In den letzten Tagen haben wir uns mal wieder mit der grundsätzlichen Therapieausrichtung beschäftigt. Wir haben versucht mit uns in Kontakt zu kommen und hinzuspüren, was wir an dieser Stelle brauchen. Dabei ploppte auch die Frage auf, woran sich gute Therapie für uns derzeit orientieren muss. Große Unterschiede macht es für uns, ob prozessorientiert oder zielorientiert gearbeitet wird. Mit den Vor- und Nachteilen der jeweiligen Ausrichtung befasst sich nun dieser Artikel.
Trauma
Die Ware Frau

Ich muss zugeben, ein Thema treibt uns derzeit mal wieder besonders um: Prostitution. Seit langem haben wir persönlich eine sehr strikte Meinung dazu. Für uns gibt’s da wenig zu diskutieren. Prostitution ist Gewalt. Wenn wir Prostitution legalisieren entscheiden wir uns als Gesellschaft dafür bestimmte Formen der Gewalt zu akzeptieren. Warum!? Ist Gewalt weniger Gewalt, nur weil Lust im Spiel ist!?
Sommernacht und quere Gedanken
Kurz vor Mitternacht, immer noch 27 Grad auf dem Balkon und sternenklarer Himmel. Der Abend geht mit einem Lächeln zu Ende. Eine Grillparty mit Bekannten, war der perfekte, leichtfüßige Ausklang für diesen brüllendheißen Sommertag. Im Grunde könnte man einfach den Stempel „Gut“ darunter setzen, weil alles irgendwie perfekt lief. Erfüllende Arbeitsaufgaben und ein bisschen echtes Social Networking zu später Stunde. Das schöne Gefühl direkt hinter der Fassade fühlt sich sogar ausnahmsweise echt an und nicht nur wie ein maskenhaftes Funktionierroboterüberbleibsel. Aber kennt ihr das, wenn trotzdem irgendwo ganz weit innen, kaum greifbar und schon gar nicht zuzuordnen, ein undefinierbares Empfinden anklopft, dass da noch etwas anderes ist?
Energieschub für die Seele

Wieder beginnt ein neuer Tag. Wie so oft in letzter Zeit zieht es mich auf den Balkon. Mir fällt auf, dass ich im heimischen Grün anscheinend besonders gut denken und bei mir ankommen kann. Viele Stunden habe ich in den letzen Tagen und Wochen dort verbracht, kleine Flugwesen beobachtet und Erinnerungen an mir vorbeiziehen lassen. Lange bleibe ich heute jedoch nicht draußen. Der Wind kühlt zu sehr. Obwohl mein Herz Anfang Juli noch auf Sommer wartet, fühlt er sich schon leicht herbstlich an. Eigentlich möchte ich zu dieser Jahreszeit nur in weiten Kleidern und luftigen Röcken herumlaufen. Entsprechend wehre ich mich innerlich gegen eine warme Weste.
Blumiger Ausklang

Gerade sind wir auf unserem Balkon angekommen und haben uns gemütlich eingerichtet. Ein Teller mit Toast, kaltes Wasser und die Beine in horizontaler Stellung kann der Tag seinen Ausklang finden. Von der Gartenparty der Nachbarn klingen dumpfe Bassbeats an unser Ohr. Während ich den ganzen Tag vor Schweiß klatsch nass war, frage ich mich nun tatsächlich, ob es mich im lauen Abendlüftchen ohne Weste fröstelt. Vorstellen könnte ich mir auch einen dicken, kuscheligen Wollpullover, aber das wäre wohl übertrieben. Immerhin zeigt das Thermometer noch knapp 25 Grad. Kurze Zeit überlege ich, ob meine gefühlte Temperatur von der tatsächlichen aufgrund eines Triggers abweicht. Dann komme ich in den Moment zurück und lasse die letzten Tage gedanklich Revue passieren.
Sandtherapie für die Kleinen
Im Moment sind wir therapeutisch mal wieder an einem recht kniffligen Punkt. Das Anspannungslevel ist extrem hoch. Um gewisse Probleme lösen zu können, muss mit den Kleinsten im Innen gearbeitet werden. Dafür braucht es altersgemäße Zugänge jenseits von Sprache und Logik. Das ist gar nicht so einfach. Auf eine neue Idee sind wir über eine Ergotherapeutin gekommen – Knetsand. Sie erzählte uns, dass sie gerne mit Kindern damit arbeitet, um sie emotional zu beruhigen. Was für Außenkinder gut ist, kann für innere Kinder ja auch nicht schlecht sein, dachten wir uns und haben uns kurzerhand etwas Therapiesand zugelegt.
Rituelle Gewalt als Alltagsperson erschließen

