Sommerschwüle Erinnerungen

In der Sommerschwüle werden Erinnerungen wach. Der Prasselregen des Gewitters ist bereits vorbei. Tränen laufen über die Wangen. Ich kann mich nicht spüren.
Wer bin ich und wenn ja wie viele?
Morgen ruft die neue Arbeit wieder. Sie langweilt mich. Trotzdem bin ich überfordert.
Paradox.
Am Nachmittag hat mich eine Situation, bzw. die dazugehörigen Geräusche, getriggert. Wie sehr, das wird erst jetzt in der Ruhe wirklich klar. In meinem Kopf tanzen die Bilder. Doch sie bleiben nicht dort. Bald nehmen sie den Körper ein und machen das Geschehene aktuell spürbar. Bald gaukeln sie mir vor tatsächlich berührt zu werden…
Einen Sommernachtstraum habe ich mir anders vorgestellt!
Manchmal wünsche ich mir Nähe. Dann stelle ich fest, dass der Wunsch gewaltbesetzte Bilder aus der Vergangenheit nach oben bringt.
Wenn ich die Nähe schon träumen könnte, dann würde ich so gerne in den starken Armen eines Partners liegen und einfach sicher sein.

Lavendelstille

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© Copyright by „Sofies viele Welten“

Ich sitze auf der Bank vor dem Haus. Im Lavendel summen die Hummeln. Hin und wieder zwitschert leise ein Vogel. In den Augen stehen Tränen der Erschöpfung. In der Lautheit des Alltags sind sie nicht aufgefallen. Sanfter Druck hinter den Augäpfeln verrät mir, dass sie schon länger dort verweilen. Ich blicke in das Lilablau der Blütendolden. Das Beruhigungskraut kratzt mich auf.
Ist es die Stille, die mich aufwühlt? Oder zeigt sich die Aufgewühltheit in der Stille?
Der Himmel ist strahlend blau. Die Katze schleicht zur Jagd vorbei.
Zuhören.
Was gäbe ich gerade für jemanden, der zuhört.
Die Zwischentöne.
Das was ich nicht sage, weil ich selbst nicht weiß, was es ist, außer, dass es da ist.
Ich weiß, es hat mit Gewalt zu tun. Ich weiß, dass man manchmal den Mond auch am Tage sieht. Ich weiß, dass mir die Sprache auch deshalb genommen ist, weil es für das, was ich bei den Verhewaltigungen empfand keine Worte gibt.
Wenn ich sagen wollte, was sie mir angetan haben, es wären bildhafte Umschreibungen und Annäherungsversuche an die Worte, die noch nicht erfunden sind.
Lavendelstille.
Der Raum um mich ist leer und voll gleichzeitig.
Stilledolmetscher dringend gesucht.

Opfer sein

Wie man sich fühlt? Wie kaputt das macht? Wie viel Kraft es kostet, dass das Kaputt nicht mehr das Kaputt, sondern das neue Ganz ist?

Ich bin müde.
Ein langer Arbeitstag neigt sich dem Ende zu.
Gedankentreiben.
Warum passiert so eine Scheiße eigentlich überhaupt!?
Meine Zehen werden kalt vom Sommerwind und meine Haare wollen duschen, aber ich nicht. Es triggert. Obwohl ich müde bin, bin ich angespannt.
Ich will ich sein.
Aber wenn ich ich bin, bin ich sanft und das Leben zu hart, als dass ich es ertrage. Also bin ich auch ich, aber anders. Ich ohne mich.
Ich mit zu viel du und außen.
Es bleibt keine Zeit sich Gedanken darüber zu machen, dass Vergewaltigung nicht auszuhalten ist. Keine Zeit für Tränen. Keine Zeit in den Körper zu spüren.

