Darüber reden können wir, wenn Sie stabil genug sind…

Aus unseren Therapieversuchen kennen wir Aussagen, wie: „Du darfst jetzt nicht darüber sprechen. Das wäre nicht der richtige Zeitpunkt. Das wäre gerade zu schwer.“
„Für wen?“, wollten wir dann oft gerne nachfragen. „Für uns oder für Sie!?“
Wir dürfen nicht über unsere Vergangenheit sprechen, werden wieder zum Schweigen gezwungen und es wird uns auch noch als Fürsorge verkauft. Dabei hatten wir da nicht selten das Gefühl, dass es eher die Therapeutin ist, die jetzt Angst bekommt, was ihr da so erzählt werden könnte und versucht sich so zu retten.
Es ist ohne Frage nicht sinnvoll tief in die Erinnerungsarbeit einzusteigen, wenn man gefahr läuft dabei wegzudissozieren. Das bringt nicht nur nichts, weil es das Gehirn nicht im Bewusstsein halten und einordnen kann, sondern kann auch retraumatisieren.
Aber grundsätzlich zu verbieten darüber zu reden, bis man völlig stabil ist, ist auch keine Lösung.
Es entmündigt. Es spricht der PatientIn ab, dass sie selber in der Lage ist ihre Grenze einzuschätzen und zu fühlen, was hilfreich ist. Wo kennen wir das gleich nochmal her!? Richtig, von den Tätern.
Wir wären heute sicher schon nicht mehr hier, wenn wir in manchen Situationen nicht einfach mal hätten ausdrücken können, was in unserem Kopf ist. Manchmal war es sogar die letzte Rettung, wenn wir völlig instabil und selbstmordgefährdet waren, weil wir dann das Wirrwarr im Kopf mit unserer Therapeutin zusammen wieder etwas ordnen und schlimmeres verhindern konnten. Weil wir darüber begreifen konnten, warum wir gerade wie reagieren und darüber Lösungen gefunden werden konnten. Drum sind wir dafür, dass auch in frühen Phasen der Therapie Erinnerungsinhalte mit einbezogen werden und der sichere Rahmen für das Gespräch darüber gemeinsam gefunden wird und nicht nach Schema „X“. Der stabile Punkt, an dem ein Therapeut das reden über Erinnerungen zulässt, wird sonst eventuell zur unerreichbaren Hürde, weil es ja genau die Erinnerungen sind, die im Hintergrund wirken und instabil machen.
Wir sehen also keinen Sinn für solche Schweigegebote, finden sie im Gegenteil kontraproduktiv. Passiert ist es uns doch auch und im Kopf haben wir es sowieso. Damit müssen wir jeden Tag klar kommen. Nur weil es in der Therapie nicht sichtbar werden darf, wirkt es in uns doch nicht weniger. Zudem sehen wir es für uns auch als unser gutes Recht, über unsere Geschichte zu sprechen, genau so, wie jeder andere, ja auch einfach über die eigene Geschichte sprechen darf.

