Es ist früh am Morgen.
An den Fensterscheiben ruhen die letzten Regentropfen. Die Tränen von der Nacht in meinen Augen tun es ihnen gleich. In meinem Blick sind sie noch sichtbar, doch für das Außen sind sie verstummt.
Ein Raum meiner Wohnung hüllt sich in flackerndes Kerzenwohlfühllicht und genießt dabei das trübe grau.
Die Gedanken kreisen um die begonnene Ausbildung. Nicht, weil die Ausbildung grade so schwer ist, sondern weil die Aussagen eigentlich erwachsener Menschen mich so verletzten. Gespräche über Vergewaltigung, als könnte sich Frau nichts schöneres vorstellen. Wir haben beschlossen nächste Woche die Konfrontation mit betreffenden Menschen zu suchen und deutlich zu machen, dass wir soetwas nicht mehr hören wollen, weil wir nicht einsehen, dass wir darunter leiden.
Die neuen Sprüche paaren sich mit den Erinnerungen dieser Tage in unserem Kopf.
Die finstere Zeit…
„Feiertage“.
Menschenhandel, Prostitution, verkauft werden.
Als kleines Kind mit dem Auto in eine Halle gebracht werden. Aufgereiht neben anderen Kindern.
„Such dir aus, welches Kind du möchtest.“
Freier, die einen anstarren und jedes noch so kleine Körperdetail auf die Resonanz ihrer sexuellen Erregung durchleuchten. Seelenversuche um herauszufinden, ob das jeweilige Kind entsprechend ansprechend auf das Bevorstehende reagieren wird.
„Mit welchem Kind kann ich meine Machtphantasien und die Abreaktion meiner Aggression wohl am besten umsetzen?“, tönt es lautlos aus ihren Köpfen.
Manche möchten, dass man deutlich zeigt, dass man gerade etwas schreckliches durchlebt, weil sie genau das antörnt. Manche wollen dich als kleine lächelnde Puppe, die ihre Qualen mit einem Lächeln und einem Danke quittieren.
Wer was möchte muss das Kind alleine raus finden und wehe dem es kennt die geheimen Wünsche der Herren und Damen nicht vorher…
Wer hilft den Kindern, die das Grauen grade erleben und auch in diesen Tagen wieder darauf abgerichtet werden!?
„Tag der deutschen Einheit“.
Worin sind wir uns eins?
Und womit sind wir uns einig?
In Zeiten, in denen wir uns immer noch über die Existenz von ritueller und organisierter Gewalt streiten, in denen die sexuelle Gewalt an Frauen, Männern und Kindern verharmlost wird, in denen derartige Machtstrukturen von der Politik gefördert werden, ist sich dieses Land nicht eins.
Die Existenz von millionen Menschen in diesem Staat wird bestritten.
Es mag sein, dass äußere Grenzen gegangen sind, aber die inneren gibt es noch immer.
Durch die Gesellschaft geht ein Riss.
Was soll auch sonst passieren, wenn Menschen sich selbst verleugnen und Gewaltopfer ausgrenzen.
Es sind zu viele, als dass das so bleiben könnte.
Es sind zu viele, als dass ihr euch das als Gesellschaft leisten könnt.
PTBS
Auf zu neuen Ufern
Seit letzter Woche drücken auch wir nun wieder die Schulbank, um unser Wissen und die bereits absolvierte Ausbildung im beruflichen Bereich zu erweitern.
