Phasen – Ich

In der Regel komme ich in meinem Alltag gut zurecht, sobald ich morgens das Haus für Arbeit und Beruf verlassen habe. Der innere Schalter steht auf „Open for Business“ – Funktionalität, Professionalität und Hochleistung, wenn nötig.
Die Arbeitszeit über höre ich kaum etwas von meiner Innenwelt, Bilder oder Erinnerungen werden weggestellt, ohne dass ich sie bewusst wegstelle. Der Tag passiert einfach. An manchen Stellen fühle ich mich mal mehr, mal weniger, gestresst, was ich gekonnt überlächle und ansonsten bin ich erstaunlich gut drauf. Alles easy.
So lief das auch die letzten Wochen.
Man erwartete Leistung bei extremen Arbeitspensum, ich brachte sie.
Ich benehme mich, als wäre nie irgendetwas schlimmes oder belastendes passiert.
Soweit das Leben in der Arbeitswelt.

Und nun gibt es da noch diese anderen Momente…
Dann wenn die Arbeit vorbei ist.
Privat.
Wenn Urlaub oder Wochenenden Ruhe versprechen.
Bei großem Stress in Job oder Ausbildung, was in der letzten Zeit fast immer der Fall war, rette ich mich ganz gut über einzelne Abende, weil ich dann entweder so k.o. bin, dass ich vom Lernen ins Bett falle oder die Zeitspanne bis zum nächsten Morgen schlicht zu kurz ist, dass der Stress- und Adrenalinpegel ausreichend abfällt, dass ich anfangen würde mich wieder zu fühlen…
So nach eineinhalb bis zwei Tagen sieht’s dann schon ganz anders aus…
Dann fängt das Grauen an über mich hereinzubrechen.
Die Innens und die Erinnerungen nehmen sich Raum.
Die strahlende „Businessfrau“ verschwindet und weicht einem fahlen, schmerzverzerrten Wesen, angefüllt mit Folter, das weder mit dieser Welt, noch mit sich selbst zurecht kommt und am liebsten nicht mehr aufstehen möchte.
Angst vor allem.
An Alltag ist nicht mehr zu denken.
Nicht für die nächste Zeit.
Alles was irgendwie geht ist mühsame, kleine Schrittchen zu machen und sich mit vereinten Kräften zur Therapeutin zu schleppen, voll Verzweiflung und in der Hoffnung, dass etwas von dem was auftaucht, gelöst, bzw. verarbeitet, werden kann.

Wieso geht eigentlich immer nur eines von beiden?
Wieso kann es uns nicht gut gehen, wir arbeiten und wir verarbeiten?
Oder wenigstens ein bisschen Funktionalität übrig bleiben?
Phasengrenzen hart und unkalkulierbar.
Entweder – Oder.
Entweder fühlen wir uns – Oder wir Funktionieren.
Heilung in Schüben.
Wann es vom einen ins andere kippt, ist schlecht voraussehbar.
Steuern kann ich das kaum.

