Nachtlieder

Heute Abend waren wir auf einem Konzert. Müde fallen wir gerade auf unser Bett. Die Fußballen schmerzen von den hohen Schuhen. Schön war‘s und lustig. In uns hallen die Stücke nach. Manche Ohrwürmer singen fleißig um die Wette. Ich reiße mich von der gemütlichen Schlafstätte hoch, um die Tiger zu füttern. Als ich die Blasen an den Füßen spüre, überlege ich kurz, ob „Highway to Hell“ ein passender Soundtrack für mein Vorhaben wäre. Statt dessen platzt „Schön ist es auf der Welt zu sein“ aus mir hervor. Ok, dann eben optimistisch an die Arbeit. Ich muss schmunzeln, während  die Kleine vor sich hin trällert.  Es dauert nicht lange, bis ich Mühe habe nicht im Stehen einzuschlafen. Ich räume noch ein paar Sachen weg und sinke müde auf die weiche Matratze. Schnurrend gesellt sich die Katze zu mir. Gemeinsam gleiten wir in das Traumland. Vielleicht sind wir grade nicht mit Nelcklein bedacht oder mit Rosen bedeckt, aber wir schlüpfen unter die Decke und schlafen selig und süß. Im Ohr klingt dieses Nachtlied und eine Vorstellung vom Traumpradies.

Mutterschmerz

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Schmerzwellen fluten unser sein.
Sie tragen unterschiedliche Namen.
Mal ist Ebbe, dann wieder Flut. Aber das Meer ist immer da.
„Verrat“ und „Verzweiflung“ und „Überforderung“ und „Kindheitsschmerz“ und „Schutzlosigkeit“ schreien sie gegen meine Synapsen, bis mir vor Seelenkummer fast der Kopf platzt. Es rüttelt mich. Mein Körper vibriert. Jede Faser schüttelt sich. „Wo warst du, schützende Mutter!?“ „Und wo bist du heute!?“
Meine Not nimmt sie nicht an. Sie kämpft ihren Kampf und lässt mich darin untergehen. Sie tut ihr Bestes, aber ist das Beste auch genug? Das sind die Momente, in denen klar wird, weshalb wir viele sind. Es gibt die aktiven Täter und eine Muttertäterin, die vor allem mit Passivität glänzt. Mit ihrem Nicht-Eingreifen, dem Nicht-Verstehen und dem Nicht-Sehen-wollen. Egal was passierte, die Verantwortung blieb alleine bei uns.
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Etikettenschwindel

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Mich fröstelt. Eigentlich stand „Sommer“ auf dem Tag, als ich mich heute morgen darauf eingelassen habe. Damit verband ich auch, dass man um 22.00 Uhr noch im T-Shirt auf dem Balkon sitzen kann, ohne direkt zu erfrieren. Wiederwillig krieche ich zurück in die Wohnung und unter die Bettdecke. Im Winter würde ich mir jetzt heißen Tee kochen. Nun trinke ich kalte Limo. Aus Protest. Denn ich bin genervt. Den ganzen Tag haben wir gearbeitet und geschwitzt. Alles was wir wollten, war die warme Abendluft auf dem Balkon genießen. Das fällt nun aus. „Bääääääääh“, mach ich und strecke den Temperaturen trotzig die Zunge raus.

Die Katze hat sich bereits neben uns auf dem Sessel eingerollt. Der Kater atmet ruhig. Seine Ohren verfolgen unsere Geräusche und ein Junikäfer summbrummt herein. Ungelenk torkelt er über den Teppich. Meine Beine hoffen, dass er den Weg nach draußen von selbst wieder findet. Seit den letzten Tagen macht eine ganze Armee seiner Kollegen die Gegend unsicher. Häufchenweise bekomme ich die Käfer zum Frühstück als Geschenk von Frau Katze, die über Nacht fleißig auf Jagd war.

So langsam geht dem Tag die Luft aus. Unsere Worttippseleien verstummen ebenso. Für heute ist irgendwie alles gesagt. Unser Kopf möchte nur noch Ruhe und die Wärme genießen, die das Zimmer bietet. Wir schalten ab. Die Gedanken und den PC.

Bis Morgen und gute Nacht!

Wegfahrsperre und neue Heimat

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Mehr als ein dreiviertel Jahr ist seit meinem Umzug jetzt vergangen. Mehrere hundert Kilometer vom ursprünglichen Wohnort entfernt hat sich einiges verändert. Am Anfang sehr schleichend und subtil, mittlerweile deutlich spürbar. Einige Erkenntnisse kamen durchaus überraschend, nachdem ich vorher immer behauptet hätte, dass ich mit der geographischen Nähe zu den alten Tätern durchaus gut leben kann, solange sie mir vom Hals bleiben. Der Rückblick erzählt eine andere Geschichte.
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Rituelle Gewalt im Deutschlandfunk

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„Zwischen Angst und Aufarbeitung“ heißt ein Interview von Isabel Fannrich, das der Deutschlandfunk am 27.05.2018 veröffentlichte. Zu Wort kommen darin verschiedene Experten und eine Betroffene, die ihre Sicht auf rituelle Gewalt schildern. Wir persönlich finden es sehr begrüßenswert, dass der Sender sich diesem wichtigen Thema gestellt hat. Für uns ein gelungener Beitrag.
Im Internet steht er unter folgendem Link zum Anhören bereit.
http://www.deutschlandfunk.de/der-kampf-gegen-rituelle-und-sexuelle-gewalt-zwischen-angst.724.de.html?dram:article_id=418856

