Herbsthadereien 🍂

Wir sitzen ins warme Bett gekuschelt und betrachten die Düsternis. Eigentlich hatten wir geglaubt, wir seien mitten in der Nacht wach geworden. Es ist kurz nach sechs. Wenn das Morgengrauen aussieht wie Finsternis, ist es wohl endgültig vorbei mit dem Sommer und der Herbst zieht ein. So gerne hätten wir die heißen Nächte dieses Jahr noch etwas behalten. In uns entwickelt sich mehr und mehr eine Herbstsperre. Während ich sonst oft den dunkleren Zeiten durchaus ihre eigene Art von Gemütlichkeit abgewinnen konnte, trauert mein Körper-Seelen-System nun dem Licht hinterher.

Immer deutlicher stelle ich fest, dass es bei diesem Helligkeitshunger nicht nur um gewisse Daten geht, die in dieser Jahresphase stecken. Die rhythmische Botschaft passt mir diesmal nicht in den Kram. In den letzten Jahren konnte ich mich gut durch Herbst und Winter manövrieren, indem ich meine ganz eigenen kleinen Rituale hatte. Ernten – Annehmen – Loslassen. Diese Grundthemen des Herbst habe ich auf viele Lebensbereiche ausgeweitet, mir Zeit genommen um Danke für die „Ernte“ in diesem Jahr zu sagen und mich drauf vorbereitet meinen Zyklus zu beenden, bevor im Winter ein neuer im Stillen heranwuchs, der dann im Frühjahr begann.

Vielleicht fällt es mir deshalb so schwer den Sommer herzugeben, weil meine Themen dieses Jahr noch nicht fertig gewachsen sind. Sie sind noch unrund. Mir ist nicht nach stiller Innenschau und ruhiger, leiser Zeit mit mir. Viel lieber hätte ich den lauten Input der heißen Tage als energetischen Unterstützer. Vielleicht habe ich aber auch einfach Angst davor, dass die ruhigeren Jahreszeiten in ihrem Ausdruck zu sehr meinen depressiven Gemütszuständen ähneln und uns die Düsterheit auch innerlich verschlingt, wenn der Sonnenausgleich fehlt. Egal weshalb – ändern kann ich es wohl nicht. Eine Portion Hingabe und Vertrauen an das Leben könnte den natürlichen Prozess sehr viel leichter machen. Diese Qualitäten wachsen in uns erst und erleben gerade praktisch ihren Frühling, während um uns herum schon der Härtetest mit „Untergangsstimmung“ wartet. Vielleicht sind sie reif, ohne dass wir es bemerkt haben? 

Während ich die Zeilen nochmals überfliege merke ich, dass ich vor allem eins habe: Angst vor mir selbst und dem Grauen in mir. Wenn die dunklen Stunden im außen vergehen und das Jahr die Sicherheit hat, dass es das Licht irgendwann wieder durchbricht, darf ich vielleicht auch einen Schluck von der Gewissheit trinken, dass im Seelenschmerz schon die Lösung wartet. 

Ein Kommentar zu “Herbsthadereien 🍂

  1. “ … darf ich vielleicht auch einen Schluck von der Gewissheit trinken, dass im Seelenschmerz schon die Lösung wartet. “

    Ihr schreibt „Gewissheit“ – das ist ganz groß, es so zu sehen, ist ein riesiger Schritt! Ich bin so froh, dass ihr es so zu betrachten vermögt.

    Ich selbst bemühe mich auch darum – habe gerade vorhin in meinem Blog eine „Tautropfenmetapher“ in Zeilen fließen lassen – der letzte Satz Eures Textes und diese Verse scheinen mir eine große Verwandtschaft zu besitzen.

    Das freut mich gerade sehr!

    Ganz liebe Grüße! 💚🌻

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