Müdigkeit als Traumaschutz

Ich bin müde.
Einfach nur schrecklich müde.
So müde, dass es nicht mehr normal ist.
Ich gehe früh schlafen, stehe erst Mittag auf und spätestens nachmittags um drei bin ich reif für das nächste Nickerchen, weil ich die Augen nicht mehr offen halten kann.
Die letzten Tage ist schlafen rund um die Uhr kein Problem.
Wach sein schon eher.
Diese Zustände von beständiger, bleiern niederdrückender Müdigkeit kenne ich bereits. Es gibt immer wieder Phasen, in denen sich mein Schlafbedürfnis derart ausweitet. Natürlich tragen Stress und Arbeitsbelastung ihren Teil dazu bei. Immer mehr stelle ich aber auch fest, dass diese Schwere genau dann auftaucht, wenn traumatische Erinnerungen ins Bewusstsein drängen. Oft bin ich dann so geschlaucht, dass ich mir das vergangene Material gar nicht mehr ansehen kann, weil mir die Augen zufallen. Auch in der Therapie ist es mir früher regelmäßig passiert, dass ich vom einen auf den anderen Moment eingeschlafen bin, wenn sich die Fragen der Therapeutin einem kritischen Niveau an innerem Tiefgang näherten.
Im Grunde ein genialer Schutzmechanismus.
Nun hangle ich mich durch den Tag und versuche also wach zu bleiben, weil mein Schlafbedürfnis im Grunde ja auch nichts anderes als ein sehr heftiger Flashback ist.
Die Sonne scheint, Vögel singen und ein laues Lüftchen macht die Natur angenehm bewegt.
Je länger ich wach bin, umso heftiger und deutlicher drängen auch die Erinnerungen nach vorne, die ich hätte einfach wegschlafen können.
„Die Luft war ziemlich knapp damals.“, denke ich, ehe ich versuche meinen still verharrenden Körper in Bewegung zu bringen und ihn nach draußen motiviere.
Im Gehen bleibe ich kurz stehen. Ein Stück bin ich immer wieder entsetzt über die Erkenntnis, wie sehr Erinnerungen in der Lage sind, das Jetzt und den Körper zu beeinflussen.
Was vergangen ist, bestimmt nicht die Zeit, sondern die Verarbeitung des Schmerzes, der noch immer in uns wohnt.

Vatertag

Die Gedanken im Kopf sind diffus.
Das Grauen schlägt immer wieder durch graue Löcher in der Nebelwand des Lachens.
Das scheinbar normale Leben bröselt an Tagen wie diesen.
Bis zum Mittag halten uns Gedanken und Bilder regungslos im Bett gefangen, ehe wir den Tag beginnen und versuchen unsere Synapsen doch noch zum lernen zu bewegen. Doch wo sollen die Zahlen, Daten und Definitionen hin, wenn ihr Speicherplatz gerade von anderen Fakten eingenommen wird. Es sind vergangene Fakten, eigentlich. Für uns werden sie in diesen Momenten gegenwärtige Realität.
Vatertag.
Wir leben in einer Welt, in der es für uns nie einen Vater gab, weil sein Vater-sein darin bestand, uns zu missbrauchen, zu foltern, abzurichten und möglichst gewinnbringend an andere weiterzuverkaufen. Ein Kinderleben als nüchternes Wirtschaftsgut und Objekt der unterschiedlichsten Bedürfnisbefriedigungen.
Wie gut für die Täter, dass man zudem unter dem Deckmantel von menschengemachter Religion so ziemlich alles rechtfertigen kann.

Was soll nun dieser Vatertag für uns bedeuten?!

Wir stellen fest, dass wir es unglaublich schön finden, dass es tatsächlich Väter gibt, die den Mut haben Ihre Kinder mit aller Liebe, Respekt, emotionaler Zuwendung und Wertschätzung großzuziehen. Dass es Väter gibt, die den Mut haben gefühlvoll und sanft zu sein und ihren Kindern damit alle großen Stärken, die sie zum Leben brauchen vermitteln.
Und wir finden, dass es noch mehr davon geben müsste und man denen die es schaffen einen Orden verleihen sollte, weil sie damit so viel wertvolles für ihre Kinder, aber auch für eine gesunde Gesellschaft leisten.
Danke euch liebevollen Vätern da draußen für die großartige Arbeit, die Ihr leistet! 🙂
Danke, dass wir beim beobachten auch ein Stückchen Heilung bekommen, weil wir sehen, dass es auch anders geht und Männer doch auch anders sein können…

Wir stellen fest, dass wir traurig sind.
Darüber, dass wir selbst nie einen Vater hatten.
Darüber, dass wir sein Wunschkind waren, um eine Leibeigene für die Auslebung sämtlicher Gewalt- und sexueller Phantasien zu produzieren.
Und dass es immer noch viel zu viele Väter gibt, die mit dem, was sie ihren Kindern antun, ungeschoren davon kommen.
Und dass es immer noch viel zu leicht ist ein Kind auszubeuten und zu verkaufen und viel zu wenig hinterfragt wird.
Und wir sind wütend, dass sich manche Väter diese Rechte über unschuldige, schutzbefohlene Kinder herausnehmen.
Und wir hoffen, dass immer mehr Opfer den Mut finden zu reden und anderen Opfern damit Mut machen es Ihnen gleich zu tun und die Gesellschaft irgendwann nicht mehr in der Lage ist derartige Gewalt und Missbrauch in Familien zu leugnen, dass denen die sich an ihren Kinder vergangen haben irgendwann das Handwerk gelegt werden kann.

