Die Unsichtbaren unter den Sichtbaren – Rituelle Gewalt, Mind Control und Dissoziative Identitätsstörung

Wir hatten eine mehr als schwierige Nacht. Sommersonnenwende. Vieles geht uns durch den Kopf. Bilder und Erinnerungen an alte Zeiten und die Umstände in denen wir lebten und leben. Stille Betrachtungen unseres Lebens, des Ausstiegs und all den Folgen. Gedanken zum Heute und zu dem was inzwischen auch gesellschaftlich über rituelle Gewaltstrukturen bekannt ist. Ärzte, Therapeuten und wissenschaftliche Studien haben einiges dafür getan, um die Not ihrer Patienten sichtbar und belegbar zu machen. Dafür sind wir sehr dankbar! Noch vor einigen Jahren war es fast unmöglich Informationen, Betroffenenwebsites und Blogs zum Thema zu finden. Inzwischen wachsen sie vor allem auf Social-Media-Plattformen aus allen Ecken mit sämtlichen Vor- und Nachteilen. Manches davon sehen wir enorm kritisch, weil es die Öffentlichkeitswahrnehmung der Thematik aus unserer Perspektive ungünstig verzerrt. Bei all den Publikationen, Posts und Profilen gibt es immer noch die Unsichtbaren unter den Sichtbaren. Ihnen wollen wir diesen Beitrag widmen.

Wenn wir uns an Tagen wie diesen mit rituellen Gewaltsystemen auseinandersetzen, dann spüren wir deutlich, dass vieles immer noch nicht passt. Es fehlen dringend benötigte Hilfen für die „Unsichtbaren“ unter den Betroffenen ritueller Gewalt, für diejenigen, die sich bislang eben keinen Platz in ihrer eigenen Lobby erkämpfen konnten. Wir stellen fest, dass manchmal auch wirklich erfahrene und gute Hilfsangebote mit den Schultern zucken, wenn wir dort um Rat fragen, weil die Beraterinnen einräumen, dass sie mit manchen Fragestellungen so tatsächlich noch gar nicht konfrontiert waren. Manchmal müssen wir dann erneut erklären, weshalb etwas in unserem Fall nicht umsetzbar ist oder wie die Gewaltstruktur bei uns tickt. Es ist frustrierend immer wieder zu bemerken, dass man sogar an solchen Stellen noch durchs Raster fällt! Wir haben hier mit unserem Blog das Glück, dass wir uns zumindest schriftlich äußern können, empfundene Missstände ausdrücken und sichtbar werden. Gleichzeitig ist bereits das ein „Freiraum“ für den wir einen hohen Preis zahlen, der immer wieder auch mehr als grenzwertig ist und gründlicher Abwägung bedarf. Es gibt die Opfer, die es nie in einen Therapieraum schaffen werden und die, die es schaffen, aber nicht als Betroffene erkannt werden. Nicht nur, weil es Therapeut_innen grundsätzlich oft an Wissen zu der Thematik fehlt, sondern auch, weil die Opfer nicht in die neu geprägten Klischees passen und diese Hürde zusätzlich nehmen müssen. Zudem unternehmen wir bislang gesellschaftlich GAR NICHTS, um Frauen und Kindern effektiv und aktiv aus diesen Strukturen zu helfen. Wir gehen nicht auf das Thema zu und packen es an, sondern wir warten, dass die Opfer irgendwann in der Lage sind auf uns zu kommen zu können, still für sich ihren Mist in bitte maximal 100 Therapiestunden aufarbeiten und im besten Falle auch noch die Gesellschaft mit einer Aussage bei der Polizei vor den bösen Menschen in diesem Land retten. Umgekehrt machen sich viele Nichtbetroffene aber schon in die Hose und einen riesen Affen, wenn sie Prostitiution abschaffen sollen – einer der öffentlichsten Räume für gesellschaftlich und politisch geduldete organisierte Gewalt (organisierte Gewalt ist per Definition nicht mit ritueller Gewalt gleichzusetzen, hat aber häufig Überschneidungspunkte)! Ein Hilfetelefon ist wichtig und gut gemeint. Es nützt aber erst, wenn man von den Tätern zumindest so viel Abstand hat, um überhaupt telefonieren zu können! Das aber schaffen viele innerhalb der Gewaltstrukturen eben gar nicht erst alleine! Der Start in ein selbstbestimmtes Leben kostet außerdem eine ganze Menge Geld. Damit spreche ich jetzt nicht nur von den Lebenshaltungskosten und Ersteinrichtungen, die vielleicht noch halbwegs von Sozialleistungen gedeckt sein könnten. (Den Umstand, dass es häufig gar nicht möglich ist diese aus organisierten Gewaltstrukturen heraus zu beantragen, weil viele Vorraussetzungen, wie z.B. die Angabe eines Wohnsitzes, aus Sicherheitsgründen gar nicht erbracht werden können, ignoriere ich vorerst.) Finanzielle Mittel sind zwar in der Gruppierung, nicht jedoch für die abtrünnigen Opfer verfügbar.

