
Der Fall um Jens Spahn hat die Debatte um Leihmutterschaft neu entfacht. Auch in der deutsch-tschechischen Grenzregion beschäftigt derzeit ein Fall die Medien: Im tschechischen Březová bei Sokolov wird gegen die ehemalige Mitarbeiterin einer Grundschule und einen Mann ermittelt. Seit 2022 sollen sie minderjährige Mädchen gegen Geld zur Abgabe von Eizellen beziehungsweise genetischem Material oder dazu angeworben haben, sich befruchten zu lassen und für andere Kinder auszutragen. Zudem sollen die minderjährigen Mädchen dazu gebracht worden sein, intime beziehungsweise pornografische Aufnahmen von sich anzufertigen und abzugeben. Der Mann soll Mädchen außerdem unter dem Vorwand notwendiger medizinischer Untersuchungen sexuell missbraucht haben. Beide sitzen in Untersuchungshaft; die Vorwürfe umfassen unter anderem Menschenhandel, sexuelle Übergriffe, Vergewaltigung und Gefährdung der Erziehung eines Kindes.
Wie viele der angesprochenen Mädchen tatsächlich auf die Angebote eingingen, gibt die Polizei mit Verweis auf das Alter zum Schutz der Betroffenen nicht bekannt. Damit ist derzeit öffentlich auch nicht geklärt, bei wie vielen Minderjährigen tatsächlich Eizellentnahmen oder Schwangerschaften für Dritte stattgefunden haben.
Doch ein neues Thema oder gar ein skandalöser Einzelfall ist das dahinterliegende Problem längst nicht mehr. Menschenhandel, sexualisierte Ausbeutung und organisierte Kriminalität sind in der deutsch-tschechischen Grenzregion seit Jahrzehnten dokumentiert. Inzwischen stehen auch reproduktive Ausbeutung, Eizellhandel und kommerzielle Leihmutterschaft im Fokus europäischer und tschechischer Ermittlungsbehörden – bis hin zum aktuellen Menschenhandelsverfahren in Sokolov.
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