Ihr gewalttätigen Väter da draußen zieht euch warm an!
Euere Kinder sind mutiger, als ihr es je vermutet hättet.

Herzstillstand

Es ist Nachts.
Ich schrecke aus dem Schlaf hoch, in den ich erst etwa eine dreiviertel Stunde zuvor gefallen war.
Mein Herz steht still.
Ich versuche zu atmen, hoffe in Panik, dass es wieder anfangen möge zu schlagen.
Doch mit dem Herzen steht auch die Zeit.
Es stolpert nicht.
Es bewegt sich einfach nicht mehr.
Mein Brustkorb krampft.
Mir wird schwarz vor Augen.
Eingefroren.
Bange Sekunden die wie Stunden wirken.
Dann atme ich und der Zustand ist vorbei.
Mehrmals wiederholt sich die Situation, bis ich mitten in der Nacht zum Telefon greife und meine Freundin anrufe.
„Muss ich jetzt sterben?“, frage ich und sie fängt an mich zu beruhigen.
„Nein, musst du nicht. Du wirst leben.“
Ich versuche mich zu beruhigen.
Es ist nicht das erste Mal, dass ich das so erlebe. Medizinisch gibt es keine Erklärung dafür.
Die Angst, wenn mich diese Zustände unangekündigt überfallen, wird dennoch nicht weniger.
Ich frage mich, wieso sie kommen und weshalb diese Nacht.
Der Körper erinnert sich.
Mein Wissen dazu schweigt.
Was bleibt ist ein banges Gefühl.
Ein „Ich werde sterben, wenn mich niemand widerbelebt“.
Die Symptome machen mir Angst. Nicht die Angst das Symptom.
Irgendwann werde ich auch das in der Therapie verstehen und lösen – so hoffe ich.
Dann kann der Verstand verstehen, was der Körper schon so lange weiß und die Kinder heilen, die so lange ungesehen waren.