In den letzten Tagen haben wir uns aus persönlichen Gründen nochmals sehr intensiv mit dem Bereich der rituellen Gewalt auseinander gesetzt. Anlässlich der Feiertage haben wir Revue passieren lassen, wie unser Heilungsprozess in den letzten Jahren im Bezug auf diese Thematik verlaufen ist. Ohne Zweifel war es der Teil unserer Geschichte, der die größten Widerstände in uns hervorbrachte. Obwohl die Erinnerungen eindeutig in unserem Kopf waren, leugneten wir lange vehement. Die Annäherung bedeutete ein jahrelanges, schmerzhaftes Ringen, um innere Wahrheiten. Neben vielen anderen Stolpersteinen auf dem Weg stellte ein besonderes Problem auch das öffentliche Bild dar, das von ritueller Gewalt existiert und das es mir als Alltagsperson zusätzlich schwer machte meiner Wahrnehmung zu vertrauen. Denn das war nicht „meine“ Welt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nur sehr begrenzt überhaupt bewusste Erinnerungen. Es klaffte ein tiefer Graben zwischen meiner Geschichte als Alltagsperson und der Geschichte anderer Innenpersonen. Den galt es zu überwinden. Unterschiedlicher hätten die Lebensrealitäten nicht sein können.
Was ich an Beltane mag

Ich sitze auf dem Balkon und lausche dem zwitschern der Vögel. Meine Fingerspitzen frösteln leicht. Den Oberkörper eng in eine dicke Jacke gehüllt blicke ich mich um. Es ist der erste Beitrag in diesem Jahr, den ich unter freiem Himmel verfasse. Ich erinnere mich an die vielen Sommerabende, an denen ich hier ein Stück meines Lebens genoss. Zart sprießen die ersten Pflänzchen. Vieles hat zu meinem Erstaunen den harten Winter in den Töpfen überlebt. Die kleinen Erdbeerpflänzchen schauen bereits eifrig über den Rand ihres Schalenzuhauses und schieben ihre Blätter der Sonne entgegen in die Höhe. Vom Himmel kommt mir ein kleines wattiges Samenetwas entgegengeschwebt. Es spielt mit dem Wind. Die Kleinen kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Sie freuen sich über diese Beobachtungen. „Das ist also Beltane“, denke ich. „So fühlt es sich jenseits von organisierter und ritualisierter Gewalt an.“
Bienenbalkonmut und Kaffeeauszeit

Draußen vor dem Fenster fallen große Regentropfen zu Boden. Mit erdigen Händen haben wir es gerade vor dem Schauer noch ins Innere geschafft. Schaumige Seife und warmes Wasser spülen gleich die Reste des Pflanzsubstrates von den Fingern. In der Küche wartet Kaffee auf uns. Erschöpft, aber auch ein bisschen zufrieden ziehen wir uns auf das Sofa unter die warme Decke zurück. „Mission Bienenbalkon“ für heute erfolgreich beendet. Doch wie hat sie angefangen?
Scheinpsychosen und Feiertage
Feiertage sind für Überlebende ritualisierter Gewalt prädestiniert dafür zu scheinpsychotischem Erleben zu führen. Die Symptome sind jedoch meist nicht durch eine tatsächliche Psychose bedingt, sondern vielmehr durch Flashbackzustände hervorgerufen. Durch die Fragmentierung der Ursprungserinnerung mögen dann die im Bewusstsein auftauchenden Teile aus dem Zusammenhang gerissen zwar wirr und surreal wirken, sind es jedoch in ihrer Entstehung nicht. Der nachfolgende Artikel beschäftigt sich mit Überschneidungen und Unterscheidungen von Traumafolgen und psychotischem Erleben.

