Imaginationstechniken und ihre Grenzen

„Könntest du dir einfach vorstellen, wie die Situation hätte im nachhinein vielleicht ganz anders ausgehen können und sie positiv verändern?“
„Nein, kann ich nicht.“, möchte ich darauf am liebsten schreien, „Weil an dieser Situation nunmal nichts mehr zu verändern ist.“

In unseren Therapien sind wir immer wieder mit Techniken in Kontakt gekommen, die für uns einfach so gar nicht gehen und bei denen wir uns auch nicht sicher sind, wem sie letztendlich mehr helfen, dem Patienten oder den sich sonst so hilflos fühlenden Therapeuten.
Eine davon ist die eingangs kurz angedeutete Methode Erinnerungsbilder im Nachhinein in der Phantasie positiv zu verändern, indem man sich z.B. vorstellt, wie man der Situation entkommen konnte oder man gerettet wurde. Als Variante ist es auch möglich das Bild einfach komplett positiv zu verändern.
Jedesmal, wenn uns in der Vergangenheit diese Methode angeboten wurde, hätten wir am liebsten laut aufgeschrien, teils aus Wut, teils aus Verzweiflung. Es gibt kaum etwas, was sich für uns unstimmiger, unechter und unverstandener anfühlt, als das. Lange haben wir das überhaupt nicht geäußert und die damit verbundenen Gefühle runtergeschluckt. Hauptsache der Therapeut war zu frieden. Statt uns damit ernstzunehmen, haben wir es weggeschoben. Der Fehler wird dann schon bei uns liegen, wenn wir das nicht auf die Reihe bekommen…
Tut er aber nicht. Der Fehler dieser Methode liegt für uns einfach darin, dass alte Erinnerungsbilder schlicht nicht mehr zu verändern sind. Die werden nicht mehr rosarot mit Blümchen. Die waren einfach scheiße. Was man mit der Methode jetzt macht ist für uns Wahrnehmungsverdrehung Deluxe. Ich versuche wieder dem Körper und der Seele vorzugaukeln: „So schlimm war es doch eigentlich gar nicht. Komm mal runter.“, obwohl sie sich genau erinnern, dass es eben genau so schlimm war. Und weil Körper und Seele nicht doof sind, spüren die diese Unstimmigkeit und den Selbstbetrug auch. Alles wonach sie sich früher schon und bis heute sehnen, ist einmal einfach gesehen zu werden und sich nicht wegmachen zu müssen. Darin liegt für uns die Heilung. Dass wir einfach sehen und spüren dürfen, wie es war. Völlig ungeschönt. Klar ist das richtig mies, aber genau so war es. Und wenn wir uns dann richtig ernstgenommen und gesehen haben, dann haben wir einen Teil von uns wiedergefunden und können in der Gegenwart weiter machen. Die Vergangenheit darf Vergangenheit und die kleinen im Heute in Sicherheit gebracht werden. Dann wachsen die Blümchen von ganz alleine. Nicht in dem Bild von damals. Außenrum. Umso schöner.

Die Imaginationen von inneren sicheren Orten oder Tresoren zum Wegpacken von belastendem Material haben wir teilweise als durchaus sehr entspannend und sinnvoll gefunden, teilweise waren sie jedoch auch schwer umsetzbar.
Woran es lag, dass sie von uns auch negativ empfunden wurden, hatte wohl verschiedene Gründe.
Zum einen wurden uns diese Techniken oft schneller Angeboten, als wir schauen konnten, wenn wir auch nur in Ansätzen erwähnten, dass sich in unserem Kopf etwas Belastendes abspielen könnte. Wir wurden quasi Mitten im Versuch etwas auszudrücken abgeschnitten und sollten die Erinnerungen wieder wegpacken, ehe sie aus dem Unbewussten überhaupt richtig aufgetaucht waren. Es entstanden dadurch gefühlte (und auch reale) Schweigegebote in der Therapie, was so ganz und gar nicht gut war.
Zum anderen waren sie oft schlecht umsetzbar, wenn wir nunmal auch in der Gegenwart tatsächlich Angst hatten. Da half oft der sicherste innere Ort nichts oder nur sehr bedingt. Sinnvoller wäre an der Stelle oft gewesen einfach über das zu sprechen, was in uns vorgeht und es nicht zwanghaft irgendwo hinverschachteln und Stabilisierungstechniken üben zu müssen. Oft genug hatten wir das Gefühl, dass diese Techniken jetzt nicht uns helfen sollen, sondern eher der TherapeutIn, die nicht weiß, wie sie mit dem, was da auftaucht umgehen soll.
Das reden über Erinnerungen ist aber ein Thema, über das wir sicher extra nochmal schreiben werden, weil wir damit auch so einige Schwierigkeiten hatten.

