# MeToo

Der Hashtag „MeToo“ geht seit über drei Monaten um diese Welt. Er soll es Betroffenen Frauen ermöglichen, das Ausmaß sexueller Gewalt deutlich zu machen. Die Medien berichten fleißig, über immer neue Äußerungen zum Thema aus der High Society.

Wir müssten uns eigentlich „MeToo“ auf die Stirn schreiben – immerhin sind wir Betroffene. Unsere Meinung zu der Kampange fällt allerdings nicht so positiv aus.
Das hat verschiedene Gründe:

Vor der Kritik will ich die Debatte zumindest kurz loben. Wir sind absolut dafür mit der eigenen Geschichte aufzustehen und die Stigmatisierung abzulegen. Die mutigen Frauen die sich bislang daran beteiligten, haben es geschafft die Thematik der sexuellen Gewalt zum Gesprächsthema zu machen.

Was mir nicht gefällt ist die Art und Weise.
„Me too“ heißt nichts anderes als „Ich auch“.
Was ich mich dabei nicht alleine Frage: „Ich auch was!? Was sagt das eigentlich aus?“ Für eines der brisantesten Themen unserer Zeit steht derzeit eine der farblosesten Phrasen dieser Welt.
Ich möchte ein Eis – Ich auch.
Ich war auf einem Konzert – Ich auch.
Ich würde belästigt – Ich auch.
Was all diese Beispiele gemeinsam haben, ist, dass kein Mensch weiß worum es eigentlich geht. Welches Eis? Auf welchem Konzert? Und was um alles in der Welt heißt, dass du auch sexuell belästigst wurdest? Was ist die Handlung, die dahinter steht? Wovon genau sprichst du? Mit dieser MeToo-Antwort ist überhaupt nicht klar worum es geht. Sexuelle Gewalt ist ein so weites Feld, mit so vielen Facetten, dass man jeden Einzellfall definieren muss. Wenn man möchte, dass Menschen sich wirklich mit einer Thematik auseinander setzen, muss man auch dazu sagen, womit sie sich beschäftigen müssen. Das ist Grundvoraussetzung um ernst genommen werden zu können. MeToo bringt gesellschaftlichen Druck das Thema wahrnehmen zu müssen und macht gleichzeitig den großen Fehler, das Thema nicht zu klären. Das löst nichts. Das bringt keiner Betroffenen etwas. Die Kampange ist langfristig geradezu verdammt, als Aufschrei hysterischer Frauen und Druckmittel von Emanzen gegen Männer unterzugehen. Es führt zu Nebenkriegsschauplätzen, die mich extrem wütend machen. Da fangen beispielsweise Männer allen Ernstes an zu fragen, wie sie sich denn noch verhalten dürfen, ohne beim Flirten der Belästigung bezichtigt zu werden. „Wie ein normaler respektvoller Mann!“, möchte ich diese Kerle anschreien, weil es darum schlicht überhaupt nicht geht. Sexuelle Gewalt und Belästigung hat NICHTS mit einem Flirt zu tun! Ein Flirt ist ein empathisches Ausloten von gegenseitigen Gefühlen. Belästigung und sexuelle Gewalt ist Grenzüberschreitung und Lust auf Macht, völlig ohne Rücksicht auf das Gegenüber. Die ganze Verunsicherung könnte man vermeiden, indem man gerade bei dieser MeToo-Kampagne dazu sagt, worum es sich bei den Vorwürfen handelt. Vielleicht gibt es dann hunderttausend verschiedene Arten betroffen zu sein, aber die gesellschaftlichen Probleme dahinter sind offen benannt.

Wir finden die Möglichkeiten der sozialen Medien zur Öffentlichkeitsarbeit toll. Gerade wenn es kein greifbares Gegenüber mehr gibt, müssen aber die Worte Klarheit schaffen. Sonst macht man es auch den Lesern zu einfach „zu fliehen“. Sexuelle Gewalt ist eben kein Hollywood-Problemchen und „MeToo“ eigentlich kein Aufschrei von Trittbrettfahrern.

