Traumajunkie

Ich bin ein Junkie
auf Adrenalin.
Brauch meine Droge
wie andere Heroin.

Ich bin das Opfer
und muss immer danach streben
all die Gewalt
ständig wieder zu erleben.

Ich bin getrieben,
denn der Schmerz gibt mich nicht frei,
drum brauch ich Dissos.
Taubheit ist mein schönstes High.

Würd‘ ich begreifen
fern von Körperopiaten,
was schon als Kleinstkind
all die Männer mit mir taten,
wär ich hilflos
und ich könnte nur verrecken
über dem Kummer,
Elend, Not und all dem Schrecken.

Also sorg ich dafür,
dass sich Gedanken nicht verweben,
denn mit Gewissheit
könnte ich nicht weiter leben.

Wär‘ die Erinn’rung
wirklich Realität,
käm‘ ohne Zweifel
jede Hilfe zu spät.

Ich bin gebrochen
und brauche meinen Stoff.
Käm‘ ich zur Ruhe,
blieb‘ mir nur der Selbstmord noch.

Also jag‘ ich den Puls hoch,
begeb mich in rote Zonen,
denn wo Gefahr droht,
kann ich mir die Droge holen.

Gewalt ist grausam,
doch sie macht auch taub.
Für Folterkinder
ist es das, was es braucht.

Drum ist Heil mir,
was für andere Verderben
und ich frag mich:
„Werd ich am Schutz letztendlich sterben!?“

Copyright by „Sofies viele Welten“

Sexueller Missbrauch durch die Mutter

Wir sitzen hier und sind völlig k.o. Unsere Gedanken schwanken in einem Meer mit Ebbe und Flut. Vieles haben wir in dem letzten Jahren sortiert, geordnet, verarbeitet und innerlich neu erkannt. Die verschiedensten Gewalterfahrungen standen im Zentrum der Therapie. Nur ein Thema schafft es immer wieder vom Radar zu rutschen – der sexuelle Missbrauch und die Übergriffe durch die Mutter. Hin und wieder haben wir es zwar kurz angeschnitten, aber nie tiefer beleuchtet. Nun drängt es nach vorne und lässt sich nicht mehr ohne weiteres weg stellen. Es ist wohl an der Zeit da genauer hinzuschauen…

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Eine kleine wiederkehrende Essenz des Grauens, Esskampftag und Vertrauen statt Zweifel

In der Hand rolle ich dicke Heidelbeeren hin und her. Noch bevor ich sie einmal wirklich spüren kann, sind sie in meinem Mund verschwunden. In Trance greife ich in das kleine Eimerchen und beginne mir die nächste Portion der kugeligen Früchte einzuverleiben. Heute ist Essenskampftag. Dabei ist Obst noch die gesündeste Variante, die in die Essanfälle einfließt und schon mehr die Pause zwischen den Kalorienattacken darstellt. Ich spüre mehr und mehr die Verzweiflung, weil Körper und Magen bereits schmerzhafte Überlastung anmelden. Doch wohin mit dem Druck!?

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Dissoziation, Nebel und eine Schale voller Nudeln

Ich sitze im Sessel und stochere in meinen Gemüsenudeln. Eigentlich habe ich keinen Hunger. Würde mein Magen nicht von der Leere brennen, hätte ich mir Essen vermutlich einfach ganz gespart. Während die Gabel sich zwischen den Fingern im Kreis dreht und feine Spaghetti zu Miniaturnestern rollt, versinkt die Umgebung jenseits meiner Wahrnehmungswelt. Ich fühle mich, als könnte ich mich selbst im Zimmer beobachten und mir anerkennend auf die Schulter klopfen: „Herzlichen Glückwunsch! Du schaffst es einen Gabel zu drehen.“ Gleichzeitig scheint es, als würden mich dünne neblige Scheiben von allem um mich herum abtrennen. Die Welt da drüben jenseits des Schleiers und ich.

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Schreibflaute und ein kurzes Statusupdate

Immer wieder sitze ich hier, drehe die Gedanken im Kopf, wälze Beitragsideen und komme doch nicht einen Buchstaben weiter. Die Themen im Alltag sind so weit gefächert und voll, dass ich es nicht schaffe auch nur eine Facette sinnvoll herauszupicken. Ich sehne mich nach den stillen Momenten, in denen ich zu mir kommen kann und die Worte beginnen zu fließen. Stattdessen hocke ich in einem Kessel voll dichtem Nebel, bekomme weder mich, noch die Innens zu fassen und erlebe ganz bewusst wie stark Dissoziazion werden kann, wenn außen und innen der Schmerz aufbricht.

