Trauma, wo bist du?

Der Kopf dröhnt.
Ich fühle mich wattig dumpf und aufgedunsen.
Der Magen streikt.
Platz für Trauma gibt es nicht. Am liebsten würde ich laut in die Welt hinausschreien, dass es das alles nie gab.
Vergessene Not.
Vergessenes Ich.
Vergessenes Wir.
Ich werde immer dumpfer.
„Open for Business“ – Ich bin bereit.
Läuft!
Wenn da nicht…
Ja, wenn da nicht auch noch diese Bilder wären, die sich in meinen Alltag schmuggeln. Die die Sperrbereiche an meinen Alltagssynapsen im Gehirn einfach überschreiten. Meine Gereiztheit und Daueraggressivität die hinter dem „Alles ist gut“ derzeit ständiger Begleiter ist und mit der ich mich langsam selber nerve. Und diese unbeschreiblich beste Freundin, die meinen Zustand mit liebevoller Ausdauer hinterfragt, obwohl sie nicht selten genau aus dem Grund verbal eine vor den Latz geknallt bekommt. Dann stoße ich ein bisschen ran an meine Gefühle hinter der harten Schale. An das Gefühl hinter dem „Ach was, das sind doch einfach nur ein bisschen Kopfschmerzen.“ Dann erinnert mich plötzlich das gelbe Kissen im Karton an das gelbe Kissen, das mich damals fast ersticken ließ. Dann bröckeln die Mauern und es wird klar, wo das Trauma ist.
Immer noch da.
Nix heile Welt.
Trotz all der Mühe, diese aufkeimenden Erinnerungen so schnell wie möglich wegzupacken, sie im Keim zu ersticken und gar nicht erst darüber nachzudenken.
Das Trauma ist hinter der Wand.
Eingewickelt in Dissoziationswatte.
Und dann muss ich mir bitter eingestehen: Ich bin noch immer nicht in der Lage mein Innen gut zu versorgen. Ich kann noch immer nur entweder – oder. Ich kann den Kontakt zu mir und den Anderen schwer bis gar nicht halten, wenn ich im Außen funktioniere. Ich bin noch immer schwer traumatisiert. Es ist noch nicht alles überwunden.
Dann wird aus dem krampfhaften „Es ist alles gut“-Schrei ein Schrei vor Schmerz. Dann krampfen meine Zellen und brüllen vor Verzweiflung.
Und die Träume in der Nacht weinen über unsere Vergewaltiger und Schänder.
So schnell wird dann aus „Ich lebe meinen Traum“ ein „Ich lebe mein Traum-a“. Einer völlig planlosen Alltagsperson mache ich in Hochstresszeiten leider immer noch alle Ehre.
Alles wieder futsch.
Augen zu und durch.
Wegdissoziiert, was mein Leben bedeutet.

Bist du schon alt genug?

Etwas zu früh spaziere ich in die Arbeit hinein. In der Küche stehen zwei Kollegen, die sich unterhalten. Ich stelle mich dazu, weil ich mir noch Wasser mit an den Schreibtisch nehmen möchte. Eine Kollegin beschäftigt der Missbrauchsfall eines Kindes aus unserer Region. Mitten im Satz hält sie plötzlich inne, dreht sich zu mir und frägt: „Oh Gott, bist du dafür eigentlich schon alt genug? Kann man mit dir schon über sowas reden?“
Ich bin einigermaßen perplex. Mit allem hätte ich gerechnet, aber ausgerechnet mit dieser Frage nicht. „Öhm ja, ich bin 28“, sage ich, wohl auch, weil es das einzige ist, was mir in dem Moment noch einfällt. Die Kollegin ist beruhigt. Noch im Gespräch denke ich mir, dass ich wohl Dinge weiß und erlebt habe, an die sie alle im Traum nicht denken. Mit dem Alter hat das nichts zu tun…🙄
Was mir dabei wieder mal auffällt:
Es gibt Menschen, bei denen Gewalt und Missbrauch nicht zur Tagesordnung gehören. Die entsetzt sind über die „Einzelfälle“, die es aus der Presse an den Rand ihrer Welt geschafft haben. Die Schwierigkeiten haben sich überhaupt vorzustellen, dass es sowas gibt. Ich habe Mühe mich in diese Lebensrealität hineinzuversetzen. Die Themen begleiten mich täglich. Ganz automatisch. Zwei völlig unterschiedliche Kosmen treffen aufeinander. In Ihrer Welt gibt es mich nicht. Ich existiere nicht. „Gut, dass es sowas in unserer Region nicht gibt.“ Ich stehe neben ihr und bin doch unsichtbar.