Was wir hier auf unserem Blog schon des öfteren betont haben, ist, dass es nicht DIE rituelle Gewalt gibt. Unter den Begriff fallen eine Vielzahl von ideologisch geprägten Organisationen und Organisationsstrukturen, die sich mitunter drastisch in den Zielen, Hierarchien und der damit verbundenen Gewaltausübung voneinander unterscheiden. Rituelle Gewalt ist nicht automatisch gleichzusetzen mit Satanismus. Ein entscheidendes Problem, das wir immer wieder sehen, ist, dass ein Teil der Betroffenen von ritueller und organisierter Gewalt überhaupt nicht die Möglichkeit hat, sichtbar zu werden. Sie können sich nicht einfach mal eben vor die Kamera setzen, ihr Gesicht zeigen und davon berichten, wie es gerade so mit dem Ausstieg läuft, weil sie das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ihr Leben kosten würde. Wenn ich die „Mafia“ im Nacken habe, geht das nicht! Die Therapeutinnen dieser Klientel bleiben aus verständlichen Gründen oft auch eher verborgen und arbeiten wenig öffentlichkeitswirksam, was wir manchmal bedauern, weil ihre Sicht auf den Gesamtkomplex fehlt. Diejenigen die also vor Kameras sitzen und Selfies posten, sind noch die „privilegierteren“ unter den Opfern, weil sie sich offenbar einen gewissen Freiraum von ihren Tätern erkämpfen konnten. Das meine ich keinesfalls angreifend und ich will die Not nicht schmälern! Ich sage das mit allem Respekt vor ihrer Überlebensleistung, die ohne Zweifel auch enorm ist. Mir geht es nur darum zu sagen: Was von ritueller Gewalt zum Großteil sichtbar wird, sind nochmals andere Lebensrealitäten – hoch gefährlich, extrem grausam und schrecklich, aber anders. Das Argument, dass Öffentlichkeit schützen kann, stimmt leider eben auch nur zum Teil und ist häufig wenig durchdacht! Täterunabhängiges Netzwerk schützt, wenn man denn überhaupt in der Lage ist sich dieses aufzubauen. Private Kontakte mit Aussenstehenden, die bescheid wissen, schützen. Pauschale Öffentlichkeit killt in manchen dieser Strukturen. Schon gleich wenn man es so plakativ anstellt, wie die meisten dieser Kanäle aufgebaut sind. Und ich gebe zu, dass sich in mir oft Fragezeichen auftun, wenn ich die Schilderungen höre, weil für mich mit meinen Erfahrungen da etwas nicht zusammengeht. Das sagt pauschal nicht zwingend etwas über die individuelle Glaubhaftigkeit der Kanäle und Profile, sondern vielmehr, dass mein Erfahrungshorizont offenbar ein ganz anderer ist. Wenn ich von ritueller Gewalt spreche, geht vieles von dem, was ich da sehe im Kontext der mir bekannten Gewaltstrukturen nicht. Ich sage nicht, dass mediale (Selbst-)darstellung für Betroffene hoch gefährlicher und komplexer Gewaltzusammenhänge immer unmöglich ist, aber es bräuchte dann aus meiner Sicht eine komplett andere Herangehensweise und Vorbereitung. An dieser Stelle möchte ich die Kernaussage dieses Absatzes nochmals kurz zusammenfassen: Das, was wir in der Öffentlichkeit auf diversen privaten Accounts sehen und an der Meinungsbildung zum Thema rituelle Gewalt mitwirkt, ist nur ein bestimmter Anteil von Betroffenen. Andere liegen mit ihren spezifischen Bedürfnissen in der Öffentlichkeitswahrnehmung immer noch unter dem Radar. Es gibt Opfer, die, egal wie gut der Ausstieg und die Vernetzung auch sein mögen, ihr Leben lang auf der Flucht sein werden! Sie kommen nur mit viel Glück, wenn überhaupt, soweit davon, dass sie versteckt irgendwo ihre eigene Therapie machen. Ihr Wissen zu teilen ist keine Option. Das liegt nicht an ihnen, sondern an den Gewaltstrukturen, in die sie unwillentlich verstrickt wurden und denen sie so wichtig geworden sind, dass die Täter diesen enormen Aufwand in Kauf nehmen.