Insgesamt können wir für uns sagen, dass wir Imaginationen mögen und auch sehr positiv empfinden, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt werden und wir selbst bestimmen, wann der richtige Zeitpunkt ist. Quasi als offenes Angebot, das wir annehmen können oder auch nicht. Und wenn es nicht passt, dann wird eben nach einer anderen Lösung gesucht.
Schwierig finden wir sie dann, wenn sie als Universallösung angeboten werden oder alleinige Therapiestrategie zu sein scheinen. Wenn sehen und reden über das, was gerade in einem vorgeht jedesmal weggedrückt werden muss, weil nicht geredet werden darf und somit auch wichtige Entwicklung verhindert wird. Kurz: Man kann es auch übertreiben.
Auch bei diesem Verfahren gilt wohl, dass Imaginationen für manche Menschen aus den verschiedensten Gründen einfach nicht angenehm oder passend sind und individuelle Lösungen gebraucht werden.
Zudem sind Imaginationstechniken für uns eher kurzfristige (Lösungs)versuche, um etwas Entspannung herbeizuführen. Langfristig braucht es unserer Meinung nach das Sehen und Annehmen der Vergangenheit und der Gegenwart, so wie sie ist. Sonst werden Imaginationen wieder zum Selbstbetrug, der etwas vorgaukelt, was so gar nicht war/ist und das kann ja letztendlich keine wirkliche Heilung sein.

Wenn sich jemand jeden Tag sagt, dass er sicher ist, obwohl er mitten im Kriegsgebiet lebt, hilft die tollste Vorstellung nicht. Erstens, weil sie wahrscheinlich nur bedingt funktioniert und man das nicht völlig leugnen kann und zweitens, weil damit, sofern die Vorstellung funktioniert, auch verhindert wird, dass er begreift, dass er sich in einem Kriegsgebiet befindet und sich besser in der Realität in Sicherheit bringen sollte.
Wenn jemand in einem Kriegsgebiet gelebt hat und bereits in Sicherheit ist, dann hilft es ihm wahrscheinlich wiederum langfristig eher, sich sehen zu dürfen und zu begreifen wie schlimm es war, weil er darüber auch begreift, dass er jetzt sicher ist und über das Sehen dessen, was war auch spüren kann, was er jetzt braucht, um zu heilen, anstatt die Vergangenheit mit den schmerzlichen Gefühlen in einen Tresor zu schließen oder positiv verändern zu wollen. So kommt er wahrscheinlich nie auf eine anhaltende Lösung.
Zumal das ständige Wegpacken ja auch brutal anstrengend ist.

Wir sind der Meinung, dass unsere Seele und unser Körper die Erinnerungsbruchstücke nicht zurück ins Bewusstsein schwemmen, um dann mit einer Imagination wieder weggepackt zu werden, sondern weil sie uns etwas wichtiges zu sagen haben und gesehen werden wollen. Sie können ja nichts dafür, dass unsere Gesellschaftsstrukturen körperseelenunfreundlich sind und dafür keinen Platz und Raum lassen.
Wenn sie gesehen wurden, dann müssen Körper und Seele nicht immer mehr und immer stärker rebellieren, sondern können sich wohl und verstanden fühlen und wissen, dass ihre Bedürfnisse beachtet werden.
Uns zu sehen und anzunehmen gelingt uns selber nicht immer, aber wenn es klappt, haben wir es bislang immer so erlebt.

Lebenssichten

Und irgendwann kommt der Tag, an dem du feststellen musst, dass das Leben, das du glaubst gelebt zu haben, nicht dein Leben ist. Dass es ganz anders ist, als du bislang glaubtest. Dass du dein eigenes Leben überhaupt nicht kennst und dass du Panik bekämst, wenn du es kennen würdest.
Und dann blickst du dich in den Spiegel und siehst die hübsche junge Frau, die aus dir geworden ist und stellst fest, dass du selbst nur die Oberfläche, nur das äußerliche sehen kannst und nicht ins Innen blickst, so sehr du dich auch bemühst.
Und irgendwann wird dir vielleicht auffallen, dass du das Innen gar nicht sehen kannst, wenn du dich durch den äußeren Spiegel betrachtest. Dass es neue, andere Wege braucht, um tief hineinzublicken.
Und dann läufst du los, auf der Suche nach dir und erkennst Stück für Stück die vielen Leben, die sich alle in dem einen, deinem Körper abgespielt haben.
Und du schauderst und du lachst und du weinst und bist verzweifelt. Du bist ganz klar im Kopf und gleichzeitig so verwirrt. Du hast Angst verrückt zu werden und spürst doch die nahe Realität.
Und irgendwann spürst du deinen Herzschlag und du weißt, du bist am Leben. Du hast das alles überlebt.
Und deine Arme schlingen sich liebevoll um deinen Körper und die Augen blicken noch einmal in den Spiegel und du lächelst dir zu. Warmherzig siehst du die wunderhübsche Frau an und durch dein Herz siehst du ins Innen, siehst deine Wahrheit. Du weißt, dass es auf den Spiegel ankommt, den du wählst. Und die Welten verschmelzen. Du darfst wieder du sein. Du hast dich kennen gelernt. Du weist, wer du wirklich bist. Du lebst. In Freiheit. Dein Leben.

Vergebung und Heilung

„Sie predigen die Vergebung als einen Weg zur Heilung und scheinen nicht zu wissen, daß dieser Weg eine Falle ist, in der sie sich selbst befinden. Noch nie hat nämlich die Vergebung eine Heilung bewirkt.“
Alice Miller, Die Revolte des Körpers