Mittagspausenimpressionen

Wir sitzen im Schatten im Eiscafé. Das Spaghettieis schmeckt und kühlt in der Hitze. Ein wenig Arbeit ist vom Schreibtisch mit nach draußen in die Pause gewandert. Ein zarter Sommerwind weht sanft durch die Bäume.
Pause.
Meine Füße mögen nicht mehr laufen. Den ganzen Vormittag waren sie unterwegs. Kühlung täte sicher auch ihnen gut. Die Vanilleeis-Sahne-Erdbeersaucen-Mischung, die gerade in meinem Mund zerläuft, macht den Tag zeitweilig erträglicher. Während der Kugelschreiber über das Papier flitzt um Notizen für den Job fertig zu machen, habe ich Lust zu schreiben. Nicht für andere. Für mich. Weil die Pause für mich da ist. Weil meine Geschichte sich regt. Weil wir für den kurzen Moment da und komplett sein möchten, ehe ein Großteil unseres Seins vorerst wieder versteckt werden muss.
Ein inneres Bedürfnis.
Dann sitze ich da in der Stille. Gespräche führe ich keine. Der Stift bewegt sich nicht. Ich spüre. Wir spüren uns. Unser Ausdruck beläuft sich schließlich auf einen stummen Seufzer und dem Blick zur Uhr. Kurz waren wir da.
Im schweigenden sprachlosen Moment.
Pausenraum zum ganzer sein.

Phasen – Ich

In der Regel komme ich in meinem Alltag gut zurecht, sobald ich morgens das Haus für Arbeit und Beruf verlassen habe. Der innere Schalter steht auf „Open for Business“ – Funktionalität, Professionalität und Hochleistung, wenn nötig.
Die Arbeitszeit über höre ich kaum etwas von meiner Innenwelt, Bilder oder Erinnerungen werden weggestellt, ohne dass ich sie bewusst wegstelle. Der Tag passiert einfach. An manchen Stellen fühle ich mich mal mehr, mal weniger, gestresst, was ich gekonnt überlächle und ansonsten bin ich erstaunlich gut drauf. Alles easy.
So lief das auch die letzten Wochen.
Man erwartete Leistung bei extremen Arbeitspensum, ich brachte sie.
Ich benehme mich, als wäre nie irgendetwas schlimmes oder belastendes passiert.
Soweit das Leben in der Arbeitswelt.

Und nun gibt es da noch diese anderen Momente…
Dann wenn die Arbeit vorbei ist.
Privat.
Wenn Urlaub oder Wochenenden Ruhe versprechen.
Bei großem Stress in Job oder Ausbildung, was in der letzten Zeit fast immer der Fall war, rette ich mich ganz gut über einzelne Abende, weil ich dann entweder so k.o. bin, dass ich vom Lernen ins Bett falle oder die Zeitspanne bis zum nächsten Morgen schlicht zu kurz ist, dass der Stress- und Adrenalinpegel ausreichend abfällt, dass ich anfangen würde mich wieder zu fühlen…
So nach eineinhalb bis zwei Tagen sieht’s dann schon ganz anders aus…
Dann fängt das Grauen an über mich hereinzubrechen.
Die Innens und die Erinnerungen nehmen sich Raum.
Die strahlende „Businessfrau“ verschwindet und weicht einem fahlen, schmerzverzerrten Wesen, angefüllt mit Folter, das weder mit dieser Welt, noch mit sich selbst zurecht kommt und am liebsten nicht mehr aufstehen möchte.
Angst vor allem.
An Alltag ist nicht mehr zu denken.
Nicht für die nächste Zeit.
Alles was irgendwie geht ist mühsame, kleine Schrittchen zu machen und sich mit vereinten Kräften zur Therapeutin zu schleppen, voll Verzweiflung und in der Hoffnung, dass etwas von dem was auftaucht, gelöst, bzw. verarbeitet, werden kann.