Aus diesem Grund sehe ich teilweise auch öffentliche Stellungnahmen von Fachpersonen/-einrichtungen kritisch, wenn darin kund getan wird, was es in dem Bereich an Gewaltstrukturen gibt und was es (eher) nicht gibt. Ich verstehe einerseits sehr gut, dass man sich mit derartigen Schreiben von teils wirklich haarsträubenden Theorien distanzieren möchte, die vor allem in der Corona-Krise boomten, andererseits haut man damit durch die Hintertüre auch einen Teil der Betroffenen von ritualisierter und organisierter Gewalt in die Pfanne. Wir kennen im Bezug auf diese „Netzwerke“ alle nur einen Teil der Wirklichkeit – den, den wir entweder selbst erlebt oder von Betroffenen bereits berichtet bekommen haben. Niemand kann sämtliche Zusammenhänge überblicken. Es nützt nichts sich in solchen Statements künstlich eine mit Stand heute einigermaßen belegbare Gruppe von Betroffenen zusammen zu definieren, aus lauter Angst, dass man seine eigene Glaubwürdigkeit durch „Spinner“ verlieren könnte. „Spinner“, die an manchen Stellen vielleicht gar nicht mehr „Spinner“ sind, als es allen anderen Betroffenen lange unterstellt wurde, die nur das Problem haben, dass ihre Aussagen bislang immer noch nicht belegt genug sind, als dass sie so ein fachliches Statement tolerieren würde. Nachgewiesene Fälle, bei denen „Eliten“ beteiligt waren (Weinstein, Eppstein, Edathy, Prinz Andrew, etc.) sind rar. Entsprechend auch das Wissen über Zusammenhänge. Wir kennen alle zwar Ausschnitte des Ausmaßes, aber kein Gesamtbild. Diese Opfer sitzen nicht auf den Plattformen vor der Kamera und sprechen darüber. Ich möchte sogar behaupten, dass die aller meisten niemals eine therapeutische Praxis von innen sehen werden. Wie mag so ein Statement wohl auf eine fiktive Betroffene von ritueller Gewalt wirken, die Gewalt durch „Eliten“, etwa hochrangige Politiker in Deutschland, erlebt hat und über weltweite Vernetzungen zu berichten wüsste? Macht das Mut zu sprechen, wenn schon die Verbände, die eigentlich für sie einstehen sollten, mit Begriffen wie „Weltverschwörung“ jonglieren? Wir tun der Wahrheitsfindung keinen Gefallen, wenn wir aus Existenzangst selbst anfangen mit Verschwörung zu schubsen.

Wir wissen aus diversen Erfahrungen mit Selbsthilfegruppen, dass selbst unter denjenigen die offiziell in das „Cluster“ rituelle Gewalt eingeordnet werden, die Erfahrungen in ganz unterschiedliche Himmelsrichtungen auseinander gehen. Immer wieder waren wir enttäuscht, dass wir uns auch dort zum Teil nicht verstanden fühlten, weil unsere Täterkreise ganz andere Strukturen und Vorgehensweisen zu haben scheinen und man unseren Schilderungen oftmals nicht folgen konnte, weil die eigene Erfahrung damit fehlte. Ein gutes Beispiel ist das „Ausstiegsverhalten“ von Tätergruppen. Es gibt Opfer ritueller Gewalt, die niemals verfolgt wurden und wiedererwarten einfach davon ziehen durften. Für bestimmte Täterkreise reicht es auch aus als Opfer schlicht zu alt zu werden, um der Gewalt zu entgehen. Andere Betroffene mussten eine Zeit lang Verfolgung und Drohungen erleiden und nochmal andere, fürchten auch nach Jahren und Jahrzehnten berechtigter Weise um ihr Leben, obwohl sie den inneren und äußeren Ausstieg geschafft haben, von sich aus keinen Kontakt mehr zu den Tätern halten und an einem geschützten Ort leben. Letztere wissen aus Erfahrung, dass jeder noch so kleine „Fehler“ dazu führen würde erneut Gewalt erdulden zu müssen und die Täter nicht locker lassen. Egal in welcher Organisation man die Gewalt erlebt hat, scheint eine Angst jedoch alle Betroffenen zu vereinen: Die Furcht als Lügnerin bezeichnet und in der Gesellschaft mit ihrer Not nicht gesehen zu werden, bzw. unterzugehen!

Ich wünsche mir, dass immer mehr auch die „unsichtbaren Betroffenen“ Wege finden, um zu kommunizieren, um ihren Teil der Wahrheit beisteuern zu können. Denn das ist so wichtig! Es muss kein YouTube-Kanal oder Instagram-Profil sein. Wenn ihr es bis zum Therapeuten, einer Beratungsstelle, einer echten Freundin oder auch nur einer Bekannten schafft und einen kleinen Hauch eueres Leids andeutet, ist das schon so viel. Und selbst wenn ihr nach außen komplett schweigt: Auch euere innere Haltung spricht und verändert das Gesellschaftssystem, wenn ihr beispielsweise die seid, die rituelle Gewalt nicht in Frage stellen und zuhören. Lasst euch nicht von Beiträgen abschrecken, in denen ihr euch mit euerer Geschichte nicht seht und die euch vielleicht Angst machen, dass man euch nicht glaubt. Auch ich bin nur eine von Vielen. Ich wünsche mir, dass wir an Feiertagen auch an diese oftmals vergessene oder ausgeblendete Personengruppe unter den Opfern denken. Sie sitzen meist alleine und ohne „Community“ zu Hause oder im Täterkreis. Wir hören immer öfter im persönlichen Austausch mit anderen Betroffenen, dass sie sich durch die zahlreichen Posts von anderen indirekt ausgegrenzt und nicht gesehen fühlen, weil sie einem bestimmten Bild nicht entsprechen oder „Aufklärungsbeiträgen“ aus ihrer Geschichte heraus vehement widersprechen müssten. Das ist Schade! Ihr seid gut wie ihr seid und es braucht euch gerade in dieser Community genau so, dass die Vielfalt sichtbar werden kann. Ich wünsche mir, dass wir gesellschaftlich bisherige Maßnahmen und Hilfen auf ihre Wirksamkeit für die Schwächsten hinterfragen und endlich den Mut haben auch entsprechende Änderungen vorzunehmen! Wir denken an all die, die vielleicht niemals reden werden können, die immer noch Gewalt erleben, die viele Chancen, die wir heute bei allen Schwierigkeiten haben, vielleicht niemals erleben dürfen, die verfolgt werden, berechtigte Angst vor ihren Tätern haben, mit ihrer Lebensrealität übersehen und mit ihrer Not noch immer im Stich gelassen werden. Gebt nicht auf!

