Es ist Nacht. Ich bin wach. Mein Körper sucht Ruhe und hat doch Angst vor dem Schlaf. „Am Anfang war das Wort“, denke ich. Es gibt Worte, die werden zu selten ausgesprochen. Dazu gehören die Namen der Peiniger. Mein Wort hatte bereits einen Anfang. Vor mehr als 10 Jahren haben wir angefangen hier über unsere Geschichte zu schreiben. An unterschiedlichen Stellen haben wir in der Zwischenzeit Zeugnis von der erlittenen Folter abgelegt – zum Teil sehr detailliert. Doch eine Sache fehlt in der öffentlichen Auseinandersetzung weitestgehend: Konkrete Angaben zu den Tätern. Es gibt sie. Sie sind da. Doch ihr Stuhl steht leer im Raum. Unbesetzt. Als Platzhalter und Mahnmal. Sie teilen ihn sich. Denn obwohl sie viele sind, wird er nie gebraucht. Ihr gemeinsames Reservierungsschild: „Täter.“
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Im Beitrag setze ich mich kritisch mit der Verwendung von Freierzitaten in der Aufklärungsarbeit über Prostitution auseinander. Er beleuchtet, warum es einen entscheidenden Unterschied macht, ob Betroffene selbst über ihre Erfahrungen sprechen oder ob Organisationen Täterstimmen wiedergeben. Aus traumaethischer und menschenrechtlicher Perspektive wird hinterfragt, wie Aufklärung gelingen kann, ohne Gewalt erneut zu reproduzieren oder Betroffene zu entwürdigen.
Ich verstehe, was Aktivisten mit Freierzitaten bezwecken wollen und bin als ehemalige Betroffene trotzdem dagegen, diese Zitate von Freiern einfach so zu teilen. Das hat folgende ethische Gründe:
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QAnon entstand 2017 auf anonymen Internetforen wie 4chan und 8kun. Ein rätselhafter Nutzer mit dem Pseudonym „Q“ begann kryptische Nachrichten über die Machenschaften der US-Regierung zu posten. „Q“ behauptete, über geheime Informationen aus dem US-Regierungssystem zu verfügen („Q-Clearance“). Was zunächst wie ein harmloses Rätsel wirkte, entwickelte sich schnell zu einem globalen Mythos.
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Der SRF tritt mit seinen Reportagen zu ritueller Gewalt und dem Narrativ der „Satanic Panic“ im Januar 2023 eine verheerende Welle für Betroffene los. Die Kernaussage: Erinnerungen an rituelle Gewalt und Mind Control werden instabilen Patienten von Traumatherapeuten eingeredet.
Der Journalist Robin Rehmann und seine Kollegin Ilona Stämpfli beschuldigen eine Therapeutin aus dem Kanton Bern. Gezielt fragen sie eine angeblich Betroffene von Falschbehandlungen danach, ob ihr dort die Erinnerungen eingeredet worden wären. Diese bejaht.
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Aktuell erreichen mich einige, zum Teil sehr verzweifelte Anfragen zum Thema Ausstieg aus organisierten und rituellen Gewaltzusammenhängen. Das einende große Problem: Der Therapeut macht Druck, Täterkontakte abbrechen zu müssen und die Gewalt zu beenden. Die Klienten jedoch können das innerlich aus unterschiedlichen Gründen nicht im gewünschten Tempo leisten. Es scheint bei Hilfspersonen eine Art Reflex zu geben, in Richtung Ausstieg drängen zu müssen. Ich möchte an dieser Stelle meine persönliche Erfahrung und Sichtweise der Thematik eröffnen und widme mich der Frage: „Kann und muss Ausstieg immer das Ziel sein? Ist er überhaupt immer die beste Option?“
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Rituelle Gewalt ist aus unserer Sicht in ihrer Komplexität und Bedeutung für die Opfer schwer mit wenigen Worten zu definieren. Der Einfachheit halber wird sie oft als „ideologisch motivierte Straftat“ umschrieben. Auf der Seite des UBSKM wird sie in einen Topf mit organisierter Gewalt geworfen und lediglich durch die Ergänzung der Tatmotivation in der Definition folgendermaßen erfasst:
Als organisierte sexualisierte Gewalt bezeichnet man die systematische Anwendung schwerer sexualisierter Gewalt in Verbindung mit körperlicher und psychischer Gewalt durch mehrere Täter und/oder Täterinnen oder Täternetzwerke. Häufig ist sie mit kommerzieller sexueller Ausbeutung, wie zum Beispiel Zwangsprostitution oder der Herstellung von Missbrauchsdarstellungen verbunden.