Wieso geht eigentlich immer nur eines von beiden?
Wieso kann es uns nicht gut gehen, wir arbeiten und wir verarbeiten?
Oder wenigstens ein bisschen Funktionalität übrig bleiben?
Phasengrenzen hart und unkalkulierbar.
Entweder – Oder.
Entweder fühlen wir uns – Oder wir Funktionieren.
Heilung in Schüben.
Wann es vom einen ins andere kippt, ist schlecht voraussehbar.
Steuern kann ich das kaum.

Kurz vor Abschluss :-)

In den letzten Wochen ist es mal wieder etwas stiller geworden hier auf dem Blog.
Prüfungszeit…
… für den Abschluss und den Beruf.
… für meine Nerven.
In ein paar Wochen ist alles geschafft. Dann haben wir zusammen das erreicht, wovon uns prophezeit war, dass wir es nie erreichen werden.
Die Kollegen und Kolleginnen habe ich durchaus lieb gewonnen. Ein komisches Gefühl ist das, wenn ich daran denke, sie schon bald nicht mehr jeden Morgen zu sehen und mit Ihnen in arbeitsintensive Stunden zu starten.
Andererseits kommt damit die Pause, nach der ich mich schon so lange sehne, um endlich mal wieder Nerven für tiefere therapeutische Arbeit zu haben.
Es ist gut, so wie es ist. 🙂
Und vielleicht ist dann auch endlich wieder Zeit zum Schreiben und Seele baumeln lassen und tiefe Gespräche und Freundschaft und Fühlen und Naturentdeckungsturen und ausgiebiges Katzenschmusen und…
… all die anderen Dinge die uns Spaß machen und uns ausmachen.

Osterwochendienstag

Kaum war die letzte Woche geschafft und der Osterurlaub erreicht, sind wir auch schon mitten drin im Feiertagsregen.
Wir merken wie es im Innen arbeitet, auch wenn wir versuchen uns im Außen mit Angenehmen zu beschäftigen.
Gut, dass die Sonne scheint. Das tut dem Gemüt und den verspannten Muskeln gut, die nach den wärmenden Strahlen lechzen.
In der milchigen Frühe jetzt ein paar aktuelle Gedanken für den Blog zusammenreimen und sie möglichst sortiert zu einem Beitrag abfischen. Wir fischen im Nebel, denn nicht nur der Morgen ist milchig, sondern auch die spinnfädenartig, dissoziationsumwobenen Gedankenräume, durch die das aufgehende Sonnenlicht nur schwerlich ins Innere fällt. Die Bewegungen sind lansam, die Welt traumhaft, unser Sein eingefroren. Dennoch bleiben von Zeit zu Zeit an der Synapsenangel Worte und Satzteile hängen, die sich für Aussagesätze eignen und zusammensetzen lassen.
In der Vorstellung geht alles schneller, als es ist.
Zähneputzen, anziehen, losgehen.
Tagesplan:
Arzt.
Frühstück.
Freundin.
Bei mir selbst ankommen.
Im Triggerblitzlichtgewitter erhellen Lichtspots Szenen der Erinnerung an Ostern, Feiertage und das Drumherum.
Unverständliches, Unaussprechliches, Ungeheuerliches.
Es ist dennoch wahr.
Oft wird erwartet, dass Überlebende schnell damit umgehen lernen und darüber hinwegkommen und wenn wir es tun, dann „kommen wir gut damit klar“ und Außenstehende sind zufrieden.
Trauer ist mir in diesen Tagen oft ein echtes Bedürfnis. Egal wie lange etwas her ist. Gut mit etwas klar zu kommen, heißt für mich, dass ich mir meine Bedürfnisse diesbezüglich mittlerweile, so gut ich kann, erlaube und nicht, sie so zu beschneiden, dass andere glücklich sind.
Es gibt so viele Dinge, die betrauert werden müssen und wenn das Lachen auch an diesen Tagen zurück kommen soll, dann müssen Tränen darüber fließen dürfen.

Hab Mut zu sprechen!

