Was ich heute verstehe…

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…und was mich die Dissoziation zu Beginn meiner Therapie verstehen lies, sind teilweise zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe. Besonders bewusst wurde mir das nochmal, als ich in einem Buch blätterte, in dem ich schon öfter gelesen habe. Die Informationen waren immer in der selben Form darin enthalten, aber sie kamen einfach nicht bei mir an. Gestern viel mir auf, dass ich sie ganz selbstverständlich annehmen konnte. Das liegt vor allem daran, dass wir über die Jahre Fortschritte gemacht haben und dadurch auch anders fühlen dürfen.
Einige Punkte und Gedankengänge möchte ich in diesem Beitrag im direkten Vergleich von früher zu heute aufgreifen.

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Schmerzwellen

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Ich sitze auf meinem Bett und schreie.
Laut.
So laut ich kann.
Der Schmerz verhallt in Stille.
Meine Beine verharren taub.
Körper und Kopf sind durchflutet vom alten Grauen.
Irgendwann werde ich müde.
Mit Tränen in den Augen schlafe ich ein.

Mit komischen Zwängen und traurig dumpfen Gedanken wache ich auf.
Wir kämpfen.
Gegen die Selbstzerstörung.
In dichter Watte kreisen unsere Gedanken.
Irgendwie möchte ich schreiben und andererseits bin ich kaum auf dieser Welt.

Noch immer ist es das Ausmaß der Gewalt, das mich förmlich erschlägt.
Und in all dem Nachspüren, weshalb die Situation gerade so ist, wie sie ist und wo der Auslöser liegt, wird mir plötzlich klar, dass ich den ersten Mai ganz vergessen habe.

Körper im Traumaburnout

08C0FA78-FBC0-4570-BC1D-1178DAF75B4AIch erinnere mich noch wie gestern. Dabei ist es nun schon über vier Jahre her. Es geschah an einem Ostersamstag. Das Wetter war traumhaft. Die Sonne schien. Ich stieg ins Auto, um mit meiner Freundin vom Essen nach Hause zu fahren. Die Stimmung war gut. Wir lachten. Mitten auf der Landstraße mit gut 100 Sachen stolperte plötzlich mein Herz. Ich klammerte mich ans Lenkrad. Mir wurde schwarz vor Augen. Im letzten Moment brachte ich den Wagen am Straßenrand zum stehen. Ich bemühte mich bei Bewusstsein zu bleiben und ruhig zu atmen, während mein Herz um sein Leben stolperte. Die Arme wurden Taub. Dann gingen bei mir die Lichter aus.

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Das leere Gesicht der Dissoziation

Zustände von Leere begleiten uns durch unser gesamtes Leben. In vielen Situationen waren sie überlebenswichtig. Heute verhindern sie manchmal, dass wir das Leben spüren, wenn sie uns zeigen wie „leer“ unser Leben war.

Ein bisschen stelle ich mir diese absolute Taubheit vor, wie eine alte weise Frau mit einem großen Beutel voller kleiner und größerer Gefäße. In den dunkelsten Stunden setzt sie sich zu uns. Dann nimmt sie mit ihrem Zauber allen Schmerz in ihre Fläschchen und schafft einen Raum der Stille im geschundenen Seelenkörper.

Früher hat Frau Leere uns in todesnahen Momenten oft besucht. Todesnah, das war nicht nur, wenn unser Herz aufhörte zu schlagen. Todesnah waren für das Kind auch die Erlebnisse, in denen seine Seinsberechtigung verbal ausradiert wurde und Situationen in denen es vor lauter Schmerz nicht hätte im Körper bleiben können.
Im Alltag war Frau Leere eine große Hilfe. Ohne sie hätte ich nicht lächelnd zur Schule gehen können. Sie schob mir Boden unter meine Füße und erlaubte es mir in getrennten Welten die jeweils geforderten Höchstleistungen zu bringen.