26 Kommentare zu “Die Unsichtbaren unter den Sichtbaren – Rituelle Gewalt, Mind Control und Dissoziative Identitätsstörung

  1. Danke euch für diesen Beitrag… Er erinnert mich an einen Gedanken, den ich mal hatte: Ein Blog: Die Vielfalt der Vielfalt… Wo vielleicht thematisch zu Stichworten ganz viele Viele etwas schreiben… So dass zb zum Thema Ausstieg zehn Beiträge wären… Oder zu „mein letzter Dienstag“ (einfach ein Alltagstag) oder zu „wie ich zu meiner Diagnose kam“ oder zu „Erinnerungslücken, nehme ich sie wahr oder nicht“ oder „Wahrnehmung meiner-unserer inneren Struktur. Gibt es eine oder -gefühlt- keine“… Oder oder… Manchmal wünsche ich mir nämlich auch, dass die Vielfalt des vielfältig Seins noch mehr deutlich würde…

      • Sehr gern.
        Auch wenn es irritiert, welch weitreichendes Triggerpotential für einige in euren Zeilen steckt.
        Irgendwie hatte man eure Zeilen so gänzlich anders gelesen und verstanden.

        Geschriebenes hält so oft Missverständnisse bereit, der Spielraum für Interpretation ist immens.
        Sprache und Sprachgebrauch ist so individuell, so vielseitig und vielschichtig und führt so oft zu Missverständnissen, die man selbst gar nicht bedenken kann, dass sie dadurch entstehen könnten.

        Man hat eure Zeilen so gelesen, dass ihr eure Stimme für all diejenigen erhebt, die es aus persönlichen Gründen nicht schaffen (können).
        Und ja, es ist, oft mehr als hart erkämpftes, Privileg Buchstaben zu finden, die Sinn ergeben, so dass es die Aussenwelt verstehen kann.
        Und diese sichtbar werdenden Buchstaben (mit) zu teilen, ist etwas, was vielen Menschen (noch) nicht möglich sein kann.
        Danke für all eure Zeilen und auch die Mühe, die dahinter steckt.

  2. Einmal Danke für den Hinweis darauf, dass es noch sehr viele Betroffene gibt, die unsichtbar sind bzw. sich (noch?) nicht sichtbar machen können. Wir hätten zB teils seeehr viel Bock, Videos zu machen, oder Aufklärungskrams zu machen – können das aber im Augenblick aufgrund von Arbeit, finanziellen Abhängigkeiten und zu viel Sichtbarkeit im „offiziellen Leben“ nicht. (Heißt: man könnte von einem YouTube-Kanal über DIS je nach Gesichtsgedächtnis und „Szene“, in der man sich bewegt, seeehr schnell unseren Klarnamen herausfinden, weil es beispielsweise schon YouTube-Videos von anderen Auftritten gibt, wo man uns mit Namen etc. sieht.)

    Genau deswegen bin ich aber extrem froh, dass es Leute gibt, die das tun können. Ob nun Podcasts oder YouTube-Kanäle oder Bücher oder Blogs… Und klar ist es da sehr sehr hilfreich, ein soziales Netz außerhalb von Gewaltstrukturen zu haben, und wenn es noch so minimal ist. Und klar ist das nicht für alle möglich – ganz hart gesagt: so lange organisierte und rituelle Gewalt existieren, wird es Leute geben, die noch „drin“ sind. So lange es Gewalt gibt, wird es auch Opfer geben, und so lange es Gruppen gibt, aus denen man aussteigen muss, wird es Aussteiger:innen geben.
    Sichtbarkeit IST wichtig.
    Was Sichtbarkeit von Betroffenen aber meiner Meinung nach untergräbt (bzw. deren Glaubwürdigkeit und dadurch auch! die Sichtbarkeit), sind Aussagen wie die hier: „Sie können sich nicht einfach mal eben vor die Kamera setzen, ihr Gesicht zeigen und davon berichten, wie es gerade so mit dem Ausstieg läuft, weil sie das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ihr Leben kosten würde. Wenn ich die „Mafia“ im Nacken habe, geht das nicht!“
    Ähm. Das liest sich so, als wären Videos oder Öffentlichkeitsarbeit oder was weiß ich während eines Ausstiegs von vorneherein nicht möglich?
    Ich würde da ja ganz trocken sagen, dass es da
    a. auf die Mafia ankommt und es
    b. bestimmt auch Täter:innen gibt, die es geil finden, wenn die Betroffenen sich ein winziges bisschen Freiheit erkämpfen können, das man ihnen theoretisch jederzeit wieder nehmen kann.
    Und: von dem, was ich zB von Tina von DISDing und Lunis/DIS-Obey gehört habe, ist das alles nicht „mal eben so“ oder eben nicht mit Lebensgefahr verbunden. Es gibt auch viel „hinter den Kulissen“, was nicht gesagt wird.