Täglich um 5.30 Uhr aufstehen, um rechtzeitig losfahren zu können, haben es ganz schön in sich und kosten viel Kraft. Wir haben uns vorgenommen im Zweifel einfach erst Mal nur hinzugehen ohne Leistungsansprüche. Dennoch eine Herausforderung. So ganz lassen sich die Ansprüche an uns selbst in mir dann trotzdem nicht abstellen. Die KlassenkammeradInnen sind nett und offen – Gott sei Dank! Sie wissen zwar nichts von unserer Geschichte, aber man kann ganz gut mit Ihnen reden und wir fühlen uns irgendwie zumindest „oberflächlich“ sozial integriert, wobei wir zwischendrin immer wieder etwas ungläubig denken: „Wow, das ging ja diesmal scheinbar schnell. So schnell soll das gehen!?“ Es sind viele neue Eindrücke, die auf uns einprasseln und auch wenn sie schön und lustig sind, doch einiges an innerem Koordinationskönnen abverlangen. Es gibt so unendlich viele Dinge die triggern. Lehrer, die uns einfach Angst machen. Vorgesetzte, die uns manchmal das Gefühl machen irgendwie eingesperrt zu sein, obwohl sie das sicher nicht wollen. Unbedachter Sprachgebrauch von Wörtern wie „Vergewaltigung“, die uns um die Ohren knallen. Manchmal würden wir dann am liebsten schreien, dass die Betreffende Person gefälligst damit aufhören sollen, für etwas, was nicht so benutzt wird, wie es gedacht war oder ungeschickt gebraucht wird, dieses Wort zu verwenden ohne seine Bedeutung zu kennen. Ich fühlte mich als Außenperson von Tag zu Tag mehr, wie eine leere Hülle, mit zunehmend weniger Innenkontakt. Funktionieren vs. mich/uns selbst spüren. Wir waren froh, als das Wochenende kam und genießen heute unseren Sonntag, der Platz lässt für die Dinge, die unser Herz braucht.
Wieder bei uns selbst ankommen.
Eine Kerze. Stilles Sitzen auf dem Boden in unserem „Einfach so sein, wie wir sind“-Raum. Den inneren Gedanken nachhängen. Die Katzen spüren und streicheln.
Wir sind stolz, dass wir die erste Woche geschafft haben und klopfen uns innerlich selbst dafür auf die Schulter.
Morgen geht es weiter.
Wir sind frei.
Es ist einfach schön, das tun zu können, weil wir es wollen.
Sagen, wer ich wirklich bin
Ich sitze hier und fange an zu tippen.
Seit Tagen gefangen in dichtem Nebel.
Meine Fingerspitzen berühren die Tastatur bevor mein Kopf weiß, worüber ich eigentlich schreiben will.
Erkenntnisse nehmen sich Raum in meinem Inneren. Ich stehe vor Ihnen wie vor uralten, teueren und wichtigen Fundstücken in den Vitrinen eines Museums. Man hat schon oft von Ihnen gehört und man weiß, dass es sie gibt. Manchmal ist man sogar schon an Ihnen vorbeigeschländert und hat sie kurz betrachtet. Sie sind nicht neu entdeckt, aber sie bekommen eine andere Qualität, weil sie nun noch einmal aus einer anderen Perspektive betrachtet werden.
„Man kann wirklich komplett vergessen!“
„Ich habe mich erinnert.“
„Es ist wahr.“
„Sie hat dich nie wirklich geliebt!“
„Er hat es wirklich getan.“
…
Es sind viele Erkenntnisse, die in den letzten Tagen plötzlich wie Ohrfeigen in mein Bewusstsein steigen.
Das Kind in mir schreit vor Schmerz und ist so froh, dass ich es sehe. Endlich.
Puzzelstücke fügen sich neu zusammen.
Erinnerungen werden in Ihren Zusammenhängen und Auswirkungen klarer.
Schmerz, Traurigkeit und taube Leere erfüllen Körper und Seele.
„Ich kann nicht mehr!“, möchte mein Mund schreien, doch ich kann es nicht mal flüstern.
„Ich kann!“, versuche ich mir klar zu machen.
Und je klarer mir wird, was passiert ist und dass es nicht meine Schuld war und nicht ich mich darfür schämen muss, desto klarer formt sich ein drängendes Bedürfnis:
Ich will darüber reden. Das Schweigen brechen. Nicht nur in der Therapie!
Ich will ich sein. Ganz sein. Indem ich mir den Raum nehme, so zu sein wie ich bin und dazu gehört meine Geschichte.
Wer sie nicht hören will, lehnt mich ab. Sie ist zu groß, macht mich zu sehr aus und beeinflusst mich zu stark, um nur für eine Stunde in der Woche raum zu haben darüber reden zu dürfen. Es muss aufhören, dass wir uns niemals irgendwo wirklich zugehörig fühlen, weil in uns die Angst bleibt: „Wenn Sie wüssten, wer ich, wer wir, wirklich sind, dann wären Sie bestimmt alle weg!“ Es muss aufhören, weil sonst die Spaltung in der realen Welt weiter geht. Wir haben etwas zu sagen und bestimmt hilft das neben uns selbst auch anderen!