DDNOS und Programmierung

„Bei DDNOS ist der ANP immer präsent, selbst wenn eine andere Innenperson die Kontrolle über das Verhalten und die Gefühle übernommen hat. Menschen mir DDNOS (die einen Hüllen-ANP haben) können innerlich genau so komplex sein, wie Klienten mit DIS […]. Vieles fällt multiplen Persönlichkeiten mit DDNOS leichter, als solchen mit DIS, da sie keine Amnesie haben und so z.B. nicht feststellen müssen, dass sie sechs mal hintereinander gefrühstückt haben. Doch es fällt Ihnen leichter als DIS-Klienten, irrtümlicherweise davon auszugehen, dass ihre negativen Gefühle durch Situationen in der Gegenwart verursacht werden statt durch ein altes Trauma, das durch etwas in der Gegenwart getriggert worden ist. Und es ist schwieriger für Therapeuten, ihre Multiplizität zu erkennen.“

Alison Miller, Jenseits des Vorstellbaren, Asanger Verlag 2014, S. 62

Die Diagnose einer DDNOS umfasst ein relativ weites Spektrum an dissoziativen Symptomen. Ihr Erscheinungsbild ist deshalb sehr variabel. In manchen Fällen findet sich eine DIS-ähnliche Innenstruktur, die deshalb auch einer ähnlichen Behandlung  bedarf.

Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass sogenannte Programmierungen ausschließlich in multiplen Systemen vorhanden sind. Zu der Programmierung bei DDNOS ist in der Fachliteratur wenig bis nichts zu finden. Dennoch möchten wir hier aus eigenen Erfahrungen darauf hinweisen, dass dies bis zu einem gewissen Grad möglich ist. Auch eine DDNOS mit Hüllen-ANP kann Teil einer Abrichtungsstrategie sein, über die letztlich der Programmierer entscheidet. Dieser wird sein Handeln auf die Ziele abstimmen, für die eine Person benutzt werden soll. Die DDNOS kann dementsprechend alleine oder als Element in einem multiplen System auftauchen, wenn etwa ein Hüllen-ANP mit den zugehörigen EPs vor ein tieferliegendes Innensystem geschaltet wird. Dies verhindert beispielsweise den Zugriff auf tieferes Wissen in der Therapie. Der unwissende Behandler ahnt nichts von der Dimension dahinter. Er agiert lediglich in den äußersten Schichten. Darüber hinaus gibt es weitere Vorteile dieses Vorgehens.

Auch eine DDNOS müsste also auf ihre „Sinnhaftigkeit“ von Täterseite beleuchtet werden. Ein System kann komplexer sein, als es auf den ersten Blick scheint. Manchmal kann auch eine DIS darüber gedeckelt werden und dahinter verborgen liegen.

Bunte Ärztekiste

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Ich sitze beim Arzt im Wartezimmer.
Neben mir niest und schnupft es. „Sei standhaft“, feuere ich mein Immunsystem an.
Ich brauche nur ein Attest. Ich sitze am Fenster und schnappe nach Frischluft. Meine Augen kleben an den Buntstiften, während meine Gedanken Kreise ziehen.

„Wird alles so laufen, wie wir uns das derzeit ausmalen?“
Wir wollen nach Dresden und wissen doch eigentlich gar nicht wie es da ist, wohl aber wie es sein sollte… Ich wünsche mir dort in meiner Vielfalt sein zu können. Aber klappt das, wenn die Therapeutin am Telefon sagt, dass sie hauptsächlich über den ANP arbeiten, um die Spaltung nicht zu vergrößern? Das hab ich mir anders vorgestellt… Ich verkneife mir den Kommentar, was ich von so einer Aussage halte. 🙄
Ich möchte am liebsten in die Klinik, um hinterher geheilt ganz normalen Alltag zu leben. Je länger ich darüber nachdenke, desto unrealistischer erscheint mir das…

Es wird wohl eher ein Prozess.