In Gruppierungen und organisiertem Verbrechen wird so einiges unternommen, um die Opfer dauerhaft zum Schweigen zu bringen.
Neben Folter und Qual, sind es vor allem auch die Indoktrinierungen und Vorhersagen, was passieren wird, wenn man es dennoch schafft zu sprechen, die Opfer davon abhalten ihr Schweigen zu brechen.
„Dir glaubt sowieso keiner“, „Alle werden sagen, dass du lügst“, „Sie werden dich für verrückt halten“, etc…

Vor zwei Wochen haben wir uns aus einer großen Not heraus einem unserer Lehrer anvertraut.
Haben etwas von der Gewalt erzählt die wir erlebt haben.
Wir bereuen es nicht. Im Gegenteil.
Er ist zu einer großen Hilfe für uns im Schulalltag geworden.
Es entlastet uns zu wissen, dass jemand bescheid weiß, falls etwas wäre und es uns nicht gut geht.
Allein zu spüren, dass er ein Mann ist und dennoch nicht im geringsten daran denken würde einem Kind so etwas anzutun, ist heilsam für uns.
Zudem:
Er glaubt.
Er zweifelt nicht, nennt uns keine Lügnerin und er ist an unserer Seite.
Einfach so.
Mittlerweile weiß noch eine weitere Lehrerin bescheid.
Auch Sie hilft uns sehr.
Auch Sie glaubt.

Zwei Lehrer sind zu wichtigen Säulen in unserem Alltag geworden.
Sie geben uns neben der schulischen Hilfe, die Sicherheit verstanden zu werden, Ansprechpartner zu haben für den Notfall und etwas gesehen zu werden, mit dem was hinter der Funktionierfassade abläuft.
Möglich geworden durch Worte, die wir hörbar haben werden lassen, auch wenn sie nur schwer über unsere Lippen kamen.

Wir sind dankbar dafür!
Es zeigt, dass es sich lohnt, das Schweigen doch an geeigneter Stelle zu brechen.
Die Vorhersagen der Täter sind ein weiteres Mal nicht eingetreten.

Hab Mut zu sprechen, es lohnt sich!
Es sind die Täter, die lügen!

Seiltänzer

Wir hängen in den Seilen.
Ordentlich.
Seit fast zwei Wochen fehlt von einem Moment auf den anderen der so dringend benötigte Boden unter den Füßen.
Sterben. Aufgeben.
Verlockend.
Andererseits – Leben ist auch wirklich schön.
Wenn es gerade nicht so scheiße wehtun würde.
Ok… einen Versuch ist es wert.
Unser Gehirn boykottiert den Funktioniermodus.
Lernen für Prüfungen Fehlanzeige.
Allein das Sitzen im Unterricht ist schon anstrengende Qual genug.
Lächeln und Schmunzeln.
Dann fühlen sich wenigstens Lehrer und Mitschüler sicher und wohl.
Depression inkognito.
Harmlos wirkt es und unernst, nach kleineren Wehwehchen, wenn wir sagen, dass es uns nicht gut geht.
Doch das ist es nicht.
Es ist der gesamte Ernst, der auf uns prallt, wenn wir spüren, dass wir Opfer sind.
Wenn die Bilder der Folter, die uns angetan wurde, in uns wirken.
Es sind die Gerüche der Männer, die uns in die Nase steigen.
Das Parfüm, der Körpergeruch, Alkohol,…
Es ist das Spüren ihres Atems, der auf unseren Körper trifft.
Mal sanft und hauchig. Mal hart und fordernd.
Es sind die Spuren ihrer Berührungen, die sie auf unseren Körper zeichneten.
Das „Es war so schrecklich“.
Wir sind Seiltänzer auf den Synapsen und hoffen an den Überspannungsleitungen möglichst vorbei zu kommen und schon gar nicht mitten auf dem Starkstromnervenkabel zu landen.
Etwas Ruhe.
Wenig Reize.
Abgerichtet auf das Leben in Kult und organisiertem Verbrechen, wo selbst Reizlosigkeit einen Reiz darstellt.
Kaum möglich.
Nervenseilüberlebenstanz.