Dissoziative „Entscheidungsinseln“

Was meinen beruflichen Alltag betrifft schaffe ich es ganz gut schnelle und richtige Entscheidungen, auch im Sinne der Menschen, mit denen ich arbeite, zu treffen.
In anderen Bereichen sieht es da schon ganz anders aus.
Je privater und persönlicher der Bereich wird, in dem ich/wir uns für etwas entscheiden müssen, umso komplizierter und schwieriger wird’s.
Es ist, als wäre jede Innenperson dann eine kleine Entscheidungsinsel, die sich mit Ihren Bedürfnissen, Wünschen und Zielen häufig auch von denen der Anderen unterscheidet.
„Weil viele Anteile für sie als Gesamtpersönlichkeit spezifische Funktionen erfüllen, betrachten sie bestimmte Entscheidungen unter ihrem eigenen unflexiblen Blickwinkel; es ist sogar möglich, dass sie Entscheidungen, die nicht ihr ureigenes Interessengebiet betreffen, für völlig irrelevant halten.“ (Quelle s.h. unten)
Und wie kriege ich das jetzt trotzdem unter einen Hut!?
Entscheidungen können bei uns schon mal länger dauern und für anscheinend ganz normale Tätigkeiten, z.B. ob ich jetzt mit einer lieben Bekannten Kaffee trinken gehe, ist manchmal so viel Zeit vonnöten, um wirklich zu planen, dass schon alleine dafür drei Therapiestunden draufgehen könnten.
Wir wissen, dass wir möglichst schon über die Möglichkeiten und Folgen einer Entscheidung nachdenken sollten, bevor wir unter Zeitdruck sind. Im Alltag kommt’s oft anders.
Ein Schnellboot muss her um zwischen den Entscheidungsinseln Verbindung und damit auch Vermittlung zu schaffen und vor allem auch die schlafenden aus der Hängematte zu schubsen, die wir für die Entscheidung brauchen, die aber selbst davon noch nichts mitbekommen haben.
Es hilft uns manchmal Kriterien und eine Rangordnung dieser zu finden. Was ist uns besonders wichtig, wenn wir uns entscheiden z.B. 1. Sicherheit, 2. Spaß, 3. Bequemlichkeit, 4. Sinnvoll…Danach wiegen wir ab, mit welcher letztendlich getroffenen Entscheidung diese am besten erfüllt sind.
Wichtige Entscheidungen besprechen wir auch mit unserer Freundin oder in der Therapie.
Für uns ist es entlastend in jedem Fall bewusst eine Entscheidung zu treffen, auch wenn die Entscheidung, dann lautet, dass wir gerade keine Entscheidung treffen (können). Es ist immerhin auch eine Entscheidung. Wir fühlen uns damit aktiv und kommen aus unserer Ohnmacht heraus und dem dumpfen Trancegefühl, dass sich dann bei uns einstellt. Die benötigte Entscheidung hat nicht uns im Griff, sondern wir sie.
Wenn wir die Suche nach der Antwort für den Moment aussetzen, können wir uns zu einem späteren Zeitpunkt immer noch damit befassen und wenn es manchmal nur 10 Minuten später sind. In der ein oder anderen Situation hat uns das die Entlastung gebracht, die wir brauchten, um überhaupt wieder in ein Kommunikationsboot von Insel zu Insel steigen zu können.
Es läuft immer noch sehr oft chaotisch und durcheinander und ich träume von der organisierten inneren Konferenz wie im Fachbuch, aber die Strategie zu entschleunigen hat uns schon oft entscheidende Vorteile gebracht.

Quelle: Traumabedingte Dissoziation bewältigen – S.Boon, K. Steele, O. Van der Hart

Lernblockaden und Adventsgedanken

Ich bin müde.
Meine Augenlieder wollen sich im gleichen Moment schließen, in dem ich den Deckel des Ordners zuklappe und widerwillig beschließe das Lernen für heute zu beenden, obwohl ich den Stoff nur halbwegs verinnerlicht habe. Für die Prüfung morgen muss es ausreichen.
Der Kopf ist voll…
… nur leider nicht mit schulischen Zahlen, Daten und Fakten.
Dass es nicht nur mir so geht, sondern auch die „ganz normalen“ Mitabsolventen unter dem Lernpensum stöhnen, erleichtert mich etwas. Es wäre also auch ohne meine Geschichte schon schwer, sich durchzubeißen. Ich, meine Reaktionen und die verzweifelte Überforderung sind nicht unnormal, wenn auch teilweise in einem anderen Ausmaß.
„Advent“, denke ich.
„Es ist Advent.“
Auf der einen Seite scheint es nur ein Gedanke zu sein, auf der anderen hallt er in meinem Kopf wieder und wieder, als müsste ich ihn begreifen. Weshalb genau in diesem Moment kann ich nicht fassen. Vielleicht hat er einfach darauf gewartet, dass ich etwas Zeit für Ihn habe.
Ich schaue ihm nach und den Bildern in meinem Kopf von der glücklichen Familie, wie sie im Bilderbuche steht und die Besinnlichkeit des Adventskranzes genießt, weil man das nunmal als guter Christ so macht.
Ich sehe das Flackern der Flammen der Kerzen bis mitten in der Besinnlichkeit die Hölle über uns hereinbricht, weil…
…ja weil man das nunmal als Mitglied einer diversen anderen Gruppierung so macht.
Was bleibt ist die Verwirrung.
Jesus meets Satan.
Und das nicht etwa im Widerspruch.
Zwei Welten, die nicht zusammen passen, ergänzen sich perfekt, bieten doch beide Rechtfertigungen und Erklärungen, warum man sich in einer bestimmten Art und Weise verhalten muss.
Wenn eine nicht ausreicht, um die eigenen Verhaltensweisen, Vorlieben und Perversitäten zu erklären – just mix it!
Dann bekommt selbst das sinnfreiste Sinn und jedes Verhalten findet seine Absolution.
Und die Verwirrung, die dabei bei dem Kind entsteht leistet ihre Dienste.
Zwei getrennte Welten.
Kinderseelen sehen mit ihrem Gefühl und der bloße Verstand sagt ihnen nichts, bis ihnen das Gefühl aberzogen wurde und nur noch die Gedanken der anderen gelten.
Im Denken fallen uns die Augen zu.
Es ist Nacht
und morgen ist Tag.
Es ist schwarz
und weiß.
Innen
und Außen.
Wir sinken in eine andere Welt, die im Traum nur uns gehört.
Stille Zeit.
Im Traum, da sind wir frei.

