Es gibt diese Erinnerungen, bei denen man weiß, dass man sie sich nie ausgedacht haben kann, schon alleine deshalb, weil man auf die Idee selbst nie gekommen wäre. Sie enthalten Details, von denen man nicht wüsste, wenn man es nicht selbst erlebt hätte. Dann sitzt man schockiert da, starrt innerlich auf die Bilder, ein bestimmtes Werkzeug oder eine Situation und hat das Gefühl niemals jemandem davon berichten zu können, weil es viel zu verrückt ist, als dass einem das jemals jemand glauben könnte. Man würde es ja selbst am liebsten einfach nur als Hirngespinst abtun. Doch es ist so schrecklich real.
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Wir sitzen einigermaßen erschöpft auf dem Bett. Gerade waren wir duschen. Die Haare liegen nass auf unseren Schultern. In Gedanken lassen wir die letzten Tage Revue passieren. An unserer Art mit den Folgen unserer Geschichte umzugehen hat sich über die Zeit viel geändert. Besonders deutlich ist uns das im letzten halben Jahr geworden. Unsere Haltung uns selbst gegenüber hat sich radikal gewandelt. Vor allem haben wir Kontrolle losgelassen. Paradox ist, wie viel mehr Steuerungsmöglichkeiten wir dadurch erhalten haben.
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Mein innerer Wellensittich, äh Inniesittich, pfeift. 😉 Seit einigen Minuten höre ich es tirilieren. Eine Kleine hat Lust zu singen und tut das nun im Kopf. Nach einiger Zeit frage ich vorsichtig nach, ob sie es wohl auch bleiben lassen könne. Meine Stimmung passt nicht zu ihren Liedern. Das war der Moment an dem diese Wellen-Innie-sittich Geschichte ihren Lauf nahm.
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Knie dich hin mein Kind und schweige. Schließ die Augen fest und zeige, dass du auf Gott allein willst bauen, deine Seele wird vertrauen und geduldig still ertragen, was ich tu in seinem Namen.
Öffne Mund und deine Ohren, denn du bist von Ihm erkoren. Hier im Kreise unsrer Brüder hallen deine Schwüre wieder. Vertrauen, ehren und gehorchen sollst du mich in deinen Worten. So sprich und tu nun, was ich sag, ohne Angst und ohne Frag‘.
Gib dich hin, Kind, und nimm an, den Segen den ich spenden kann und der in diesem Ritual dich würdig macht durch Pein und Qual.
Über deine Haut will streicheln und deiner Scham mit Küssen schmeicheln, bevor ich auf dem Rücken liegend in dich dringe Schwur versiegelnd, dich zu meinem Eigen mache, machtvoll schmunzelnd zu dir lache und du ganz ruhig zu mir sprichst:
„Ich will dich achten und verehren, dir Frau sein und dein Kind gebären und über all das werd‘ ich schweigen, niemandem die Schmerzen zeigen. Im tiefsten Innern werd ich wahren, Geheimnisse der Bruderscharen. Niemals wird mein Mund mehr sprechen, sonst wird sich mit dem Tode rächen der Herr und Meister, Seth, die Schlange, den ich durch dich nun hier empfange.“
Die Folter ging noch etwas weiter, am Ende war man froh und heiter. Blind folgte sie und er verlangte, während sie um ihr Leben bangte. Alles hat sie ohne Zucken und ohne weiter aufzumucken verinnerlicht und übernommen, die Kindheit hat man ihr genommen, die Seel‘ stattdessen neu bepflanzt mit Sektenhorrorarroganz.