Gesangesfreuden und Balkonhotel

Heute Morgen hatte ich Angst aus dem Haus zu gehen. Es dennoch zu tun, kostete mich alle Kraft, die zur Verfügung stand. Ich setzte mich in mein Auto und fuhr los in meine Gesangsstunde. Mehr als einmal wollte ich lieber wieder umkehren. „Der Tag ist nicht gut“, sagte ich zu meiner Lehrerin, die nur verständnisvoll nickte. „Lass es uns versuchen“, schlug sie die Töne auf dem Klavier an. Ich erklomm die ersten Tonleitern und dann die nächsten. Nach ungefähr fünf Minuten und ein paar tiefen Atemzügen brach das Eis. Wir lachten uns durch 90 Minuten Gesangsübungen. Jetzt tun mir die Schultern weh vom Gewichte heben und die Knöchel von den Anleitungen für Becken, Hüfte und Co. Aber ich bin glücklich. 😊

Auf dem Heimweg liegt ein Gartencenter. Dort bogen wir ab. Eigentlich wollten wir nur schauen und vor allen Dingen riechen. In der Abteilung mit den Rosen duftet es immer so herrlich, dass wir am liebsten dort bleiben würden. Das ist für uns eine richtige Skillecke, wenn man so will. Und dann war da etwas, womit ja wirklich niemand rechnen konnte. Denn eine der wohlriechenden Schönheiten war im Angebot. Geliebäugelt hatten wir schon länger. Zu teuer. Jetzt wäre also eine gute Gelegenheit… aber wir wollten doch nur… egal… gekauft. 😁
Ein Insektenhotel schaffte es auch noch mit in den Einkaufswagen. Das fasziniert die Kleinen schon länger. zu Hause angekommen bekam es sofort eine geschützte Stelle auf dem Balkon. Wir topften die Rose um, gossen sie an und wechselten im Miniteich das Wasser. Letzteres wahrscheinlich gerade noch rechtzeitig, bevor wir in den nächsten Tagen im Mückenschwarm erstickt wären. Die ersten kleinen Larvchen zuckten schon durch’s Biotop. Mit einer Flasche alkoholfreien Holundersekt genießen wir nun im lauen Sommerwind den Tag auf dem Balkon. Wie schön, dass der Tag sich so gewandelt hat!

Löwenmulti

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Ein bisschen stelle ich mir Heilung genau so vor wie auf dem Bild. Die Innenkinder und verletzten Anteile haben innen ihren sicheren Raum, während die größeren und erwachsenen Alltagspersonen dafür sorgen, dass sie in Ruhe Kind sein und heilen können. Löwenmutter für sich selbst! ❤️

Die Geschichte der Täter

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In letzter Zeit beschäftige ich mich mit den Geschichten und der Denkweise von Tätern. Ein Heulkrampf löste den Wunsch danach aus. Wir spürten, dass wir uns von Herzen eine Entschuldigung besonders eines Täters wünschen würden. Wahrscheinlich werden wir sie nie bekommen. Alternativ haben wir dann versucht zu verstehen, weshalb er so tickt. Eines vorweg: Das war ein blöde Idee! Für unsere Heilung, die wir uns ja daraus ein Stück erhofften, ist all das Gerede letztlich uninteressant. Nachdem Mi die Rolle von der Vergangenheit der Täter zufällig in einem Kommentar erwähnt hat, wollten wir nun unsere Gedanken dazu mit euch teilen.
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Gewalt gegen Frauen in der Sprachkultur

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Wenn man sich unsere Sprachkultur so ansieht, könnte man oft meinen, dass Gewalt allein das Problem der Frauen ist, denen sie passiert. Die Männer haben die Konversation rein von der Wortwahl meist schon lange verlassen, bevor ihre aktive Beteiligung an der Gewalt überhaupt sichtbar werden könnte.

Dazu ein Beispiel (angelehnt an Jackson Katz, Gewalt gegen Frauen – Ein Männerproblem):
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Scham und ihre Opfer

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Scham ist die Angst davor nicht mehr Beziehungswürdig zu sein.
Im Grunde ist sie nichts anderes, als die Furcht vor dem Verlust von lebenswichtigen Bindungen. Wer Scham einmal gefühlt hat, weiß, wie vernichtend sie sein kann. Sie radiert mit unerträglichem Schmerz die Erlaubnis zur eigenen Existenz aus. Kaum ein Opfer von Gewalt kennt sie nicht. Betroffene schämen sich für das, was ihnen zugestoßen ist. Ihre Scham lässt sie unter der Angst leiden, den Kontakt mit anderen Menschen aufgrund der Übergriffe nicht wert zu sein.
Gleichzeitig stellt Scham der Gesellschaft ein Armutszeugnis aus. Sie hat verfehlt den Grundsatz „Die würde des Menschen ist unantastbar“ so zu leben, dass die Opfer von Straftaten sich ihrer menschlichen Daseinsberechtigung sicher sein können. Hingegen gelten sie oft als beschmutzt, kaputt, zerbrochen und nicht mehr normal lebensfähig. Das Opfer hat eine Beschädigung davongetragen. Dem Täter spricht man seine Ganzheit nicht ab. Im Gegenteil. Er war eben frustriert, konnte es nicht anders, hatte eine schlechte Kindheit und wird das doch bestimmt nicht wieder tun. Es ist, als bliebe all sein Dreck am Opfer haften.
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