D-Mannose bei Blasenentzündung

Seit wir denken können haben wir Probleme mit Blasenentzündungen. Früher so schlimm, dass wir spätestens alle sechs Wochen Antibiotikum brauchten. Zwischenzeitlich hatten wir das nun zumindest soweit im Griff, dass wir über unser Stresslevel gegensteuern konnten und dadurch deutlich seltener Beschwerden hatten. Am Wochenende allerdings schlug die Entzündung in der Nacht von Samstag auf Sonntag richtig zu. Die Blase schmerzte, wir hatten ständig Harndrang und jeder Toilettengang war eine Qual.
Was also tun?
Da von unseren Ärzten niemand Dienst hatte, suchten wir die Notdienstapotheke auf. Wir wollten uns etwas besorgen, das die Symptome lindert, bis wir am Montag zum Arzt können. Über den alleinigen Erfolg unserer Maßnahmen waren wir skeptisch, da wir schon früher sämtliche alternative Methoden von Cranberrys bis Bärentraubenblätter ausprobiert haben. Bis zu einem gewissen Grad haben wir gute Erfolge damit erzielt. Über die leichten Anfänge einer Blasenentzündung waren wir zu dem Zeitpunkt aber schon deutlich hinaus…

Der Apotheker hat uns ein Produkt empfohlen, dass als Wirkstoff D-Mannose enthält. Dabei handelt es sich um einen Zucker, der vom Körper nicht verstoffwechselt wird. Er wird über die Nieren wieder ausgeschieden und ist auf seinem Weg durch den Körper in der Lage die Bakterien in Blase und Harnwegen zu binden. Auf diese Weise können sie sich nicht mehr an der Blasenwand anlagern und die schmerzhafte Entzündung verursachen.
In meinem Fall sollte ich die D-Mannose drei mal täglich als Trinkpulver einnehmen. Das schmeckt angenehm nach Himbeere. Ganz billig war das Präparat nicht. Auf meiner nachträglichen Recherche im Internet habe ich aber auch schon günstigere Varianten gefunden. Auch bei DM soll es ein ähnliches Produkt geben, allerdings mit geringerem Wirkstoffgehalt.

Einen Tag später bin ich erstaunt und begeistert. Meine Blasenentzündung ist so gut wie gar nicht mehr wahrnehmbar. Geblieben ist nur ein ganz leichtes Ziehen am Ende des Wasserlassens. Vermutlich wird sich auch das im Laufe des Tages noch legen. Ich bin froh diesmal nicht auf Antibiotikum zurückgreifen zu müssen. So dankt mir auch mein ohnehin entzündeter Darm. Das Pulver werde ich noch einige Tage weiter nehmen. Da es auch vorbeugend wirksam sein kann und keine Nebenwirkungen hat, überlege ich gerade, ob ich es anschließend in geringer Dosierung weiter verwende. Auf dem Beipackzettel wird diese Möglichkeit bei chronischer Blasenentzündung beschrieben.
Für‘s erste bin ich mehr als zufrieden mit dem Produkt.

Diagnostikvorläufer

Am Donnerstag waren wir in einer Klinik mit Traumaambulanz, um mal wieder Diagnostik zu machen. Hintergrund zu dem ganzen Aufwand ist die Antragstellung für einen Klinikaufenthalt. Die Therapeutin in der angestrebten Klinik hat uns in einem Gespräch mitgeteilt, dass es für den Antrag in unserem Fall wichtig wäre, bereits eine gesicherte Diagnose beizulegen. Dann wäre zum einen die Auswahl an alternativ möglichen Kliniken geringer, zum anderen könnte mich aber auch die Traumaklinik direkt auf die DIS-Station einordnen.
„Kein Problem“, war mein erster Gedanke. „Schwerer, als ich mir das vorgestellt habe“, mein zweiter nach einigen anrufen. Die erste Therapeutin, die die Diagnose vor über 10 Jahren gestellt hat, arbeitet nicht mehr und ist auch nicht anderweitig erreichbar. „Ok, gut. Es gab ja auch noch welche nach ihr“, beruhige ich mich. Ich greife also zum Hörer und wähle weiter. Eine Andere ist derzeit schwer an Krebs erkrankt und nicht in der Lage etwas auszustellen. Der angebotene Schrieb einer Beratungsstelle ist nicht ausreichend. Die Psychotherapeutin an meiner vierten Anlaufstelle, sagt zu mir etwas zu schreiben, wäre aber froh, die Testdiagnostik der Traumaambulanz in der ich vor einigen Jahren vorstellig war, zusätzlich mit einbeziehen zu können. Das würde der Diagnose zusätzlich Gewicht verleihen. Also rufe ich auch dort an und bitte um die Übersendung der Unterlagen. Das geht jedoch nicht so einfach, weil dort die Therapeutin, die damals die Diagnose gestellt hat, nicht mehr arbeitet und Dritte den Befund nicht schreiben können, ohne mich jemals gesehen zu haben. Nach längerer Diskussion, dass doch Patientendaten nicht einfach nicht mehr greifbar sein können, weil das Personal wechselt, lädt man mich kurzfristig zu einem Termin ein, in der man die Diagnostik wiederholt. Soweit also die Vorgeschichte zu dem Termin in der Ambulanz.

