Triggerwarnungen

Immer wieder erreichen uns freundliche Nachfragen, ob wir nicht hin und wieder doch Triggerwarnungen setzen könnten. Die Bitte darum verstehen wir gut. Deshalb haben wir lange und sorgfältig darüber nachgedacht. Unser Ergebnis wollen wir euch hier mitteilen und unsere Entscheidung diesbezüglich transparent machen.
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Pfingstmontagabend

Gerade habe ich die kleine Leselampe angeknipst. Zwar ist es noch einigermaßen hell draußen, aber mir ist nach dem bisschen zusätzlichen Lichtschein auf dem Papier. Außerdem ist die Atmosphäre so irgendwie gemütlicher. Was ich in diesem Moment noch gar nicht ahne: Die anschließende Zeit wird sprunghaft vergehen. So, als wäre der Zeiger einer Uhr am Ziffernblatt hängen geblieben und hätte anschließend dafür einen großen Sprung nach vorne gemacht. Meine Uhr geht nicht gemütlich im Kreis. Sie hüpft, scheppert, schleicht oder rast ab und an. Heute setze ich mitten in der Nacht wieder in der Realität auf. Im dunklen Zimmer starre ich in das grelle Licht der Nachttischlampe. Die Küchenuhr tickt bedrohlich.

Ich rekonstruiere, was sich rekonstruieren lässt. Immerhin kann ich am Ende feststellen, dass wir die Wohnung nicht verlassen haben und sicher waren. Der Kopf pocht. Wir haben gegessen, gebadet, telefoniert und mit Erinnerungen gekämpft. „Was für ein scheiß Tag“, denke ich. Mein Körper zittert zwischen Wut auf die Täter und Überforderung. Wir beschließen für heute einfach die Decke über den Kopf zu ziehen und die Nacht so ruhig wie möglich zu durchstehen.

Es gibt Tage da sind die alten Bilder näher, als uns lieb ist.

Was ist rituelle Gewalt?

Die liebe Alenka hat uns in den Kommentaren zum letzten Beitrag folgende Fragen gestellt:

Was ich mich frage, aber eigentlich nie zu fragen traute, war, worum es bei ritualisierter Gewalt wirklich geht. Geht es überhaupt um Rituale, und wenn ja, was sollen diese bewirken? Sind Rituale nicht lediglich ein Vorwand, um Gewalt ausüben zu können? Ihr müsst mir diese Frage natürlich nicht beantworten. Ich wollte sie nur mal aussprechen, weil sie in meinem Kopf herum spukt. LG!

Auf unserem Blog gibt es grundsätzlich keine Triggerwarnungen. An dieser Stelle wollen wir dennoch darauf aufmerksam machen, beim Lesen dieses Artikels gut auf sich zu achten.
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Sag du mir, was ich glauben soll…

„Glauben Sie mir?“ oder „Denken Sie, dass es wahr ist?“ sind wohl Fragen, die jede Überlebende im Laufe ihrer Therapie immer wieder stellt. Über lange Zeit braucht es die Rückversicherung der Therapeutin, wenn im Innen die Zweifel toben. Eines vorab: Es ist im Heilungsverlauf für die Opfer gut, wichtig und richtig sich diesbezüglich bei anderen Menschen rückversichern zu können. Wir sind froh, damals eine Therapeutin an unserer Seite gehabt zu haben, die in den größten Zweifeln die Fahne für uns hoch hielt und uns ohne Kompromisse glaubte. Sie hatte den Mut für uns Position zu beziehen und diese offen auszudrücken. Außerdem möchte man als Mensch auch einfach wissen, was das Gegenüber von der eigenen Geschichte denkt.
Wir wollen in diesem Beitrag heute allerdings den Fokus auf einen anderen Blickwinkel bezüglich der „Glaubensfrage“ richten, den wir an manchen Stellen für sehr wichtig halten. Dafür wollen wir ein bisschen von unseren Erfahrungen erzählen.
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Ein Wutbrief an die Zweifler

Lieber Zweifler,
Liebe Zweiflerin,
du kannst einfach wegschauen. Die Chance haben die Opfer ritueller Gewalt nicht. Sie müssen mit dem Leben, was ihnen zugestoßen ist. Die Gewalt ist nicht weniger existent, ob du nun dran glaubst oder nicht. Du kommst dadurch auch nicht weniger mit Betroffenen in Kontakt. Tu uns den Gefallen und hör‘ auf schlecht über uns zu reden und unsere Existenz in Frage zu stellen. Das machen wir mit deinem Erleben ja auch nicht. Schließlich müssen wir anerkennen, dass es Menschen gibt, die ein gewisses Sicherheitsgefühl haben, auch wenn sich die Welt für uns ganz anders darstellt. Wir haben alle schon genug ertragen. Lass uns wenigstens in Frieden heilen.

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Tränen erzählen

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„Es sind meine Tränen, nicht mein Lächeln, die mich heilen. Heute sagen meine Tränen meine Wahrheit und enthüllen ihre Geheimnisse.“

Ich sitze auf meinem Bett und tippe Worte in die weiße Maske meines Laptops. Es steht mir frei, sie weinen oder lachen zu lassen. Bislang ist sie unbeschrieben.
Damals als Kind waren wir das auch, ehe Erwachsene uns immer mehr Leid hinter die lächelnde Fassade füllten.
Draußen regnet es in Strömen.
Vom Himmel fallen große Tropfen.
Ob wohl auch er über die grausamen Taten weint?

