Was deine blauen Augen sprühen, erlauben meine Lachfalten nicht zu sagen. Und die Worte die dein Mund formt, hätte meine Zunge für diese Situation nicht gewählt.
Ich spreche anders als du.
Als Unikat.
Was du mit einem Wimpernschlag deutlich zu machen versuchst, kommt bei mir als Genervtheit an. Die freundliche Geste sehe ich nicht. Dein Mund schweigt.
Ich höre anders als du.
Als Unikat.
Komm lass und als Unikate treffen, als Menschen, die sich nahe sind und gemeinsam eine Sprache finden, mit der wir uns verstehen.
Erklär mir dein Lächeln, dein Durchatmen und deine gerunzelte Stirn. Hilf mir entziffern, was sie in deiner Welt bedeuten. Ich will dir meine Welt entschlüsseln und meine Sprache.
Lass uns ab heute „Unikatisch“ sprechen und mit dem Herzen hören.
Lass uns zwei Menschen sein, die sich mit ihrer Geschichte sehen, als Basis für gegenseitiges verstehen.
Dass unser Leben bunt wird und gemeinsam und nicht aneinander vorbei.
Dass unsere Worte Bedeutung haben – die, die wir ihnen auch geben wollten.
Dass sie ankommen.
Dass wir beieinander ankommen.
In guter Komm-unikat-ion.
Autogewächshaus
Ich sitze in der Autowerkstatt und warte darauf, dass mein Fahrzeug fertig ist. Eine kleine Reparatur. Ich fühle mich wie in einem schwülen Gewächshaus, nur nicht für Pflanzen sondern für Autos. Ob die bei dem Klima auch besser wachsen? Zumindest stehen hier keine Kleinwagen… Das Glasdach heizt Sonnenenergie. Mein Kopf fängt in der Hitze an zu brüten. Nach kurzer Zeit habe ich Frischluftbedürfnis. Ich blicke zu den Bürostühlen und den Mitarbeitern. Wie halten die das hier den ganzen Tag aus!? Mein Kreislauf schreit lautstark danach das Gebäude zu verlassen. Ich gebe nach und schlage den Stuhl aus, der mir eben noch so freundlich angeboten wurde. Draußen ist es auch warm, aber das ist nichts gegen die Bedingungen innen. Nach wenigen Atemzügen ebbt mein Kopfschmerz ab und die Übelkeit verfliegt. „Ihr Schlüssel. Alles wieder in Ordnung“, bringt mir ein netter junger Mann mein Fahrzeug und den Schlüsselbund zurück.
„Und die Anderen, die im Büro?“, denke ich beim Einsteigen. Die müssen wohl in der stickigen Luft ihres Arbeitsplatzes bis zum Dienstschluss noch einige Stunden ausharren.
Da wird der „saubere Bürojob“ zur Belastungsprobe.
Respekt für das Durchhaltevermögen.
Ein Karton für die Kinder

Sachen packen.
Umzugskartons fertig stellen.
Schränke ausräumen.
So sahen unsere letzten Tage und Wochen überwiegend aus.
Heute vielen uns dabei ein paar ganz besondere Sachen in die Hände.
Bücher für die Kinder, Karten von lieben Menschen, Buntstifte und nette Erinnerungen. Im Kopf wurde es laut beim Anblick der Schätze.
Mit in den Karton zu den anderen Sachen?
Niemals!
Eine extra Schachtel musste her.
Ein Karton für die Kinder.
Im Felix-Geschenkkarton finden sich nun die Lieblingsstücke der Kleinen.
Muscheln, Stifte, Grußkarten, Kinderbücher, Kuscheltiere, Fund- und Sammelstücke und kleine Erinnerungen an die Therapie.
Und irgendwie finden auch wir Großen das gar nicht so schlecht.
Alles was unser Kinderherz oft braucht ist an einer Stelle griffbereit. Egal ob zum Trösten oder einfach nur zum Spaß. Was aus Zufall entstand, werden wir nun wahrscheinlich auch in der neuen Wohnung beibehalten.
Vielleicht kommen im Laufe der Zeit auch neue Stücke dazu und andere werden ausgetauscht.
Schön und praktisch zugleich.