Was lernen wir daraus:
Man sollte sich seine Diagnosen immer im Laufe der Therapie mindestens einmal schriftlich bestätigen lassen, auch wenn man das zu dem Zeitpunkt nicht braucht. Man weiß nie, wofür es mal gut ist.

In der Traumaambulanz ist man sehr freundlich zu uns. Die Ärztin und Psychotherapeutin, die für uns eingeteilt wurde, ist mit unserem Anliegen direkt bestens vertraut. Sie hat die alten Akten vor sich liegen und sich eingelesen. Mit Ruhe beginnt sie die erneute Diagnostik. An Zeit mangelt es nicht. Das empfinden wir als sehr positiv. Wir arbeiten uns durch mehrere Fragebögen. Anschließend klärt sie im freien Gespräch Dinge, die ihr zusätzlich wichtig erscheinen. Am Ende kann sie die Diagnose ihrer früheren Kollegin bestätigen. Die DIS ist eindeutig. Dazu kommen andere Probleme, wie etwa eine Essstörung und Depressionen.

Wir sind froh, dass wir das gemacht haben. Der Umgang in der Ambulanz mit uns, hätte nicht besser sein können. Das Vorgehen können wir auch für unsichere DIS-ler, die endlich eine sichere Diagnose wollen, nur empfehlen. Auch im Nachgang zum Termin bekamen wir direkt Unterstützung angeboten.
Trotzdem schlauchen uns die Folgen des Untersuchungsgesprächs immer noch. Wir sind seit Tagen komatös müde, können uns kaum auf den Beinen halten und kämpfen mit starken Schmerzen. Zumindest hat sich der Termin aber auf unserem Weg zur Traumaklinik gelohnt. 😊

Worte tanken

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Heute war ein anstrengender Tag. Mehrere Stunden Zugfahrt und ein langes Gespräch in einer Traumambulanz später wollen wir einfach nur noch abhängen. Am liebsten hätten wir jetzt auch so eine Hängematte, wie die Katze. Darin würden wir bewegungslos ausspannen. Da es uns daran leider mangelt, nehmen wir mit unserem Bett vorlieb und kuscheln uns in eine weiche Decke ein. Wir lassen den Tag ausklingen. Erschöpft versuchen wir Ruhe zu finden. Es gibt viele Eindrücke und viel zu erzählen. Für heute sind allerdings die Worte leer. Unsere Seele freut sich auf die stille Nacht zum Wortetanken.

Wir wünschen euch allen eine gute und erholsame Nacht! Habt seelenstreichelnde Träume.
Bis morgen!

Eigentlich war es doch gar nicht so…

… unbedeutend.
… leicht.
… harmlos.
Schlimm!?