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Hier sitze ich nun in meinem großen Sessel und schlecke mit meiner kleinen inneren Lamaherde ein Eis. 😉 Beim Einkaufen hat eine Stimme in meinem Kopf sich diese Abkühlung gewünscht. Plötzlich scheint auch in meiner Welt alles überhaupt kein Drama zu sein. Es ist fast so, als wäre es völlig Normal hier mit den Innens zur Ruhe zu kommen. Für einen Moment schweigen die inneren Kritiker. Sie sind froh um Wasser und Nahrung. Nur zwischendrin durchzuckt mich immer wieder für eine Millisekunde ein ganz komisch, schmerzliches Gefühl, als hätte der Wolf mich in einem unachtsamen Moment in den Hintern gebissen oder ins Herz.
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Wir sitzen ins warme Bett gekuschelt und betrachten die Düsternis. Eigentlich hatten wir geglaubt, wir seien mitten in der Nacht wach geworden. Es ist kurz nach sechs. Wenn das Morgengrauen aussieht wie Finsternis, ist es wohl endgültig vorbei mit dem Sommer und der Herbst zieht ein. So gerne hätten wir die heißen Nächte dieses Jahr noch etwas behalten. In uns entwickelt sich mehr und mehr eine Herbstsperre. Während ich sonst oft den dunkleren Zeiten durchaus ihre eigene Art von Gemütlichkeit abgewinnen konnte, trauert mein Körper-Seelen-System nun dem Licht hinterher.
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In den letzten Tagen haben wir uns mal wieder mit der grundsätzlichen Therapieausrichtung beschäftigt. Wir haben versucht mit uns in Kontakt zu kommen und hinzuspüren, was wir an dieser Stelle brauchen. Dabei ploppte auch die Frage auf, woran sich gute Therapie für uns derzeit orientieren muss. Große Unterschiede macht es für uns, ob prozessorientiert oder zielorientiert gearbeitet wird. Mit den Vor- und Nachteilen der jeweiligen Ausrichtung befasst sich nun dieser Artikel.
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Ich muss zugeben, ein Thema treibt uns derzeit mal wieder besonders um: Prostitution. Seit langem haben wir persönlich eine sehr strikte Meinung dazu. Für uns gibt’s da wenig zu diskutieren. Prostitution ist Gewalt. Wenn wir Prostitution legalisieren entscheiden wir uns als Gesellschaft dafür bestimmte Formen der Gewalt zu akzeptieren. Warum!? Ist Gewalt weniger Gewalt, nur weil Lust im Spiel ist!?
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In der Tat machen die vielen rosanen und weißen Blüten der „Schmuckkörbchen“ auf unserem Balkon ihrem Namen derzeit alle Ehre. Als mein Blick früh am Morgen von unten in die Pracht des Blumenkastens fällt, blinzelt mir ein Stückchen Himmel zu. Ich schlürfe von meiner Tasse Kaffee. Die Füße ruhen auf dem kleinen Tischchen vor mir. Sonne und Blumenduft geben alles, um uns den Tag schön zu malen. Im Innen fühlen wir uns unendlich traurig. So traurig, dass wir kaum atmen können. Die Sprachlosigkeit macht aggressiv. Während kleine getigerte Schwebfliegen lockerleicht am Nektar schlürfen, schürfen wir tief in alten, unaushaltbaren Verletzungen.
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Gerade sind wir auf unserem Balkon angekommen und haben uns gemütlich eingerichtet. Ein Teller mit Toast, kaltes Wasser und die Beine in horizontaler Stellung kann der Tag seinen Ausklang finden. Von der Gartenparty der Nachbarn klingen dumpfe Bassbeats an unser Ohr. Während ich den ganzen Tag vor Schweiß klatsch nass war, frage ich mich nun tatsächlich, ob es mich im lauen Abendlüftchen ohne Weste fröstelt. Vorstellen könnte ich mir auch einen dicken, kuscheligen Wollpullover, aber das wäre wohl übertrieben. Immerhin zeigt das Thermometer noch knapp 25 Grad. Kurze Zeit überlege ich, ob meine gefühlte Temperatur von der tatsächlichen aufgrund eines Triggers abweicht. Dann komme ich in den Moment zurück und lasse die letzten Tage gedanklich Revue passieren.
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