Lernblockaden und Adventsgedanken

Ich bin müde.
Meine Augenlieder wollen sich im gleichen Moment schließen, in dem ich den Deckel des Ordners zuklappe und widerwillig beschließe das Lernen für heute zu beenden, obwohl ich den Stoff nur halbwegs verinnerlicht habe. Für die Prüfung morgen muss es ausreichen.
Der Kopf ist voll…
… nur leider nicht mit schulischen Zahlen, Daten und Fakten.
Dass es nicht nur mir so geht, sondern auch die „ganz normalen“ Mitabsolventen unter dem Lernpensum stöhnen, erleichtert mich etwas. Es wäre also auch ohne meine Geschichte schon schwer, sich durchzubeißen. Ich, meine Reaktionen und die verzweifelte Überforderung sind nicht unnormal, wenn auch teilweise in einem anderen Ausmaß.
„Advent“, denke ich.
„Es ist Advent.“
Auf der einen Seite scheint es nur ein Gedanke zu sein, auf der anderen hallt er in meinem Kopf wieder und wieder, als müsste ich ihn begreifen. Weshalb genau in diesem Moment kann ich nicht fassen. Vielleicht hat er einfach darauf gewartet, dass ich etwas Zeit für Ihn habe.
Ich schaue ihm nach und den Bildern in meinem Kopf von der glücklichen Familie, wie sie im Bilderbuche steht und die Besinnlichkeit des Adventskranzes genießt, weil man das nunmal als guter Christ so macht.
Ich sehe das Flackern der Flammen der Kerzen bis mitten in der Besinnlichkeit die Hölle über uns hereinbricht, weil…
…ja weil man das nunmal als Mitglied einer diversen anderen Gruppierung so macht.
Was bleibt ist die Verwirrung.
Jesus meets Satan.
Und das nicht etwa im Widerspruch.
Zwei Welten, die nicht zusammen passen, ergänzen sich perfekt, bieten doch beide Rechtfertigungen und Erklärungen, warum man sich in einer bestimmten Art und Weise verhalten muss.
Wenn eine nicht ausreicht, um die eigenen Verhaltensweisen, Vorlieben und Perversitäten zu erklären – just mix it!
Dann bekommt selbst das sinnfreiste Sinn und jedes Verhalten findet seine Absolution.
Und die Verwirrung, die dabei bei dem Kind entsteht leistet ihre Dienste.
Zwei getrennte Welten.
Kinderseelen sehen mit ihrem Gefühl und der bloße Verstand sagt ihnen nichts, bis ihnen das Gefühl aberzogen wurde und nur noch die Gedanken der anderen gelten.
Im Denken fallen uns die Augen zu.
Es ist Nacht
und morgen ist Tag.
Es ist schwarz
und weiß.
Innen
und Außen.
Wir sinken in eine andere Welt, die im Traum nur uns gehört.
Stille Zeit.
Im Traum, da sind wir frei.

Ich will spüren, dass ich lebe

Mein nasses Haar fällt über meine Schultern.
In der Nase fühle ich dem Duft des neuen Hafermilchshampoos nach.
Nicht schlecht.
Ich mag das Gefühl auf meiner Kopfhaut.
„Wer bin ich eigentlich.“, frage ich mich so nebenbei.
Die Antwort dazu bekomme ich leider nicht so aus dem Ärmel geschüttelt.
Noch schwieriger, „Was will ich eigentlich?“.

Morgen heißt es wieder antreten und arbeiten.
Das Wochenende war viel zu kurz.
In der ganzen Funktioiermenschenwelt frage ich mich, ob ich das wirklich will. Ob ich wirklich „normal“ sein will und mich dafür selbst immer mehr verlieren, von Tag zu Tag dissoziativer, weil ich sonst die Reize der Außenwelt, die da auf mich einprasseln, gar nicht ertragen könnte.
Hülle.
Irgendwie ein scheiß Gefühl.

Ich will spüren, dass ich lebe!
Wir wollen das!
Wir wollen unser Leben leben.
Nicht das, das andere von uns erwarten.
„… und wissen, dass ich genüge. (…) Vielleicht hatte ich keine Wahl, sondern nur den Willen zum Überleben.“
„Ich will glücklich leben weil ICH bin.“
„Ich bin hier und mein Leben gehört nur mir.
Und den Himmel, an den ich glaube, den gibt es.
Den werde ich irgendwo finden.“