Alles und Nichts

Ich fände es so schön, wenn mir gerade eben in diesem Moment eine grandiose Idee zu einem Blogbeitrag käme und ich sie dann in freiem Fluss wiedergeben könnte.
Geradlinig.
Doch das passiert nicht.
Stattdessen sitze ich unruhig hier, den Kopf voll mit Wissen und das Herz gefüllt mit Emotion, die der Verstand verzweifelt abzuwenden versucht.
Die Gedanken springen und die Handlungen folgen ihnen.
Gleichzeitig tippe ich hier den Beitrag, schreibe meinen Vermeidungsverhaltenhinterfragungsbogen, checke die Mails und beantworte sie, will telefonieren, stehe auf, um Tee zu kochen und mische sämtliche Einfälle bunt durcheinander.
Hier ein bisschen und dort ein bisschen.
Nichts mit voller Aufmerksamkeit.
Und dann komme ich an den einen Punkt, an dem nichts passiert und doch so viel.
Innen klopfen so viele Dinge an, dass sie viel zu viele sind und dass im Außen gar nichts mehr passiert.
Manchmal ist die Stille so laut, dass ich mir die Ohren zuhalten muss.
Manchmal ist das ruhige einfach nur da sitzen, so bewegt, dass das Leben an mir vorbeirennt.
Manchmal ist alles einfach so viel, dass es irgendwo hinter der Nebelwand im Nichts endet.
Manchmal bin ich einfach nur das eine Ich, das so viele ist und dann wünsche ich mir einen Körperverleih, mit dem die anderen Innens ihre Dinge tun können und ich meine und wir uns danach wieder treffen,so dass wir alle gemeinsam und gleichzeitig im Fluss sein können. Ein Team, das fest zusammengehört und doch jeder frei agieren kann.
Manchmal wäre es ganz einfach, wenn die Dinge nicht so kompliziert wären.

Natürliche Hilfe bei Traumafolgen

In den letzten Jahren haben sich für uns ein paar Mittelchen als sehr wirkungsvoll und hilfreich im Umgang mit den Traumafolgen erwiesen, drum haben wir uns überlegt heute darüber einen Blogbeitrag zu schreiben.
Wir haben viel ausprobiert und so manches hat sich bei uns als wirkungslos erwiesen. Die folgende Auswahl an Mittelchen haben aber bis heute immer wieder gute Dienste geleistet und wir mögen sie in unserer Hausapotheke nicht mehr missen.
Eine lange und anstrengende Therapie und Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit hat uns leider keines davon abgenommen, aber die Prozesse durchaus immer wieder erleichtert und beschleunigt.
Alle Informationen und Angaben im Folgenden zu den einzelnen Mitteln sind persönliche Erfahrungswerte, keine Einnahmeempfehlungen und können natürlich fachmännischen individuellen Rat durch einen Arzt oder Heilpraktiker nicht ersetzen.

Unsere Top 5

Opium C200 / Opium XM
Das homöopathische Mittel Opium als Hochpotenz ist uns oft schnelle Hilfe bei dissoziativen Zuständen vom Nebel-Watte-Gefühl über Erinnerungsschmerzen oder Leere und Gefühllosigkeit bis hin zu starkem Selbstverletzungsdruck, aufgrund dissoziierter Persönlichkeitszustände. Kurz – bei allem, was mit Dissoziation zu tun hat. Die Potenz C200 verwenden wir dabei meist bei „körperlichen Problemen“ und die Potenz XM bei starker „seelischer Dissoziation“. Im Akutfall lassen wir dann 2-3 Kügelchen auf der Zunge zergehen und wiederholen bei Bedarf noch 2-3 Mal jeweils ein paar Minuten später die Gabe, bis wir das Gefühl haben, dass der Zustand jetzt anfängt deutlich abzuklingen. Sofern es für diese Situation die richtige Mittelwahl war, spüren wir innerhalb weniger Minuten, wie wir wieder mehr auf dieser Erde ankommen.