    Also: ja, es ist wichtig, dass auch andere sichtbar werden. Aber ich glaube, das kriegt man nicht hin, indem immer und immer wieder ein Gegeneinander („X hat das gesagt, Y kann das und das, Z erzählt abc“) erzeugt wird. Und… die Aufklärung und Darstellung von DIS IST ja schon vielfältiger geworden. Es wird nie möglich sein, dass sich alle dargestellt fühlen… wenn eben (noch) nicht alle Facetten gezeigt werden können. Deswegen sollten im Umkehrschluss aber nicht die anderen weniger „echt“, weniger in Not, im Ausstieg, … sein. Gewalt geschieht ja auch nicht nur in sozialer Isolation oder totaler Abschottung, sondern auch „mitten im Alltag“, zwischen Funktionalität, Öffentlichkeit, etc. etc.

    • Hallo ihr Lieben,
      das hier ist kein Beitrag gegen irgendjemanden! Das habe ich versucht auch so deutlich zu machen. Es ist kein entweder-oder, sondern ein „Und“. Niemand ist „weniger echt“ oder weniger in Not. Auch die Sichtbaren nicht. Gleichzeitig gibt es aber eben gravierende Unterschiede in den Organisationsstrukturen, die zu total verschiedenen Lebensrealitäten führen.

      Natürlich gibt es immer Leute, die „drin“ sind, aber es gibt auch bei Betroffenen ritueller Gewalt eben Unterschiede wo sie genau drin sind und wie eine Tätergruppe im einzelnen agiert. Wenn wir uns das Mal vergegenwärtigen würden, bräuchten wir vielleicht auch weniger von diesem sinnlosen Hickhack um Glaubwürdigkeit, weil viele meinen, dass alle Betroffenen eine einzige, synchrone Wahrheit abbilden müssen. Denn ja, in manchen Strukturen wäre es aus unserer Sicht nicht einmal ansatzweise möglich bis zu einer Kamera zu kommen, ohne mit dem Leben zu bezahlen. Das ist ein Teil der Wahrheit keine Abwertung des Leides, der Personen, die es schaffen sichtbar zu werden. Das heißt nicht, dass andere Gruppierungen nicht gefährlich sind oder weniger Gewalt ausüben, aber ihre Struktur ist nunmal anders. Wenn ich von mafiösen Strukturen spreche, dann meine ich auch „Mafia“. Da kommt es dann auf gar nichts an, weil man in einem Großen ausgefeilten Netzwerk mit Abtrünnigen schlicht kurzen Prozess nach Richtlinie macht. Alles andere fasse ich unter kleineren organisierten Gruppierungen, die wie gesagt erhebliches Gefährdungspotential haben, aber auch offenbar auch immer wieder gewisse Schlupflöcher bieten.

      Wir schreiben hier auch nicht über jedes einzelne Detail unseres Lebens und manche Facetten behalten wir ebenfalls aus unterschiedlichen Gründen für uns. An der Stelle will ich aber auch sagen, dass ich persönlich in solchen Strukturen Menschen und Umstände gesehen habe, die diese Chance sich zu äußern nie bekommen werden. Die werden noch nicht einmal anonym irgendwo schreiben, sondern einfach dort irgendwann in Leid und Elend sterben. Und selbst wenn es ihnen aus glücklichen Zufällen gelingen sollte zu fliehen, müssen die wirklich die Beine in die Hand nehmen und unsichtbar irgendwo untertauchen, wenn sie überleben wollen. Die können an YouTube, Instagram und Co noch nicht einmal denken. Das muss aus unserer Sicht durchaus auch so benannt werden dürfen ohne direkt wieder Kämpfe anzustoßen, weil man sich gegenseitig bedroht fühlt.

      Ja, die Gewalt geschieht nicht nur in totaler Isolation, aber eben auch und manchmal habe ich inzwischen schon umgekehrt das Gefühl, dass man das kaum noch benennen kann, ohne dass sich irgendjemand davon angegriffen fühlt. Auch deshalb dieser Beitrag.