Was ich dennoch fühle:
Ich bin Opfer.
Nicht, weil ich mich klein machen möchte. Nicht, weil ich in der Ohnmacht stecken bleibe. Nicht, weil ich meiner Verantwortung für die Heilung entgehen wil.
Sondern weil ich es in diesen Punkten schlicht war. Ohnmächtig und unschuldig. Und weil es mein Schritt in die Heilung ist mir diese Sicht zu erlauben. Weil es für mich dazu gehört, das anzuerkennen und mich zu sehen. Weil für mich nur Wunden heilen können, die ich mit der „zutreffenden Diagnose“ behandle. Das ist mein Fortschritt, es endlich sein zu dürfen.
Und ich schäme mich nicht Opfer gewesen zu sein. Und ich werde mich nicht dafür schämen, dass ich das Wort gebrauche, weil es für mich stimmig ist.
Ich will nicht Überlebende sein, weil ich es dann geschafft habe oder aktiv bin oder nach vorne blicke und für andere besser da stehe. Ich habe überlebt. Dennoch war ich Opfer. Ich werde mir ebenso wenig verbieten lassen das so zu benennen, wie es meine Freiheit ist über die Taten zu sprechen, die mir angetan wurden, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Ich bin stolz darauf, mich meiner Realität zu stellen.
Es fühlt sich gut an.

Wie man sich fühlt ist unbeschreiblich. Wie kaputt es macht, zu groß, um es zu beschreiben. Die Kraft, die es kostet, unendlich.
Es ist mein Recht Opfer zu sein. Verharmlost wird schon genug. Die Situation habe ich nie gewählt.

Kohlensäure und Trauma

Wir beobachten.
Kohlensäure prickelt in der Mineralwasserflasche nach oben.
Die Gasperlen spielen sich vom Grunde an die Oberfläche, wo sie aufplatzen und mit Wasserfeinstaub explodieren.
Wenn man nahe genug rangeht, spürt man ihn auf der Nase.
Wenn man die kohlensäurehaltigen Wunderwasserflaschen schüttelt und dann öffnet, bleibt es nicht beim Feinstaub…
Alles entlädt sich schlagartig.
Das CO3, das vorher in das kühle Nass hinein gezwängt wurde, mag nicht mehr drin bleiben, sobald es frei werden und andere Wege gehen kann, in denen es langfristig stabiler ist, als in der Zwangsverbindung. Die im geschlossenen Ruhezustand fast unsichtbaren, winzigen Gasmoleküle nutzen ihre Chance und treten nun beim Aufschrauben die Flucht an. Dabei reißen sie nicht nur sich selbst, sondern auch den Grundstoff Wasser mit in eine Springbrunnenexplosionsfontäne.

Das Mineralwasser, dass ich bis eben einfach nur getrunken habe, weil ein bisschen Blub es geschmacklich für mich ansprechender macht, als komplett stilles aus der Leitung, ist mir auf einmal erstaunlich nahe.
Wir verstehen uns.
Es wird zum Sinnbild für meinen momentanen Zustand.
Aufgrund unserer Geschichte sind Erinnerungen, Erfahrungen und Erlebensweisen in uns hineingezwängt worden, die nun irgendwie eine Verbindung zu uns haben. Sehr stabil ist diese Verbindung allerdings nicht. Wir haben uns arrangiert – notgedrungen -, so gut es geht. Versucht aus den eigentlich inkompatiblen Komponenten „Leben“ und „extrem Trauma“ eine nach außen schlüssige Einheit zu bilden. Den Deckel drauf gemacht.
Problem: Wir können das nicht halten, die Erfahrungen nicht dauerhaft in unser Leben integrieren und manchmal wissen wir nicht einmal, dass sie existieren, bis uns jemand „schüttelt“, weil sie in ihrer verborgenen Blase auf den Moment der Freisetzung warten. Das „schütteln“ wird von Triggern übernommen. Was dann kommt ist oft unerwartet.
Es gibt zwei verschiedene Folgen:
1. Wir implodieren:
Wir brechen innerlich zusammen, weil der Deckel zu fest sitzt, als dass der Druck sich entladen könnte und wir versuchen mühsam alles zu halten und uns der Zwangssymbiose wieder anzupassen.
2. Wir explodieren:
Gefühlsfontäne.
Wer sie abbekommt ist meistens mehr, als einfach nur „nass“…
Das Trauma kotzt sich schwallartig in Teilen aus.
Das einzige Folgeproblem:
Es ist nicht vollständig!
Es ist kein CO3.
Es ist nur das „C“ oder nur das „O“ oder nur das „3“ oder nur die Hälfte eines Bestandteiles oder ein Viertel davon…
Es ist keine stabile Verbindung, die einfach gehen kann oder sich klar abgegrenzt in die Gegenwart integrieren lässt.
Es behält sein „Bombenpotenzial“ und muss notgedrungen unvollständig im Menschen bleiben… vorerst… bis es ganz ist und sich in der Seele lösen kann, denn „Trauma-CO3“ löst sich leider nicht im Außen.