Im Innen wie im Außen treffen wir immer wieder auf das Thema „Verzeihen“. Oft wird Verzeihung geradezu als das Allheilmittel für körperliche und seelische Leiden angepriesen.
Bei uns ging es früher sowieso einseitigerweise immer nur darum den Tätern alles zu verzeihen und uns selbst nichts. Von klein auf haben wir im Kultsystem gelernt, wie wichtig Vergebung ist. Wie wichtig es ist den Hintergrund und die schwierige Geschichte der Täter zu sehen und dass sie uns eigentlich doch nur Gutes wollen, mit dem was sie tun. Für uns selbst galt das selbstverständlich nicht. Wir waren die Schuld pur. Dass Missbrauch, Vergewaltigung und Folter nicht gut sein können für ein Kind und es daran überhaupt nichts Positives gibt, ist eigentlich klar. Doch selbst das wurde uns als eine Notwendigkeit mit positiver Wirkung auf uns verkauft. Worauf also wütend sein!?
Wir haben uns unser ganzes Leben lang verboten überhaupt so etwas wie Wut und Hass auf die Täter und Täterinnen zu fühlen. Wir hatten Angst und Panik davor. Denn wer wütend ist oder hasst, der ist ein schlechter Mensch, der ist es nicht wert geliebt zu werden und der macht sich selbst schuldig. Zusätzliche Schuld zu der Schuld, die wir ohnehin schon durch unser bloßes Sein auf uns geladen haben, konnten wir uns nicht leisten und nicht ertragen. Das war lebensgefährlich. So wurde es uns beigebracht. Die andauernden Wahrnehmungsverdrehungen haben tief in uns gefruchtet. Wir fürchteten die Strafen, wenn wir derartige Emotionen zeigten und verdrängten Wut und Hass aus unserem Leben.
Abgesehen davon wollten wir ja nicht so sein wie die Täter.
Zudem zählen Wut, Ärger und Hass ohnehin nicht zu den gesellschaftlich akzeptierten Emotionen.
Statt wütend zu sein, dass uns bestimmte Menschen das angetan haben, haben wir versucht alles zu verzeihen und uns nicht so an den Erinnerungen und Emotionen, die in uns waren, „aufzuhängen“. Und wieder wuchs unsere Schuld und unsere Unfähigkeit, weil es so einfach nicht klappen wollte. Wir konnten einfach nicht loslassen. Phasenweise klappte die Verdrängung, nach einiger Zeit kamen diese Gefühle allerdings immer wie ein Boomerang wieder. Als wir irgendwann auch noch körperlich krank wurden sahen wir die Ursache für die Erkrankung natürlich darin, dass wir einfach nicht verzeihen und loslassen konnten und gaben uns auch dafür die Schuld.
Dann kam unsere aller beste Freundin und hat unser Denken mal eben komplett auf den Kopf gestellt. Sie besitzt die wunderbare Fähigkeit so richtig wütend zu sein und zu hassen. Sie zeigte uns etwas von ihren Emotionen. Und sie sagte uns ganz offen, dass wir ihrer Meinung nach nicht krank sind, weil wir so schuldig sind oder nicht loslassen können, sondern weil wir uns einfach nicht zuhören. Weil wir uns die Gewalt, was sie mit uns macht und was wir dazu fühlen nicht eingestehen, sondern bagatellisieren und uns selbst damit verdrängen.
Etwas heilsameres hätte uns nicht passieren können!
Was sie sagte, machte zuerst Panik in uns. Ganz vorsichtig versuchen wir uns diese Gefühle aber seitdem wieder zu erlauben und uns anzunähern. Weil wir spüren, dass sie recht hat. Wir sind nicht krank, weil wir schuldig sind und nicht verzeihen, sondern weil wir uns nicht erlauben uns zu spüren. Weil der Verstand den Körper und die Seele negiert, die ihre Wahrheit kennen. Den ganzen Ärger, den Hass, die Wut, die Traurigkeit, die Enttäuschung, die Verzweiflung…

„Erst wenn du verzeihst, bist du wirklich frei.“
Das haben wir so oft gehört.
Diese „Verzeihensbewegung“ empfinden wir als täterorientierte Kleinhaltestrategie, die freie, persönliche Entwicklung verhindert. Wie soll sich jemand frei entwickeln, wenn er sich nicht mehr spüren kann und darf, weil es moralisch verwerflich ist!?
Mittlerweile sind wir für uns zu der Überzeugung gelangt, dass die obige Aussage schlicht und ergreifend nicht stimmt. Für uns heißt das richtig. „Erst wenn du dir erlaubst dich wirklich zu fühlen, bist du frei.“ Dazu gehört auch den Hass und die Wut anzunehmen. Das ist völlig in Ordnung. Ich bin auch mit diesen Gefühlen völlig in Ordnung. Und ich stelle fest, dass ich mich wesentlich besser fühle, körperlich und seelisch, wenn mir das gelingt. Wenn alles einfach da sein darf. Dann fühle ich mich wirklich frei und erleichtert, weil meine Emotionen und damit ich nicht mehr von der Bewertung anderer abhängig sind und eine riesige Anstrengung von mir abfällt, nämlich die mich/uns selbst wegzumachen. Die gesparte Energie können wir dann zum Heilen verwenden. Dann können wir einfach ganz bei uns sein. Meiner/Unserer Wahrheit vertrauen.
Vielleicht weiß mein Verstand nicht, warum ich auf etwas so emotional reagiere und kann es nicht erklären, aber mein Körper und meine Seele kennen den Grund.

Vergebung kommt vielleicht irgendwann, vielleicht aber auch nie. Wenn, dann kommt sie von selbst, wenn all die anderen Emotionen gelebt werden konnten und keine Sekunde früher.
Eines weiß ich sicher: Krampfhaftes verzeihen und loslassen wollen macht krank, weil es krampfhaftes Gefühleverdrängen ist. Entweder es passiert oder es ist nicht die Zeit dafür.