Herzeis im Aprilschnee

Zarte Schneeflocken taumeln vom grauen Aprilhimmel und bedecken mit weiß-wässriger Schicht das zarte Grün und die roten Tulpen und die gelben Narzissen und alles was schon angefangen hatte zu leben unter ihrer schmelzrig, fragilen Eisigkeit. Die feinen hellen Triebspitzen der Bäume scheinen sich nicht über das Kalt zu wundern, mit dem sie begrüßt werden. Von Zeit zu Zeit schütteln sie sich ein bisschen im Wetterschauspiel und schaffen sich damit Platz unterm Schneematsch, der plump zu Boden fällt und sich von dort aus überlegt, ober er nun ganz tauen mag oder in seiner weißklumpigen Gestalt noch etwas auf der Erde verweilt.
Hinter den Wolken sieht es nach Sonne aus und unter dem Schnee nach grünem Leben.
Meint man.
Wir fühlen uns etwas wie die zarten Pflänzchen im Garten, die gerade voll Mut damit begonnen hatten ihre Spitzchen doch wieder wachsen zu lassen und darauf hofften, dass jetzt die Sonne und das Leben kommt.
Es war Urlaub, es war frei, es gab Zeit, Menschen und Situationen, die uns wie die Sonne waren, die uns aus unserer Hülle lockte. Die Seele atmete schrittweise erst kleine, dann größere Luftzüge und vergaß dabei zeitweiße das erstickende Blau, das der Alltag und die Erinnerungen ihr oft überzogen. Sie lachte.
Beim Augenaufschlag heute Morgen war dann plötzlich alles anders.
Wie das Wetter.
Der Tag begann mit einem „Ich kann nicht mehr“.
Um unser Herz war es, als hätten uns die Schneeflocken mitten in die Seele geschneit und fröstelnd alles Lebendige zugedeckt. Das Bunt der letzten Tage in uns schien plötzlich grau wie der Himmel.
Tränentropfende Einsamkeit lag auf unserer Gefühlswelt.
Nichts macht Sinn, alle haben uns vergessen, keiner mag uns…
Unser Zustand ebenso wenig erklärbar, wie die Wetterwechsel im April.
Innere Getriebenheit.
Wir fühlen nicht nur einfach so, wir können gar nicht anders.
Wenn Emotionen plötzlich umschwenken und in uns nicht weichen wollen, trotz aller logischer Erklärungen aus der Gegenwart, trotz allem gesehen werden, trotz aller Ablenkung und wir dennoch das Gefühl haben, wir zerfetzten an einem Umstand, ist allzu oft das Trauma am Werk.
Gerade weiß ich nicht, was es in uns diesmal hat schneien lassen und den Wintereinbruch im Frühjahr brachte.
Ich weiß, dass Ostern ist, dass ich geträumt habe, ehe ich aufgewacht bin, wenn auch nicht mehr genau was und dass die Vergangenheit heute mit Bildern und Emotionen sehr eindrücklich an unsere Gegenwartstür klopft.
Ich weiß, dass wir bei allem was wir erlebt haben oft Schwierigkeiten mit unserer Umwelt haben und manche Dinge einfach nicht gut können.
Genau so ist es aber auch die Umwelt, die uns beeinflusst und es uns oft schwer und manchmal auch leichter macht.
Allzu oft ist es nicht leicht dann abzuschätzen, ob der Auslöser in uns oder im Außen, allein in der Vergangenheit oder in der Gegenwart oder in beidem liegt.
Vielleicht ist das aber auch gar nicht so wichtig, weil ohnehin alles zusammenwirkt.
Heilung heißt wohl auch in guter Beziehung zu sein.
Die Wolken werden nie ihr Potenzial verlieren es schneien zu lassen, auch nicht im Sommer. Ein Stück tragen sie die Tropfen in ihnen am Himmel entlang. Der Rest liegt an der Umwelt und was sie daraus macht.

Migränestopp

Es ist Sonntag Nachmittag.
Bereits seit heute Vormittag habe ich starke Migräne.
Angefangen hat alles kurz nach dem Frühstück.
Die Augen gaukelten Lichtblitze vor und selbst die umgehend eingeworfene Schmerztablette, verhinderte nicht die bald dazukommenden heftigen Kopfschmerzen mit Übelkeit.
Nun sitze ich hier am offenen Fenster mit heruntergelassenen Rollläden, weil die Helligkeit des Tages unerträglich ist, ich aber die frische Luft brauche.
In meinem Kopf ist Energiestau und in die Tasten des Computers fließen Worte, die ich kaum sehe, die ich aber dennoch schreiben will.
Im schmerzhaft pochenden Kopf stoßen bittere Wahrheiten gegen die empfindlich gereizten Schmerzsynapsen und lässen mir die Realität unserer Vergangenheit bewusst sein.
Ich wäre so gerne belastbarer.
Die letzten Tage und Wochen waren einfach zu viel.
Ich wollte so gerne nach den Sternen greifen und hab dabei übersehen, dass es für die Folterrealität in mir zu schnell geht.
Dass die Schritte zu Groß sind, weil sie in der Form noch überfordern und Heilung für uns anders aussehen muss.
Ich habe vergessen mich und die anderen mitzunehmen.
Die Migräne bremst und zwingt mich, zu stillen Momenten auf dem Sofa.
Egal, ob ich möchte oder nicht.
Egal, ob heute die Sonne scheint.
Egal, ob ich noch so viel zu erledigen hätte oder nicht…
Sie schmerzt.
Genau wie mein Innerstes.
Es wird Zeit, mir selbst über die Wange zu streicheln, mich in den Arm zu nehmen und mich bei mir selbst und den anderen zu entschuldigen.
„Es tut mir leid, dass ich euch übersehen habe.“

National Multiple Personality Day 2017

i-believe-in-me

Heute ist „National Multiple Personality Day“.