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Weshalb jeder Missbrauch zählt, zeigt folgender Fall:

Die Geschichte zu diesen Gedanken beginnt mit einem Kundentermin, den ich trotz meiner Krankschreibung wahrgenommen habe. Es war mir wichtig, die offenen Akten soweit abzuschließen, dass ich die Arbeit mit halbwegs gutem Gewissen zurücklassen kann. Die Frau, die im Büro vor mir sitzt, ist über 70 Jahre alt. Wir regeln gemeinsam Formalien, Unterschriften und grob die weiteren Abläufe. Ganz nebenbei beginnt sie von sich zu erzählen, ihrem Mann, der gerade erst verstorben ist und ihrer Kindheit. Ich sei emphatisch und dass Sie sich sehr freue, dass ich mich um ihr Anliegen kümmere, meint sie.
Dann platzt es aus ihr heraus, wie eine Offenbarung. Endlich habe sie nun den Mut in Therapie zu gehen. „Es hat so schrecklich lange gedauert, aber dem Missbrauch aus meiner Kindheit konnte ich mich vorher nie stellen. Jetzt hab ich es doch gewagt“, zittert ihre Stimme. „Mir geht es schon viel besser, seit ich damit angefangen habe. Mein ganzen Leben war danach ausgerichtet. Was ich esse, was ich anziehe, welche Filme ich sehe…“
Ich bin für den Moment sprachlos. Ihre Augen durchdringen mich mit der unausgesprochenen Frage nach meiner Meinung. Mein Kopf nickt und meine Lippen formen eine Bestätigung: „Ich finde es gut, dass sie das machen. Es kommt nicht darauf an, wie alt sie schon sind, sondern dass sie es verdient haben endlich zu heilen.“
Sie lächelt.
Dann erzählt sie mir die alten Situationen.
Für einen Moment möchte ich nur Stopp schreien. Darum geht es hier gerade eigentlich nicht. Es wird mir zu viel. Ich atme zwei Mal tief durch und sammle mich. Dabei bringe ich mich selbst in Sicherheit. Ich entscheide mich für einen Augenblick zuhören zu wollen.

Ihre Schilderung ist kurz.
Erstaunlich kurz.
Irgendwie hatte ich bei der alten Dame „schlimmeres“ erwartet. Immerhin erzeugte das Erlebte einen siebzig Jahre andauernden Leidensdruck…
Das ist an dieser Stelle meinerseits gar nicht abwertend oder verharmlosend gemeint. Das möchte ich deutlich betonen.
Als sie mit der Detailschilderung anfing, war ich innerlich überzeugt davon, dass sie mir gleich Vergewaltigungsszenarien erzählen wird.
Doch darum ging es nicht.
Viel mehr stand Folgendes im Mittelpunkt:
Ein Bekannter steckte ihr bei einem Besuch in einem unbeobachteten Moment kurz unvermittelt die Hand in die Hose als sie gerade vier war. In zwei weiteren Situationen bedrängten Sie als Jugendliche Fremde auf der Straße. Einer riss ihr die Bluse auf. Die Fortsetzungen der Taten konnte durch Passanten verhindert werden.
Alle Täter stammten nicht aus dem familiären Kreis.
Ihre Mutter glaubte ihr sofort, als sie die Vorfälle schilderte und kümmerte sich fürsorglich.

Worauf will ich eigentlich hinaus?:
Die Gesellschaft übersieht viel zu häufig, was solche Situationen bei Menschen anrichten können. Dabei nehme ich mich selber nicht aus. Es fällt mir an mir selbst oft schwer, mich ernst mit meinen Gefühlen zu nehmen. Mit Sätzen wie „Es war doch nur ein bisschen Streicheln“ oder „Das kann mich doch nicht so lange beeinträchtigen“ habe ich in der Vergangenheit häufig Teile meiner eigenen Erinnerungen abgewertet. Was ich dazu fühle ist eine ganz andere Sache. Der Heilung ist das nicht gerade förderlich. Bei anderen Menschen ist mir die Tragweite viel klarer.
Nicht nur in Missbrauchsfamilien wird die Meinungsbildung Richtung „Akzeptierte Grenzüberschreitung“ geformt. Die Medien verkaufen uns mittlerweile tagtäglich in der Nachmittagsunterhaltung, dass eine gewisse Übergriffigkeit zum Leben dazugehört und Frau das auszuhalten hat.
Der Schock und das Entsetzen der Taten war im Fall der älteren Dame deutlich sicht- und spürbar. Es muss keine Vergewaltigung sein um langanhaltende, schwerwiegende Folgen von Traumatisierung zu bewirken.
Meiner Kundin war das absolut klar. „Mit Sprüchen wie „Nochmal gut ausgegangen“ braucht man mir gar nicht mehr kommen. Es war einfach furchtbar. Grenzen werden nicht erst bei Vergewaltigung überschritten. Das ist es was zählt“, sagt sie bewegt und schließt so ihre Erzählungen.