Ich darf hassen. Ich darf wütend sein. Ich darf mich ärgern. Ich darf nachtragend sein. Ich darf anderen die Schuld geben.
Und ich darf das auch ausdrücken.
So lange und so oft ich will. So lange ich das einfach so fühle.
Und dadurch wird mir nichts passieren. Ich bin dadurch kein schlechter Mensch und ich werde deswegen nicht in ewiger Verdammnis irgendwo untergehen.
Im Gegenteil: Ich heile!
Ich muss nicht verzeihen und nichts entschuldigen. Ich darf mich spüren und damit einfach glücklich werden. 🙂

Ja was denn nun!? – Inneres Kind, Anteile, Ego States oder Multiple Persönlichkeit mit Innenpersonen

In letzter Zeit stößt uns die Vermischung dieser Begriffe in Internetforen oder –plattformen oft sauer auf.
Frei nach dem Motto „Sind wir nicht alle ein bisschen Multipel?“ wird munter darauf losdiskutiert, was man unter multipel sein verstehen könnte. Dabei gibt’s da unserer Meinung nach gar nicht so viel Spielraum. Entweder man ist es oder eben nicht. Die Diskussion welche Facetten man vom „Viele sein“ aus persönlicher Erfahrung kennt, erübrigt sich schlicht, wenn man es nicht ist. Und es ist aus unserer Sicht auch nicht egal, diese Begriffe einfach so miteinander zu vermischen und so zu verwässrigen, weil damit den unterschiedlichen Anforderungen von Betroffenen keine Rechnung mehr getragen wird.
„Viele sein“ ist kein lustiges Heitidei mit kleinen Innenkindern, die einfach nur spielen wollen und „Viele sein“ ist nicht ungeliebte Emotionen und Verhaltensweisen einfach auf erfundene Anteile abschieben, wie man es in manchen Internetforen langsam meinen könnte.
„Viele sein“ ist brutale Realität, die man sich nicht aussucht. Und diese Realität braucht bestimmte spezifische Dinge im Außen, die beim (Über-)Leben helfen und unterstützen, für die alle Betroffenen oft mehr als zumutbar kämpfen müssen. Wenn wir von Mutiplen Persönlichkeiten sprechen, dann haben diese die schlimmste Gewalt erlebt, die man sich vorstellen kann. Ich möchte hier keine Diskussion im Sinne von besser-schlechter, wer leidet mehr – der mit Anteilen oder der mit Innenpersonen? – oder dergleichen führen. Es geht uns schlicht darum, dass es um unterschiedliche Lebensrealitäten geht, die unterschiedliche Behandlung brauchen. Bildhaft in etwa so, als würde sich jemand den Fuß verstauchen und ein anderer sich ihn brechen. Beide haben Schmerzen an der gleichen Stelle und brauchen ohne Frage die notwendige Versorgung. Ein verstauchter Fuß tut nicht zwingend weniger weh, als ein gebrochener, nur sieht die Versorgung eben entsprechend unterschiedlich aus.
Zudem treffen wir immer wieder auf die Frage, ob es denn gut sei seinen Anteilen einen Namen zu geben oder ob man damit die Spaltung nicht noch weiter vorantreibt. Dazu wollen wir sagen, dass Multiple Persönlichkeiten erstens eben nicht irgendwelchen Anteilen Namen geben, die haben sie nämlich meist schon, oft genug auch von den Tätern bekommen. Zweitens erachten wir es für völligen Schwachsinn, dass man damit die Spaltung erweitert. Etwas Sichtbar werden zu lassen, heißt nicht, dass es größer wird, als es war, bevor man es gesehen hat.

In der Alltagsrealität erleben wir es oft, dass wir über unsere Innenpersonen reden und die Reaktion unseres Gegenübers ist: „Das kenn ich. Ich hab‘ auch so kindliche Anteile in mir.“
Die genauen Unterschiede zu erklären, fällt dann oft schwer. Wir müssen zugeben, dass wir selber zunächst doch etwas gebraucht haben, bis wir uns durch den therapeutischen Definitionswust gefunden haben.
Im Nachfolgenden versuchen wir die Begriffe „Inneres Kind“, „Anteile“, „Ego States“ und „Innenpersonen/Multiple Persönlichkeit“ einfach mal mit unseren eigenen Worten zu erklären und voneinander abzugrenzen.

„Inneres Kind“ / „Anteile“
Das innere Kind oder die Arbeit mit dem inneren Kind stellt ein therapeutisches Hilfskonstrukt dar.
Es ist eine Imagination, die wohltuend ist und bei der Heilung helfen soll. Im Grunde das gleiche Prinzip wie die „Tresorübung“ oder der innere sichere Ort.
Das innere Kind agiert nicht aktiv, genauso wenig, wie einen der Tresor von sich aus anquatscht und fragt, ob er was verschließen soll. Man benutzt die Vorstellung, wenn man sie braucht und nicht umgekehrt. Man kann sich fragen, was das innere Kind zu bestimmten Themen sagen würde, sich vorstellen, wie es reagiert oder sich fühlt und es dementsprechend in der Vorstellung versorgen. Auf diesem Weg kann eine gewisse Nachreifung von Facetten der Gesamtpersönlichkeit entstehen. Es ist jedoch nicht abgespalten und es quatscht auch nicht den Kopf voll. Wenn, dann stellt man sich vor, was es gerade sagen würde.
Bei anderen „normalen“ Anteilen verhält es sich ähnlich. Es wird sozusagen eine Facette der Gesamtpersönlichkeit für die Therapie herausgegriffen und genauer betrachtet, z.B. ein wütender Anteil oder der Berufsanteil. Es handelt sich jedoch immer um die EINE gleiche Person. Die Person weiß, dass sie manchmal kindlich, wütend, funktional, etc. sein kann und kann das auch willentlich beeinflussen.