      Liebe Grüße und einen schönen Abend, Sofie

      • Hallo du,

        Natürlich ist es ein „und“, ja.
        Auf mich wirkte dein/euer Text aber gerade aufgrund der Absätze bzgl. Stereotypen, „einige Betroffene finden sich in der allgemeinen Darstellung nicht wieder“, und der „ungünstigen Verzerrung“ (und der Sache mit der Mafia) so, als sei das eine Art Gegeneinander. Möglicherweise sind wir da aber auch biased, weil wir mittlerweile von mehreren (!) Leuten Aussagen à la „XY geht nicht, wenn“ gehört haben… und das „das geht nicht, wenn dir die Mafia im Nacken sitzt“ klang sehr danach.
        Ich glaube, das mit der Mafia ist uns unter anderem auch so „sauer“ aufgestoßen, weil wir jemanden kennen, der:die familiär genau damit zu tun hat – Mafia und Ideologie – und der:die sich mittlerweile in einem beeindruckenden Ausmaß zur Wehr setzt, -ohne- dass „Prozess nach Richtlinie“ gemacht wird.

        Wir haben ebenfalls Menschen gesehen (und kennen gelernt), die sich nie werden äußern können. Entweder, weil sie nicht mehr am Leben sind, oder weil sie aus anderen Gründen nicht (mehr) dazu in der Lage sind. Aber genau deswegen schreiben wir, unter anderem. Sozusagen auch für diejenigen, die es (noch) nicht können.
        Ich habe den Eindruck, dass es ein sehr, sehr schmaler Grat ist zwischen „Andere können daran nicht einmal denken“ als objektivem Fakt und dem (möglicherweise ungewollt) vermittelten Gefühl, dass es bei anderen dann ja „nicht so schlimm“ ist.

        Aus Neugier: was meintest du mit dem Punkt „andere Herangehensweise/andere Vorbereitung“ in Bezug auf mediale (Selbst-)Darstellung? Wo siehst du Herangehensweisen oder Vorbereitungen, die deiner Meinung nach anders sein müssten, wenn du schreibst „Ich sage nicht, dass mediale (Selbst-)darstellung für Betroffene hoch gefährlicher und komplexer Gewaltzusammenhänge immer unmöglich ist, aber es bräuchte dann aus meiner Sicht eine komplett andere Herangehensweise und Vorbereitung.“?

        Liebe Grüße,
        M.

      • Ich glaube zum Teil ist die Situation unter Betroffenen durch die ewige Fakediskussion schon so angespannt, dass man kaum noch etwas sagen kann, ohne bei einigen direkt in der Verletzung zu landen, ob man es wollte oder nicht. Einige Betroffene ritueller Gewalt finden sich in der allgemeinen Darstellung eben nicht wieder und wenn ein Teil der Betroffenen gar nicht mitredet, dann verzerrt das nunmal die Gesamtdarstellung ungünstig. Das waren aus meiner Sicht schlicht Fakten und keine Angriffe.

        Ja, es ist in der Tat ein schmaler Grad.

        Wir schreiben euch morgen oder die Tage zu eurer Frage mehr. Heute zu so später Stunde ist mir das zu viel.

        Liebe Grüße, Sofie

    • This. Ich weiß nicht, wie oft mir schon gesagt wurde, dass ich keinen richtigen Ausstieg hatte, weil ich „nur“ von meinem Ex da rein gezogen wurde, als ich bereits „erwachsen“ war. Bedrohungen gegenüber meines Lebens und meiner Familie gab es trotzdem.

      Und wenn der Post nicht die Probleme anderer runterspielen soll, erschließt sich mir nicht, weshalb er überhaupt mit eben diesen Worten erfasst worden ist. Es hätte ausgereicht, über mafiöse Gruppen zu schreiben, nicht andere Opfer von Gewalt unter den Bus zu werfen, indem man sagt „Manche können dies und das aber nicht“ – ja danke, das weiß ich auch so. Das bringt mir nur auch nichts, und wirft mich nur in Flashbacks und Täterdenken zurück. Denn genau das ist es – „Denk daran, andern geht es schlimmer, also halt es aus.“

      • Das tut mir sehr leid für dich! Egal in welchem Alter ist Gewalt in organisierten Strukturen schrecklich! Mitunter ist es schon furchtbar schwierig von einem einzelnen gewalttätigen Ehemann Abstand nehmen zu wollen und kann tödlich enden. Insofern finde ich nicht, dass Bedrohung da in irgendeiner Art und Weise überhaupt in Frage stehen sollte und „kein richtiger Ausstieg“ eine scheiß Aussage ist. Zumal sich mir da die Frage auftut, was denn ein „richtiger Ausstieg“ in deren Köpfen überhaupt sein soll!? Deine Überlebensleistung damit herabzuwürdigen ist schlicht falsch.