Es wird Zeit, dass wir uns endlich wieder trauen unsere Grenzen unabhängig von der Meinung anderer zu fühlen.
Da Grenze individuell ist, sind es auch Ausmaß und Schwere der Traumatisierungen des Einzelfalles. Es zählt, was für dich selbst zählt!

Einen Teelöffel Worte

Ich sitze hier und nuckle kopfüberfüllt am Strohalm der Capri-Sonne mit Orangengeschmack. Genau genommen ist es keine echte, sondern eine billigere Variante und noch genauer genommen habe ich längst den Überblick verloren, wer hier eigentlich in diesem Moment alles sitzt. Das angebliche Fruchtsaftgetränk schmeckt. Jetzt ist es zu allem Überfluss aber leer.
Ich werfe das ausgesaugte Plastikdingens unachtsam vor mich auf den Tisch. Meine Hände suchen im Kühlschrank hinter mir nach einem Joghurt. Sie finden ihn schließlich auf der obersten Ebene. Während kleine Finger mit Mühe die Abdeckfolie aufziehen und beginnen mit dem Teelöffel in der Creme-Matsche mit Mandeln herumzustochern, weil sie weder aussieht noch schmeckt wie Fruchtzwerge, begegnen sich im Innen unsere Gedanken.

„Na, heute schon gelebt?“, fragt mich ein Jugendlicher flapsig.
Die Frage kommt irgendwie überraschend. „Öhm, naja, also,… wie man’s nimmt“, antworte ich.
„Gut, dass du das so genau weißt“, lacht er. „Wie kommt’s, dass du hier drin rumhängst?“
„Ja, wie kommt das eigentlich?“, denke ich für mich selbst noch einmal. „Irgendwie war da die Limo, das Joghurt und ein stiller Moment und dann wollte ich einfach mal sehen, was in mir so los ist.“
Während ich weiter versuche mich auf das Gespräch zu konzentrieren, machen sich Kopfschmerzen und Müdigkeit breit. Ich wandere mit dem Laptop zum Bett. Die Katze war vor mir da und hat größere Teile davon bereits besetzt. Ich kuschle mich dennoch dazu.
Über den Kopfschmerzen verliere ich den direkten Draht nach innen. Für mich wirkt alles Durcheinander. Für andere Innens scheint es geregeltes Chaos zu sein.
Je bewusster ich versuche mir Zeit für das „Wir“ zu nehmen, umso schwieriger wird es jedoch. Meine Augen beginnen zu krampfen und zu zucken. Bald will ich einfach nur noch schlafen.
„Ich wünsche allen eine gute Nacht“, verabschiede ich mich.
Ein kleines „Gute Nacht“ hallt zurück.
Dann beende ich das bewusste Gespräch, rutsche einfach aus meiner sitzenden Position nach unten und lege mich zum Ausruhen auf die Seite.
Es ist spät und ich kenne den Mechanismus bereits. Für heute gebe ich nach.
Morgen ist ein neuer Tag, mit einer neuen Chance sich kennen zu lernen.

Die Dimension der Heilung

„Es ist wie bei einem Schock. Alle Energie zieht sich von den Extremitäten zurück, um nur noch die lebenswichtigen Organe zu versorgen. Bei Ihnen ist es gerade ähnlich. Das was passiert ist, war einfach zu viel. Es ist keine Kraft mehr da, sich um das Außen und den Alltag zu kümmern. Ihre Seele hat jetzt andere Prioritäten. Sie braucht die Energie um ihr Innerstes zu erhalten und zu heilen.
Der einzige Unterschied zum investierten Kraftaufwand ist, dass sie dafür leider keinen Uniabschluss oder besondere Auszeichnungen im Außen bekommen. Was sie leisten ist dadurch weniger sichtbar, aber gewiss nicht weniger wertvoll für Sie selbst und unsere Gesellschaft.“ 