„Abgespaltene Anteile“ / „Ego States“
Abgespaltene Anteile der Persönlichkeit entstehen durch Traumata.
Passiert ein Trauma werden die emotionalen Aspekte des Traumas abgespalten. Es entsteht also ein traumanaher Gefühlsanteil. Die betroffene Person hat in der Folge ein normales Alltags-Ich, das vom Trauma distanziert, eher betäubt und teilweise amnestisch dafür ist. Der beim Trauma entstandene emotionale Anteil trägt die emotionalen Aspekte des Traumas. Dieser taucht z.B. durch Triggerung wieder auf und schwemmt dann die Wiedererlebensqualitäten zurück ins Bewusstsein.
Die folgenden beiden Stufen der Abspaltung – Ego-States und Multiple Persönlichkeit – sind sogenannte „Komplextrauma Stufen“, d.h. Abspaltungen, die nur durch wiederholte Traumata entstehen.
Wiederholt sich die Gewalt oder die Traumatisierung, kommt es zur chronischen Abspaltung von grundlegenden Funktionen in „Teilpersönlichkeiten“, z. B.: Schreckhaftigkeit, Fluchtreflex, Kampfreflex, Schreckstarre, Unterwerfung, Rückzug nach der traumatischen Erfahrung…
Sie kommen wieder sobald der Organismus in Not gerät und das Alltags-Ich kann zunächst relativ wenig gegen diese automatischen Reaktionen tun. Man unterscheidet zwei Arten dieser „Teilpersönlichkeiten“. Die sog. „Affect States“ und die „Ego States“, also Gefühlszustände und Ichzustände.
Beispiel für einen „Affect-State“: Eine Frau leidet darunter, dass sie sehr wütend wird und ihr Gegenüber attackiert, wenn Sie unter Druck gerät und nicht weiß, wie sie diesen regeln kann. Der traumanahe Persönlichkeitsanteil „Kampf“ ist aktiviert worden, um das Problem zu lösen. Der Zustand ist aber keine „Person“, sondern ein sehr heftig und unkontrollierbar erlebter Gefühlsausbruch.
Beispiel für einen „Ego-State“: Eine Frau wirft sich in bestimmten Situationen jeden Mann an den Hals und geht mit jedem Mann ins Bett, obwohl das sonst eigentlich nicht ihrer Persönlichkeit entspricht. Der Anteil, der dann nach vorne rutscht, hat „gelernt“ sich jedem Mann anzubieten, der sie haben will.
Jeder dieser Zustände enthält nur noch bestimmte Teile und Facetten der Ursprungstraumata und nicht mehr, wie oben beschrieben, das komplette Trauma.

„Innenpersonen einer Multiplen Persönlichkeit“
Hat extreme Gewalt ihren Beginn vor dem 5. Lebensjahr, kann dies zur Entstehung einer Multiplen Persönlichkeit mit mehreren Innenpersonen führen.
Neben Persönlichkeiten, die Aspekte der erlittenen Traumata tragen, entstehen hier, im Gegensatz zur Ego-State-Disorder, auch mehrere Persönlichkeiten, die keine traumatischen Erinnerungen oder traumanahen Zustände tragen, sondern andere Funktionen für das System übernehmen und sich Alltagsaufgaben teilen. Sprich, hier war das Leben so unerträglich, dass es nicht nur mehrere Persönlichkeitsanteile brauchte, um die Traumaerfahrungen aufzuteilen, sondern auch mehrere Personen, um den Alltag zu bewältigen. Bei der DIS kann es auch zu Mischungen von alltags- und traumanahen Anteilen kommen, z.B. eine harte, wütende Alltagspersönlichkeit oder eine sensible, fürsorgliche Alltagspersönlichkeit.
Jede/r dieser Persönlichkeiten hat im Laufe der Zeit Seine/ihre eigene „Lebensgeschichte“, eigene Ansichten, Charakterzüge, Aufgaben und Vorlieben entwickelt. Die ursprünglichen Anteile haben sich also immer weiter ausdifferenziert und sind zu eigenständigen Innenpersonen geworden.
Wir persönlich mögen die Bezeichnung als vollabgespaltene Persönlichkeitsanteile hier nicht, weil es für uns schlicht nicht stimmt und nicht zu unserem Erleben passt.
Die Dissoziation ist so tiefgreifend, dass es auch im aktuellen Alltagserleben und nachdem die Gewalt zu Ende ist zu Zeitlücken kommt. Bei Wechseln von einer Persönlichkeit zu einer anderen kommt es oft zu Amnesien. Die Eine weiß dann nicht, was die Andere tut oder in der Zwischenzeit getan hat, bis sie wieder vorne ist.
Der Wechsel zwischen den Persönlichkeiten ist hier meist nicht mehr willentlich beeinflussbar.