Traum vom Trauma
Ich wache auf, weil jemand meine Hand auf sein steifes Geschlechtsteil drückt und sie dort bewegt. Meine Handflächen spüren die Details. Die Augen zu öffnen und damit dem Täter deutlich zu machen, dass ich nicht mehr schlafe, wage ich nicht. Die Szenerie setzt sich fort, bis er irgendwann auf mir liegt. Die Vergewaltigung ist absehbar. Ich halte mich still und scheinschlafend. Die Angst ansonsten umgebracht zu werden, ist zu groß. Im Kopf rasen die Gedanken auf der Suche nach einer Lösung, wie ich entkommen könnte.
Irgendwann wache ich wirklich auf. Der Alptraum lässt mich für den Moment reglos und verwirrt im Bett liegen. Ich blicke mich um. Ich bin allein. Langsam gewinne ich Fassung. Es ist Jahre her.
Heute war es nur ein Traum.
Aber auch mehr als das.
Es ist Erinnerung.
Halbschlaf und traumabedingte Dissoziation sind oft nahezu Todesurteile für jedes Erinnerungsvermögen. Zumindest stimmt das für uns. Wir erklären uns das so: Durch den Schlaf besteht schon vor der Traumasituation kein waches Bewusstsein, mit dem man speichern könnte. Der „Traumcharakter“, den Dissoziation vermittelt, lässt sich nicht oder noch schlechter hinterfragen oder einordnen, wenn man ohnehin gerade „träumt“. Wenn überhaupt etwas blieb, war es oft Verwirrtheit: War ich wach oder hab ich geträumt oder was war das heute Nacht!? Manchmal auch ein komisches Gefühl oder ein ziehender Schmerz im Unterleib, der schnell wegrationalisiert war… Am anderen Morgen wach zu werden und einfach gar nichts mehr zu davon zu wissen, war aber ebenso häufig der Fall. Ein bisschen viel Watte vielleicht, dumpfe unreale Wolke am folgenden Tag. „Irgendetwas ist nicht gut, aber was?“
Meine Erinnerungen an Situationen in denen ich im Schlaf missbraucht wurde, kommen hin und wieder im Traumschlaf zurück. Manchmal nicht eins zu eins, sondern mit anderen Traumelementen vermischt.
Manche Träume sind Träume.
Andere sind Wirklichkeit, die sich im Traum zeigt.
Nicht jeder Traum ist Phantasie, nur weil das Geschehen dem Bewusstsein zu surreal erscheint, um wirklich zu sein.
Träume sind Tore zum Bewusstsein.
Im Schlaf öffnen sich die Schlösser.
Die gequälte Seele kehrt im Traum zurück.
Gedankensklavin
Kranke Gedanken, die mich denken,
mir einfach keine Ruhe schenken,
mich stumm in eine Richtung lenken,
mein Sein auf eine Spur beschränken,
die Welt im Nebel stumm versenken…
Du denkst mich.
Du standest vor mir im schwarzen Gewand,
erhoben gar drohend die wütende Hand.
Geboren sei ich dir zu dienen.
Mit meinem Leben soll ich sühnen,
wenn ich von deinem Wort mich wende.
Die Folterqual, sie nimmt kein Ende.
Du befielst mir.
Sterbend stand ich zwischen den Welten,
wo mich die Männer weiter quälten.
Wo Stromschlag meinen Körper bog,
man mir von einer Chance log
den Martern dadurch zu entrinnen,
mich ihren Wünschen nach zu sinnen.
Ich gehorche.
Es enden später die Tortouren.
In mir wurde längst eine And’re geboren,
die den Schmerz für mich getragen,
alleine hätt’ ich’s nicht ertragen.
Am kindlichen Körper klebet das Blut,
der die Wünsche des Seelenmörders nun tut.
Du richtest mich ab.
Heute bist du nicht mehr im Realen bei mir,
doch in meinen Gedanken bist du immer noch hier.
Deine Wünsche befehlen sie mir zu tun,
noch immer kann meine Seele nicht ruhn.
Die Bilder, die Folter, die Qualen, das Leid,
sie gehen nicht einfach durch verstrichene Zeit.
Gedankensklavin
© Copyright by „Sofies viele Welten“
Trauma, wo bist du?
Der Kopf dröhnt.
Ich fühle mich wattig dumpf und aufgedunsen.
Der Magen streikt.
Platz für Trauma gibt es nicht. Am liebsten würde ich laut in die Welt hinausschreien, dass es das alles nie gab.
Vergessene Not.
Vergessenes Ich.
Vergessenes Wir.
Ich werde immer dumpfer.
