Rituelle Alltagshandlung

„Hilfst du mir bitte beim Kochen?“, ruft die Mutter.
„Ich komme sofort“, tönt es aus dem Kinderzimmer.

Neben Schule und Hausaufgaben bleibt kaum Zeit, denn seit dem Kindergarten ist es die Pflicht des kleinen Mädchens, im Haushalt mit anzupacken – damit es ihr Vater schön hat, wenn er nach Hause kommt. Gute Frauen machen das so.

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Explizite rituelle Gewalt

Jeden Donnerstag treffen sie sich.
Mein Vater und seine „Brüder“.

Sie versammeln sich, um ihre gemeinsame Ideologie zu stärken: ihre Werte, ihre Weltsicht, ihre „Ordnung“. Die Treffen folgen einem festen Ablauf – mit Symbolen, Rangstrukturen und Ritualen, die für alle Beteiligten selbstverständlich sind.

Kerzen werden entzündet.
Bestimmte Texte werden vorgelesen.
Alle wissen genau, wann man spricht und wann man schweigt.

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Implizite rituelle Gewalt

„Zieh dich aus.“ Ich verstehe nicht, aber mache trotzdem. „Auch die Unterhose.“ Er deutet dem kleinen Mädchen an, sich ins Bett zu legen. Ich krieche unter die Decke. Wortlos. Verwirrt. Innerlich fragend. Äußerlich wie erwartet. Bis er fertig ist. Danach geht der Alltag weiter. Genau so, wie auch die Gewalt Alltag ist.

Man könnte denken, es habe sich um „ganz normalen“ Missbrauch gehandelt. In der Situation selbst gab es keinen offensichtlichen Anhalt für ideologie geprägte Gewalt.

Bei genauerer Betrachtung jedoch muss man feststellen, dass es um das geht, was ich „implizite rituelle Gewalt“ nenne.

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Woher kommt das Motiv? – Verschwörungsmythen im Kontext okkulter Ideologie verstehen: Teil 1 – QAnon

QAnon entstand 2017 auf anonymen Internetforen wie 4chan und 8kun. Ein rätselhafter Nutzer mit dem Pseudonym „Q“ begann kryptische Nachrichten über die Machenschaften der US-Regierung zu posten. „Q“ behauptete, über geheime Informationen aus dem US-Regierungssystem zu verfügen („Q-Clearance“). Was zunächst wie ein harmloses Rätsel wirkte, entwickelte sich schnell zu einem globalen Mythos.

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Schweizer Rundfunk streut Falschbehauptungen: Eingeredete Erinnerungen an rituelle Gewalt durch Therapeutin widerlegt!

Der SRF tritt mit seinen Reportagen zu ritueller Gewalt und dem Narrativ der „Satanic Panic“ im Januar 2023 eine verheerende Welle für Betroffene los. Die Kernaussage: Erinnerungen an rituelle Gewalt und Mind Control werden instabilen Patienten von Traumatherapeuten eingeredet.

Der Journalist Robin Rehmann und seine Kollegin Ilona Stämpfli beschuldigen eine Therapeutin aus dem Kanton Bern. Gezielt fragen sie eine angeblich Betroffene von Falschbehandlungen danach, ob ihr dort die Erinnerungen eingeredet worden wären. Diese bejaht.

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Wer ist dieser Antichrist?

Wir möchten uns an dieser Stelle der Frage widmen, wer dieser ominöse „Antichrist“ eigentlich ist. Berichterstattungen von angeblich verschwörerisch eingepflanzten Satanismusmythen regen dazu an, den „Gott“ der Gewalttaten, der rituelle Gewalt ausmachen soll, einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. In der Medienbewegung der „Satanic Panic“ wird das nie genauer definiert. Klar soll dort pauschal nur transportiert werden: „Gibt es nicht.“ Längst geht es den Autoren und Machern nicht wie behauptet darum, Menschen vor Falschbehandlungen in Therapien zu schützen. Dafür müsste man keine Hassbewegung anführen, die Opfer von rituellen Gewaltformen, ihre Therapeuten und Betroffenengremien pauschal diskreditiert und aushebeln will, nur weil sie zum Teil ähnliche Arbeitsüberschriften haben. Man müsste wegen Falschbehandlungen in Einzelfällen kein Verschwörungsnarrativ der WHO, der Traumatherapeuten weltweit und hinter den Diagnosen von komplexen Traumafolgestörungen wie der DIS vermuten. Man könnte eindeutige Studien und Gehirnscans dazu lesen und die Existenz entsprechend akzeptieren. Man könnte einfach, wie im Journalismus eigentlich gefordert, beide Seiten und Bedürfnisse neutral und objektiv getrennt voneinander betrachten und sie gegenüberstellen – die der Falschbehandelten und die der Betroffenen ritueller Gewalt. Fern von jeder Wissenschaftlichkeit sind wir inzwischen in der Debatte um die Glaubwürdigkeit der Opfer in einem Bereich angelangt, in der das Schubladendenken des Otto-Normal-Verbrauchers als pseudowissenschaftliches Bild einer vermeintlichen Definition von Satanismus benutzt wird, um die Masse zu erreichen. Doch worauf beruhen satanistische/okkulte Ideologien wirklich und wodurch unterscheiden sie sich von medial transportierten Eindrücken?