Ich schraube meine Wasserflasche fast andächtig zu.
Die Bilder die ich gerade dazu entwickelt habe schwirren durch meinen Kopf…
Wenn man die Flasche nicht schüttelt, sondern vorsichtig aufschraubt, kann die Kohlensäure mit dem Wasser sanfte Wege in die Freiheit gehen…

Phasen – Ich

In der Regel komme ich in meinem Alltag gut zurecht, sobald ich morgens das Haus für Arbeit und Beruf verlassen habe. Der innere Schalter steht auf „Open for Business“ – Funktionalität, Professionalität und Hochleistung, wenn nötig.
Die Arbeitszeit über höre ich kaum etwas von meiner Innenwelt, Bilder oder Erinnerungen werden weggestellt, ohne dass ich sie bewusst wegstelle. Der Tag passiert einfach. An manchen Stellen fühle ich mich mal mehr, mal weniger, gestresst, was ich gekonnt überlächle und ansonsten bin ich erstaunlich gut drauf. Alles easy.
So lief das auch die letzten Wochen.
Man erwartete Leistung bei extremen Arbeitspensum, ich brachte sie.
Ich benehme mich, als wäre nie irgendetwas schlimmes oder belastendes passiert.
Soweit das Leben in der Arbeitswelt.

Und nun gibt es da noch diese anderen Momente…
Dann wenn die Arbeit vorbei ist.
Privat.
Wenn Urlaub oder Wochenenden Ruhe versprechen.
Bei großem Stress in Job oder Ausbildung, was in der letzten Zeit fast immer der Fall war, rette ich mich ganz gut über einzelne Abende, weil ich dann entweder so k.o. bin, dass ich vom Lernen ins Bett falle oder die Zeitspanne bis zum nächsten Morgen schlicht zu kurz ist, dass der Stress- und Adrenalinpegel ausreichend abfällt, dass ich anfangen würde mich wieder zu fühlen…
So nach eineinhalb bis zwei Tagen sieht’s dann schon ganz anders aus…
Dann fängt das Grauen an über mich hereinzubrechen.
Die Innens und die Erinnerungen nehmen sich Raum.
Die strahlende „Businessfrau“ verschwindet und weicht einem fahlen, schmerzverzerrten Wesen, angefüllt mit Folter, das weder mit dieser Welt, noch mit sich selbst zurecht kommt und am liebsten nicht mehr aufstehen möchte.
Angst vor allem.
An Alltag ist nicht mehr zu denken.
Nicht für die nächste Zeit.
Alles was irgendwie geht ist mühsame, kleine Schrittchen zu machen und sich mit vereinten Kräften zur Therapeutin zu schleppen, voll Verzweiflung und in der Hoffnung, dass etwas von dem was auftaucht, gelöst, bzw. verarbeitet, werden kann.

Wieso geht eigentlich immer nur eines von beiden?
Wieso kann es uns nicht gut gehen, wir arbeiten und wir verarbeiten?
Oder wenigstens ein bisschen Funktionalität übrig bleiben?
Phasengrenzen hart und unkalkulierbar.
Entweder – Oder.
Entweder fühlen wir uns – Oder wir Funktionieren.
Heilung in Schüben.
Wann es vom einen ins andere kippt, ist schlecht voraussehbar.
Steuern kann ich das kaum.

Flashback im Tarnumhang

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Rituale spuken durch unseren Kopf.
Diesmal mehr wie unfassbare Gedankenblitze, die kaum mehr ausmachen, als das Wort an sich.
Nicht immer kommen Erinnerungen an das was war als vollständige Szenen, bildhaft oder als Körpergefühle daher.
Oft kündigen sie sich bei uns darüber an, dass ich mich wie besessen immer wieder mit dem gleichen Thema beschäftigen muss, auch wenn ich gar nicht weiß, wieso eigentlich dieses Thema nun in diesem Moment solche Wichtigkeit hat. Es ist dann der Anfang meines Wiedererlebens und auch, wie ich mittlerweile vermute, der unbewusste Versuch es durch die Beschäftigung mit dem Thema in der Außenwelt aufhalten, bzw. wenigstens verstehen zu können, noch bevor ich genau weiß, welche, bzw. ob jetzt überhaupt eine Erinnerung hochkommt.

