Von der Wahrheit in Träumen

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Ich nehme mit dem Strohalm eine Schluck aus meiner Eisschokolade. Der Sonnenschirm ist längst zugeklappt. Es wäre ohnehin bereits schattig. Ein kühler Wind lässt mich im kurzen T-Shirt leicht frösteln. Die langen weißblühenden Astausläufer der Hecke wiegen sanft im Luftzug. Lila glitzert der Lavendel zu uns herüber. Die durstigen Pflanzen schlürfen mit ihren langen Wurzeln das Gießwasser aus der Erde, während ihnen die Vögel ein Nachtlied singen. Bald wird der Tag auch für uns zu Ende sein. Dann schlafen wir ein und betreten eine „traumhafte“ Welt.
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Sag du mir, was ich glauben soll…

„Glauben Sie mir?“ oder „Denken Sie, dass es wahr ist?“ sind wohl Fragen, die jede Überlebende im Laufe ihrer Therapie immer wieder stellt. Über lange Zeit braucht es die Rückversicherung der Therapeutin, wenn im Innen die Zweifel toben. Eines vorab: Es ist im Heilungsverlauf für die Opfer gut, wichtig und richtig sich diesbezüglich bei anderen Menschen rückversichern zu können. Wir sind froh, damals eine Therapeutin an unserer Seite gehabt zu haben, die in den größten Zweifeln die Fahne für uns hoch hielt und uns ohne Kompromisse glaubte. Sie hatte den Mut für uns Position zu beziehen und diese offen auszudrücken. Außerdem möchte man als Mensch auch einfach wissen, was das Gegenüber von der eigenen Geschichte denkt.
Wir wollen in diesem Beitrag heute allerdings den Fokus auf einen anderen Blickwinkel bezüglich der „Glaubensfrage“ richten, den wir an manchen Stellen für sehr wichtig halten. Dafür wollen wir ein bisschen von unseren Erfahrungen erzählen.
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Mittendrin

Ich sitze im Warteraum bei meiner Therapeutin. Ein bisschen sind wir gespannt, was der Termin heute bringt. Im Kopf ist vieles und die Bandbreite groß. Es reicht von Glücksgefühlen bis hin zu tiefer Trauer und Verzweiflung. Das Leben ist bunt und manchmal alles gleichzeitig.

Eine Stunde später sitzen wir im Auto nach Hause und fragen uns, was das nun gebracht hat. Die Dinge, die wir erzählen wollten, kamen nicht über unsere Lippen. Das was wir gesagt haben, war schön, aber eigentlich weniger wichtig. Um den Nachmittag dennoch mit Sinn zu füllen, fahren wir in den Gartenmarkt. Auf unserem Balkon sollen essbare Schönheiten einziehen. Am Ende haben wir den Wagen voll mit pink und weiß blühenden Erdbeeren, Gurken, Tomaten und kletternden Zierpflanzen. Wir sind gespannt, wie unser erstes Balkongartenjahr verlaufen wird.

Als wir uns am Abend auf das Sofa legen, kehren wir an die Momente zurück, mit denen wir in den Tag gestartet sind. Unser Unterleib schmerzt empfindlich. Voller Liebe schmiegt sich der Kater an unsere Seite. Unser Kopf puckert leise. Ich schließe die Augen. In all dem, was gegen meine Schädeldecke hämmert, ist es sein leises Schnurren, das mich und die Innens rettet. Er versteht ohne Worte, was wir am Morgen verschweigen mussten.  Unser Atem beruhigt sich. Eine Träne kullert aus der Anspannung.