Für uns ist das ein guter Anlass mal wieder schöne Sachen für die Innenleute zu machen, uns bewusst wahrzunehmen und das zu tun, was uns eben gut tut, um dabei im Gefühl von „gesehen werden“ ein kleines Stückchen näher zusammenzurücken. Es bedeutet anzunehmen was war und das Beste daraus zu machen und auch, wenn es als bunt strukturierter Haufen oft schwierig ist, so schätzen wir uns doch gegenseitig wert und den Einsatz, den jeder/jede/jedes Innen für unser Überleben beigetragen hat.
Eine kleine Feier dafür, dass wir überlebt haben. Für uns selbst.

Wir wünschen euch allen einen schönen Sonntag! 🙂

Spurensuche – sich das unvorstellbare glauben

„Einer der besten Indikatoren einer möglichen Geschichte von Mind-Control ist das Vorhanden sein von traumatischer Dissoziation. Unglücklicherweise liegt der Umstand der Dissoziation darin, verborgen zu sein. Sie verbirgt nicht nur das Material, sondern den Umstand selbst, dass es Material gibt, das dem Bewusstsein entzogen ist.“

Alison Miller in „Werde wer du wirklich bist“ 

Erst war es nur ein leises Klopfen, dann ein Pochen und schließlich ein synapsenfüllender Prozess des Selbstzweifels und des Bezweiflens der eigenen Geschichte.
Von einem Moment zum anderen war oft gar nichts mehr klar. Nicht mal das sicherste Nichts.
Die Suche nach Beweisen für oder gegen die Bilder, die so unverfroren waren, ungefragt in meinem Kopf aufzutauchen, mir von Abgründen zu erzählen und sowohl Körper, als auch Seele von jetzt auf gleich in einen Zustand zerberstenden Schmerzes oder erfrierender Ohnmacht zu versetzen und danach oft wieder abtauchten in ungreifbare Tiefen.
Dissoziation macht Realitäten ungreifbar.
Mehr oder weniger starke Zweifelphasen sind wohl den meisten Überlebenden bekannt, teils sogar von den Tätern bewusst geplant.
Ringen um Wissensstrohalme, durch dessen kleine Öffnung in der Gefühlsverwirrung Sicherheiten entstehen können.
Anbei möchten wir mit euch ein paar der Erinnerungen, Symptome und Beweise dafür teilen, dass wirklich etwas geschehen ist, die uns geholfen haben:

  • Bist du dissoziativ? Gibt es vielleicht sogar eine Diagnose wie DIS oder DDNOS, die das bestätigt? Übermäßige Dissoziation ist eine Traumafolge. Hast du ausreichende Erklärungen für das Maß der Dissoziation, das du bei dir selbst wahrnehmen kannst, wenn du leugnest, dass dir etwas geschehen ist?
  • Wenn du denkst, dass du dir selbst und anderen nur etwas vorspielst, kannst du damit aufhören?
  • Wenn du malst, schau dir deine Bilder an. Worum geht es? Wiederholt sich etwas immer wieder? Sind sie so unterschiedlich, als hätten Sie verschiedene Personen gemacht? Welchen Inhalt haben sie? Lange bevor wir eine Diagnose hatten oder in Therapie waren, haben wir z.B. Bilder gemalt, in denen verschiedenen Welten getrennt waren, links und rechts, schwarz und weiß, Tag und Nacht, Schnee und Sonne, ein offenes und ein geschlossenes Auge…
  • Hattest du vor den Zweifeln gerade eine Phase, in der besonders viel schmerzliches Material hochgekommen ist oder du dir glauben konntest? Habt Ihr gerade in der Therapie eine Erinnerung näher besprochen? Uns ist für uns aufgefallen, dass sich die stärksten Zweifelphasen oft als eine (Rettungs-)Reaktion auf eine Flut unaushaltbarer Erinnerungen zeigten oder als eine Art Gegenreaktion auf den Realisierungsprozess in der Therapie.
  • Gibt es Dinge, Erinnerungen und Verhaltensweisen, die schon vor jeder Therapie oder bevor du mit jemandem gesprochen oder etwas darüber  gelesen hast, aufgetaucht sind? Man kann sich Erinnerungen nicht einreden, wenn nichts passiert ist. Allison Miller selbst schreibt über sich, dass sie im Laufe Ihres Berufslebens zig solcher Geschichten gehört hat und noch nicht einmal auch nur Ansatzweise auf den Gedanken kam, dass es ihr selbst passiert sei. Von unserer Therapeutin haben wir ähnliches gehört. Völlig unlogisch wäre auch, dass man auch öfter von anderen traumatischen Begebenheiten, wie Naturkatastrophen hört. Wie oft hast du dir schon gedacht, dass du einen Tsunami, ein Erdbeben oder einen Vulkanausbruch überlebt hast, nur, weil du im Fernsehen Berichte darüber gesehen hast und das auch noch körperlich und emotional spüren können (sofern du das nicht wirklich erlebt hast)? Wahrscheinlich nie.
    Dennoch hat es uns oft geholfen uns zu überlegen, was an Bildern, Emotionen, Verhaltensweisen und Empfindungen schon immer da war, bevor wir uns direkt mit dem Thema beschäftigt haben, um aus der „Das rede ich mir nur ein“-Schleife herauszukommen.
  • Gibt es Erinnerungen von denen du hundertprozentig weißt, dass sie genau so passiert sind?
  • Falls du denkst, du lügst oder bildest dir alles nur ein, dürftest du eigentlich aussschließlich ganze und vollständige Geschichten, von denen du weißt, wie sie begannen, wie sie verliefen und wie sie endeten, haben. Nein!? Wenn du dir die Erinnerungen nur ausdenken würdest, könntest du sie einfach nach belieben phantasievoll ergänzen. Wenn du an Punkte kommst, wo du feststellst, dass du hier nicht weißt, wie es weiter geht oder wie es zu Anfang war, spricht das nicht dafür, dass du gerade Geschichten erzählst, denn den Verlauf von Geschichten kannst du einfach bestimmen.
  • Hast du Körpererinnerungen? Körpererinnerungen stellen das Wiedererleben eines körperlich erfahrenen Traumas dar. Dein Körper kann sich nicht an Schmerzen oder Berührungen erinnern, die er nicht erfahren hat. Sie sind nicht durch Fernsehen oder Bücher beeinflussbar. Was man noch nie gespürt hat, kann man auch nicht wiedererleben. Wie fühlt es sich an vom Rüssel eines Elefanten umarmt zu werden? Sofern du es nicht erlebt hast, kannst du vielleicht versuchen es dir vorzustellen, aber wissen und spüren tust du es nicht. Im Gegensatz dazu werden die meisten sofort wissen und körperlich nachempfinden können, wie es sich anfühlt einen Hund oder eine Katze zu streicheln. Wenn du Vergewaltigung oder Missbrauch auf Körperebene spüren kannst, kannst du dir sicher sein, dass das auch passiert ist.
  • Gibt es Belege von Außen, die dir deine Erinnerungen ein Stück weit bestätigen können? Berichten andere Betroffene ähnliche Abläufe oder über die gleichen Orte, an denen die Gewalt passierte? Gibt es Fotos?  Zugegebenermaßen sind das wohl die am schwierigsten zu bekommenden Beweise. Manchmal gibt es Sie dennoch. Mittlerweile wissen wir von anderen Personen, die ganz unabhängig von uns, Jahre nachdem wir bereits in der Therapie darüber geredet haben, über die gleichen Täter und Orte, wie wir berichten. Wir wissen, dass das selten ist und wir würden nicht gezielt danach suchen. Erstens, weil wir es als zu gefährlich erachten und zweitens, weil Erfahrungsgemäß bei uns die Aussagen anderer noch lange nicht dazu führten, dass wir die eigenen Erinnerungen auch als Wahrheit zulassen konnten. Dennoch kann das wichtige Anhaltspunkte liefern, sofern vorhanden.