Cannabis indica LM
Ebenfalls ein homöopathisches Mittel. Wir empfinden es als wirksam bei starken Flashbacks, gerade auch, wenn es mal wieder so schlimm ist, dass wir Männer in unserer Wohnung stehen sehen, wo keine sind oder andere Wahrnehmungsverzerrungen durch das Wiedererinnern haben.
2-3 Kügelchen auf der Zunge tun dann ihre Wirkung. Die Gabe wiederholen wir bei Bedarf.

Arnica C 200
Bei Schmerzen, die durch ein Trauma verursacht wurden. Blauen Flecken, Prellungen, Muskelschmerzen z.B. nach Selbstverletzungen oder auch, wenn unsere Wirbelsäule von den Traumafolgen schmerzt und anderen üblichen Einsatzbereichen des homöopathischen Mittels. Einnehmen tun wir es wie oben bei den anderen Mitteln schon beschrieben. Wie häufig, sagt uns dann zusätzlich auch unser Bauchgefühl.

Solunat Nr. 4
Das Solunat Nr. 4 kommt aus der sogenannten Spagyrik. Es enthält verschiedene pflanzliche Wirkstoffe, homöopathische Mittel und kolloidales Silber. Es beruhigt das Nervensystem und hilft einen tiefen erholsamen Schlaf zu finden. Für uns ist es das Mittel, wenn wir unter extremer Anspannung stehen, Angst haben, dass uns vor Druck und Stress gleich die Synapsen durchknallen und wir keine Ruhe und keinen Schlaf finden. Es wird am Abend vor dem zu Bett gehen oder frühestens am späten Nachmittag genommen, weil es schläfrig machen kann und ja auch soll. Ist der Stress vor der Einnahme sehr groß, fangen wir manchmal an auf das Mittel heftig zu zittern, haben Muskelzuckungen und -krämpfe und das Gefühl, als würden wir uns Buchstäblich entladen. Als bedrohlich empfinden wir den Zustand aber nicht, höchstens unangenehm und wenn wir durch diese Phase durch sind, kommen wir tatsächlich zur Ruhe und können wieder schlafen. Meistens passiert das aber nicht in der heftigen Form und wir werden einfach müde und schlafen ein oder wir testen die Reaktion zunächst mit ganz wenigen Tropfen (ca. 4 Tropfen) und wenn alles ok ist, gönnen wir uns etwas später eine zweite Einnahme.

Bachblüten
Lange Zeit haben wir von Bachblüten nicht gerade viel gehalten, wohl auch, weil wir mit den gängigen Notfalltropfen überhaupt nicht klar kamen und sie als wirkungslos empfanden. Dann haben wir uns mit den 38 Bachblütenessenzen genauer auseinandergesetzt, uns zunächst eher skeptisch eine Mischung für unsere persönliche Situation erstellt, die wir uns dann in der Apotheke geholt haben. Seitdem sind wir überzeugt und nutzen sie immer wieder gerne, meistens dann über mehrere Wochen zur Unterstützung in der aktuellen Lebenssituation bei körperlichen und seelischen Problemen. Von Bekannten haben wir ähnliche Erfahrungen gehört.
Wenn die Wahl der Mittel stimmt, können sie sehr hilfreich sein und es lohnt sich damit auseinanderzusetzen oder jemand Erfahrenen in der Mittelwahl zu befragen.

Vermeidungsverhalten erkennen und verstehen

„Die Phobie vor dem inneren Erleben ist ein gravierendes Problem, denn Sie erhält den psychischen Stress aufrecht und hemmt lustvolle und spontane Aktivitäten.“ (Kashdana, Barrios, Forsyth & Steger, 2006)

Wir wollen unser Vermeidungsverhalten für eine Woche beobachten.
Beobachten – nicht verändern.
Es geht nur darum uns in diesem Punkt erst mal besser kennen zu lernen.
Für uns ist es ein wichtiger Schritt uns immer besser zu verstehen, um wirklich gesund werden zu können.

