich weder bestätigen noch widerlegen, weil sie selbst darüber noch nie so intensiv darüber nachgedacht hat und das auch in den Ausbildungen so explizit nie Thema gewesen sei. […]Beim reflektieren heute in der Therastunde ist uns außerdem nochmal bewusst geworden, dass wir auch in unserem Kopf klar eine „programmierte DIS“ und eine „normale“ DIS unterscheiden müssen. Das kommt als ein Faktor für unsere dargelegte Sicht mit Sicherheit dazu. 

Wie besprochen dann noch die „Recherche-Ergebnisse“ von mir (Anmerkung: mir=Der bunte Ring):
Ich habe das Thema beim Therapeuten angesprochen, der ja auch nun schon lange genug mit dissoziativen Patienten arbeitet sowie verschiedene Fortbildungen und Kurse unter anderem bei Nijenhuis und den anderen ‚Spezialisten‘ hatte.
Der Thera bestätigte, dass deine Aussage in wohl weit über 99 Prozent der Fälle genau so stimmt und wies mich aber nochmal darauf hin, den Facharzt zu fragen, der mich betreut, da dieser im Bereich Gehirnforschung bereits das ein oder andere gemacht hat.
Also habe ich gerade dort angerufen. Der Facharzt meinte, dass es einige wenige belegte Fälle in der Gehirnforschung gibt, wo eine Entwicklungsverzögerung der Patienten so ausgeprägt ist, dass bei solchen Personen die Entstehung einer DIS/DSNNS theoretisch auch im Alter von 8 oder 9 Jahren möglich gewesen wäre. Diese Betroffenen würden dann auch im Erwachsenenalter ‚hinterher hinken‘, was die Erschließung des Neocortex und der Großhirnrinde angeht und die Synapsen würden bei diesen Personen bis ins Erwachsenenalter hinein nicht so verbunden, wie es normal wäre. Die Fälle der Entwicklungsverzögerung, die er hatte, waren aber nicht von DID/DIS betroffen. Er hält es aus medizinischer Sicht zwar für möglich aber für extrem unwahrscheinlich. Auch er geht eher davon aus, dass eine solche Person dann vorher bereits Traumata erlebt hat, die nicht unbedingt erschlossen werden können.

Nach dem ganzen hin und her um fachliches und erfahrenes Wissen zu Altersgrenzen bei der DIS-Entstehung, wollen wir zum Schluss an dieser Stelle etwas anmerken, was uns sehr wichtig erscheint.
Falls du viele bist und dich nicht an frühkindliche Erfahrungen von Traumatisierung erinnerst, dann fang jetzt nicht an zu zweifeln. Dafür ist der Beitrag bestimmt nicht gedacht! Du bist gut so, wie du bist. Nimm dich ernst, mit dem was da ist. Trau dich im Zweifelsfall die erste Person zu sein, bei der es anders gelaufen ist. Letztlich zählt, dass du dir näher kommst, dich spüren kannst und es dir gut geht.

Wir hatte Spaß an der Auseinandersetzung, weil wir uns innen damit auch wieder ein Stück näher gekommen sind und etwas begreifen von unserer Erfahrung genauer durften. Danke an alle Beteiligten für diesen Austausch!

Die Suche nach der Quelle

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Es ist ein neblig verschneiter Tag.
Ich mache mich auf, um eine Quelle zu suchen, die unweit von hier entspringen soll. Mehrmals habe ich bereits versucht sie zu finden. Bislang ohne Erfolg. Alles was auf Ihre Existenz hinweist, ist eine Bildtafel, an einer Wegkreuzung. Wenige Meter weiter, verliert sich ihre Spur. Die Beschilderung endet. Zwei einheimische Spaziergänger erklärten mir bei der letzten Wanderung die grobe Richtung. Damit versuche ich nun den Ursprung zu finden.
Nach kurzer Zeit des Laufens steil bergab durch den Wald und über ein Feld höre ich schließlich ein Bächlein plätschern. „Über den Bach drüber und schon sind sie da“, höre ich in Gedanken die alten Auskünfte. Doch dort ist nicht mehr, als eine Wegkreuzung mit widersprüchlichen Beschilderungen. Die eine Tafel zeigt nach links, die andere nach rechts. „Was stimmt denn nun“, denke ich verwirrt. Schließlich entscheide ich mich, für heute einer Richtung zu folgen und bei Bedarf einen neuen Ansatz zu machen, sollte ich mein Ziel nicht erreichen. Irgendwann ist der Wald zu ende und auch der Wanderweg. Quelle sehe ich keine. Ich kehre um.
Zurück an der Kreuzung laufe ich noch ein kurzes Stück in die entgegengesetzte Richtung, in der Hoffnung, doch noch etwas zu entdecken. Dann trete ich erfolglos den Rückweg an.