Dient eine Ideologie als Begründung oder Rechtfertigung von Gewalt, bezeichnet man dies als rituelle Gewalt. Eine solche Ideologie kann religiös sein und beispielsweise im Kontext von Sekten und Kulten vorkommen oder sich aus einer politischen Überzeugung, zum Beispiel in rassistischen oder faschistischen Gruppierungen, ableiten.
Ich habe mich selbst in einigen meiner Artikel der Einfachheit halber und für ein grobes Verständnis der Thematik in aller Kürze auf diese Definition zu den Tathintergründen bezogen. In Anbetracht der aktuellen Umstände und den Tendenzen rituelle Gewalt untergehen zu lassen, möchte ich in diesem Beitrag nochmals erfassen, weshalb sie für die Opfer aus meiner Sicht weit mehr ist als eine ideologisch motivierte Straftat und warum es so wichtig ist, sie unabhängig von anderen Gewaltformen und -zusammenhängen zu betrachten.
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Das Leben folgt aus sich heraus gesunden Rhythmen. Sie geben uns Sicherheit und Verlässlichkeit. Machen Abläufe berechenbar. Herzschlag und Atmung oder Schlafen und Wachen sind Beispiele für Rhythmen, um die sich menschliches Leben ganz automatisch organisiert. Wir brauchen diese Orientierung als eine Art inneren Leitfaden. Die Tagesstruktur passt sich optimaler Weise inneren Rhythmen an und lässt uns so ein erfülltes Leben im Einklang mit unserer Biologie führen.
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Es gibt Situationen, da klammern wir uns noch heute an den Aggressor, versuchen sie mit ihm zu klären, statt uns umzudrehen, zu gehen und manche Dinge einfach nicht mit uns machen zu lassen. Ein Konflikt. Wie lösen, wenn der andere erst Grenzen massiv überschreitet, dann blockiert, die Welt verdreht und letztlich schweigt. Ein Schmerz durchfährt uns. Die Wunde sitzt tief und in unserem Kopf wollen alte Bilder neu begriffen werden:
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In der Berichterstattung über organisierte und rituelle Gewalt ist seitens der Leugnerbewegung eine hitzige Diskussion über den angeblich verschwörerischen und unseriösen Gebrauch von Begriffen wie „Mind Control“ und „Programmierung“ in der Therapie von Gewaltopfern entstanden. Helfern, die diese Worte für die Umschreibung des Zustandes ihrer Klienten wählen, wird neuerdings gerne in einem Atemzug direkt der Glaube an eine Weltverschwörung und unwissenschaftliches, patientenschädigendes Gedankengut unterstellt. Das ist jedoch keinesfalls pauschal so als Aussage vertretbar! Erklärung folgt:
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Das Bistum Münster hat im März seine Beratungstelle für organisierte sexuelle und rituelle Gewalt geschlossen. Der bischöfliche Beauftragte Dr. Antonius Hamer gibt als Grund an, dass weder Theorien über rituelle Netzwerke belegt, noch ritueller Missbrauch durch angeblich im Verborgenen organisierte Täterorganisationen nachgewiesen sind. Vor dem Hintergrund könne man die Fortführung der Beratungsstelle nicht vertreten.
Was man auch nicht vertreten kann, ist der erwiesene Missbrauch durch katholische Geistliche, der in vielen Fällen per Definition des UBSKM ebenfalls zu rituellem Missbrauch zählt. Die geschlossene Beratungsstelle befasste sich nicht zuletzt auch mit dem rituellen Missbrauch und den Netzwerkstrukturen von katholischen Geistlichen. Man hat sich mit der Schließung nicht etwa gegen eine vermeintliche Verschwörung zum Schutz der Bevölkerung gewandt, sondern auch gegen die Aufklärung der Straftaten in den eigenen Reihen!
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