Soweit also nun zunächst unsere Erklärungen. Wir hoffen sie sind verständlich und wir haben nichts wichtiges vergessen!
Sonst dürft ihr auch gerne Fragen stellen, wir versuchen es dann so gut wir können zu erklären.
Das Alltagserleben von multiplen Persönlichkeiten wollen wir eventuell demnächst noch etwas genauer beschreiben, weil wir gemerkt haben, dass es doch recht schwer ist, das so kurz zu fassen.

Quellen:
Viele sein – Ein Handbuch (M. Huber)

Innenkindfreude

Ganz zart und glücklich schob sich ein Gefühl in meinen Kopf.
„Wir essen nachher etwas.“, stellte das Innenkind überglücklich fest.
Erstaunt über diese große Freude wegen der Tatsache, dass wir etwas essen, horchte ich genauer nach innen.
„Na, wir essen nachher Knödel. Wir müssen heute gar nicht hungern. Wir dürfen einfach essen.“, hopste es fröhlich weiter.
Angesteckt von dem Glück und der Freude, die dieses Innen verbreitete, stellt sich auch für mich einen Moment lang Wohlgefühl ein.
Wir genießen es. Gemeinsam.
Manches scheint so selbstverständlich und hat doch so große Bedeutung…

Kleines 1×1 zum Umgang mit Therapeuten, die gerade von einer Fortbildung oder Supervision kommen ;-)

Kurz vorab: Wir möchten betonen, dass der folgende Text mit einem lächelnden Augenzwinkern geschrieben ist und wir den Einsatz und die Fortbildungsbereitschaft zum Thema „Multiple Persönlichkeit“ und „Rituelle Gewalt“ sehr schätzen. Auch wir haben durchaus davon profitiert und wären ohne den unermüdlichen Einsatz unserer Therapeutin heute sicher nicht da, wo wir jetzt sind. Trotzdem gibt es einige Supervisions- und Fortbildungsreaktionen, die uns immer wieder begegnet sind, über die wir teils schmunzeln mussten, mit denen wir teilweise aber auch richtig zu kämpfen hatten. Aus aktuellem Anlass, haben wir nun also diesen nicht an jeder Stelle ganz ernst gemeinten Survivalguide für die ersten Therapiestunden danach verfasst:

Es ist mal wieder so weit. Die Therapeutin kommt von der Fortbildung oder Supervision zurück, auf der sie versucht hat herauszufinden, wie sie Ihrer Patientin mit ritueller Gewalterfahrung noch besser helfen kann. Im Gepäck viel neues Mal-mehr-mal-weniger-(Schein)Wissen, das in die Tat umgesetzt werden will und oft eine zutiefst verunsicherte Therapeutenseele, die sich fragt, ob sie bisher wirklich so viel übersehen und falsch gemacht hat, dass sie es jetzt auf jeden Fall gleich viel besser machen will. Aber wie gut, dass die Kollegen, da mehr Erfahrung hatten. Trotz aller entstandenen Selbstzweifel ist sie überglücklich, dass sie jetzt die Lösung für so lange unlösbar erscheinende Probleme kennt. Puh, na endlich…
Und da beginnen sie, die Therapiestörungen.
Wie also jetzt mit der Therapeutin umgehen, um ihr schonend beizubringen, dass vieles von dem, was sie jetzt für die absolute Lösung und Erleuchtung hält, so nicht umzusetzen ist, weil ein individueller Mensch vor ihr sitzt und kein Lehrbuchdummy? Wie erklären, dass die Theorie wirklich mega ist, die Praxis aber weniger? Wie ihr leidendes Selbstvertrauen wieder soweit aufbauen, dass Sie einfach wieder ihren eigenen Gefühlen vertraut? Immerhin kennt sie euch ja persönlich und nicht ihre hochgeschätzten Kollegen. Wie ihr liebevoll beibringen, dass nicht alles umsonst war? Wie selbst dabei den Kopf oben behalten und nicht in dem, was da so auf einen einstürmt, untergehen?

1. Bleibt ruhig!
Das ist besonders wichtig! Atmet erst einmal tief ein und aus. Was euch jetzt erzählt wird, scheint euerer Therapeutin vielleicht als der Rettungsanker oder Lösungsansatz schlecht hin. Vielleicht erzählt sie euch auch von Gruppenstrukturierungen oder anderen Dingen, bei denen dir und den Innies nur so die Ohren schlackern, Fragezeichen um den Kopf schwirren oder die so für euch einfach schlicht nicht stimmen. Lasst ihr für einen kurzen Moment die Freude, bevor ihr sie wieder mit der harten Realität konfrontiert.

2. Fange nicht an, an dir/euch zu Zweifeln
Manchmal ist es nicht leicht in dem Durcheinander der Therapeutin die Übersicht zu behalten. Wenn ihr dann noch die neuesten Erkenntnisse präsentiert bekommt, wie das Leben bei anderen Multis angeblich funktioniert und ihr euch darin so gar nicht wiederfindet, ist es ganz schön schwer nicht in eine Zweifelkrise abzurutschen. Doch denkt an Punkt 1 und bleibt ruhig! Ihr werdet die Gelegenheit bekommen, euere Sicht der Dinge darzulegen. Und ihr seid ein Individuum. Das ist auch bei Multis so!

3. Bestätigt euerer Therapeutin, dass es wirklich toll ist, dass sie sich so fortgebildet hat
Lob ist für die zarte Therapeutenseele sehr wichtig! Drum bestätigt sie in ihrem Tun. Sagt ihr, dass ihr es schätzt, dass sie sich so bemüht und was ihr sonst noch so gut findet. Schließlich soll sie ja nicht demotiviert, sondern nur zurück auf eine zusammenarbeitsfähige Spur gebracht werden. Seid einfühlsam, versteht ihre Not und zeigt Verständnis.

