Was ich an Beltane mag

Ich sitze auf dem Balkon und lausche dem zwitschern der Vögel. Meine Fingerspitzen frösteln leicht. Den Oberkörper eng in eine dicke Jacke gehüllt  blicke ich mich um. Es ist der erste Beitrag in diesem Jahr, den ich unter freiem Himmel verfasse. Ich erinnere mich an die vielen Sommerabende, an denen ich hier ein Stück meines Lebens genoss. Zart sprießen die ersten Pflänzchen. Vieles hat zu meinem Erstaunen den harten Winter in den Töpfen überlebt. Die kleinen Erdbeerpflänzchen schauen bereits eifrig über den Rand ihres Schalenzuhauses und schieben ihre Blätter der Sonne entgegen in die Höhe. Vom Himmel kommt mir ein kleines wattiges Samenetwas entgegengeschwebt. Es spielt mit dem Wind. Die Kleinen kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Sie freuen sich über diese Beobachtungen. „Das ist also Beltane“, denke ich. „So fühlt es sich jenseits von organisierter und ritualisierter Gewalt an.“

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Scheinpsychosen und Feiertage

Feiertage sind für Überlebende ritualisierter Gewalt prädestiniert dafür zu scheinpsychotischem Erleben zu führen. Die Symptome sind jedoch meist nicht durch eine tatsächliche Psychose bedingt, sondern vielmehr durch Flashbackzustände hervorgerufen. Durch die Fragmentierung der Ursprungserinnerung mögen dann die im Bewusstsein auftauchenden Teile aus dem Zusammenhang gerissen zwar wirr und surreal wirken, sind es jedoch in ihrer Entstehung nicht. Der nachfolgende Artikel beschäftigt sich mit Überschneidungen und Unterscheidungen von Traumafolgen und psychotischem Erleben.

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Expecto Patronum

Es gibt wohl tatsächlich derzeit nichts, was wir uns mehr wünschen würden, als einen Patronus-Zauber, der uns vor den dunkelsten Momenten bewahrt. Ein bisschen Licht, aus den glücklichen Stunden unseres Lebens, das die Hölle erträglicher macht. Wir sind mit unseren Kräften am Ende. Physisch und psychisch. Für viele Tage war es uns nicht möglich auch nur ansatzweise aufzustehen. Eine maximale Erschöpfung drückt uns nieder. Nach drei Schritten sind wir so kaputt, dass wir außer Atem geraten und uns wieder setzen müssen. Jeder kleine Reiz verursacht schmerzhafte Übererregung im Gehirn. Suchtdruck stellt sich ein. Alkohol, Zigaretten, Drogen… egal. Es kostet die letzten Kapazitäten keinen dieser Wege zu gehen.

All das kam mit seinen Extremen nach der letzen Konfrontation. Tränen brechen seitdem immer wieder schwallartig und unkontrolliert aus uns hervor. Dazu kommt, dass wir vermutlich in diesem Zustand entlassen werden. Die Klinikzeit geht zu Ende. Es gibt keine Verlängerung, weil das der Therapeutin zu viel wäre. Ja, ihr. Nicht uns oder der Krankenkasse. Aber das steht nochmal auf einem anderen Blatt und würde als Thema für einen eigenen Beitrag reichen.

Im Moment bleibt uns nur zu hoffen, dass wir nicht an die Wand konfrontiert wurden und sie tatsächlich weiß, was Sie tut. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. „Expecto Patronum“, flüstere ich und wiege mich selbst im Arm. „Expecto Patronum, kleine Sofie.“

Einen an der Waffel

Strahlender Sonnenschein lockt an diesem Tag aus der Klinik zum Spaziergang. Das Wetter gibt alles, um uns Auszeit vom stressigen Reha-Alltag zu verschaffen. Wir freuen uns zwar über die wärmende Einladung, unsere Kräfte bleiben allerdings maximal erschöpft. Vielleicht kann ja Kaffee und Kuchen helfen, um die Reserven wieder aufzufüllen.