Während ich einen Fuß vor den anderen setze, denke ich nach.
Die Quelle habe ich nicht gefunden, aber was sagt mir das?ice-3051195_1920
Manchmal gibt es im Leben nur Symptome ohne erkennbare Ursache, genau so, wie die Schilder und der plätschernde Bach das Symptom einer Quelle sind. Den Ursprung wirklich zu finden kann manchmal schwierig sein, selbst wenn man genau weiß, wonach man sucht. Er ist über die Jahre gut versteckt im Dickicht.
Wir Menschen denken oft, es wäre etwas besonders die Gründe für etwas zu kennen oder das würde uns handlungsfähiger in der Gegenwart machen. Nicht selten fangen wir sogar an die eigenen Wahrnehmung zu bezweifeln, wenn wir den Ursprung unseres Handelns und Fühlens nicht sofort erfassen können. Aber ist denn der Fluss weniger da, nur weil ich die Quelle nicht gefunden habe?
Ich bin darüber gelaufen, seinen Spuren gefolgt, habe ihn berührt, mit meinen Händen in das kalte Wasser gefasst und wäre auf den matschigen Wegen mehrfach fast ausgerutscht. Niemals käme ich auf die Idee ihn in seiner Existenz zu negieren, geschweige denn die Quelle.
Mit meinem Leben sieht das anders aus.
Oft bin ich durch den Schlamm gekrochen, durch die Sümpfe meiner Seele gewatet, habe den Atem des Schreckens gerochen, mein Herz vor Schmerzen bersten spüren, Bilder von Qualen zerhämmerten meinen Kopf und schließlich habe ich vor Verzweiflung geweint.
Weshalb?
Die Quelle so vieler Dinge kenne ich nicht, habe nur eine grobe Ahnung, dass sie existiert und aus welchen Wassern sie besteht. Ihre Folgen und Symptome dagegen nehme ich eindrücklich wahr.
Für meine Seele griff hier in der Vergangenheit häufig ein Fluß-Quell-Paradox:
Ist dann vielleicht alles gar nicht passiert? Oder bilde ich mir die Schmerzen gar nur ein? Bin ich Faul? Undankbar?  Verrückt? Gibt es Überhaupt eine Quelle.
Statt die Abspaltung der Quelle zu akzeptieren, wird die gesamte Erfahrung ausradiert. Das widerspricht jedoch einem Naturgesetz.
Das ist in etwa so, als würde ich nach dem Spaziergang sagen, ich war nie in diesem Wald und habe mir den Fluss wahrscheinlich eingebildet, nur weil ich nicht an seinem Ursprung war.

Jeder Fluss hat seine Quelle. Er führt das gleiche Wasser, wie sie. Dabei ist es egal, ob man seinen Ursprung bewusst kennt. In seinem Sein zeigt sich dieser von ganz allein. Es wird Zeit den Symptomen zu vertrauen. Sie beweisen die Existenz der Quelle.
Woraus sonst würde der Bach gespeist?

Was uns die Bachblüten über das Leben erzählen – Agrimony

Ich sitze auf meinem Bett und höre zu, wie mir eine mehr als flüchtige Bekannte erzählt, dass sie sich einfach nicht zeigen kann. Sie traue sich nicht ihre Maske abzulegen und sichtbar werden zu lassen, wie schlecht es ihr gehe. Niemand kenne sie wirklich. Dabei leide sie wie ein Hund. Nach Außen sei sie dennoch die strahlende Puppe.