Ich weiß noch nicht wie, aber ich werde reden
und die Welt wird mir zuhören!
Ich schaffe das!
Wir schaffen das!
Zurück aus dem Krankenhaus
Wir sind aus dem Krankenhaus zurück.
So oft haben wir an den Blog hier gedacht und waren einfach nicht fähig zu schreiben.
Es war ein langes hin und her und her und hin die letzten Wochen und Monate.
Operationen sind gar nicht unser Ding und ein bisschen fühlen wir uns immer wie beim „Russisch Roulette“.
Wir bemühen uns darum alles jedes Mal so gut wie möglich vorzubereiten, die Kleinen nach innen zu bringen und abzumachen, wer vorne sein sollte.
Kann gut gehen, kann aber auch richtig mies laufen. Wir haben im Zusammenhang mit Narkosemitteln bei notwendigen Behandlungen schon alles erlebt. Mal wirkt es zunächst, dann aber sind wir plötzlich hell wach, ein anderes Mal kommt selbst nach der zigsten Infusion Null davon bei uns an und die Ärzte sagen schon, mehr geht nicht, weil die Dosis normalerweise schon mehrere Menschen umhauen könnte. Wenn es klappt, wissen wir nie, wie wir aufwachen. Traurig oder voll Panik oder aggressiv oder verwirrt…
Diesmal ging es Gott sei Dank gut!
Die Narkose hat gewirkt und das Aufwachen danach war auch in Ordnung.
Flashbacks macht das alles leider trotzdem ohne Ende.
Wir versuchen uns nun zu erholen und hoffen, dass weitere Operationen, sofern Sie noch nötig sind auch wieder gut ablaufen.
Und wir freuen uns, dass wir es geschafft haben wieder hier auf dem Blog zu sein! 🙂
Das Sonnwendfeuer
Das Sonnwendfeuer lodert über die Gipfel,
erhellt der Bäume düstre Wipfel
bis spät in die Nacht.
Sommersonnenwende.
Mich dürstet.
Hitzige Kälte des sternklaren Himmels,
versunken in den Weiten des Weltallgewimmels,
bleibt ein Körper zurück.
Umstellt von vielen Männern und Frauen,
in tranceweiter Leere von oben erschauen,
was dort unten im Kreise nun weiter geschieht.
Sie murmeln und singen,
sie tuscheln und schwingen,
sie sprechen und lachen
und trommeln, tun Sachen,
die verstören ins Letzte
im feurigen Schein.
Das Folterfest feiern,
die Sonne verschleiern,
und huldigen Ihm.
Dem Tier.
Bis er kommt dann persönlich,
die Ehre dem König
der Finsternis.
Vereint mit dem auserwählten Kinde.
Oben bei den Sternen hab ich mich verloren,
in meinem Körper da wurde eine andere geboren.
Die Erinn‘rung ausgelöscht.
Wie der Abend verlief, kann nur Sie dir erzählen.
Es ging wohl um verwirren, vergewaltigen und quälen.
Seelenritualmord.
Ausstieg, Vernetzungen und Religionszugehörigkeiten
In letzter Zeit fällt uns auf, dass immer mehr Menschen mit Dissoziativer Identitätsstörung und selbst angebenem „Ausstiegshintergrund“ öffentlich in irgendwelchen Kirchen, Gruppen oder Sekten aktiv sind. Angeblich unabhängig von ihrer Geschichte. Als etwas neues, harmloses das Sinn gibt.
Wir sind selber gläubig.
Mit aller Freiheit.
Ohne jede Kirchenzugehörigkeit, da wir diese aufgrund unserer Erfahrungen für uns ablehnen.
Kirchen – egal wie frei man ein und austreten kann – sind immer Machtstrukturen.
Kirchen haben mit Glauben nichts zu tun.
