Traumajunkie

Ich bin ein Junkie
auf Adrenalin.
Brauch meine Droge
wie andere Heroin.

Ich bin das Opfer
und muss immer danach streben
all die Gewalt
ständig wieder zu erleben.

Ich bin getrieben,
denn der Schmerz gibt mich nicht frei,
drum brauch ich Dissos.
Taubheit ist mein schönstes High.

Würd‘ ich begreifen
fern von Körperopiaten,
was schon als Kleinstkind
all die Männer mit mir taten,
wär ich hilflos
und ich könnte nur verrecken
über dem Kummer,
Elend, Not und all dem Schrecken.

Also sorg ich dafür,
dass sich Gedanken nicht verweben,
denn mit Gewissheit
könnte ich nicht weiter leben.

Wär‘ die Erinn’rung
wirklich Realität,
käm‘ ohne Zweifel
jede Hilfe zu spät.

Ich bin gebrochen
und brauche meinen Stoff.
Käm‘ ich zur Ruhe,
blieb‘ mir nur der Selbstmord noch.

Also jag‘ ich den Puls hoch,
begeb mich in rote Zonen,
denn wo Gefahr droht,
kann ich mir die Droge holen.

Gewalt ist grausam,
doch sie macht auch taub.
Für Folterkinder
ist es das, was es braucht.

Drum ist Heil mir,
was für andere Verderben
und ich frag mich:
„Werd ich am Schutz letztendlich sterben!?“

Copyright by „Sofies viele Welten“

Ein entspannter Regensommersonntag

Ich mag regennasse Sommertage. Irgendwie verschaffen sie mir den Eindruck, als könnte ich mit den Pflanzen durchatmen. Während Tropfen um Tropfen prasselnd zur Erde fällt, legt sich kühlende Ruhe auf mein schmerzendes Innen. Von der Balkontür weht frische Luft herein. Wir sitzen im Sessel, die Beine entspannt übereinander geschlagen und lauschen aus dem warmen Zimmer heraus den Naturgeräuschen. Die Vögel pfeifen. Blätter spielen im sanften Wind. Je nachdem, wo die reisenden Wasserpartikel auftreffen, machen sie unterschiedliche Töne. Dumpf und warm auf den Balkonbrettern. Hell und leicht auf den Salatblättern. Knisternd knackend auf der Folie der Blumenerde. Klangvoll Gluckernd auf der Wasseroberfläche des Regenfasses und metallisch schneidend auf dem Metalldekoelement vor der Türe. Naturkonzert. Es erinnert mich ein bisschen an die Windspiele mit runden Hölzern, die im Sommer oft in den Gärten schwingen. Wie in einer geborgenen und windgeschützten Höhle komme ich bei mir an.

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Rapid Switching und Morgenstress

Mit dem Spülschwamm reibe ich aufgeregt in der Pfanne. Meine Zunge kribbelt leicht. Das Wasser schwappt aus dem Hahn und mir über die Hände – erst kalt, dann viel zu heiß. Im Gesicht brennt der Sonnenbrand. Ich will Frühstücken. Etwas warmes in den Bauch. Mein ganzes Sein ist schon am Morgen so angespannt, dass ich das Mobiliar zertrümmern könnte. Sprunghaft wechsle ich die Tätigkeiten, lasse wie aus dem nichts die Pfanne stehen, buddle im Blumenkasten, tippe ein paar Worte und kehre dann wieder in die Küche zurück. Die eine Hand weiß nicht was die andere tut und schon im tun vergesse ich, dass ich es getan habe. Ich presse die Hände seitlich gegen den Kopf und schiebe sie mit krallig gebogenen Fingern unter den Haaren über die Schläfe nach oben. „Es ist zum Mäusemelken!“ Uff. Aus dem Balkonkasten lächelt mir die versteinerte Elfe entgegen. Ein bisschen mehr Leichtigkeit wäre schön!

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Der letzte echte „Arbeitstag“

Wir liegen im Bett. Halb wach. Halb dissoziativ im dicken Nebel. Uns ist warm. An der Wand spielen Schatten. Die Lamellen der Rollos zeichnen Gitternetze über die Rauhfasertapete. Fast symbolisch für das nächtliche Gefängnis, dass uns umhüllt. Ich spüre meine Rippen. Ein Gast, der selten im Bewusstsein auftaucht. Die Bilder ziehen im Kopf Kreise. Licht und Schatten. Wir denken darüber nach, wie das früher alles so war. Die Flucht… Der Ausstieg… Unser letzter echter „Arbeitstag“ im organisierten Verbrechen.

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Schwimmbadflow

Die Sonne strahlt. Das Wetter lacht. Mir ist nach Schwimmbad. Bahnen ziehen. Den Kopf frei kriegen. Das kühle Nass entspannt mich. Während mein Körper sich rhytmisch bewegt und die Atmung gleichförmig sprudelt, kommen wir in einen Flow, in dem wir für einen kurzen Zeitraum einfach alles an uns vorbei ziehen lassen können. Den Erinnerungen davon schwimmen – den gesamten Winter haben wir das vermisst. Das Wasser mach leicht und frei. Während uns Bewegung an Land oft Schmerzen bereitet, schafft es das feuchte Element durch den Auftrieb uns zu entlasten. Noch sitze ich in meinem Sessel, habe taube Watte im Kopf und bin damit beschäftigt im Tag etwas fußzufassen. Doch wenn wir angekommen sind auf der Erde werden wir eintauchen und mit langen Zügen die Wellen des Lebens durchschwimmen.