Unsere Liste ist sicher nicht vollständig und nur ein Auszug an Überlegungen, die uns geholfen haben. Eventuell werden wir diese zu einem späteren Zeitpunkt ergänzen.
Wenn in deinem Kopf Erinnerungen und Fragmente an rituelle oder organisierte Gewalt auftauchen oder du das Gefühl hast, dass etwas von dem Thema mit dir zu tun hat, vertraue dir und folge der Spur. Letztendlich kannst du nur so herausfinden was für dich stimmt und was es für dich bedeutet.
Andere mögliche Indizien für rituelle Gewalt findet man auch auf anderen Internetseiten, z.B. hier oder im Buch von Alison Miller für Betroffene von Ritueller Gewalt und Mind Control „Werde, wer du wirklich bist“, erschienen im Asanger Verlag, aus dem auch das obige Zitat und einige Anregungen für diesen Blogbeitrag stammen.

Seiltänzer

Wir hängen in den Seilen.
Ordentlich.
Seit fast zwei Wochen fehlt von einem Moment auf den anderen der so dringend benötigte Boden unter den Füßen.
Sterben. Aufgeben.
Verlockend.
Andererseits – Leben ist auch wirklich schön.
Wenn es gerade nicht so scheiße wehtun würde.
Ok… einen Versuch ist es wert.
Unser Gehirn boykottiert den Funktioniermodus.
Lernen für Prüfungen Fehlanzeige.
Allein das Sitzen im Unterricht ist schon anstrengende Qual genug.
Lächeln und Schmunzeln.
Dann fühlen sich wenigstens Lehrer und Mitschüler sicher und wohl.
Depression inkognito.
Harmlos wirkt es und unernst, nach kleineren Wehwehchen, wenn wir sagen, dass es uns nicht gut geht.
Doch das ist es nicht.
Es ist der gesamte Ernst, der auf uns prallt, wenn wir spüren, dass wir Opfer sind.
Wenn die Bilder der Folter, die uns angetan wurde, in uns wirken.
Es sind die Gerüche der Männer, die uns in die Nase steigen.
Das Parfüm, der Körpergeruch, Alkohol,…
Es ist das Spüren ihres Atems, der auf unseren Körper trifft.
Mal sanft und hauchig. Mal hart und fordernd.
Es sind die Spuren ihrer Berührungen, die sie auf unseren Körper zeichneten.
Das „Es war so schrecklich“.
Wir sind Seiltänzer auf den Synapsen und hoffen an den Überspannungsleitungen möglichst vorbei zu kommen und schon gar nicht mitten auf dem Starkstromnervenkabel zu landen.
Etwas Ruhe.
Wenig Reize.
Abgerichtet auf das Leben in Kult und organisiertem Verbrechen, wo selbst Reizlosigkeit einen Reiz darstellt.
Kaum möglich.
Nervenseilüberlebenstanz.

Natürliche Hilfe bei Traumafolgen

In den letzten Jahren haben sich für uns ein paar Mittelchen als sehr wirkungsvoll und hilfreich im Umgang mit den Traumafolgen erwiesen, drum haben wir uns überlegt heute darüber einen Blogbeitrag zu schreiben.
Wir haben viel ausprobiert und so manches hat sich bei uns als wirkungslos erwiesen. Die folgende Auswahl an Mittelchen haben aber bis heute immer wieder gute Dienste geleistet und wir mögen sie in unserer Hausapotheke nicht mehr missen.
Eine lange und anstrengende Therapie und Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit hat uns leider keines davon abgenommen, aber die Prozesse durchaus immer wieder erleichtert und beschleunigt.
Alle Informationen und Angaben im Folgenden zu den einzelnen Mitteln sind persönliche Erfahrungswerte, keine Einnahmeempfehlungen und können natürlich fachmännischen individuellen Rat durch einen Arzt oder Heilpraktiker nicht ersetzen.

