Das erwachsene, „frühreife“ Mädchen – meine Zeit im organisierten Verbrechen und Gedanken zu „elitären Kreisen“

Ich starre gedankenversunken aus dem Fenster. Immer wieder spiele ich meine Lebenszüge auf einem inneren Schachbrett durch. Wie steht wohl das Spiel? Bin ich dabei zu gewinnen oder habe ich eine Position des Gegners übersehen, die mich in Kürze platt macht.

Mein Ausstieg aus dem organisierten Verbrechen liegt nicht hinter mir. Er ist ein anhaltendes Lebensgefühl. Bei jedem neuen Schritt, denke ich das Täternetzwerk mit. Das „frühreife Mädchen“ ist erwachsen geworden. Eine junge Frau. Doch sie hält die angefolterte Struktur ihrer Kindheit gefangen: funktionieren, planen, taktisch vorgehen, Rollenverteilung, Hierarchien, Züge und Gegenzüge.

„Frühreif“ sei sie als Kind gewesen. „Ungewöhnlich erwachsen für ihr Alter“. Doch trotz des schweren sexuellen Missbrauchs und der extremen Gewalt, hatte die „Frühreife“ nur am Rande mit Sexualität zu tun. Oftmals ging es in geplanten Operationen mit einflussreichen Menschen um etwas ganz anderes.

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Rituelle Alltagshandlung

„Hilfst du mir bitte beim Kochen?“, ruft die Mutter.
„Ich komme sofort“, tönt es aus dem Kinderzimmer.

Neben Schule und Hausaufgaben bleibt kaum Zeit, denn seit dem Kindergarten ist es die Pflicht des kleinen Mädchens, im Haushalt mit anzupacken – damit es ihr Vater schön hat, wenn er nach Hause kommt. Gute Frauen machen das so.

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Explizite rituelle Gewalt

Jeden Donnerstag treffen sie sich.
Mein Vater und seine „Brüder“.

Sie versammeln sich, um ihre gemeinsame Ideologie zu stärken: ihre Werte, ihre Weltsicht, ihre „Ordnung“. Die Treffen folgen einem festen Ablauf – mit Symbolen, Rangstrukturen und Ritualen, die für alle Beteiligten selbstverständlich sind.

Kerzen werden entzündet.
Bestimmte Texte werden vorgelesen.
Alle wissen genau, wann man spricht und wann man schweigt.

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Implizite rituelle Gewalt

„Zieh dich aus.“ Ich verstehe nicht, aber mache trotzdem. „Auch die Unterhose.“ Er deutet dem kleinen Mädchen an, sich ins Bett zu legen. Ich krieche unter die Decke. Wortlos. Verwirrt. Innerlich fragend. Äußerlich wie erwartet. Bis er fertig ist. Danach geht der Alltag weiter. Genau so, wie auch die Gewalt Alltag ist.

Man könnte denken, es habe sich um „ganz normalen“ Missbrauch gehandelt. In der Situation selbst gab es keinen offensichtlichen Anhalt für ideologie geprägte Gewalt.

Bei genauerer Betrachtung jedoch muss man feststellen, dass es um das geht, was ich „implizite rituelle Gewalt“ nenne.

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