Sexueller Missbrauch durch die Mutter

Wir sitzen hier und sind völlig k.o. Unsere Gedanken schwanken in einem Meer mit Ebbe und Flut. Vieles haben wir in dem letzten Jahren sortiert, geordnet, verarbeitet und innerlich neu erkannt. Die verschiedensten Gewalterfahrungen standen im Zentrum der Therapie. Nur ein Thema schafft es immer wieder vom Radar zu rutschen – der sexuelle Missbrauch und die Übergriffe durch die Mutter. Hin und wieder haben wir es zwar kurz angeschnitten, aber nie tiefer beleuchtet. Nun drängt es nach vorne und lässt sich nicht mehr ohne weiteres weg stellen. Es ist wohl an der Zeit da genauer hinzuschauen…

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#Rastertherapie – Eine Petition gegen die pauschalisierte Behandlungsdauer von psychischen Erkrankungen

Unser lieber Krankheitsminister Jens Spahn glänzt aktuell Mal wieder mit seinem Vorschlag die Länge von Psychotherapien standardmäßig zu beschränken, um den Versorgungsmangel zu beheben. In der Praxis würde das dann so aussehen, dass beispielsweise für die Behandlung von Depressionen maximal 12 Monate zur Verfügung stehen. Danach ist definitiv Schluss, egal wie es dem Patienten dann geht. Sonderanträge sind nicht mehr möglich. Therapieplätze werden so in absehbarer Zeit wieder frei und stehen den derzeit wartenden Menschen zur Verfügung. Brilliante Idee Herr Spahn! Dumm nur, dass dann zwar schneller wieder Therapieplätze frei werden, aber die Patienten die durchs Raster fallen, weil die Erkrankung nicht in der vorgeschriebenen Zeit heilen wollte, einen Versorgungsmangel haben. Aber egal, solange die Statistiken auf dem Papier wieder passen, gell!?

Dass dieses Vorgehen mit einer DIS-Diagnose, Ausstieg und was sonst noch alles dazu gehören kann, ein Ding der Unmöglichkeit ist und dafür schon die derzeit möglichen kassenfinanzierten Therapiestunden maximal ein Tropfen auf den heißen Stein sind, spare ich mir an der Stelle ausführlicher zu erklären.

Eine sehr unterschreibenswerte Petition gegen die geplante Gesetzesänderung findet sich unter folgendem Link. Die deutsche Depressionsliga unterstützt die Aktion. Gerne unterschreiben, teilen und weiter sagen!

https://www.change.org/p/jens-spahn-keine-rasterpsychotherapie

Videokonferenzen nach ritueller Gewalt und organisierter Ausbeutung

Ich sitze hier in meinem Sessel. Die Beine übereinander geschlagen. Der rechte Fuß wippt unruhig. Während ich mich im Raum umsehe, stelle ich fest, dass meine Kieferknochen fest aufeinander gepresst sind. Ich muss hier raus! Eilig springe ich auf und haste zum Balkon. Mir ist danach das kleine Grablicht anzuzünden, obwohl die Sonne gleißend hell scheint. Kurz die Hände auf die nasse Erde legen. „Mein kleiner Schatz!“ Das Herz stolpert. Tränen überfallen mich, doch nur im Innen. Außen hält mich Schweigen gefangen. Bilder von früher aus dem Bereich des Kinderhandels und der Zwangsprostitution nehmen sich Raum. Die Luft schwindet. Irgendwo in der reißenden Gedankenflut schiebt sich eine Frage in den Raum: „Weshalb bricht da gerade in mir so das Chaos durch? Bis grade eben war doch alles ok! Oder nicht?“ Ich schaffe es mich kurz von den Erinnerungen loszureißen und lasse die letzten Minuten Revue passieren. Sessel – Meeting beendet – Laptop zugeklappt… Dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Die Kammera. Das Funktionieren vor dem Bildschirm, während andere mir dabei zusehen, triggert mich. Die Erinnerungen an alte „Dreharbeiten“ wurden wach.

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Ein dissoziativer Kochmoment

Der Reis kocht. Mein Blick schweift vom Kochtopf nach draußen. Während ich Gedankenabwesend weiter rühre, leuchten mir kleine rote Blüten aus dem krautigen Gestrüpp an der Straße entgegen. Bei den Nachbarn blüht der Flieder. Der Himmel schaut mich an, als würde er mir für einen kurzen Augenblick zuzwinkern: „Es ist ok, wenn du mit den Wolken fliegst und dich wegbeamst.“ Dann erinnert mich mein Hunger, dass es genau das nicht wäre. Ich schaufle den Basmati in eine kleine Schale. Etwas geschnittenes Putenschnitzel. Schmand. Salz. Der Kopf schwebt dumpf im Nebel. Doch der ist nicht aus Wasserdunst, sondern aus Angst, obwohl ich die Angst nicht spüre, weil dazwischen der Nebel ist.

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Wie fühlt man eigentlich richtig, wenn Täter sterben?

Seit einiger Zeit, bin ich mit dem Thema konfrontiert, dass ehemalige Täter verstorben sind. Vor allem der letzte Todesfall eines Haupttäters geht mir nahe – in unterschiedlichster Hinsicht. Unsere Gefühlswelt ist mal wieder sehr gegensätzlich unterwegs. Auch in Sachen Erinnerungen und Flashbacks hat sich seitdem einiges verändert.

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