Über die Zeit ist mir immer mehr bewusst geworden, dass ich in diesen Momenten bereits auf einen Auslöser reagiere und in der damit verbundenen Reinszenierung stecke.
Das unbewusste Trauma arbeitet.
Ich verspüre dann den Drang z.B. Sachbücher oder Artikel zu bestimmten Themen, wie etwa Missbrauch oder Vergewaltigung, zu lesen ohne damit aufhören zu können. Es ist nicht nur starkes Interesse. Es ist mehr. Auch wenn ich mir das Lesen darüber strikt verbiete, fühle ich mich in der Phase oft wie ein Junkie auf der Suche nach seiner eigenen Identität, die er hofft irgendwo zwischen den Zeilen eines Betroffenenberichtes oder einer wissenschaftlichen Abhandlung zu finden, völlig angefixt von allem, was damit zu tun hat. Gleichzeitig würde ich mir vermutlich viel schlechter glauben können, wenn meine eigenen Bilder kommen würden, kurz nachdem ich über ähnliches gelesen hätte. Nicht, weil sie dann weniger wahr wären – Was könnte mehr eigene Erfahrungen triggern als Betroffenenberichte!? – sondern weil ich einen perfiden Grund für meinen Verstand hätte sie zu dis-tanzieren und genau das ist es, was er damit wahrscheinlich auch erreichen möchte. Willkommen bei „Es ist anderen passiert, aber doch nicht mir!“.
Deshalb lasse ich es und widerstehe dem Drang, weil ich sonst meiner eigenen Verarbeitung ein Bein stelle und meine Heilung verhindere.

Hier sitz ich nun also in diesem angetriggerten Schwebezustand und frage mich einmal mehr, was meine Seele, bzw. die Innens versuchen mir diesmal mitzuteilen.
Alles was bleibt ist offen zu beobachten, was auftaucht, immer wieder nach innen zu fragen und abzuwarten, bis es an der Oberfläche des Bewusstseins für mich greifbar wird.
Alles was ich habe ist mein Gefühl, dass es darum geht etwas zu realisieren, was ich noch nicht realisiert habe und dass es irgendetwas mit Ritualen zu tun hat.
Was es ist wird sich zeigen…

Flügel im Käfig

„Wenn man mit gebrochenen Flügeln in einem Käfig sitzt,
kann einem Freiheit wie ein unerreichbarer Schatz erscheinen.

Ich weiß das, weil ich selbst in einem Käfig gesessen habe.“

Beth Kempton

Manchmal scheint das, was man erreichen möchte so unendlich fern.
Das Zielbild klar vor Augen, aber keine Ahnung, wie man es erreichen kann oder soll.
Die Flügel tun weh und die Angst überhaupt nocheinmal darüber nachzudenken und den Träumen nachzufliegen ist rießig, vor lauter Panik vor erneuter Verletzung und dem zerreißenden Schmerz, den jeder Gedanke, wie ein Finger auf altfrischen Wunden, auslöst.
Am liebsten würde man sich dann einfach nur verkriechen und nie wieder irgendetwas tun.

Die Käfige unseres Lebens haben sich im Laufe der Zeit verändert.
Zuerst waren die Gitterstangen hart wie Stahl und von außen fest betoniert.
Dann hatten wir manchmal Freigang mit den zerschundenen Flügeln, die Täter uns gebrochen hatten und die verhindern sollten, dass wir nicht mehr zurückkommen und uns anders entwickeln.
Irgendwann waren die äußeren Grenzen aufgebrochen, aber der Gedankenkäfig blieb, flügelzertrümmernde Gedanken hielten uns im Zaum, wo vorher Täter standen und die Wunden durf-konnten nicht heilen. Manchmal kam es mir so vor, als wären diese Grenzen noch aus viel härterem und unüberwindbarerem Material als die Stahlgitterstangen zuvor.