Was uns auffällt schreiben wir jeden Tag auf einen Bogen, wie es im Buch „Traumabedingte Dissoziation bewältigen“ (S.Boon, K. Steele & O. Van Der Hart) beschrieben wird.
1. Welches Erleben vermeiden wir
2. Welche Konsequenzen hätte es für uns, wenn wir das, was wir vermeiden zulassen würden?
3. Was haben wir gemacht, um das Erleben zu vermeiden?
4. Was bräuchten wir an Hilfe oder Ressourcen, um das Erleben weniger vermeiden zu müssen?

Der Plan ist gut…
… die Panikattacken, die er auslöst weniger.
Gerade haben wir den ersten Punkt in unseren Plan eingetragen und etwas darüber nachgedacht und stellen fest, dass uns dabei Dinge bewusst werden, die uns schier zur Verzweiflung bringen. Hinter ganz simpel erscheinenden Handlungen steckt so enorm viel Angst.
Wohl aus dem gleichen Grund, mache ich Orientierungsübungen manchmal nur sehr widerwillig, wenn es mir sowieso schon schlecht geht. Komme ich aus der Dissoziation raus, spüre ich oft sowohl seelisch, als auch körperlich, noch mehr von dem Schmerz, den ich ohnehin schon nicht ertrage.
Die Übung hat mich eiskalt erwischt, den Effekt habe ich vorher nicht durchschaut, sonst hätte ich sie wahrscheinlich vermieden. 😉

Ich bin gespannt, was mir/uns in der Woche alles klarer wird, wohin mich die Vermeidungsverhaltenvermeidungsübung noch so führt und hoffe trotz schmerzlicher Bewusstwerdung, auf letztendlich heilsame Erkenntnisse. 🙂

Ich will spüren, dass ich lebe

Mein nasses Haar fällt über meine Schultern.
In der Nase fühle ich dem Duft des neuen Hafermilchshampoos nach.
Nicht schlecht.
Ich mag das Gefühl auf meiner Kopfhaut.
„Wer bin ich eigentlich.“, frage ich mich so nebenbei.
Die Antwort dazu bekomme ich leider nicht so aus dem Ärmel geschüttelt.
Noch schwieriger, „Was will ich eigentlich?“.

Morgen heißt es wieder antreten und arbeiten.
Das Wochenende war viel zu kurz.
In der ganzen Funktioiermenschenwelt frage ich mich, ob ich das wirklich will. Ob ich wirklich „normal“ sein will und mich dafür selbst immer mehr verlieren, von Tag zu Tag dissoziativer, weil ich sonst die Reize der Außenwelt, die da auf mich einprasseln, gar nicht ertragen könnte.
Hülle.
Irgendwie ein scheiß Gefühl.

Ich will spüren, dass ich lebe!
Wir wollen das!
Wir wollen unser Leben leben.
Nicht das, das andere von uns erwarten.
„… und wissen, dass ich genüge. (…) Vielleicht hatte ich keine Wahl, sondern nur den Willen zum Überleben.“
„Ich will glücklich leben weil ICH bin.“
„Ich bin hier und mein Leben gehört nur mir.
Und den Himmel, an den ich glaube, den gibt es.
Den werde ich irgendwo finden.“

Hamsterzeit

Freitagabend.
Ich sitze mit dem Rücken an die Heizung gelehnt.
Kalt ist es und die ersten Schneeflocken pfeifen ums Haus.
Meine Synapsen schreien nach Ruhe und verzweifeln jetzt schon mal im vorraus, dass das Wochenende nur so kurz ist.
Kleine trippel trappel Schrittchen spazieren über unseren Körper. Die Hamsterdame turnt auf uns herum, während sie den Freilauf genießt. „Man müsste Zeit hamstern können…“, denke ich für mich, als ich Ihr so dabei zusehe wie sie fleißig Vorräte in die Backen stopft.
„Schöne Zeit mit ganz viel Liebe.“
In Gedanken beobachte ich weiter das Treiben, die lustigen Spielchen und auch wie viel Zeit und Ruhe sie sich bei aller Quirligkeit damit lässt, die wichtigen Dinge in Ihren Taschen zu verstauen und immer wieder mit den kleinen
zarten Händchen darüberstreicht, bis jedes Körnchen den richtigen Platz gefunden hat und sich optimal eingliedert.
So möchte ich es gerne mit meiner Zeit machen.
Quirlig und bewegt unterwegs und dennoch die Ruhe und Geduld das Zeitpuzzle in aller Sorgfalt zu spielen, bis jedes Teil genau passt.
Und wenn alles passt und die Zeit optimal genutzt ist, dann will ich mir noch ein bisschen mehr, als ich eigentlich brauche in die Backen stopfen und auf Vorrat mitnehmen, dass jederzeit ein Puffer für die oft so dringend benötigte Pause mit dabei ist.