4. Übt sanfte Kritik
Jetzt, wo die Therapeutin ausreichend stabil erscheint, ist endlich der Moment gekommen, in dem ihr anfangen könnt, in euerem Sinne Kritik zu üben oder die neuen Arbeitsweisen gezielt zu hinterfragen. Geht dabei unbedingt sanft vor. Therapeuten sind empfindliche Wesen, die nicht destabilisiert werden sollten!

5. Gebt ihr Zeit damit umzugehen
Es wird vielleicht etwas dauern, bis sie mit der Verunsicherung, die die ganzen neuen Einblicke hinterlassen haben, umgehen kann. Sie hat etwas über Gewalt und Hintergründe erfahren und ihr Weltbild wurde erschüttert. Habt Geduld. Sicher ist bald schon wieder alles gut!

6. Helft euerer Therapeutin das neu gelernte zu integrieren
Zeigt ihr, wie sie das theoretisch gelernte sinnvoll einsetzen und mit der individuellen Person, die vor ihr sitzt, verbinden kann. Lasst Sie mit dem neuen Wissen nicht alleine stehen, denn sie kann oft zunächst nichts damit anfangen, weil ihr dafür schlicht die Einblicke fehlen. Helft ihr also einzuordnen. Erklärt ihr, was gut ist und was nicht und warum. Sagt ihr, dass die Fortbildung oder Supervision nicht umsonst war. Zeigt ihr ihre „Therapiefortschritte“ auf.

7. Bringt ihr bei auf Ihr Gefühl, Ihr Wissen und Ihre innere Stimme zu vertrauen
Wenn ihr das schafft, habt ihr viel gewonnen! Für jetzt und für alle zukünftigen Fortbildungen und Supervisionen. Zeigt ihr, dass Sie, selbst wenn sie Anfänger ist, therapeutisch diejenige ist, die in der Arbeit mit euch am besten weiß was zu tun ist, weil sie euch kennt. Ebenso seid Ihr die Experten für euere Geschichte und was für euch wirklich hilfreich ist. Das wird sie also nur von euch erfahren. Ermutigt sie im persönlichen Umgang mit euch bei Ihren eigenen Eindrücken zu bleiben, das Gespräch zu suchen und euch nicht aus Unsicherheit irgendetwas überzustülpen.

8. Ihr seid ein Individuum, das individuelle Behandlung erfordert
Ein wichtiger Punkt, der gerade bei überlebenden von Ritueller Gewalt gerne übersehen wird. Auf der Fortbildung hat sie z.B. gehört, dass Täterkontakt bei euch wahrscheinlich ist und ihr habt euere liebe Not ihr jetzt beizubringen, dass bei euch gerade aber keiner besteht und ihr trotzdem instabil seid. Oder es gibt eine wunderbare neue Übung, wie man belastende Dinge einfach wegpacken kann und es will bei euch einfach gar nicht funktionieren. Der Beispiele gibt es noch viele. Macht ihr klar, dass auch multiple Menschen individuell sind und jeder eine individuelle Geschichte hat. Oft leider gar nicht so leicht… Doch wenn ihr es geschafft habt, dass sie sich ihr eigenes Bild macht und die Behandlungsschritte/Methoden mit euch erarbeitet, habt ihr einen weiteren großen Meilenstein geschafft.

9. Lobt euch selbst, dass ihr diese schwierige Phase mit euerer Therapeutin durchgestanden habt
Vergesst euch nicht selbst und lobt euch auch! Denn es war anstrengend. Ihr habt einen Menschen durch eine schwierige Phase seines Lebens begleitet. Das ist nicht selbstverständlich!

10. Lobt euch gegenseitig, dass ihr zusammen geschafft habt, dass euer Verhältnis weiter gut ist
Es ist so schön am Ende festzustellen, dass die Beziehung nicht kaputt gegangen ist und vielleicht sogar noch etwas enger geworden ist, weil ihr euch aufeinander eingelassen habt. Respekt!

Und zum guten Schluss genießt einfach die Zeit bis zur nächsten Fortbildung oder Supervision… 😉

Was, wenn das Trauma einfach keinen Urlaub macht…!?