Glaube kann heilen und heilsam sein. Er kann halt und Sinn geben. Das belegen auch neuere Studien, allerdings nur dann, wenn er wirklich völlig frei ist und von positiven Vorstellungen geprägt ist. So konnte auch nachgewiesen werden, dass negative Glaubensvorstellungen, wie etwa ein strafender Gott oder eine leidgeprägte Gesellschaftsstruktur, die Heilung behindern.
Wir finden es völlig legitim und wichtig die „Glaubensfrage“ nach einem Ausstieg frei zu entscheiden, möchten hier aber folgendes zu bedenken geben, um nicht unbewusst in eine Reinszenierung zu rutschen:
– Was sagt dein Bauch dazu?
– Schau dir das System in das du eintrittst genau an. Tust du es wirklich freiwillig, bzw. wie frei ist das System wirklich?
– Hast du auch mal nach den Negativ-Stimmen dazu gesucht? Nicht alles was man findet muss stimmen. Wichtig ist trotzdem auch diese Seiten in eine Entscheidung mit einzubeziehen. Meistens spiegeln sie zumindest einen wahren Kern.
– Könnte es sein, dass du eintreten willst, weil dir etwas daran bekannt vorkommt oder es irgendetwas oder jemanden in dir dort hinzieht, das/den du vielleicht noch nicht genau kennst, dann warte lieber!
– Trittst du ein, weil dir der Glaube oder die Botschaft gefällt oder weil du dort Halt findest und klare Strukturen?
– Kennst du dort wirklich alles!? Auch die „Chefetagen“ und wie es dort zugeht? Was passiert, wenn du nicht funktionierst?
– Geben die dort aufgestellten Lebensregeln wirklich halt oder schaffen sie dir nur Erleichterung, weil sie dich von deiner eigenen Verantwortung eine Entscheidung zu treffen, wie Leben für dich selbst und zwar nur für dich selbst richtig ist, entbinden? Entscheidungen treffen gehört zur Heilung, auch wenn es schwer ist, das zu lernen. Eine gute Gemeinschaft nimmt dir keine Entscheidungen ab, sie unterstützt dich höchstens deine eigene zu finden OHNE dich zu beeinflussen!
– Wenn du die Gemeinschaft magst – könntest du Sie genau so haben, wenn du nicht beitreten würdest und etwas anderes glaubst?
– Wären die Menschen dann immer noch für dich da? In Freiheit sollte das möglich sein!
– Wird für soziale Dienste oder Hilfe dir gegenüber irgendetwas und wenn es noch so klein ist, als Gegenleistung verlangt? Sollst du Gottesdienste besuchen oder etwas „einfach mal durchlesen“?
– Wie reagieren die Menschen, wenn du Ihnen sagst, dass du sie als Mensch schätzt, aber von ihrer Glaubenssicht nichts hören willst? Normalerweise hat man damit kein Problem und kann das tolerieren.
– Kommen im neuen „Vokabular“ die begriffe Sünde, Schuld und Leid vor? Schuld bindet und macht abhängig. Denn wenn man schuldig ist oder sich so fühlt, muss man etwas tun, um es nicht mehr zu sein. Du bist aber nicht schuld. Nicht früher und auch nicht jetzt. Du kannst höchstens die Verantwortung für manche Dinge übernehmen, aber das ist etwas anderes… Deine Leidensfähigkeit und die Größe deines Leidens entscheidet nicht darüber, wie gläubig du bist oder wie gut du bist! Es darf dir richtig gut gehen, ohne dass du dich dafür schuldig fühlst!
– Gibt es Menschen, die mehr oder weniger zu sagen haben? Wenn man sich auf Augenhöhe begegnet, sagt keiner dem anderen, wie, wo oder wann er etwas zu tun hat, sondern es ist ein gleichberechtigter Austausch. Zählt deine Meinung?
– Kannst du dir alle Zeit der Welt mit deiner Entscheidung dafür oder dagegen lassen?
– Bedenke, dass etwas noch lange nicht ungefährlich ist, nur weil es ganz offen und vielleicht sogar öffentlich kommuniziert wird!
– Denke daran, dass die Gefahr in eine negative Gruppe oder Gemeinschaft verstrickt zu werden, so groß ist, weil das häufig subtil und quasi „beiläufig“ abläuft und es schon zu spät sein kann, wenn man merkt, was hinter dem „sozialen Netzwerk“ steckt!