Seit zwei Tagen fliegen wir.
Erstaunt wie ein Vogelkind, das aus dem Nest fällt, reflexartig anfängt mit den Flügeln zu schlagen und fasziniert von sich und den eigenen bislang unentdeckten Fähigkeiten ist.
Vorher hatten wir gar nicht bemerkt, dass die Flügel Stück für Stück nachgewachsen waren.
Groß und Stark und fähig uns ein Stück zu tragen.
Aber nicht nur nachgewachsen.
Es stecken auch völlig neue Federn drin und sie sind bunter und besonderer, als sie es jemals waren.
Für den Moment fühlen wir Glück.

Wir glauben, dass jeder Mensch Flügel hat.
Selbst, wenn er sie nicht bemerkt.
Wenn sie gebrochen und zerschunden scheinen.
Wenn er sie aus Angst abgelegt hat.
Wenn alles sinnlos und ohne Hoffnung scheint.
Und der ureigenste Instinkt, der in den Flügeln steckt, ist es zu heilen.
Schwingen zu können und zu fliegen.
Und wenn wir sie mit unserem Bewusstsein nicht lassen, dann versuchen sie es heimlich.
Immer wieder.
Jemand oder etwas, das so viel Heilungsinstinkt hat, ist nicht krank oder gebrochen.
Der ist nur vorrübergehend nicht erreichbar.
Zum Kräftesammeln und Flügel aus Tränen kleben.
Glitzerfunkelnde Tränenfedern, neben hoffnungslachendem Gefieder.

Man kann Menschen nicht ihre Flügel nehmen, nur den Glauben in ihre Tragfähigkeit.

Müdigkeit als Traumaschutz

Ich bin müde.
Einfach nur schrecklich müde.
So müde, dass es nicht mehr normal ist.
Ich gehe früh schlafen, stehe erst Mittag auf und spätestens nachmittags um drei bin ich reif für das nächste Nickerchen, weil ich die Augen nicht mehr offen halten kann.
Die letzten Tage ist schlafen rund um die Uhr kein Problem.
Wach sein schon eher.
Diese Zustände von beständiger, bleiern niederdrückender Müdigkeit kenne ich bereits. Es gibt immer wieder Phasen, in denen sich mein Schlafbedürfnis derart ausweitet. Natürlich tragen Stress und Arbeitsbelastung ihren Teil dazu bei. Immer mehr stelle ich aber auch fest, dass diese Schwere genau dann auftaucht, wenn traumatische Erinnerungen ins Bewusstsein drängen. Oft bin ich dann so geschlaucht, dass ich mir das vergangene Material gar nicht mehr ansehen kann, weil mir die Augen zufallen. Auch in der Therapie ist es mir früher regelmäßig passiert, dass ich vom einen auf den anderen Moment eingeschlafen bin, wenn sich die Fragen der Therapeutin einem kritischen Niveau an innerem Tiefgang näherten.
Im Grunde ein genialer Schutzmechanismus.
Nun hangle ich mich durch den Tag und versuche also wach zu bleiben, weil mein Schlafbedürfnis im Grunde ja auch nichts anderes als ein sehr heftiger Flashback ist.
Die Sonne scheint, Vögel singen und ein laues Lüftchen macht die Natur angenehm bewegt.
Je länger ich wach bin, umso heftiger und deutlicher drängen auch die Erinnerungen nach vorne, die ich hätte einfach wegschlafen können.
„Die Luft war ziemlich knapp damals.“, denke ich, ehe ich versuche meinen still verharrenden Körper in Bewegung zu bringen und ihn nach draußen motiviere.
Im Gehen bleibe ich kurz stehen. Ein Stück bin ich immer wieder entsetzt über die Erkenntnis, wie sehr Erinnerungen in der Lage sind, das Jetzt und den Körper zu beeinflussen.
Was vergangen ist, bestimmt nicht die Zeit, sondern die Verarbeitung des Schmerzes, der noch immer in uns wohnt.