Ohne großartig nachzudenken, fällt mir die Bachblüte „Agrimony“ ein. Echt zu sein, ist ihr großes Thema. Aufhören der Welt etwas vorzumachen und zu sich selbst zu stehen.
Nach einigen Sätzen verklingen die Erzählungen im Raum. Ich wende mich anderen Dingen zu, wohl auch, weil ich ihr derzeit gar nicht mehr helfen will. Bevor ich wieder bei Anderen sein kann, muss ich selbst Kraft tanken.
Die Gesprächsinhalte verhallen.

Was in meiner Seele hängen bleibt, ist die Präsenz des gemeinen Odermennigs. Ich spüre der gelben Blume nach. Es ist, als sage sie sanft, aber bestimmt: „Sei ehrlich! Hör auf dich zu verbiegen! Es gibt keinen Grund alles mit sich selbst auszumachen.“
Hmm,… aber darf ich das?
Die Welt besteht wohl auch aus dunklen Stunden. Das lässt sich nicht vermeiden. Man kann weder davor, noch vor sich selbst fliehen. Die Frage ist, wie man damit umgeht und ob Konflikte sichtbar werden dürfen, wenn sie auftreten.
Aber diese Erwartung an das Dauerlächeln wird nicht erst bei Konflikten spürbar. Wie oft haben wir es erlebt, dass uns jemand eine Freude machen wollte, wir uns aber so gar nicht darüber gefreut haben… eigentlich… Denn was wir spürten ist die innere Wunschhaltung an uns und die Traurigkeit, die wir auslösen würden, wenn wir „echt“ reagierten.
Wir haben in der Vergangenheit viel daran gearbeitet wieder mehr wir selbst sein zu dürfen und unsere Gefühle so zu zeigen, wie sie sind. Dennoch verstecken wir uns manchmal mit dem geheimen Seelenschmerz vor der Umgebung.
Im inneren halten wir noch einmal kurz das Bild der Pflanze vor unserem geistigen Auge. „Hab Mut du selbst zu sein! Du bist das Beste was dir passieren kann!“

Drei Tropfen in einem Wasserglas, werden zur heilsamen Begleitung zum Selbst.
Sichtbar sein als ganzes.
Agrimony als Essenz des Seins.

Bullet-Journal-itis

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Die Sonrisas vom Distanzblog haben uns angesteckt. 😊
Sie haben auf ihrem Blog verschiedene Ideen zur Gestaltung eines Notizbuches für Menschen mit Traumafolgestörungen und DIS eingestellt.
Interessierte finden die wirklich tollen Entwürfe hier:
„Organisation für komplexe Traumafolgestörungen 1“
„Organisation für komplexe Traumafolgestörungen 2“
„Organisation für komplexe Traumafolgestörungen 3“
• Unter den passwortgeschützten Beiträgen sind auch noch Anregungen dabei.

Da wir so begeistert waren, haben wir uns mittlerweile auch ein kleines Büchlein besorgt und angefangen darin zu schreiben. Bislang haben wir auf den klassischen Kalender und die Wochenübersichten verzichtet. Wir freuen uns einfach, wenn wir auf diese Weise mehr miteinander ins Gespräch kommen. Die lästigen Termine tragen wir in einen separaten Kalender ein, um sie nicht zum Hemmnis werden zu lassen, das Journal zur Hand zu nehmen. Gestern haben wir wichtiges für unsere Therapie darin festgehalten. Heute kam die Seite für schöne Momente dazu. Bei den „Happy Moments“ wollen wir kleine Glücksmomente festhalten. „Zeit für uns“ bietet den Wortraum uns bewusst mit unserem für Innen zu beschäftigen, gemeinsam ein Buch zu lesen oder etwas anderes zu unternehmen.

Wir sind gespannt, was sich im Laufe der Zeit noch so ergibt.
Vielen Dank liebe Sonrisas für diese Anregung! ❤️