– Schalte deinen Kopf nicht aus, nur weil mit irgendetwas ein wunder Punkt deiner Seele gelindert wird!
Das waren spontan die Punkte, die uns wichtig erscheinen. Es gibt sicher noch weitere. Eine Sektenchekliste findest du z.B. auch hier. Bereits bei einem „Ja“ ist Vorsicht geboten.
Wenn es um Hilfsorganisationen geht, die nicht selten sogar speziell für Menschen mit Dissoziativer Identitätsstörung eingerichtet sind und du mitbekommst, dass Mitglieder oder sogar Vorstände in einer Kirche, Sekte oder Gemeinschaft sind, sei extrem vorsichtig! Bedenke die Möglichkeit, dass sie unter Umständen leider genau nach dir suchen, weil sie wissen, wie labil und subtil zu beeinflussen multiple Systeme durch ihre Geschichte für deren Zwecke sind. Auch wenn sie sich als selbst von Multipler Persönlichkeitsstörung Betroffene outen heißt das noch lange nichts! Erinnere dich an deine eigenen Erfahrungen. Ein niederes Mitglied hat in der Regel nicht die Möglichkeit eine Sache selbstständig zu leiten und schon gar nicht frei von der dahinterstehenden Gruppierung. Ein höheres Mitglied wäre kein höheres Mitglied, wenn es nicht gut für die Gruppe, Kirche oder Sekte arbeiten würde! Pass auf dich auf, auch wenn die Kirche noch so frei scheint oder die Gruppe noch so harmlos. Freikirchen sind nicht automatisch frei, nur weil das Wort in ihrem Namen vorkommt. Oft werden Gruppen wie z.B. die „Zeugen Jehovas“ in der Gesellschaft mittlerweile als harmloser Verein dargestellt. Das sind sie nicht! Lies berichte von Aussteigern.
Unter dem Gesichtspunkt der Zugehörigkeit von Mitgliedern und Vorständen sehen wir auch Einrichtungen wie etwa den „Bunten Ring“ kritisch und mit Vorsicht. Die Meinung dazu muss sich jeder selbst bilden. Wir kennen die Einrichtung nicht und auch nicht deren Qualität und erlauben uns deshalb keine Einschätzung. Hinterfragen würden wir dennoch.
Es gibt sicher mehr Beispiele von Gruppen, Sekten, Kirchen, Glaubensgemeinschaften und Vereinen, als wir hier aufgeführt haben. Die Nennung zweier Namen soll nicht bedeuten, dass wir explizit und ausschließlich davon sprechen oder sie als besonders schlecht oder kritisch einstufen! Sie dienen nur als ein Beispiel für etwas, das wir persönlich hinterfragen.
Wenn du nicht weißt, wie du dich entscheiden sollst, entscheide dich lieber einmal zu viel dagegen, als einmal zu viel dafür.
Es wäre schade um dich! Du bist so weit gekommen!
Pass auf, dass du nicht vom Regen in die Traufe kommst!
Wir haben für uns entschlossen persönliche Kontakte mit Menschen in irgendwelchen Gemeinschaften die wir nicht durchblicken aus Vorsicht abzulehnen und sind glücklich darüber. Es gibt genug freie Menschen mit denen man Freundschaften und Bekanntschaften pflegen kann.
Wozu eigentlich Therapeuten, wenn man doch Freunde hat!?
Auf der Therapeutensuche sind uns schon so einige Sätze entgegengeschleudert worden, bei denen wir nur noch kopfschüttelnd abwinken konnten. Mittlerweile stellen wir uns ja schon auf alles ein, wenn wir es mal wieder bis zu einem ersten oder zweiten Gespräch mit einer Therapeutin wagen, selbst (oder vielleicht auch gerade wenn) sie sich Spezialistin für dieses Gebiet nennt.
Kurz: Es ist extrem frustrierend!
Heute hatten wir mal wieder eines dieser Gespräche auf der Suche nach neuer Hilfe.
Es gibt neben den anderen haarsträubenden Aussagen vor allem einen neuen Satz des Tages, der uns von fassungslos über wütend, bis hin zu traurig und verzweifelt macht und die ganze Gefühlspalette abdeckt.