Es ist Nacht geworden in der Zwischenzeit. Der Himmel leuchtet prächtig schwarz vom kleinen Dachfenster herein.
Ein Blick nach oben. Dorthin, wo die Sterne wohnen.
Da draußen in der Mitte des Universums, da muss sie doch sein, die unendliche Zeit. Einmal werd ich in Gedanken dorthin Reisen und mir einen Sack vom dem, was uns hier auf Erden nur so begrenzt geschenkt ist, mitbringen.
Zeit.
Sie werd ich wertvoll wie Gold in meinen Händen halten und mich selbst lieben.
Ich habe die Zeit mir Zeit zu besorgen und weil ich mich liebe, gönne ich sie mir.

Wer die Täter sind

Es ist der nette Nachbar, der dich jeden Morgen so freundlich grüßt.
Der Handwerker, der dir letzte Woche etwas repariert hat.
Die Mutter die mit dir ihre Tochter in den Kindergarten bringt.
Die Kollegin oder der Kollege, mit dem du immer so viel Spaß hast.
Der Freund/die Freundin mit der du über alles reden kannst, weil er/sie dich so gut versteht.
Der katholische oder evangelische Familienvater, der fleißig in der Gemeinde hilft. Wie Sekte – der ist doch schon katholisch!? Ja, für dich. Dass du beruhigt bist und nichts von seinen Machenschaften ahnst.
Der Lehrer deines Sohnes.
Der Trainer oder die Trainerin im Sportverein.
Der Pfarrer in der Kirche.
Die Geschäftsleitung einer angesehenen Firma.
Ein Mitglied aus dem Stadtrat.
Der engagierte Polizist.
Der einfache stille Mann, der am Ende der Straße wohnt.
Die Supermarktkassiererin.
Die Therapeutin, die dir gerade dabei Hilft dein Leben zu regeln.
Der Arzt dem du dich anvertraust.
Der Untermieter, der gerade eingezogen ist und dich auf Kaffee und Kuchen einlädt.
Und so viele mehr…

Organisierte und rituelle Gewalt ist nicht weit weg.
Sie wohnt nebenan und sie braucht dein Bewusstsein, um erkannt zu werden. Du bist mittendrin, ohne es zu wissen.
Sei mutig, schau hin!

Die angegebenen Personengruppen sind lediglich Beispiele, die nur die Nähe der Thematik von ritueller und organisierter Gewalt in der Gesellschaft verdeutlichen sollen und nicht für die Kriminalität von Berufs- oder Personengruppen stehen. Männer und Frauen können gleichermaßen als TäterInnen beteiligt sein

Ich wär so gern ein Herbstgedicht

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Ich wär so gern ein Herbstgedicht.
Ein Text, der nur von Liebe spricht.
Eine zarte Poesie
mit Freude und viel Fantasie.
Ein tanzendes Lied vom Blätterfallen,
ein Ausdruck meiner kulturalen
Verständigungskommunikationsphilosophie.

Ich wär so gern ein Muntermacher.
Ein Träume und schöne Bilderlacher,
von Sonnenschein und Nebelschwaden.
Ein Beitrag mit Sinn für Natur beladen.
Ein fülliger Geschichtentext,
der einlädt zum Entspannen jetzt.
Ein Satz der wegwischt alle Sorgen –
doch aus mir ist nichts geworden.

So sind nur Worte mir geschenkt,
die sagen was mein Herz sich denkt.
Es scheppert in der Traurigkeit,
mit Bildern von Vergangenheit.
Bevor es mich vor Schmerz zerfetzt,
halt ich mich an dem Sätzlein fest:

Du hast das alles überlebt,
es kommt der Weg, wie’s weiter geht.
Vertrau dem Rhythmus der Natur.
Folge deiner Herzensspur.
Nachdem Herbst und Winter war,
beginnt bestimmt ein neues Jahr
und das was jetzt im sterben ist,
schon bald in Neues sich ergießt.

Heilungsweghoffnungsglaube.

© Copyright by „sofiesvielewelten“, 23.10.2016