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Vogelgezwitscher und Peter A. Levine

Ganz oben in der Krone unseres Walnussbaumes sitzt eine Elster und wendet immer wieder ein kleines Stöckchen in ihrem Schnabel. Nestbauzeit. Wir beobachten fasziniert das bunte Treiben der Vögel in unserem Garten. Vor nicht allzu langer Zeit ist mir aufgefallen, dass sie die Äste nicht etwa vom Boden aufsammeln, sondern in biegsamen Zustand vom Baum brechen, bzw. hacken. Schlaue Flattertiere. Auch bei der Ausstattung wird Wert auf Komfort gelegt. Eine Freundin hält auf einer Weide Schafe. Die abgewetzte oder verlorene Wolle holen sich die die Vögel mit Vorliebe als Polsterbetten für ihr neues Schlafgemach. Seit wir das wissen, stellen wir uns die Nester noch kuschliger vor. So gerne würden wir noch ganz lange draußen sitzen und vor uns hin träumen. So lange wollte allerdings die Realität nicht damit warten uns einzuholen. Im Kopf kreisen Erinnerungen. Eine Alltagsperson ist kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Die alte Folter bestimmt den weiteren Tagesverlauf. Weil unser Körper tut, was ihm unser Traumadino im Gehirn voller Verzweiflung zuruft, schlagen wir „Sprache ohne Worte“ von Peter A. Levine auf und hoffen eine Übung darin zu finden, die uns blitzartig Genesen lässt.

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Nature Valentine

Glitzerschnee hängt über das selbstgebastelte Zwergenheim. Ein Ausläufer davon lässt den kleinen Pilzkamin rauchend aussehen. Hinter den Fensterscheiben wirkt die Welt wärmer, als sie tatsächlich ist. Von der geöffneten Balkontür zieht eine bitterkalte Prise in die Wohnung. Sonne, blauer Himmel und die Welt liegt uns zu Füßen. Verlassen werden wir unser Domizil heute nicht. Stattdessen blicke ich aus dem Fenster und versuche in den Millionen von Wasserkristallen schöne Bilder zu finden. Tatsächlich springt mir hier und da eine Eiselfe vor die Linse und eine Frostfee deckt die Pflanzen schützend zu. Mit den Gräsern wiegen unsere Gedanken: „Happy Valentine!“ Es ist Zeit eine neue Geschichte zu schreiben.  Weiterlesen →

Nicht vorhandene Parallelwelten extremer Gewalt

Da gibt es diese ganz „normale“ Gesellschaft die gute Werte vertritt, die ihre Mitmenschen achtet, die sich solidarisch füreinander einsetzt und Gewalt ablehnt. Und gleichzeitig regiert irgendwo in einer Parallelwelt die dunkle Seite der Macht, die ganz andere Moralvorstellungen hat, in der organisierte Verbrecherbanden morden und quälen, Kinder vergewaltigen und Geld mit dem Leid anderer verdienen. Zwei Welten die zumindest sprachlich getrennt voneinander zu existieren scheinen. Dazwischen liegt ein unendliches Schachspiel von schwarz und weiß. Aber stimmt diese Sicht wirklich?

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Ich glaube dir

Wir haben bei Fibrofee obiges Zitat entdeckt und fanden es für Menschen mit Traumafolgestörungen ebenso passend, auch wenn es ursprünglich auf eine ganz andere Erkrankung bezogen ist.
Gerade an Tagen, an denen die alten Erinnerungen nach oben schießen und man vor Flashbacks manchmal nicht mehr weiß, wo oben und unten ist, heilt ein „Ich glaube dir!“ von einem lieben Menschen so vieles. Wenn dann noch ein „Ich bin da“ oder „Ich lass euch nicht alleine“ dazu kommt, lässt sich der Schmerz leichter er-tragen.

Eisige Gedanken und warmes Herz

In der Kälte setze ich langsam einen Fuß vor den anderen. Nach drei nahezu bewegungsfreien Tagen verlangte mein Körper nach Aktivität. Nun pfeift mir eisiger Wind um die Nase. Meine Wangen frieren. Während ich nach oben in die Baumkronen blicke, ziehe ich mir die Jacke über die Hände, um meine Finger zu wärmen. Mit meinen feiertagssteifen Gliedern fiel es mir schwer die Wohnung zu verlassen. Nun genieße ich die sauerstoffreichen Atemzüge trotz allem. Auf den Gehwegen sind die Pfützen zugefroren. Die verbleibenden Blätter aus dem Herbst tragen ein dünnes Raureifjäckchen. Die Natur um mich herum beginnt mit mir zu verweben. Gedanken fliegen von einem Baum zum anderen, bewundern die Eiskunstwerke, gleiten über Stamm und Rinde und bleiben schließlich an den Wassersplittern hängen, die aus einer kleinen Wegvertiefung ragen. Unter der starren Oberfläche versammeln sich kleine Blasen. Ein Baum vom Wegesrand leiht mir für einen Augenblick seine Wurzeln. Wir kommen an, beginnen uns zu spüren. Die kühle Luft klärt zunehmend den dissoziativen Nebel um meinen Kopf und obwohl die Abenddämmerung immer näher rückt, wird meine Welt zunehmend heller und freundlicher. Weiterlesen →