Im Gespräch kam die Frage an uns auf, wonach wir nun genau suchen, was wir uns in der Zusammenarbeit erwarten und was wir am dringendsten brauchen. Wir stellten für uns ganz klar einige Ziele in der Therapie auf, hielten aber auch fest, dass es für uns derzeit das aller wichtigste ist, wieder mit jemandem offen reden und erzählen zu können, was war, ohne dass das Gegenüber dabei vom Stuhl kippt, weil uns reden vieles total erleichtert, wenn wir die Dinge in unserem Kopf nicht alleine sortieren müssen. Daraufhin ergab sich folgender Dialog:
„Haben Sie denn eine Freundin?“
„Ähm, ja hab ich schon. Warum?
„Können Sie mit der denn über Ihre Geschichte reden?“
„Ja. Kann ich.“
„Na dann brauchen Sie keine Therapie, sondern nur Freundschaft! Reden Sie doch dann einfach mit Ihr darüber.“
Uns macht dieser Satz so fassungslos, dass wir nicht mehr wirklich reagieren konnten und die Worte fehlten.
Das Gespräch endete in einer Absage der Therapeutin, da ihr das alles grade irgendwie zu kompliziert sei…
Wir sitzen hier, schütteln mit dem Kopf, ärgern uns, sind traurig über die Dreistigkeit derartiger Aussagen, telefonieren mit unserer Freundin, freuen uns einfach nur, dass wir sie haben und hoffen nächstes Mal wird alles besser laufen…
Suche Seele im Funktioniermenschenkörper
Seit wir Sie letztes Jahr verloren haben, die Frau, die unser Herz kannte, waren wir nicht mehr wirklich bei uns. Die Trauer und der Schmerz hat alles überwältigt und aus uns einen watte-flauschigen Funktioniermenschen gemacht, der nicht mehr und wenn doch, dann nur noch sehr selektiv in der Lage war zu fühlen. Selbstblindes Organisieren und Arbeiten und Nach-vorne-Denken waren Helfer in der Not, die sich ganz automatisch in einer Situation zu uns gesellten, in der wir sonst nicht mehr gewusst hätten wohin vor Verzweiflung. Mal wieder.
Wir brechen nicht zusammen, wir funktionieren.
Doch neben all den positiven Rückmeldungen aus der Außenwelt, wie toll wir aussehen, wie toll wir arbeiten, wie super toll wir…
…habe ich als Große das Gefühl mich selbst und die Anderen immer mehr zu verlieren.
Ich bin irgendwo, nur nie wirklich da, nie im Moment, nie mit dem Gefühl von Erdung. Tausend Sachen gleichzeitig und nichts wirklich. In mir ist etwas, das spüre ich und ich weiß, dass da etwas ist… irgendwo… nur wo… und was… und wo sind die anderen… und was wollen sie mir sagen….
Manchmal scheint es, als ob der Eingang zu meiner Innenwelt wie zugeschüttet ist. Kommunikation – Fehlanzeige. Wenn ich es nicht mittlerweile einfach besser wüsste, weil ich mittlerweile eben weiß, dass extremer Stress das bei mir auslöst, hätte ich zeitweise meinen können, in mir wäre nie etwas gewesen.
Ich fühle mich nicht wie Ich selbst. Ich fühle mich hohl und leer und roboterartig, ohne noch zu wissen, wer ich bin und wer wir sind.
Ich will den Schlüssel zu mir/uns wieder haben!
Diese Macht hat sie nicht verdient!
Ich will selbst bestimmen!
Heute war ein Tag, an dem ich mir, an dem wir uns wieder etwas näher waren, wo ich die Verletzungen manchmal fühlen durfte und in der Menschenkörperhülle Seele spürbar wurde.
Tränen die über die Wange liefen…
Und Wut und Angst und Verzweiflung…
Und Kinder in mir die sagen: „Aber sie hat es doch versprochen! Sie hat doch versprochen, dass wir nie mehr alleine sein müssen!“
Wortlose Ältere Innenpersonen, die mit mir zusammen nicht mehr tun können, als die Ohnmacht gemeinsam auszuhalten.
Wir wünschen uns Menschen, die uns zuhören.
Und Menschen, die uns aushalten.
