
In Zeiten, in denen Gewalt und Missbrauch gesellschaftlich stärker diskutiert werden, erleben viele Betroffene eine paradoxe innere Bewegung: Während im Außen Sichtbarkeit entsteht, wächst im Inneren oft Unsicherheit. Nicht selten taucht dann ein Thema auf, über das kaum gesprochen wird — die Angst, den eigenen Erinnerungen nicht vertrauen zu können.
Dieses Erleben wird zunehmend als False Memory Anxiety beschrieben.
Es geht dabei nicht um den Nachweis „falscher Erinnerungen“, sondern um den Zustand, in dem Menschen beginnen, ihre Wahrnehmung, Erinnerungsfragmente, inneren Bilder oder körperlichen Reaktionen permanent zu hinterfragen. Zweifel werden zum ständigen Begleiter: Was, wenn ich mich irre? Was, wenn ich etwas konstruiere? Kann ich mir selbst glauben?
Definition: False-Memory-Anxiety bezeichnet einen Zustand ausgeprägter Verunsicherung und Angst im Verhältnis zu den eigenen Erinnerungen, bei dem Betroffene beginnen, Erinnerungsfragmente, innere Bilder oder Körperreaktionen systematisch zu hinterfragen. Im Traumakontext kann dieser Zweifel unter anderem durch fragmentierte Erinnerung, intensive Trigger- oder Stressreaktionen sowie gesellschaftliche Diskurse über „falsche Erinnerungen“ verstärkt werden und zu erheblichem Leidensdruck, innerem Druck und Verunsicherung in Bezug auf die eigene Person führen. Der Begriff beschreibt dabei nicht die Falschheit von Erinnerungen, sondern den belastenden Zweifel an ihnen.
Um dieses Phänomen zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf mehrere wissenschaftliche und gesellschaftliche Ebenen, die zusammenwirken.
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