Heute sitze ich manchmal mit ihr da, starre zum Fenster hinaus oder einfach nur die Wand an. Dann nimmt Frau Leere meine Hand und schenkt mir einen Tropfen des alten Schmerzes zurück. Eine kleine Essenz aus meinem Sein. Plötzlich füllt sich dann der Augenblick mit tränenüberströmten Wunden. An die Stelle der Taubheit tritt zerbersten. Ich fühle mich und die Anderen und das ist schrecklichschön. Dann bleibt mir nur zu atmen. Durch die Schauer hindurch. Bis ich am Ende ein Stück meines Selbst geboren habe und erschöpft in Frau Leeres Arme falle. Meist hat auch sie sich dann verändert. Sie lächelt milde und ist nicht mehr ganz so groß. Vorerst hält sie mir den Rücken frei und lässt mich die Eindrücke verdauen.

Danach beginnt ein neuer Zyklus des uns selbst Gebärens unter dem Schuztmantel der Leere.

Die Bedeutung der Diagnostik von dissoziativen Traumafolgen – Eine persönliche Sicht

Im Grunde können wir es kurz machen: Solange keine Diagnose der passenden dissoziativen Störung erfolgt, gibt es keine erfolgreiche Behandlung.
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Himbeerrote Erdbeeren

Wir sind am Nachmittag auf unserem Bett eingeschlafen.
Als wir langsam wach werden schieben sich Erinnerungsfetzen in den Halbschlaf. Gut, dass unsere Katzentherapeuten nicht lange auf sich warten lassen und orientierend auf uns zu treteln beginnen. Wir öffnen die Augen. Der Anblick unserer Fellnasen beruhigt uns. Dennoch fühlen wir uns, als hätte man uns mit dem Hammer eins über den Kopf gehauen. Längst sind wir aufgestanden und verrichten Alltagsdinge, als uns immer noch ein schwerer Schleier neblig die Sicht und das Gespür für die Welt nimmt. Frische Luft vom Balkon brachte schließlich zwar Sauerstoff zurück ins betäubte Leben, für die Gedämpftheit jedoch hatte die belebende Lungenfüllung keine Lösung. Irgendwo in mir konnte ich Tränen stecken spüren. Nicht in den Augen. Viel tiefer. Als Druck auf der Brust und Muskelkrampf im Herzen.

Und dann war da in unserem Kopf diese Schnecke
auf der himbeerroten Erdbeere.
Ein Foto, das uns vor kurzem zufällig in die Hände gefallen ist und das wir von Anfang an so bezaubernd fanden. Es gesellte sich zu dem Schrecklichen, das gerade unsere Seele durchzog und beflügelte eine sehr alte Freundin. Unsere Phantasie.
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Wir begleiteten Violetta die kleine Schnecke aus dem Haus ins regennasse Gras des taufrischen Sommergartens. Dort spürten wir die Linderung, die überall in der Luft lag. Wir freuten uns über einen Schmetterling, der Violetta beinahe auf den Fühler geflogen wäre. Ein klitzebisschen hätte sie sich dabei fast erschrocken und wäre zurück ins Haus. Aber dann kroch sie mutig weiter. „Glücklich, wer in sich zu Hause ist“, dacht sie sich. „Ich wohne wo ich bin und kann mir des Schutzes stets sicher sein.“ Violetta glitt über die zarten Grashälmchen und freute sich ihres Schneckenlebens. Sie schlürfte am Tropfen auf dem Salatblatt. Gut, man hätte vielleicht meinen können, dass das Blatt an der Stelle hinterher ein klein bisschen durchscheinender bis löchrig gewesen wäre. Dabei hatte sie ganz bestimmt nur Durst. Das täuschte sicher. Oder hat Violetta etwa heimlich davon genascht? Ihr kleines Schneckbäuchlein fühlte sich auf jeden Fall sehr zufrieden an.
Je länger wir die kleine Schnecke auf ihrem Streifzug begleiteten, umso lichter und freier fühlte sich auch unsere Seele. Sie atmete mit einem tiefen Seufzer auf und spürte wieder Leben.
Am Ende des Abenteuers erklommen wir schließlich mit der Schnecke Violetta gemeinsam im Schneckentempo den „Mount Erdbeerrest“. Menschen hätten eine so große Erdbeere für eine so kleine Schnecke vielleicht als Hürde gesehen. Doch Violetta lachte nur und schmatzte vom saftigen Gipfel. „Wer Zeit hat, kennt keine Hürden. Irgendwo ist immer ein Weg.“