Viele Kinder und Jugendliche freuen sich heute darauf in der Nacht kleine Streiche zu spielen. So ist es hier Brauch. In den Städten und Dörfern werden Feste gefeiert. Man erzählt vom Tanz der Hexen auf dem Blocksberg und genießt gemeinsam Speis und Trank als Überbleibsel des einstigen Fruchtbarkeitsfestes.
Für die Meisten wird der Tag wohl in guter Erinnerung bleiben. Sie werden irgendwann ihren Kindern davon erzählen und traditionelle, lustige Dinge tun. 

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Schmerzwellen

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Ich sitze auf meinem Bett und schreie.
Laut.
So laut ich kann.
Der Schmerz verhallt in Stille.
Meine Beine verharren taub.
Körper und Kopf sind durchflutet vom alten Grauen.
Irgendwann werde ich müde.
Mit Tränen in den Augen schlafe ich ein.

Mit komischen Zwängen und traurig dumpfen Gedanken wache ich auf.
Wir kämpfen.
Gegen die Selbstzerstörung.
In dichter Watte kreisen unsere Gedanken.
Irgendwie möchte ich schreiben und andererseits bin ich kaum auf dieser Welt.

Noch immer ist es das Ausmaß der Gewalt, das mich förmlich erschlägt.
Und in all dem Nachspüren, weshalb die Situation gerade so ist, wie sie ist und wo der Auslöser liegt, wird mir plötzlich klar, dass ich den ersten Mai ganz vergessen habe.

Gedanken zum Unvorstellbaren

Gestern saß ich in einem sehr persönlichen Gespräch.
„Ich weiß auch nicht, wie ich es beschreiben soll… Ich weiß sicher, dass diese Dinge genau so passiert sind, wie ich sie in meinem Kopf habe. Ich spüre sie in jeder Zelle meines Körpers und bis an die tiefsten Bereiche meiner Seele. Wenn ich aber Anfange mit meinem Verstand darüber nachzudenken, sind sie in ihrer Dimension so unvorstellbar, dass ich sie nicht mehr greifen kann.“
Ich rang darum Ausdruck für das, was in mir vorging zu finden.

Mittlerweile denke ich über diesen Satz aus verschiedenen Gründen nach.
Für mich fasst er eine wichtige Facette ins Auge, wie Zweifel an den Erinnerungen entstehen. Man fühlt was geschehen ist, man spürt es körperlich ganz genau, das entsetzen darüber bebt im ganzen Körper und die Bilder sprengen einem manchmal fast den Schädel. Und dann kommt der Verstand, für den diese Dinge einfach eine Nummer zu groß sind und zack klopfen Zweifel an. Aber wenn ich’s genau nehme und tiefer hinschaue, ist es dennoch kein Unglauben daran, dass die Gewalt geschehen ist. Das spür und weiß ich ja. Es ist eher der Zweifel an unserer Gesellschaft, die all das Schreckliche zulässt. Es ist der verzweifelte Versuch, am schönen Schein festzuhalten und Erklärungswege zu finden, dass etwas so furchtbares nicht unbehelligt geschehen könnte. Es ist der Zweifel an den Umständen nicht an dem „Dass“. Darin steckt eine wertvolle Erkenntnis, die ich daraus mitnehme.
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Osterreisen

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Auf einem kleinen Boot saß sie. Es war aus altem Holz gemacht. Die grüne Farbe blätterte bereits an vielen Stellen ab. So wollten es die Gezeiten. Ihre Füße schwebten kurz über der Wasseroberfläche und in ihrem Haar webte ein Rosenkranz Geschichten von der fruchtbaren Welt. Ein feuriges rotes Kleid umhüllte zart energetisch fließend ihren Körper. Ihre Augen fühlten geschlossen der Weite um sie nach. Am Horizont dämmerte es orange leuchtend.
Mit ihrer Zehenspitze konnte sie fast die Spieglung derselben im Wasser berühren. Doch ein Lufthauch hielt die beiden getrennt. Sie wohnten in zwei Welten.
Das Wasser ruhte.
Die Welt um sie herum ruhte.
Sie selbst ruhte.
In sich.
Und über den Wogen erhaben.
Am Himmel zog ein Vogelschwarm.

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Versorgungszerrissenheit

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Der Ostersamstag beginnt grau und voll mit Bauchschmerzen.
In den letzten Tage bin ich zu einem „unsozialen“ Wesen mutiert. Ich möchte niemanden hören und schon gar nicht sehen. Mein Innen ist im Rückzug implodiert.
Die Worte der Therapeutin „Ihre Finanzierung kann so nicht weiterlaufen“ nahmen das letzte Stück Boden mit.
Nun sitze ich hier und hasse Ostern.
Ich hasse die DIS.
Ich hasse die Menschen, die mich in meiner Not sitzen lassen.
Und die, die für mich da sein wollen, weil es dann noch mehr weh tut.
Und irgendwie hasse ich mich in dem ganzen Hass selbst.
Auch dafür, dass ich gerade den einzigen Mitmenschen die mir noch wohlgesonnen gegenüber stehen, eine wirkliche Arschlochfreundin biete.
Irgendwo in dem ganzen Stress tue ich mir selbst leid. Das ist wohl das Gefühl, dem ich folgen sollte, weil es in meinen Tränen aus dem Chaos führen würde.
Statt dessen bin ich trauersauer vor Verzweiflung.

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