Eine Frage und Bitte an die lieben Leser_innen in Sachen Pflegegrad

Hallo ihr Lieben,

wir sind aktuell einigermaßen verzweifelt und sehen überhaupt kein Land mehr. Wir haben einen Pflegegrad beantragt in der Hoffnung darüber irgendwie Unterstützung organisieren zu können für unseren Alltag in dem gerade gar nichts mehr geht. Dies wurde allerdings erstmal abgelehnt. Weshalb ist mir ein Rätsel und ich frage mich, beim Lesen des Gutachtens, wen die Dame vom MDK da begutachtet hat, weil sämtliche gewichtigen Einschränkungen einfach verneint werden. Für uns ist das ein ganz herber Schlag in einer Situation, in der wir ohnehin keine Kraft mehr haben. Natürlich könnten und müssten wir jetzt Widerspruch einlegen, aber uns fehlt einfach die Energie an allen Ecken und Enden. Habt ihr vielleicht Erfahrungen in Sachen Pflegegrad? Gibt es jemanden unter euch, der vielleicht etwas Mut zusprechen könnte, dass trotz negativem Erstbescheid noch ein höherer Pflegegrad zugesprochen wurde und sich ein Widerspruch lohnt? Wenn ihr mögt, würden wir uns sehr freuen, wenn ihr von euren Erfahrungen erzählen mögt und teilen möchtet was euch geholfen hat. Irgendwie hat uns dieser Bescheid grade jeglichen Mut genommen weiter zu kämpfen und wir sind dankbar für jeden noch so kleinen Austausch!

Ganz liebe Grüße an euch alle!🤗

Sofie und die bunten Schmetterlinge 🦋

Gefühle wollen gefühlt werden – nicht erklärt!

Wir sitzen in unserer Stube und denken nach. Gerade eben hat sich ein Weinschauer in seiner ganzen Wucht entladen. Die Anspannung war enorm. Nun sind wir einigermaßen erschöpft, aber etwas ruhiger. Ein bisschen sind wir stolz auf uns, dass wir es inzwischen deutlich besser schaffen mit Gefühlen umzugehen, als noch vor einigen Jahren. Die größte Hürde bei der Versorgung war oft, dass wir uns selbst nicht getraut haben uns ernst zu nehmen, wenn es keine gute Erklärung gab, weshalb wir so fühlen. Gedanklich waren wir dann die ganze Zeit im Kopf und haben versucht die Hintergründe zu erfassen, statt den Teil zu versorgen, der sich eben gerade zeigt. Waren wir mit der Suche nach den logischen Gesichtspunkten nicht erfolgreich, dann blieb in der Zwischenzeit auch das Gefühl im Regen stehen.

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Verstummt – Anwaltswirren, Helfergewalt und völliges k.o.

Wir sitzen völlig fertig auf unserem Bett. Das Telefon klingelt – mehrfach. Gerne würden wir ran gehen. Doch wir können nicht. Es kommt kein Ton mehr über unsere Lippen. Auf Instagram haben wir heute darüber geschrieben, dass eine Entschuldigung kein Radiergummi ist. Ich bin froh, dass mir zumindest das Schreiben noch als Kommunikationsweg zur Verfügung steht. Wirklich greifen, was mir seit Stunden die Sprache verschlägt kann ich nicht. Vermutlich ist es eine Mischung aus vielen Komponenten. Angst, Verzweiflung, Scham, Schuld, schwere Depression, die Osterfeiertage… Beim inneren Reflektieren über den Tag bemerken wir recht unvermittelt noch eine weitere Komponente – Wut!