Und eine weitere Moral von der Geschicht‘:
Schöne Fotos in der Schublade können in schweren Momenten sehr hilfreich sein, weil sie auch im Kopf wieder schöne Bilder einziehen lassen.

Dissoziation lügt nicht

„ASSOZIATION
ist das Gegenteil von
DISSOZIATION.

Beim Erfinden müssten sie ASSOZIIEREN,
nicht DISSOZIIEREN.“

Eine erfahrene DIS-Therapeutin

So einfach und doch so logisch und klar.

Freizeitspaß und Entspannung

Zu „Ein Beitrag für euere Fragen“  sind bereits die ersten Rückmeldungen eingegangen. Eine davon wollen wir hier nun Aufgreifen. Die Farbe Bunt wollte folgendes von uns wissen:

„Hallo 🙂. Was sind denn so eure liebsten und angenehmsten Unternehmungen/Beschäftigungen, um zur Ruhe zu kommen/zu entspannen und/oder Dinge, an denen ihr euch freuen könnt?“

Soweit ich weiß, haben wir darüber auch tatsächlich noch nie direkt geschrieben. Danke also für diese Anregung!

Zunächst ist es so, dass Entspannung für uns im Alltag als Thematik kaum auftaucht. Das liegt nicht daran, dass wir kein Bedürfnis danach hätten oder niemals nach Möglichkeiten dazu suchen. Tatsächlich haben wir eher so etwas wie eine „Entspannungs-Sperre“. Sobald das Ziel „Entspannung“ direkt benannt wird, können wir uns darauf nicht mehr so gut einlassen. Wir gehen in eine Abwehrhaltung. Irgendetwas in uns sträubt sich. Die Entspannung wird „spannend“. Die genauen Gründe dafür, kann ich nicht benennen. Manchmal steckt aber sicher die Angst dahinter, darüber mit etwas aus der Vergangenheit in Kontakt zu kommen.

Nichts desto trotz, bauen auch wir in unseren Alltag natürlich Ruhephasen ein. Weiterlesen →

Sonniger Sonntag

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Heute war ein sonniger Tag.
Schon morgens, als wir aufwachten, strahlte uns die Sonne aus dem Bett. Die Welt da draußen vor dem Fenster, sah so freundlich aus. Es war, als würde aus jeder ihrer Poren eine fröhliche Einladung leuchten, doch nach draußen zu kommen.
Bald wagten wir die ersten Schritte auf unseren Balkon. Dort erstarrten wir. Zur Eissäule. Die Wärme war geheuchelt. Bei den eisigen Minusgraden, war die Lust auf Zeit im Freien schnell vorbei. Als wir zurück ins Zimmer traten schmunzelten uns die Katzen blinzelnd zu, als wollten sie sagen: „Hätten wir dir gleich sagen können. Was denkst du, weshalb wir hier noch rumliegen.“ Ok, es stimmt. Das hätte mir tatsächlich zu denken geben sollen. Sowas passiert nur, wenn man nicht auf seine Stubentiger hört. Die Dame des Hauses bewegte sich tatsächlich nicht einen Millimeter von ihrem Schlafplatz weg und der Herr setzte nur einmal kurz eine Pfote vor die Tür und drehte sich dann fröstelnd um.