Unsere Top 5

Opium C200 / Opium XM
Das homöopathische Mittel Opium als Hochpotenz ist uns oft schnelle Hilfe bei dissoziativen Zuständen vom Nebel-Watte-Gefühl über Erinnerungsschmerzen oder Leere und Gefühllosigkeit bis hin zu starkem Selbstverletzungsdruck, aufgrund dissoziierter Persönlichkeitszustände. Kurz – bei allem, was mit Dissoziation zu tun hat. Die Potenz C200 verwenden wir dabei meist bei „körperlichen Problemen“ und die Potenz XM bei starker „seelischer Dissoziation“. Im Akutfall lassen wir dann 2-3 Kügelchen auf der Zunge zergehen und wiederholen bei Bedarf noch 2-3 Mal jeweils ein paar Minuten später die Gabe, bis wir das Gefühl haben, dass der Zustand jetzt anfängt deutlich abzuklingen. Sofern es für diese Situation die richtige Mittelwahl war, spüren wir innerhalb weniger Minuten, wie wir wieder mehr auf dieser Erde ankommen.

Cannabis indica LM
Ebenfalls ein homöopathisches Mittel. Wir empfinden es als wirksam bei starken Flashbacks, gerade auch, wenn es mal wieder so schlimm ist, dass wir Männer in unserer Wohnung stehen sehen, wo keine sind oder andere Wahrnehmungsverzerrungen durch das Wiedererinnern haben.
2-3 Kügelchen auf der Zunge tun dann ihre Wirkung. Die Gabe wiederholen wir bei Bedarf.

Arnica C 200
Bei Schmerzen, die durch ein Trauma verursacht wurden. Blauen Flecken, Prellungen, Muskelschmerzen z.B. nach Selbstverletzungen oder auch, wenn unsere Wirbelsäule von den Traumafolgen schmerzt und anderen üblichen Einsatzbereichen des homöopathischen Mittels. Einnehmen tun wir es wie oben bei den anderen Mitteln schon beschrieben. Wie häufig, sagt uns dann zusätzlich auch unser Bauchgefühl.

Solunat Nr. 4
Das Solunat Nr. 4 kommt aus der sogenannten Spagyrik. Es enthält verschiedene pflanzliche Wirkstoffe, homöopathische Mittel und kolloidales Silber. Es beruhigt das Nervensystem und hilft einen tiefen erholsamen Schlaf zu finden. Für uns ist es das Mittel, wenn wir unter extremer Anspannung stehen, Angst haben, dass uns vor Druck und Stress gleich die Synapsen durchknallen und wir keine Ruhe und keinen Schlaf finden. Es wird am Abend vor dem zu Bett gehen oder frühestens am späten Nachmittag genommen, weil es schläfrig machen kann und ja auch soll. Ist der Stress vor der Einnahme sehr groß, fangen wir manchmal an auf das Mittel heftig zu zittern, haben Muskelzuckungen und -krämpfe und das Gefühl, als würden wir uns Buchstäblich entladen. Als bedrohlich empfinden wir den Zustand aber nicht, höchstens unangenehm und wenn wir durch diese Phase durch sind, kommen wir tatsächlich zur Ruhe und können wieder schlafen. Meistens passiert das aber nicht in der heftigen Form und wir werden einfach müde und schlafen ein oder wir testen die Reaktion zunächst mit ganz wenigen Tropfen (ca. 4 Tropfen) und wenn alles ok ist, gönnen wir uns etwas später eine zweite Einnahme.

Bachblüten
Lange Zeit haben wir von Bachblüten nicht gerade viel gehalten, wohl auch, weil wir mit den gängigen Notfalltropfen überhaupt nicht klar kamen und sie als wirkungslos empfanden. Dann haben wir uns mit den 38 Bachblütenessenzen genauer auseinandergesetzt, uns zunächst eher skeptisch eine Mischung für unsere persönliche Situation erstellt, die wir uns dann in der Apotheke geholt haben. Seitdem sind wir überzeugt und nutzen sie immer wieder gerne, meistens dann über mehrere Wochen zur Unterstützung in der aktuellen Lebenssituation bei körperlichen und seelischen Problemen. Von Bekannten haben wir ähnliche Erfahrungen gehört.
Wenn die Wahl der Mittel stimmt, können sie sehr hilfreich sein und es lohnt sich damit auseinanderzusetzen oder jemand Erfahrenen in der Mittelwahl zu befragen.