Was bedeutet sicherer Raum für die Traumatherapie?

„Dafür braucht es einen sicheren Rahmen.“ Das Problem in der Traumatherapie: Der „sichere Raum“ wird oft theoretisch beschworen, aber praktisch nicht gelebt. Viele Fachkräfte sehen „sicheren Raum“ als Rahmenbedingungen (ruhiges Zimmer, wohlwollender Therapeut, Klinik mit Rufbereitschaft) – und vergessen, dass Sicherheit vor allem eine körperliche Erfahrung ist, nicht ein Konzept!

🔍 Warum „sicherer Raum“ in der Therapie oft für Betroffene doch nicht sicher ist:

Abwesenheit echter Bindung: Sicherheit braucht Beziehung. Der Therapeut hört nicht nur zu, sondern geht wirklich emotional mit und lässt Nähe zu. Er hält Wut, Ohnmacht und Verzweiflung mit aus, ohne sie wegmachen zu wollen.

Patient trägt die Hauptverantwortung: Viele Ansätze legen den Fokus darauf, dass der Patient Skills erlernen soll, um allein klarzukommen – statt ihn gehalten und begleitet durch Prozesse zu führen. Das überfordert, statt zu heilen.

„Sichere Räume“ sind oft nur Orte, nicht Erlebnisse: Äußere Begebenheiten ersetzen keine innere Sicherheit. Begleitung im Erleben ist entscheidend, nicht nur physische Anwesenheit.

Gefährliche Methoden ohne echten Halt: Verfahren werden nach Richtlinen empfohlen oder angewandt, ohne dass jemand den Betroffenen wirklich auffängt, wenn Flashbacks kommen.

Alleinlassen zwischen Sitzungen: Traumaarbeit wird angestoßen – aber Patienten sind dann sechs Tage auf sich gestellt, ohne echte Erreichbarkeit oder emotionale Nachsorge.

Fehlendes Spiegeln: Viele Therapeuten können nicht authentisch benennen, was im Patienten vorgeht, sodass dieser sich innerlich weiter unsichtbar fühlt.

Die meisten Gespräche über sichere Rahmenbedingungen sollen lediglich sicherstellen, dass der Patient alleine mit dem kranken System klar kommt und nicht noch mehr daran zerbricht, wenn er versucht zu heilen.

Viele Strategien in Traumatherapien entlasten die Therapeuten, nicht die Patienten. Der Fokus liegt oft darauf, dass du „funktionierst“. Traumatherapie heißt nicht, dich ins kalte Wasser zu stoßen. Sie heißt: Jemand geht mit dir durch deine inneren Abgründe.

💡 Fazit: „Sicherer Raum“ heißt nicht: „Da ist jemand in Rufweite.“
Es heißt: „Ich bin emotional gehalten. Ich bin nicht allein. Jemand versteht mein Inneres. Ich darf sein wie ich bin.“
Solange das fehlt, ist es kein sicherer Raum – sondern eine emotionale Verantwortungslücke.

2 Kommentare zu “Was bedeutet sicherer Raum für die Traumatherapie?

  1. So wie du es beschreibst, erlebe ich meine ambulante Therapeutin und weiß aber auch, dass dies leider nicht selbstverständlich ist.
    Was ich damit sagen will ist, es gibt diese sicheren Räume, aber eben mehr von dem was du beschreibst. Schade

  2. OMG, was für ein lebensnaher Text. Genau so hab ich es auch immer wieder erlebt – plus die Tatsache, dass der schlechteste Tag vieler Traumatherapeutinnen der war, an dem sie Rotwein auf einen weißen Teppich geschüttet haben (tatsächliches Zitat).

    Die Methoden sind kaum jemals evidenzbasiert. Die FAZ hat mal geschrieben, dass wenig übrig bleiben würde, wenn die Zulassungsverfahren von angeblichen psychotherapeutischen Methoden denen ähnlich wären für Medikamente – also nachgewiesener Nutzen.

    Es gibt auch überhaupt keine Haftung oder Zuständigkeit der Profis: Nach eienm mehrmonatigen stationären Aufenthalt um mehrere Zehntausend Euro, interessiert man sich nicht mal insoweit für das Ergebnis, als dass man zumindest ein einseitiges Feedbackfomular verteilen würde.

    Es krankt an allen Ecken bei der angeblichen Hilfe des angeblichen Helfersystems.

    Alles Liebe, s.

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