Vatertag

Die Gedanken im Kopf sind diffus.
Das Grauen schlägt immer wieder durch graue Löcher in der Nebelwand des Lachens.
Das scheinbar normale Leben bröselt an Tagen wie diesen.
Bis zum Mittag halten uns Gedanken und Bilder regungslos im Bett gefangen, ehe wir den Tag beginnen und versuchen unsere Synapsen doch noch zum lernen zu bewegen. Doch wo sollen die Zahlen, Daten und Definitionen hin, wenn ihr Speicherplatz gerade von anderen Fakten eingenommen wird. Es sind vergangene Fakten, eigentlich. Für uns werden sie in diesen Momenten gegenwärtige Realität.
Vatertag.
Wir leben in einer Welt, in der es für uns nie einen Vater gab, weil sein Vater-sein darin bestand, uns zu missbrauchen, zu foltern, abzurichten und möglichst gewinnbringend an andere weiterzuverkaufen. Ein Kinderleben als nüchternes Wirtschaftsgut und Objekt der unterschiedlichsten Bedürfnisbefriedigungen.
Wie gut für die Täter, dass man zudem unter dem Deckmantel von menschengemachter Religion so ziemlich alles rechtfertigen kann.

Was soll nun dieser Vatertag für uns bedeuten?!

Wir stellen fest, dass wir es unglaublich schön finden, dass es tatsächlich Väter gibt, die den Mut haben Ihre Kinder mit aller Liebe, Respekt, emotionaler Zuwendung und Wertschätzung großzuziehen. Dass es Väter gibt, die den Mut haben gefühlvoll und sanft zu sein und ihren Kindern damit alle großen Stärken, die sie zum Leben brauchen vermitteln.
Und wir finden, dass es noch mehr davon geben müsste und man denen die es schaffen einen Orden verleihen sollte, weil sie damit so viel wertvolles für ihre Kinder, aber auch für eine gesunde Gesellschaft leisten.
Danke euch liebevollen Vätern da draußen für die großartige Arbeit, die Ihr leistet! 🙂
Danke, dass wir beim beobachten auch ein Stückchen Heilung bekommen, weil wir sehen, dass es auch anders geht und Männer doch auch anders sein können…

Wir stellen fest, dass wir traurig sind.
Darüber, dass wir selbst nie einen Vater hatten.
Darüber, dass wir sein Wunschkind waren, um eine Leibeigene für die Auslebung sämtlicher Gewalt- und sexueller Phantasien zu produzieren.
Und dass es immer noch viel zu viele Väter gibt, die mit dem, was sie ihren Kindern antun, ungeschoren davon kommen.
Und dass es immer noch viel zu leicht ist ein Kind auszubeuten und zu verkaufen und viel zu wenig hinterfragt wird.
Und wir sind wütend, dass sich manche Väter diese Rechte über unschuldige, schutzbefohlene Kinder herausnehmen.
Und wir hoffen, dass immer mehr Opfer den Mut finden zu reden und anderen Opfern damit Mut machen es Ihnen gleich zu tun und die Gesellschaft irgendwann nicht mehr in der Lage ist derartige Gewalt und Missbrauch in Familien zu leugnen, dass denen die sich an ihren Kinder vergangen haben irgendwann das Handwerk gelegt werden kann.

Ihr gewalttätigen Väter da draußen zieht euch warm an!
Euere Kinder sind mutiger, als ihr es je vermutet hättet.

Kurz vor Abschluss :-)

In den letzten Wochen ist es mal wieder etwas stiller geworden hier auf dem Blog.
Prüfungszeit…
… für den Abschluss und den Beruf.
… für meine Nerven.
In ein paar Wochen ist alles geschafft. Dann haben wir zusammen das erreicht, wovon uns prophezeit war, dass wir es nie erreichen werden.
Die Kollegen und Kolleginnen habe ich durchaus lieb gewonnen. Ein komisches Gefühl ist das, wenn ich daran denke, sie schon bald nicht mehr jeden Morgen zu sehen und mit Ihnen in arbeitsintensive Stunden zu starten.
Andererseits kommt damit die Pause, nach der ich mich schon so lange sehne, um endlich mal wieder Nerven für tiefere therapeutische Arbeit zu haben.
Es ist gut, so wie es ist. 🙂
Und vielleicht ist dann auch endlich wieder Zeit zum Schreiben und Seele baumeln lassen und tiefe Gespräche und Freundschaft und Fühlen und Naturentdeckungsturen und ausgiebiges Katzenschmusen und…
… all die anderen Dinge die uns Spaß machen und uns ausmachen.