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Schuld und Bindung

Seit einigen Wochen schon belastet mich ein Gefühl besonders schwer – Schuld. Über einige Zeit hatte ich den Eindruck ich hätte einen guten Umgang damit gefunden. Zugegebener Maßen war meine Herangehensweise eher rational orientiert. Dann erwischte mich ein Trigger eiskalt. Erinnerungen brachen mit tiefer emotionaler Qualität wieder auf. Ich saß plötzlich in einem tiefen See aus Tränen, Verzweiflung und Schuld. Unendlicher schwerer Schuld. Schuld, die so schwer wiegt, dass ich mich schon schuldig dafür fühle überhaupt noch zu leben und zu atmen. Schuld, die mir jedes Recht auf Erleichterung meiner Beschwerden nimmt. Sie scheinen gerechte und vergleichsweise milde Strafe zu sein. Schuld, die mir auch die Erlaubnis entzieht meine Flashbacks dosiert verarbeiten zu wollen, weil es ja wohl das mindeste ist, dass ich wenigstens aushalte zu sehen und mich dem zu stellen, was da passiert ist und nicht auch noch deswegen rumjammere, weil es mir zu viel ist. Schließlich bin ich schuld. Eine Therapeutin hat mir in meiner Verzweiflung etwas zum Thema Schuld und Bindung erklärt. Das möchte ich euch jetzt zusammengefasst wiedergeben und meine Gedanken dazu in diesem Beitrag mit euch teilen.

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„Spaziergänge“ und innere Dynamiken

Der Wind rauscht rauh am Haus vorbei. Das kalte Wetter hält mich drinnen im Warmen. Auf dem Smartphone scrolle ich durch Nachrichten und Social-Media-Beiträge. Immer wieder stolpere ich heute und auch in den letzten Tagen und Wochen über Artikel zu den sogenannten „Spaziergängen“ auf denen Menschen gegen die geltenden und kommenden Corona-Maßnahmen protestieren. Nicht zuletzt ist dort die drohende Impfpflicht ein zentrales Thema. Das bedenkliche daran: Rechtsextreme, so heißt es, würden diese Gelegenheit für ihre Zwecke nutzen und nationalsozialistisches Gedankengut verbreiten. Die Demokratie werde auf diese Weise unterwandert und gefährdet. Das darf nicht sein. Also werden nun auch die Menschen laut, denen die Vorstellung wiedersagt, dass Nazis durch unsere Straßen spazieren und halten dagegen. Mahnende Stimmen äußern sich: „Mit Nazis geht man nicht spazieren.“ „Wer mit diesen Menschen spazieren geht, ist selbst Abschaum.“ Demos gegen die Demos finden statt. Oft zeitgleich, um den Raum der „Spaziergänger“ einzuschränken. Ich merke, dass ich innerlich vielfältig auf die Proteste von beiden Seiten reagiere. Das äußere Chaos spiegelt sich im Inneren. Trigger. Angst. Panik. Eine Frage stellt sich mir besonders: „Worum geht es jetzt eigentlich? Wem? Und weshalb?“ Das will ich für mich einmal sortieren.

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Wortwolken

Ich denk‘ in unsortierten Wortwolken,
die meinen Schädel stalken.
Nichts davon macht Sinn, denn der Sinn ist nur zu denken
und meine überreizten Zellen von eben diesem abzulenken.

Ich sammle Möglichkeits-Cluster und Panikschwärme.
Meditation sollte helfen, doch die nutzen sie gerne.
Sie vermehr’n sich in Ruhe und reisen durch die Zeit,
wo ein Unheil mich findet ist auch das nächste nicht weit.

Gedanken denken in Linien, doch die Seele tut’s nicht,
weil sie immer im jetzt ist und über’s fühlen nur spricht.
Ihr ist egal wann was war und wie Hemisphären das werten,
sie verlässt sich auf zentrale Emotionserfahrungsexperten.

Hier sitz ich und fühle und will nur noch sterben.
Gründe gibt’s viele, die in der Wortwolke werben.
Gedanken kreisen und pendeln und frier’n manchmal ein,
dann wird der Körper wie Blei und das Herz schwer wie Stein.

Manchmal machen sie Nebel und manchmal klären sie auf.
Doch nun mache ich erst Mal von meinen Gedankenverweigerungsrechten gebrauch.
Ich starr zur Zimmerdecke, steck mit dem Füßen im Sumpf,
langsam werde ich müde und frage mich dumpf:

Wenn das denken nicht wäre wie wär‘ es zu sein?
Dann hätt‘ ich nie mehr was vor mir und wäre jenseits vom Schein
der Masken, die ich täglich trage.
So schließ ich und sinke in die Wortwolkenfrage.