Und Menschen, die nichts versprechen, was Sie dann nicht halten können.
Karfreitagsfreiheiten
Früher, da waren diese Tage um Ostern vollgequetscht mit Ritualen und Dingen, die wir aus pseudoreligiösen Gründen genau so tun und ertragen mussten.
Am Karfreitag wird gefastet. Zum schein für die christliche Fassade.
Die Antichristliche hat Ihre eigenen Regeln. Dort herrscht Feierlaune.
All das lässt die Anspannung des Kindes ansteigen. Höchste Achtsamkeit. Was wird wo verlangt!? Wer gehört zu welcher Welt!? Und wenn man endlich meint zu wissen, zu welcher Welt jemand gehört, dann taucht er plötzlich doch auch in der anderen auf… Nur nichts falsch machen! Nichts durcheinanderbringen! Lebensgefahr!
Die Wiedersprüche von Tag und Nacht, von Außenwelt und Innenwelt, von Innerfamiliär und Außerfamiliär werden in diesen Tagen so deutlich und bewusst.
Die Stundenlange Karfreitagsliturgie in der Kirche am Nachmittag.
Die Rituale und Messen tief in der Nacht.
Wiedersprüche, die allein durch ihre Verwirrung und Anspannung Dauertrancen im Kind hervorrufen.
Perfekt als Vorbereitung und den leichteren Einstieg in die Folterprogrammierungen des Kindes, die an diesen Tagen vorgenommen werden.
Heute ist vieles anders.
Keiner zwingt mich in irgendeine Kirche zu gehen. Niemand schreibt mir vor bestimmte Rituale abhalten zu müssen oder daran teilzunehmen. Zumindest nicht im Außen.
Seit Tagen fühle ich tiefe Traurigkeit in mir, gepaart mit einem immer wieder durchdringenden kleinen zarten „Ich kann nicht mehr“.
Ich nehme mir Zeit. Zeit, um die Verwirrung von damals zu entwirren. Mache langsam, wo früher alles schnell gehen musste. Versuche die ewigen Fleisch oder nicht Fleisch Diskussionen zu durchbrechen und nehme mir vor einfach das zu essen und zu trinken, was gut für mich ist. Vor allem nehme ich mir vor überhaupt zu essen und zu trinken, so gut es geht.
Ich nehme bewusst wahr, dass wir diese Freiheiten heute im Außen haben und selber entscheiden dürfen. Irgendwie fühlt sich das gut an. Hoffnung in der düsteren Gedankensuppe. Es ist schon etwas besser geworden.
Ich fühle und höre die Vielen in mir und erahne ihre Schmerzen, ihr Leid und die Höllenqualen.
Ich bin dankbar, dass ich das heute fühlen kann und mich/uns schon soviel besser kennengelernt habe.
Ich weiß, dass nicht ich verrückt bin, sondern die Welt um uns herum.
In all dem, was noch an das Früher bindet, was schwer ist und oft kaum auszuhalten, gibt es neue kleine-große Freiheiten.
Wir essen. Was wir wollen. Und wann wir wollen.
Das ist unsere Karfreitagsfreiheit.
„Gendern“ und Heilung
Gendern und Geschlechtsneutrale Sprache ist etwas, worauf wir in letzter Zeit immer häufiger treffen. Dort werden keine Unterschiede mehr zwischen männlich und weiblich gemacht. Die Geschlechter werden aufgelöst. Die Genderforschung geht davon aus, dass Unterschiede zwischen Mann und Frau rein kulturell konstruiert sind. Man bemüht sich, forscht und erfindet also eine neue Sprache und Umgangsformen, in der nur noch neutrale Begriffe enthalten sind. Mann und Frau werden gestrichen. Für uns geht das klar über ein normales Maß an gesunder Gleichberechtigung hinaus.
Wir finden die sogenannten Wissenschaften die sich nun darum ranken sogar krank und krankmachend und ein Zeichen dafür wie krank unsere Gesellschaft heutzutage ist, dass wir das zulassen.
An Stelle sich damit zu beschäftigen, wie es dazu kam, dass männliche und weibliche Werte heutzutage so verzerrt sind und wie wieder gesunde Rollenbilder und männliche und weibliche Werte in der Gesellschaft etabliert werden können, wird nun versucht das Problem mittels Wissenschaftswegschaustudien in Luft aufzulösen.
