False Memory Anxiety – wenn Zweifel an Erinnerungen selbst zur Belastung werden

In Zeiten, in denen Gewalt und Missbrauch gesellschaftlich stärker diskutiert werden, erleben viele Betroffene eine paradoxe innere Bewegung: Während im Außen Sichtbarkeit entsteht, wächst im Inneren oft Unsicherheit. Nicht selten taucht dann ein Thema auf, über das kaum gesprochen wird — die Angst, den eigenen Erinnerungen nicht vertrauen zu können.

Dieses Erleben wird zunehmend als False Memory Anxiety beschrieben.
Es geht dabei nicht um den Nachweis „falscher Erinnerungen“, sondern um den Zustand, in dem Menschen beginnen, ihre Wahrnehmung, Erinnerungsfragmente, inneren Bilder oder körperlichen Reaktionen permanent zu hinterfragen. Zweifel werden zum ständigen Begleiter: Was, wenn ich mich irre? Was, wenn ich etwas konstruiere? Kann ich mir selbst glauben?

Definition: False-Memory-Anxiety bezeichnet einen Zustand ausgeprägter Verunsicherung und Angst im Verhältnis zu den eigenen Erinnerungen, bei dem Betroffene beginnen, Erinnerungsfragmente, innere Bilder oder Körperreaktionen systematisch zu hinterfragen. Im Traumakontext kann dieser Zweifel unter anderem durch fragmentierte Erinnerung, intensive Trigger- oder Stressreaktionen sowie gesellschaftliche Diskurse über „falsche Erinnerungen“ verstärkt werden und zu erheblichem Leidensdruck, innerem Druck und Verunsicherung in Bezug auf die eigene Person führen. Der Begriff beschreibt dabei nicht die Falschheit von Erinnerungen, sondern den belastenden Zweifel an ihnen.

Um dieses Phänomen zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf mehrere wissenschaftliche und gesellschaftliche Ebenen, die zusammenwirken.

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Implizite rituelle Gewalt

„Zieh dich aus.“ Ich verstehe nicht, aber mache trotzdem. „Auch die Unterhose.“ Er deutet dem kleinen Mädchen an, sich ins Bett zu legen. Ich krieche unter die Decke. Wortlos. Verwirrt. Innerlich fragend. Äußerlich wie erwartet. Bis er fertig ist. Danach geht der Alltag weiter. Genau so, wie auch die Gewalt Alltag ist.

Man könnte denken, es habe sich um „ganz normalen“ Missbrauch gehandelt. In der Situation selbst gab es keinen offensichtlichen Anhalt für ideologie geprägte Gewalt.

Bei genauerer Betrachtung jedoch muss man feststellen, dass es um das geht, was ich „implizite rituelle Gewalt“ nenne.

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Der Fall „White Tiger“ – eine Medienanalyse

Das sich wiederholende Narrativ der Leugner von ritueller und organisierter Gewalt: Opfer und Therapeuten übertreiben mit ihren Schilderungen. Derartige Netzwerke gebe es eigentlich gar nicht und wenn, dann nicht in der Dimension. Organisierte Gewalt ja, aber in dem Ausmaß und mit den ideologischen Kontexten auf keinen Fall. Lieblingsargument entgegen der Realität: „Es gibt bis heute keine bewiesenen Fälle.“ Begriffschöpfungen aus den Medien wie „Satanic Panic“ legen nahe, dass gerne in übertriebener und unzutreffender Art und Weise satanistische Hintergründe von Kindesmissbrauch berichtet werden.

Doch wie ist das eigentlich tatsächlich, wenn die Ermittlungsbehörden organisierte, rituelle und satanistische Zusammenhänge in Täternetzwerken benennen? Was berichten Medien dann? Um mich einer Antwort anzunähern, analysiere ich diesem Beitrag die mediale Berichterstattung zum Fall „White Tiger“ und vergleiche u.a. die Aussagen auf der Pressekonferenz der Ermittlungsbehörden mit den daraus entstandenen journalistischen Artikeln:

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Freierzitate zu Prostitution und Menschenhandel – gelungener Aktivismus für Betroffene oder erneute Entmenschlichung!?

Im Beitrag setze ich mich kritisch mit der Verwendung von Freierzitaten in der Aufklärungsarbeit über Prostitution auseinander. Er beleuchtet, warum es einen entscheidenden Unterschied macht, ob Betroffene selbst über ihre Erfahrungen sprechen oder ob Organisationen Täterstimmen wiedergeben. Aus traumaethischer und menschenrechtlicher Perspektive wird hinterfragt, wie Aufklärung gelingen kann, ohne Gewalt erneut zu reproduzieren oder Betroffene zu entwürdigen.

Ich verstehe, was Aktivisten mit Freierzitaten bezwecken wollen und bin als ehemalige Betroffene trotzdem dagegen, diese Zitate von Freiern einfach so zu teilen. Das hat folgende ethische Gründe:

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