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Laut-stille Wahrheiten

© Copyright by „Sofies viele Welten“

Heute Morgen bleibt es lange grau. Die wolkenschleier sind ebenso undurchsichtig, wie unsere derzeitige Gefühlslage. Irgendwie ist alles gleichzeitig. Wir denken nach. Darüber, wie es uns drängt unsere Wahrheit im Alltag immer sichtbarer zu machen und unser Sein immer weniger zu verstecken. Wir sind es leid. Gleichzeitig in getrennten Welten zu leben, war nie unser Lebensentwurf. Er wurde uns aufgezwungen. Immer nur zu einem Teil sein zu dürfen kostet Kraft. Kraft, die wir immer weniger bereit sind zu investieren, um andere Menschen nicht vor den Kopf zu stoßen und sie auf ihrer rosaroten Wolke weiterschweben zu lassen. Gewalt gibt es nunmal und uns als Betroffene auch. Mittlerweile sprechen wir vieles deutlich aus, weil es uns nicht zu einem schlechteren Menschen macht. Wer damit nicht klar kommt, hat mit sich ein Problem und nicht mit uns. Niemand muss mit uns befreundet sein, niemand muss uns mögen und von denen, die an unserer Seite sind, wollen wir wissen, dass sie uns als den Menschen lieben, der wir sind. Lange Zeit hatten wir zu niemandem eine Gefühlsbindung. Es waren bestenfalls gute Bekannte. Immer schwebte das Damoklesschwert über uns, dass sie alle weg wären, wenn sie wüssten… Sätze wie „Ich mag dich“ für voll zu nehmen, ging einfach nicht. Sie kamen gar nicht bei uns im Herzen an. Heute sind tatsächlich viele der ehemaligen Freunde weg, aber die, die geblieben sind oder neu dazu kamen, mögen uns wirklich.
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Die Sache mit dem Samen

soap-bubble-1986657_1920Ausnahmsweise werde ich hier einmal in eine tiefere Betrachtung eines Rituals einsteigen, das in einigen Gruppierungen praktiziert wird. Dabei ist der Sinn des Beitrages keine voyeuristische Beschreibung desselben, sondern lediglich das Sichtbarmachen unserer inneren Auseinandersetzung mit der Thematik. Dafür ist es in diesem Fall nötig einige Fakten klar zu benennen.

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Frohe Weihnachten

❤️

Sofie und die bunten Schmetterlinge wünschen euch allen von Herzen frohe Weihnachten und eine schöne, besinnliche Zeit!

Mögen alle in diesen Tagen in innerer und äußerer Sicherheit sein und die Hilfe erhalten, die sie brauchen, um sich schützen zu können.

❤️

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Halluzinationen und Feiertage

Als wir gerade den Kommentar von Lunis zu unserem letzten Beitrag beantwortet haben, entstand in uns der Wunsch noch einmal einen extra Beitrag über Halluzinationen, bzw. Flashbacks an Feiertagen zu schreiben. Mit Halluzinationen meinen wir hier natürlich keine klassisch psychotischen, sondern erinnerungsbedingte Wahrnehmungsverzerrungen. In den Jahren unseres Ausstiegs und der Auseinandersetzung mit den Traumata mussten wir uns mit so einigen Phänomenen umherschlagen, bei denen wir oftmals Angst hatten den Verstand zu verlieren. Passiert ist das allerdings Gott sei Dank nie.
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Wintersonnenwende reloaded

21.12.2018
Es ist Nacht.
Genau genommen kurz nach Mitternacht,
als wir aus dem kurzen Schlaf hochschrecken und denken wir müssen sterben. Der Kreislauf kollabiert. Das Herz rast. Erst vor einer halben Stunde hatten wir uns hingelegt. Nun ist die Nacht vorbei. Wir kämpfen schweißgebadet in unseren Sicheren vier Wänden ums nackte Überleben. Immer wieder sacken wir in kurze Ohnmacht. Irgendwann wissen wir nicht mehr was die Panik macht. Lässt die körperliche Ohnmacht die Panik aufkommen und das Herz rasen, rast das Herz aus Angst vor der Ohnmacht oder werden wir vor Angst ohnmächtig!? Wir beten, dass der Zustand keine körperliche Ursache hat. Gegen morgen beruhigen wir uns etwas und schlafen erschöpft ein.
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Wegfahrsperre und neue Heimat

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Mehr als ein dreiviertel Jahr ist seit meinem Umzug jetzt vergangen. Mehrere hundert Kilometer vom ursprünglichen Wohnort entfernt hat sich einiges verändert. Am Anfang sehr schleichend und subtil, mittlerweile deutlich spürbar. Einige Erkenntnisse kamen durchaus überraschend, nachdem ich vorher immer behauptet hätte, dass ich mit der geographischen Nähe zu den alten Tätern durchaus gut leben kann, solange sie mir vom Hals bleiben. Der Rückblick erzählt eine andere Geschichte.
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