Seit über einer Woche versuchen wir nun einfach einmal Pause zu machen.
An nichts zu denken, was mit früher zu tun hat. Auszuspannen. Etwas runter zu kommen. Uns auf die Gegenwart zu konzentrieren. Das Viele-Sein in der Jetzt-Zeit zu erforschen.
Helferinnen machen Urlaub, dann machen wir es auch. Soweit der Plan.
Unser Verstand hat das wohl sofort begriffen und auf Funktionsmodus umgestellt. Unsere Seele findet die Idee bekloppt und macht da leider nicht mit. Denn wenn schon Ruhe einkehrt, dann ist ja richtig viel Platz und Zeit und Raum da, um auch mal zu ihr hin zu schauen. Hmpf…
Und dann ist da noch die lästig anstrengend gefährliche Sache mit den Programmen… Die machen auch keinen Urlaub.
Und nun?
Was, wenn die Katze schon einfach keine Lust mehr hat Reorientierungsgekrault zu werden?
Was, wenn der Kopf vor Überflutung zu platzen droht?
Was, wenn alles innen schreit, reden zu müssen, aber grade einfach keiner da ist?
Was, wenn alle Kindermalbücher dieser Welt ausgemalt werden könnten und der Schmerz dadurch trotzdem nicht beherrschbar kleiner wird?
Was, wenn die Programme nach Ausführung rufen und wunderbaren zusätzlichen Zündstoff in der „Es-ist-ja-eh-keiner-da-und-du-bist-alleine-Situation“ finden?
Was, wenn alle verbleibende Logik zu versagen droht, weil die Gefühlstiefen davon unerreicht bleiben?
Was, wenn die Versuche innerer Konferenzen zu Schlacht- und Minenfeldern werden?
Wir müssen ausharren. Versuchen es irgendwie zu schaffen.
Atmen. Weinen. Zusammenbrechen. Weitergehen.
Und irgendwo da innen ist bei alle dem solche Wut.
Wut, dass diese Arschlöcher das alles mit uns gemacht haben. Wut, dass das was sie getan haben noch immer ein Stück weit in uns wirkt. Wut, dass sie glücklich und völlig ungehindert druch’s Leben gehen.
Was für uns bleibt ist wenigstens zu versuchen, es uns ein bisschen schön zu machen. Der Versuch uns zu erlauben, das tun zu dürfen, ohne in Panik unterzugehen.
Mit der Hoffnung, dass wir es schaffen und bald nicht mehr allein sind.

Reorientierungswiesen

Copyright by "Sofies viele Welten"

© Copyright by „Sofies viele Welten“

Nicht weit von unserem zu Hause lebt eine naturbelassene Wiese, die meist nur einmal im Jahr gemäht wird und auf der es deshalb so einige Dinge zu entdecken gibt, die man sonst hier nur noch selten sieht.
Also los raus. Ein paar Fotos machen. Die Ausstrahlung der Natur geniesen. Den Moment wiederfinden.
Vertrauen, dass die Erde trägt.
Und Stück für Stück hangeln wir uns an den Details der Wiese entlang. Den Blüten, den Blattformen, den Tieren.
Den sanften Wind im Haar.
Sehen die Schönheit, die uns für einen Augenblick von der Vergangenheit befreit.
Stehen mitten in den Reorientierungswiesen und der Natur.
Genießen.
Und Atmen.

Irgendwie Anders

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Das „Irgendwie Anders“-Buch ist seit Langem eines der absoluten Lieblingsbücher der kleinen Innenpersonen hier.
„Sosehr er sich auch bemühte, wie die anderen zu sein, Irgendwie Anders war irgendwie anders. Deswegen lebte er auch ganz allein auf einem hohen Berg und hatte keinen einzigen Freund. Bis eines Tages ein seltsames Etwas vor seiner Tür stand. Das sah ganz anders aus als Irgendwie Anders, aber es behauptete, genau wie er zu sein…“
Wir empfinden es als ziemlich untriggernd und die Bilder zu den Texten sind toll gezeichnet. Zudem macht es auf so wundervolle und witzige Weise einfach Mut so zu sein, wie man ist.
Weil die letzte Zeit so schwer war, besitzen die Kleinen seit heute ein eigenes Exemplar, das sie  jederzeit anschaun und lesen können, quasi als Hilfe die seelische und körperliche Durststrecke besser zu überstehen.
Das folgende Zitat stammt aus diesem Bilderbuch: 🙂

„Und ehe Irgendwie Anders auch nur bis drei zählen konnte, war es schon im Zimmer…
…und setzte sich auf die Papiertüte.
„Kenn ich dich?“, fragte Irgendwie Anders verwirrt.
„Ob du mich kennst?“, fragte das Etwas und lachte.
„Natürlich! Guck mich doch mal ganz genau an, na los doch!“
Und Irgendwie Anders guckte.
Er lief um das Etwas herum, guckte vorn, guckte hinten. Und weil er nicht wusste, was er sagen sollte, sagte er nichts.
„Verstehst du denn nicht!“, rief das Etwas. „Ich bin genau wie du! Du bist irgendwie anders – und ich auch.“
Und es streckte wieder seine Pfote aus und lächelte.

Wie es mit den beiden noch weiter geht und was Irgendwie Anders und das Etwas sonst noch so erleben, können wir leider nicht alles schreiben und die Bilder dazu leider auch nicht mit einstellen. Wir hoffen aber, der kleine Ausschnitt bringt euch auch etwas zum schmunzeln.
Wie uns. 🙂

Vergiss mein nicht

Copyright by "Sofies viele Welten"

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Die warme Luft streichelte zart durch unser Haar, als wir heute Mittag aus dem Auto ausstiegen. An der Betonmauer nebenan zwinkerte uns freundlich das Vergissmeinnicht zu, als wollte es uns auf etwas aufmerksam machen, gleichsam einem „Erinnermich“. Wir beugten uns zu ihm hinunter. Die blaue Blütenmitte mit dem gelben Stern im Inneren leuchtete uns entgegen. Wir blickten es schweigend an und es blickte schweigend zurück. „Vergiss mein nicht!“, hallte es durch die Gänge meiner Synapsen, während wir uns beide tief in die Seele schauten.
„Vergiss mein nicht!“, flehte das Innenkind.
„Ich sehe dich!“, versichere ich zurück. „Jetzt sehe ich dich!“
Wir blicken uns an, das Vergissmeinnicht und ich.
Wir blicken uns an, die Innenwelt und ich.
Und wir vergessen nicht…