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Der Ausstiegsreflex in Therapie- und Helfersettings

Aktuell erreichen mich einige, zum Teil sehr verzweifelte Anfragen zum Thema Ausstieg aus organisierten und rituellen Gewaltzusammenhängen. Das einende große Problem: Der Therapeut macht Druck, Täterkontakte abbrechen zu müssen und die Gewalt zu beenden. Die Klienten jedoch können das innerlich aus unterschiedlichen Gründen nicht im gewünschten Tempo leisten. Es scheint bei Hilfspersonen eine Art Reflex zu geben, in Richtung Ausstieg drängen zu müssen. Ich möchte an dieser Stelle meine persönliche Erfahrung und Sichtweise der Thematik eröffnen und widme mich der Frage: „Kann und muss Ausstieg immer das Ziel sein? Ist er überhaupt immer die beste Option?“

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Rituelle Gewalt – mehr als eine ideologisch motivierte Straftat

Rituelle Gewalt ist aus unserer Sicht in ihrer Komplexität und Bedeutung für die Opfer schwer mit wenigen Worten zu definieren. Der Einfachheit halber wird sie oft als „ideologisch motivierte Straftat“ umschrieben. Auf der Seite des UBSKM wird sie in einen Topf mit organisierter Gewalt geworfen und lediglich durch die Ergänzung der Tatmotivation in der Definition folgendermaßen erfasst:

Als organisierte sexualisierte Gewalt bezeichnet man die systematische Anwendung schwerer sexualisierter Gewalt in Verbindung mit körperlicher und psychischer Gewalt durch mehrere Täter und/oder Täterinnen oder Täternetzwerke. Häufig ist sie mit kommerzieller sexueller Ausbeutung, wie zum Beispiel Zwangsprostitution oder der Herstellung von Missbrauchsdarstellungen verbunden.

Dient eine Ideologie als Begründung oder Rechtfertigung von Gewalt, bezeichnet man dies als rituelle Gewalt. Eine solche Ideologie kann religiös sein und beispielsweise im Kontext von Sekten und Kulten vorkommen oder sich aus einer politischen Überzeugung, zum Beispiel in rassistischen oder faschistischen Gruppierungen, ableiten.

Ich habe mich selbst in einigen meiner Artikel der Einfachheit halber und für ein grobes Verständnis der Thematik in aller Kürze auf diese Definition zu den Tathintergründen bezogen. In Anbetracht der aktuellen Umstände und den Tendenzen rituelle Gewalt untergehen zu lassen, möchte ich in diesem Beitrag nochmals erfassen, weshalb sie für die Opfer aus meiner Sicht weit mehr ist als eine ideologisch motivierte Straftat und warum es so wichtig ist, sie unabhängig von anderen Gewaltformen und -zusammenhängen zu betrachten.

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Rituelle Gewalt benennen!

Seit einiger Zeit beobachte ich, dass „rituelle Gewalt“ nicht mehr als eigenständige Gewaltform benannt wird. Der Trend geht in die Richtung, pauschal darum herum zu eiern. Man spricht von „organisierter Gewalt“. Da gehört das ja irgendwie dazu oder?

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Mind Control und Programmierung – Warum die Begriffe im therapeutischen Kontext in der Arbeit mit Opfern organisierter, ritueller Gewalt völlig legitim sind

In der Berichterstattung über organisierte und rituelle Gewalt ist seitens der Leugnerbewegung eine hitzige Diskussion über den angeblich verschwörerischen und unseriösen Gebrauch von Begriffen wie „Mind Control“ und „Programmierung“ in der Therapie von Gewaltopfern entstanden. Helfern, die diese Worte für die Umschreibung des Zustandes ihrer Klienten wählen, wird neuerdings gerne in einem Atemzug direkt der Glaube an eine Weltverschwörung und unwissenschaftliches, patientenschädigendes Gedankengut unterstellt. Das ist jedoch keinesfalls pauschal so als Aussage vertretbar! Erklärung folgt:

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