Wir blieben also im Zimmer, weil wir ohnehin nichts vorgehabt hätten und ein Spaziergang uns in Anbetracht der Tatsachen nicht sehr attraktiv erschien. Hinter der Fensterscheibe war die Sonne wärmer.
So begann ein eisiger Frühjahrstag, an dem wir lange vor uns hin dissoziierten und zwar genau so lange, bis uns die Dissoziation bewusst wurde und uns vor Anspannung die Tränen über die Wangen liefen. Wir klebten in einem Stück von Panik, weil die Abspaltung plötzlich so greifbar war. Natürlich ist das eigentlich nichts Neues, aber es machte uns nun verdammte Angst. Weshalb genau, verschwand im Wattenebel im Inneren. Die Sonne draußen war immer noch da, aber in uns wurde es finster. Die Welt wirkte verschlossen. Oder wir? Oder beide?
Wir begannen uns zurückzusuchen. Was sehen wir? Den Sessel, die Katzen, unsere Küche, die grüne Ablage… Ein klein wenig von uns fanden wir wieder, als wir gerade angestrengt die Einhörner auf der Bettwäsche zählten und dem Geräusch der Stille lauschten.
In vielen Punkten schienen wir uns heute Näher zu sein als sonst. Es triggerte viel mehr, wir spürten mehr und dennoch brachte genau das uns in eine unendliche Entfernung von unserem Sein. Wir waren uns nah im Abgespalten sein. Der Körper saß auf dem Bett. Unsere Seele jedoch flog durch verschiedene Stationen alter Zeiten.

„Merkst du auch, dass wir uns nicht spüren?“, sagte eine innere Stimme leise.
„Ja. Ich merke es. Woran liegt das?“, frage ich zurück.
„Hmm, vielleicht weil uns die Hände gebunden sind?“
„Unsere Hände sind frei“, erkläre ich. „Wir können sie heute frei bewegen.“
„Wir können sie nicht frei bewegen“, erwiderte das Innenkind. „Die Dissoziation hat uns den Körper geklaut.“

Ich bewege mich durch den Raum und lasse frische Luft zur Balkontür herein. In der Kälte werden meine Gedanken klarer, doch der Nebel auf den Sinnen bleibt. Keine Rückholmaßnahme fruchtet wirklich. Irgendwann begreife ich, dass es längst mehr ist, als reine Dissoziation.
Zwei Denkstraßen weiter schüttelt es mich und den ganzen Körper. Eine unsichtbare Macht zerrt mich einzuschlafen. In taubem Dasein sind wir bewegungslos gefesselt und nicht in der Lage zu fliehen. Wir kämpfen. Dann geben wir für einen kurzen Moment kraftlos dem bleiern schwer betäubenden Zustand nach, der auf uns liegt.
Als wir später zu uns kommen, sind wir immer noch benebelt, aber klar in dem, was gerade vor sich ging. Das gibt uns etwas Handlungsfähigkeit zurück.

Dann fließen die Tränen, diesmal, weil die Anspannung abfällt und wir langsam aus dem „Albtraum“ aufwachen. Die Bilder klären sich.

Sonntag, Sonne, Drogenflashback.

Alison Miller – Become Yourself

Die Pandoras teilten auf ihrem Blog ein Video von einem Vortrag von Alison Miller.

Die Inhalte erscheinen uns sehr wichtig. Leider ist das Original nur in englischer Sprache zu hören. Deshalb haben wir uns dazu entschieden es hier Stück für Stück zu übersetzen. Die Teile werde ich hier im Laufe der Zeit ergänzen. Auch wenn ich mich sehr darum bemüht habe, möglichst wörtlich wiederzugeben, übernehme ich keine Garantie, dass sich in meine deutsch Übersetzungen nicht auch Fehler eingeschlichen haben könnten. Zur besseren Verständlichkeit im Satzbau war es teilweise notwendig Phrasen sinnerhaltend umzustellen. Manches „und“ oder „also“ aus dem sprachlichen Redefluss habe ich im Zuge der Leserfreundlickeit weggelassen. Ich bin keine gelernte Übersetzerin. Bitte prüft deshalb im besten Falle auch nochmal selbst nach.

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