        Warum darf man nun aber nicht benennen, dass manche Menschen bestimmte Dinge nicht können? Ich kann heute Dinge tun, z.B. über bestimmte Dinge schreiben, die andere mit derartigen Gewalterfahrungen nicht können und umgekehrt geht es mir mit anderen Sachen ebenso, dass andere Dinge tun, die ich nicht kann. Diejenigen, die nicht öffentlich sichtbar werden, fallen leider auch leichter aus der gesellschaftlichen Wahrnehmung und das sollte man einfach mit beachten. Wo ist das Problem Mal die unterschiedlichsten Realitäten ein und der selben Schublade nebeneinander zu sehen. Genau darum ging es mir und deshalb wollte ich keinen reinen Beitrag über mafiöse Strukturen schreiben. Die Opfer und ihre Lebensrealitäten sind vielfältig. Es geht anderen nicht schlimmer, sondern vielleicht einfach anders schlimm – gleichberechtigt.

        Ich werfe niemanden unter den Bus. Das steht mir völlig fern! Dass du von meinem Beitrag getriggert bist, war nicht meine Absicht! Für die folgende Gedankenmühle bin jedoch nicht ich verantwortlich, sondern dein Täter und die Menschen, die dich offenbar nicht ernst genommen und verletzt haben. Es wäre schön, wenn das weniger in meine Aussagen projiziert werden würde. Denn das was du schreibst, habe ich in der Form wie du es offenbar hörst nie gesagt.

      • Ich seh das genauso wie Lake.
        Den Kontext herzustellen war…minimum ungeschickt. Will ja keine böse Absicht unterstellen. Aber uns trifft das, wie ihr euch denken könnt, ungemein mitten ins Herz.
        Unsere Reaktion darauf: nun in unserem Blog. Zu lang als Kommentar.

      • Wir haben euch einen Kommentar auf eurem Blog geschrieben. Es war nie meine Absicht euch oder irgendjemanden mit diesem Beitrag anzugreifen oder zu verletzen! Sofern passiert, tut mir das leid für euch!

  3. Hey, nochmal zum Verständnis: Ich bin männlich, ich kann ebenfalls keine Videos machen, ich bin programmiert und ich muss immernoch irre aufpassen, was ich sage, damit mich mein Ex nicht mehr findet. Ich BIN jemand, der unter die Wahrnehmung fällt. Was ich aber nicht in Ordnung finde ist, dass du dich hier gerade sehr stark selbst widersprichst.

    Du sagst, du möchtest nur, dass die Wahrnehmung erweitert wird, und du deshalb auch darüber schreiben möchtest – das ist vollkommen verständlich.
    Dennoch sind deine Aussagen gegenüber Opfern die sich vor eine Kamera stellen können, immens schädlich, denn sie gehen mit dem Gedankengang eines Privilegs einher. Und das gibt es hier nicht. Es ist schlicht und ergreifend kein Privileg, wenn man sich traut, sich vor die Kamera zu stellen – es ist ein Muss, damit die Wahrnehmung ausgeweitet werden kann. Wenn du also nicht schreiben wolltest, oder durchscheinen lassen wolltest, dass dies ein Privileg ist – warum nimmst du dann die Kritik von Myo und mir nicht an, sondern erzwingst uns (wenn auch sehr höflich geschrieben) es nur aus deiner Sicht zu sehen und diese Sichtweise anzunehmen, und es wegzustecken. So funktioniert offene Kommunikation nicht. Und dennoch schreibst du, dass Kommunikation und Wahrnehmung dir hier wichtig ist.

    Du hättest das ganze beispielsweise auch simpel ohne ein so spezifisches Beispiel rüberbringen können. Besonders, da es im Moment einen Aufschwung an Videos über DIS gibt, kommt es einfach so rüber, als willst du diese Leute runtermachen, weil du es eben leider nicht kannst.
    Das ist keine sonderlich safe Vorangehensweise für irgendjemanden. Und sehr missverständlich ausgedrückt noch dazu.

    Ich bin von deinem Post an sich nicht getriggert worden, dafür bin ich quasi schon zu weit in der Therapie. Aber dennoch finde ich, genau das scheint durch – „Kinder in Afrika hungern, also iss dein Essen.“ Ja, andern geht es schlechter als mir, und ja, diese Menschen sollen um Himmels Willen bitte darüber schreiben – das ist mir super wichtig, weil ich selbst lange gearbeitet habe um zu einem öffentlichen Blog zu kommen. Aber bitte ohne Sätze, die als unterschwelligen Fingerzeig angesehen werden können. Wenn Opfer anderen Opfern sagen, dass sie es schwerer/leichter haben, ist damit nichts gewonnen, außer einer Spaltung, die uns weiter zurücksetzt und nicht nach vorne bringt.