Diese Worte meiner Therapeutin haben mich sehr bewegt. Sie bringen sehr gut auf den Punkt, worum es in meiner Situation derzeit und im Leben vieler traumarisierter Menschen geht. Alltagseinbrüche heißen Heilung. Die Anerkennung im Außen dafür fehlt leider häufig.
Neulich habe ich ein Zitat gelesen:
„Jede Frau, die sich selbst heilt, heilt alle Frauen, die vor ihr da waren und all die, die nach ihr kommen.“  
Der Verfasser ist mir leider unbekannt. Gefunden habe ich es hier.
In meinem Herzen gibt es einen Teil, der sich über diese Aussagen freut. Sie zeigen die gesellschaftliche Dimension, die mutige Frauen mit ihrer eigenen Heilarbeit leisten und machen klar, dass Selbstwerteinbrüche nicht sein müssen. Im Gegenteil, sie können stolz auf ihre Courage sein, die sie mitbringen ihren Themen ins Auge zu blicken. Vielleicht sind andere Überlebende, genau wie ich im Moment, über manche Strecken nicht dazu in der Lage, auch noch einen Beruf zu managen oder normalen Alltag zu leben. Sie werden nicht für ihre seelischen Glanzleistung bezahlt und müssen unter Umständen, auf die Versorgung durch den Staat zurückgreifen. Manchmal fallen dann auch noch blöde Sprüche. Man fühlt sich schlecht anderen auf der Tasche zu liegen. Aber hey – es ist ok, dafür aus der Gemeinschaftskasse bezahlt zu werden, dass man Themen therapiert, für die der Staat zu feige ist und sonst keine Lösungen anbieten kann. Für die er es noch nicht einmal hinbekommt, geeignete Therapiemöglichkeiten zu schaffen. Damit meine ich jetzt nicht nur die mangelhaften „Ich stell dich auf die Beine“-Angebote in Kliniken die lediglich funktionierfähig machen sollen. Um Aufarbeitung geht es kaum. Wer das Trauma deckeln kann, gilt als gesund. Was, wenn ich mehr erwarte!? Ich möchte nicht Krankenkassenfinanziert lernen dauerzuverdrängen. Ich möchte mit Empathie und Herzlichkeit auf meine Wunden schauen dürfen. Begleitet. Von Menschen, die Ohnmacht und Schmerz aushalten können und nicht ihre Ziele an mir verwirklichen wollen/müssen.

Das Geschenk der heilenden Frauen an diese Welt ist ein ganz besonderes:
Sie bringen Stück für Stück die Emotionen zurück und ein gesundes Selbst- und Menschenbild in dem euere Kinder sicher aufwachsen.

Taras Welten auf YouTube

Wer sich für die Serie „Taras Welten“ interessiert findet die meisten Folgen aus den verschiedenen Staffeln mittlerweile auch auf deutsch bei YouTube.
Vorab sei gesagt, dass durchaus oft vulgäre, sexualisierte Sprache benutzt wird, die auch leicht einmal triggern kann. Auch gewisse Szenen sind mit Vorsicht zu genießen.

Wir haben die Serie bereits vor längerer Zeit im Fernsehen gesehen. Damals lief sie zur „Primetime“ auf ARD um ein Uhr nachts. 😉
Für uns persönlich, hat sie mit dem „normalen“ Leben einer multiplen Persönlichkeit nicht wirklich viel gemein. Das liegt auch an der stark überspitzen Darstellung und den mangelhaften medizinischen Fakten. So sucht Tara in der ersten Staffel etwa beständig nach den Puzzelstücken eines Traumas im Alter von 16 Jahren. Dieses sieht sie als Auslöser für ihre Spaltung. Wer also hofft realitätsgetreue Einblicke in das Erleben zu bekommen wird enttäuscht. Bildungsfernsehen ist das sicher nicht.

Dennoch finden wir die Serien als Unterhaltung sehenswert. An vielen Stellen müssen wir einfach über die Absurdität der Situationen lachen.