„Mann?“ „Frau?“ „Was ist das?
Gibt’s nicht mehr.
Na dann sind ja auch die ganzen Probleme mit der ewigen Dualität einfach weg.
Könnte man meinen….
Aber wie es eben so oft ist, lösen sich Probleme halt doch nicht einfach auf, nur weil man nicht mehr hinschaut oder sie wegredet…
Wenn es schwierig wird, hilft es manchmal undeutlich und verwaschen zu sein. Dann sieht man die Schwierigkeiten nämlich schlechter.
Ich bin eine Frau.
Und ich bin stolz darauf eine Frau zu sein!
„Frau sein“ gehört elementar zu meiner Identität. Zu dem, was mich und uns ausmacht.
Gott sei dank bin ich kein Neutrum!
Und ich werde mich auch nicht wegneutralisieren, weil das anderen Menschen nicht passt.
Weil sichtbar wird, wie verletzt meine Weiblichkeit ist und dass es Heilung bedürfe.
Weil sichtbar wird, wir verletzt weibliche Werte insgesamt auf dieser Welt sind.
Ich bin froh, dass es Männer gibt!
Dass ich echte Männlichkeit erleben darf.
Dass mir genau das Hilft meine Verletzungen zu heilen und mich mit mir auszusöhnen.
Dass auch Männer anfangen sich mit ihren Verletzungen auszusöhnen.
Dass auch die männlichen Werte und Rollenbilder heilen dürfen.
Ich finde es wunderbar, wenn diese beiden Pole von Mann und Frau gut zusammenwirken, weil es in dieser Welt nunmal einfach beides gibt und das so verdammt wichtig und gesund ist!
Auch Tag und Nacht sind sehr unterschiedlich, aber beide Zeiten bieten Vorteile, die lebensnotwendig sind und sich gegenseitig brauchen.
Wie soll ich heilen, wenn mir abgesprochen wird, dass ich als „Frau“ in meiner Weiblichkeit verletzt wurde, weil es „Frau sein“ ja eigentlich nicht gibt!?
Wie soll ich heilen, wenn ich nicht auch die männlichen Anteile in mir spüren darf!?
Wie soll ich Identität finden, wenn sie einfach gestrichen wird!?
Wie soll ich Neutralität spüren und wissen, wo ich wirklich neutral bin, wenn es keinen Gegenpol dazu gibt?
Mensch sein reicht nicht aus um zu heilen, weil „Mensch sein“ bestimmte Eigenschaften beinhaltet, die man benennen dürfen und können muss!
Wir haben in den letzten Jahrhunderten so viele Verletzungen sowohl der Weiblichkeit, als auch der Männlichkeit in der Gesellschaft durch Gewalt, Kriege und Religionen erfahren, die massive Auswirkungen auf den heutigen Alltag aller Menschen haben. Der Eiertanz um Worte wie „Mann“ und „Frau“ zeigt nur, wie viel Emotion und soziale Problematik diesbezüglich existieren, die einer Lösung bedürfen.
Wir müssen hinschauen, um das verändern zu können.
Den (kulturellen) Schmerz und die Ausbeutung anerkennen und betrauern.
Wir müssen Position beziehen.
Wir müssen uns entscheiden für unsere Werte.
Raus aus dem schwammigen „Ich habe zu nichts eine Meinung“ oder „Ich bin für alles offen“.
Verantwortung übernehmen!
Gleichberechtigung basiert darauf, dass ich eine Meinung oder Identität habe, die Gleichberechtigt neben anderen stehen kann.
Und manchmal kann es auch sehr sinnvoll sein etwas einfach als nicht gleichberechtigt anzusehen oder Abstufungen und Prioritäten zu setzen, sonst hätten ja auch Terror und Krieg ihre Berechtigung.
Das ist es nämlich oft, wo die Phobie Dinge frühzeitig klar zu benennen hinführt.
Wir müssen raus aus der kollektiven gesellschaftlichen Dissoziation und nicht eine neue Wissenschaft daraus machen, um sie zu rechtfertigen!