Danke kleiner Katzentherapeuth. ❤️

Duschen und Baden – Fluch oder Segen auf der Skill-Liste

Wir liegen im heißen Badewasser und spüren, wie unser Körper merklich entspannt. Eigentlich haben wir uns etwas zum Lesen mitgenommen. Das wollen wir nun aber gar nicht mehr. Die Ruhe genießen ist toll. Die Regenbrause wäscht Stück für Stück den Stress mit weg. Für uns gehört Baden und Duschen zu den wichtigsten Entspannungsmöglichkeiten. Weiterlesen

Naturgenießer Sonntag

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Das Gras ist noch feucht, als ich mich mit einer Tasse Kaffee darin niederlasse. Als Unterlage dient mir ein altes Handtuch. Die Katzen kuscheln sich freiwillig in meine Nähe. Von außen betrachtet sieht es aus, als hätten wir eine gemeinsame Morgenkonferenz im Grünen. Zu sagen haben wir uns wohl tatsächlich etwas. Es sind lautlose Dinge wie „Ich hab dich lieb“, „Wir sind ein gutes Team“, „Es ist schön zusammen hier zu sitzen“ und „Lange habe ich nicht Zeit. Ich muss zur Jagd.“

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Kann der Himmel dissoziieren? 🙂

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Ich sitze auf der Bank vor dem Haus. Gräser und Sträucher sind regennass vom Gewitter. Ein paar Regentropfen fallen leise zu Boden. Das ist einer dieser Momente, in denen man in der Stille die Pflanzen atmen hören kann. Wir atmen mit ihnen. Die Luft ist angenehm kühl und rein. Wir beobachten die Katzen und unsere Gedanken. Mal mehr wie eine ferne Landschaftssilhouette am Horizont, dann wieder detailliert wie eine Makroaufnahme. Über uns schweben Wolken, die langsam ihre Form verlieren und als dunstiger Nebelschleier am blauen Himmel übrig bleiben.

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Lila Regen

Wir sitzen auf dem Bett und naschen Heidelbeeren aus einem kleinen Eimerchen. Draußen wird es langsam kühl. Meine Schultern frösteln nahe dem leicht geöffneten Fenster. Während ich so vor mich hin fernsehzappe, wird es dunkel. Die Sonne macht für heute Pause. Ich mache mir ein bisschen Licht an. Bei mir wird es noch etwas dauern, bis ich auch zur Ruhe komme. Solange möchte ich meine Umgebung sehen und nicht nur erahnen können. Als ich bei Pixabay nach schönen Fotos suche, fällt mir eine kleine lila Kuhschelle in die Hände. Purple Rain, denke ich. Wir sollten viel mehr im Regen tanzen.

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Regression bei DIS

Definition: Der Begriff Regression kommt ursprünglich aus der Psychoanalyse und bezeichnet das Zurückfallen eines Erwachsenen in eine bereits überwundene kindliche Entwicklungsphase.

Was sehen wir daran im Bezug auf eine DIS?
Richtig! Innenkinder haben nichts mit Regression zu tun.

Die Innenkinder bei einer DIS sind so alt, wie sie auch damals waren, als ihnen das Trauma passierte. Sie waren nie älter! Sie sind schon immer Kind oder Jugendliche oder junge Erwachsene. Tauchen sie sichtbar im Außen auf, fallen weder sie, noch die erwachsene Außenperson irgendwohin zurück. Sie sind einfach so, wie sie immer waren. Die erwachsene Außenperson hat mit den Innenkindern zunächst nicht mehr zu tun, als dass sie sich einen Körper teilen. Sie existieren getrennt voneinander. Ich bin als Außenperson vielleicht nicht mehr da, bzw. außen wahrnehmbar, wenn eine Kleine nach vorne rutscht, aber ich bleibe auch in der Zwischenzeit erwachsen.

Also was haben manche von euch lieben Therapeuten für ein Gescheiß (entschuldigt den Außdruck!) mit der ewigen Angst die Regression zu fördern, wenn die Innenleute sichtbar werden dürfen!? Entspannt euch!
Mit Offenheit könnt ihr nur Entwicklung nach vorne möglich machen.