Copyright by „Sofies viele Welten“

Körpererinnerungen und Schwangerschaft – auf der Suche nach dem erlösenden Zaubertrank

Ich sitze am Pc und fühle mich wund bis auf die Knochen. In der Küche brutzelt mein Mittagessen vor sich hin. Mit wippendem Fuß lehne ich im Sessel und bin stark bemüht mein Nervensystem zur Ruhe zu bringen. Atmen. Aus dem Fernseher tönt Asterix und Obelix. Wie eine unbeugsame Gallierin versuche auch ich mich aufrecht zu halten. Seit einiger Zeit beschäftige ich mich bereits mit meiner eigenen Mutterschaft innerhalb der alten Gewaltsysteme. Spätestens aber mit Halloween und Allerheiligen liegen diese Verletzungen in uns wieder so brach, dass wir vor Schmerz darüber fast zu Grunde gehen. Erneut stellen wir fest: Es ist eine Sache, wenn wir die Bilder im Kopf händeln müssen und nochmal eine ganz andere, wenn der gesamte Körper von der Vergangenheit erzählt.

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Herbsttag mit schnurrendem Ausklang

Ich sitze im warmen Wohnzimmer. Auf der Sessellehne sitzt die Tigerdame und kommuniziert eifrig. Ihre Schwanzspitze zuckt bisweilen. Es dauert nicht lange, bis sich auch der Kater dazu gesellt. Tretelnd macht er es sich auf meinem Schoß gemütlich. Zufriedenes Schnurren dringt  an unsere Ohren. Beide scheinen sich auf ihren Kuschelplätzen wohl zu fühlen. Während wir der gleichförmigen Stereo- Beschnurrung lauschen, macht unser Nervensystem den Versuch ebenfalls in leichte Entspannung zu gleiten. Der Tag war anstrengend, voll mit Triggern und die Stimmung entsprechend schnell gereizt. Immerhin aber haben wir es geschafft unser Erinnerungsglas für die verstorbenen Sternchen etwas neu zu dekorieren. Nun blicken wir auf die kleine funkelnde Lichterkette auf dem Sideboard und atmen – in den Schmerz und die kommende Nacht.

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Samstags im Café

Ich sitze im Café. Vor mir bewegt sich das stille Wasser im Glas. Auf der angrenzenden Hauptstraße fahren die Autos vorbei. Der Wind im Schatten ist kühl und doch erträglich. Drinnen sitzen kommt nicht in Frage. Ungeimpft. Ungetestet. Aus medizinischen Gründen zu denen auch unser Trauma zählt. Über die neuen Regelungen kann ich mich kaum aufregen. Wir kennen Ausgrenzung unser Leben lang, nur die Gründe und Rechtfertigungen haben sich immer wieder geändert. Nun aber wollen wir die Herbstsonne genießen. Etwas, was uns niemand verbieten kann.

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Die Brombeerfee

Mit bedachtem Schritt streife ich durchs Unterholz. Zwischen Bäumen, Sträuchern und Beeren folge ich einer kleinen Schneise durch das Dickicht. Über mir Klopft es. Pock pock. Mein Blick ist darum bemüht die Füße vor unsichtbaren Ranken zu schonen, die sie zu Fall bringen könnten. Aus dem grünen Brombeerlaub leuchten mir kleine Früchte entgegen. Kurz bleibe ich stehen, um mich zu ihnen zu bücken. Ich muss schmunzeln. Eine Brombeerfee hüpft durch meine Gedanken. Im leichten Abendwind wippt sie auf den Früchten. Keck schlägt sie die Beine übereinander und zwinkert mir zu. Dann malt sie weiter. Mit sanftem Pinselstrich. Langsam das Rot färben. Die Natur sitzt in diesen Tagen mit Freude bei der Arbeit. Erntezeit.

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