  4. Wir sehen das ähnlich. Danke euch für den klasse Beitrag.
    Wir haben versucht uns zu zeigen, waren in einem Live – Konsequenzen zeigten direkt am nächsten Tag, dass das für uns nicht geht.
    Es gibt nun mal viele Organisationen/Kulte/Strukturen und nicht „die eine“ und in jeder läuft es anders. Wir erkennen uns in manchen Erzählungen von vielen, aber nicht in allen irhen Erzählungen. Dann gibt es Systeme wo wir uns gar nicht wieder finden. Insgesamt passen unsere Erfahrungen zu keiner anderen Person, die wir bis her gelesenen/gesehen haben – selbst wenn sich einiges gleicht. Das bedeutet gar nichts!
    Man bedenke allein die unterschiedlichen technischen Möglichkeiten in unterschiedlichen Jahrgängen oder Ländern. Verschiedene Wirkungskreise, verschiedene Ideologien, verschiedene Ausrichtungen, verschiedene Aufgaben und Ränge…
    Jeder Betroffene ringt trotzdem jeden Tag mit seinen eigenen Täter gemachten Problemen. Es geht dabei doch nicht um Konkurrenz, wer mehr gelitten hat oder was es so alles gibt – alles ist möglich und das Leid ist überall schlimm. Und natürlich wirkt sich das auch unterschiedlich auf die Opfer aus. Ob sie sich zeigen können oder nicht. Ob sie überhaupt reden können oder nicht.
    Wenn sogar Zwillinge aus den selben Strukturen anders sind, wie viel mehr dann verschiedene Personen aus unterschiedlichen Organisationen?
    Wir wünschen uns auch für jeden einzelnen Betroffenen eine Möglichkeit Hilfe zu erhalten – auch für jene, die nicht in der Lage sind sich welche zu holen.

  5. Pingback: Die Unsichtbaren unter den Sichtbaren – Rituelle Gewalt, Mind Control und Dissoziative Identitätsstörung | Vergissmeinnicht

  6. Was ich aus dem Beitrag herauslese, ist eine Erinnerung an uns alle, auch an Nichtbetroffene, die zuhören oder mitlesen, dass jede Person, jedes System nur seine eigene persönliche Geschichte erzählen kann, die aber nie das Gesamtbild „abdeckt“, weil viele sich noch nicht oder nie äußern können. Vielleicht ist es sogar nur die Spitze des Eisbergs, die wir sehen. Keine einzelne Person kann aufklären oder etwas Allgemeines über DIS und rituelle Gewalt als allgemeingültig darstellen. Wenn viele Menschen ihre persönlichen Geschichten teilen (die, die dazu in der Lage sind), kann es einen Teil des Ganzen darstellen, einen Teil „Aufklärung“, wenn man den aus meiner Sicht etwas schwierigen Begriff nutzen will. Auch dann ist es wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass es immer noch nicht alles ist, weil es weitere Menschen gibt, für die wir nicht stellvertretend sprechen können (das wäre meines Erachtens übergriffig). Wir können nur, wenn wir dazu in der Lage sind, das uns Mögliche tun, um auch für sie etwas zu verbessern. Da ginge es dann auch um die Frage, was gegen die Ursachen der Gewalt zu tun sein könnte, nicht nur um das, was für die Überlebenden wichtig und hilfreich ist, die sich schon mitteilen können, die schon Therapie machen können, die schon finanziell abgesichert sind ohne Täter*innen usw. Oder im Kleinen darum, immer wieder darauf hinzuweisen: Dies ist meine persönliche Geschichte, deine könnte eine andere sein, aber sie ist deswegen nicht weniger valide.

    Diese Unsichtbarkeit betrifft ja nicht nur Betroffene ritueller Gewalt, sondern trifft leider gerade die Gruppen und Personen, die ohnehin marginalisiert sind. Wenn zum Beispiel Menschen mit sehr schweren körperlichen oder geistigen Behinderungen auf die Straße gehen und demonstrieren können, dann können sie das nur, weil sie innerhalb dieser Gruppe „privilegiert“ sind. Sie haben zum Beispiel passende Mobilitätshilfen oder Assistenz, die ihnen das Demonstrieren ermöglichen. Privilegiert heißt dann nicht, es ginge ihnen grundsätzlich besser oder sie wären besser gestellt in der Gesellschaft. Sie haben nur schon etwas erhalten oder erkämpft, was allen anderen Betroffenen auch zustünde, die das nicht noch erhalten haben oder erkämpfen konnten, weil ihre Ressourcen andere sind.

    So verstehe ich es, aber auch meine Sicht muss nicht die richtige oder einzig wahre sein.

    Liebe Grüße von den Eiskristallen!

  7. Danke für deinen wundervollen Text.
    Dein Titel: „die Unsichtbaren unter den Sichtbaren“ könnte nicht treffender sein.
    In deinem Text finden wir sehr viel sensibilität und haben niemals das Gefühl gehabt, dass du anderen dessen Leid dadurch schmälerst.
    Das (gewollt) ungewollte Missverstehen stößt uns sauer auf, allerdings haben wir das auch schon auf vielen anderen Blogs erlebt.
    Bitte bleib so mutig und lass dir deine Stimme nicht nehmen.

    • Herzlichen Dank für deine liebe Rückmeldung! Gerade nachdem der Beitrag solche Wellen geschlagen hat, tut es gut von dir zu lesen, dass er so verstehbar war, wie wir ihn meinten. Ganz liebe Grüße, Sofie

  8. Pingback: Die Unsichtbaren unter den Sichtbaren – „Fake“-Diskussionen, Aufmerksamkeitskrisen und Leidwettkämpfe als alternative zur Verschwörungstheorie | Sofies viele Welten

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