Ein Löffel Eis im Jetzt

Ich liege auf dem Bett und atme. Mit zwei dicken Kissen im Rücken bettet mein Oberkörper leicht aufgerichtet. Meine Finger kraulen im weichen Katzenfell die harten Rippenbögen. Es dauert nicht lange bis sich meine Bewegung des Brustkorbs mit dem Atemrythmus der Fellnase synchronisiert. Tranceartig schnurren mich ihre Töne zur Ruhe. Die Heizung rauscht leise im Hintergrund. In der Nase kribbeln ein wenig die Pollen, aber ich bin zu müde zum Niesen. Mein Kopf singt Liszt. „Romantisch“, denke ich bei mir. „Oh lieb solang du lieben kannst…“
Dann mus ich eingeschlafen sein.

Als ich aufwache liegt mein Handy neben mir. Meine Katzen melden Frühstück an. Mit geschlossenen Augen trotte ich in simulierter Dunkelheit zum Klo. Dann beginnt mein Tag. Einige Stunden später sitze ich mit Spaghettieis im Garten. Die Stimmen in mir sind munter. Sie Reimen und scherzen. Mein Mund schleckt jeweils altersangepasst an der kalten Süßspeise. Nur ein bisschen schwer ist mir die Brust. Aber in der Erdbeersauce gehen die Sorgen unter.

Für diesen Moment ist das so. Die Freude überwiegt. Im gleichen Augenblick sterben im selben Körper Andere tausend neue Tode. Vorne ist das kaum mehr fühlbar. Nun spüren Kinder voll Fröhlichkeit ihr Leben im Heute, bis…
Ja, bis der nächste Moment kommt. Der ist immer nur einen Wimpernschlag entfernt. In dem sterben sie vielleicht vor Qual. Oder glühen vor Wut. Oder Trauern aus tiefem Herzen. Oder betteln um Aufmerksamkeit.

In einem Löffel Eis liegt die ganze Bedeutung von „Jetzt“. Beim nächsten Löffel kann es vorbei sein.

Kohlweißer Zitronenfalter

Über meinem Dach kreist ein Adler. Majestätisch kommt er auf einer Windböe dahergeritten. Aus luftigen Höhen betrachtet er die Welt. Für einen Moment schwebe ich mit und genieße die Vorstellung von Freiheit. Ich spanne meine Flügel mit ihm aus und strecke mich. Als er landet wird er zur Amsel, die auf dem Hausdach gegenüber hüpft. Das Bild bleibt.
Die Sehkraft von Amseln ist auch nicht zu unterschätzen. Vor allem aber pfeift sie uns nun ein Frühlingslied. Bald begleiten andere Vogelschwärme sie im Chor. Mitten im Gesang bricht die Sonne durch die Wolken und der Regen stoppt. Ob der kleine Vogel wohl nicht einfach nur so auf dem Dach gehüpft ist, sondern Wettertänze macht? Seine Flügel fächert er jedenfalls wie Sonnenstrahlen. Dann hebt er ab. An den Dachfirst grenzt nun nichts als blaugrauer Himmel. Das weiße Wolkentrüb reist mit dem Wind. Ein Stieglitz wippt auf instabilen Ästchen im Gebüsch vor dem Haus.
Ich koche Tee mit Vitamin C. Als ich die Schalen der ausgepressten Zitrone aufeinander lege, frage ich mich, ob ich jetzt wohl ein Zitronenfalter bin. Beim anschließenden Blick in den Spiegel fällt mir auf, dass mir dafür die gelbe Farbe fehlt. Demnach könnte ich gerade nur ein Kohlweißling sein, der seine Zähne bleckt. Mein innen Leben witzelt bei den Gedanken ich wäre ein „alter Falter“.
Ich putze mir die Zähne, bis das Wasser kocht. Damit brühe ich die Melisse auf. Sie zieht, obwohl sie sich nicht bewegt. Beim eingießen habe ich Honig im Kopf. Er wandert direkt in die Teekanne.
Mmmmmmh…. süß. ❤️
Die Stimmung im Innen ist angeheitert.
Die Zweiohrküken schmunzeln und necken mich etwas mit ihren Kommentaren.
Pust…
Schlürf…
Guten Morgen bunte Welt.