„Open for Business“ – Ich bin bereit.
Läuft!
Wenn da nicht…
Ja, wenn da nicht auch noch diese Bilder wären, die sich in meinen Alltag schmuggeln. Die die Sperrbereiche an meinen Alltagssynapsen im Gehirn einfach überschreiten. Meine Gereiztheit und Daueraggressivität die hinter dem „Alles ist gut“ derzeit ständiger Begleiter ist und mit der ich mich langsam selber nerve. Und diese unbeschreiblich beste Freundin, die meinen Zustand mit liebevoller Ausdauer hinterfragt, obwohl sie nicht selten genau aus dem Grund verbal eine vor den Latz geknallt bekommt. Dann stoße ich ein bisschen ran an meine Gefühle hinter der harten Schale. An das Gefühl hinter dem „Ach was, das sind doch einfach nur ein bisschen Kopfschmerzen.“ Dann erinnert mich plötzlich das gelbe Kissen im Karton an das gelbe Kissen, das mich damals fast ersticken ließ. Dann bröckeln die Mauern und es wird klar, wo das Trauma ist.
Immer noch da.
Nix heile Welt.
Trotz all der Mühe, diese aufkeimenden Erinnerungen so schnell wie möglich wegzupacken, sie im Keim zu ersticken und gar nicht erst darüber nachzudenken.
Das Trauma ist hinter der Wand.
Eingewickelt in Dissoziationswatte.
Und dann muss ich mir bitter eingestehen: Ich bin noch immer nicht in der Lage mein Innen gut zu versorgen. Ich kann noch immer nur entweder – oder. Ich kann den Kontakt zu mir und den Anderen schwer bis gar nicht halten, wenn ich im Außen funktioniere. Ich bin noch immer schwer traumatisiert. Es ist noch nicht alles überwunden.
Dann wird aus dem krampfhaften „Es ist alles gut“-Schrei ein Schrei vor Schmerz. Dann krampfen meine Zellen und brüllen vor Verzweiflung.
Und die Träume in der Nacht weinen über unsere Vergewaltiger und Schänder.
So schnell wird dann aus „Ich lebe meinen Traum“ ein „Ich lebe mein Traum-a“. Einer völlig planlosen Alltagsperson mache ich in Hochstresszeiten leider immer noch alle Ehre.
Alles wieder futsch.
Augen zu und durch.
Wegdissoziiert, was mein Leben bedeutet.
Umzug sucht stilles Glück
Leichter Regen fällt von Oben auf das Vordach.
Erst kurz nach sieben.
Ein Regenbogen hüpft am Himmel vorbei. Er ist weg, bis wir so weit sind ein Foto zu machen. Die Katzen streifen los.
Bald sind wir hier weg.
Umzug.
Es ist einiges zu organisieren und manchmal habe ich das Gefühl mir geht die Puste aus.
Auf dem neuen Balkon wird die Luft, die wir atmen eine andere sein.
Eine spannende Zeit.
In der Morgen frische, fängt es an mich zu frösteln. Ich klemme mir die Katzen unter den Arm und gehe zurück in die Wohnung. Am warmen Fensterplatz putzt der Kater die nassen Pfötchen. Auch er wird sein Revier wechseln müssen. Uns gibt es nur mit Katze.
Ich bin froh, wenn alles geschafft ist und mir wieder die Zeit bleibt meine Gefühle in die Tasten zu packen.
Meine Seele braucht Platz, die sie im Alltag so derzeit nicht findet.
Ein bisschen stilles Glück.
Sonnenblumenstart

© Copyright by „Sofies viele Welten“
Die Sonne schafft langsam den Aufstieg über die Hügelspitzen. Die Birke hinterm Haus rauscht im Sommerwind, der sich eher wie ein Herbstwind anfühlt. Während der Tag startet und das grün der Pflanzen auf Energietanken umstellt, scheint das Leben in perfekter Ordnung zu sein. Meine Augen blicken in die Mitte der Sonnenblume. Geometrisch, im Kreis, wohnt in der Sonne halb Blume, halb Stern. Wir sind eins. Spiegeln uns. Die Nacht liegt im Tag und umgekehrt.
Durch die Schöpfung strahlt mittlerweile das Licht des neuen Morgens. Die Liebe steckt im Detail.
Katzenträume
Die Katze ist gerade dabei es sich auf unseren Oberschenkeln gemütlich zu machen. Wir sind müde und doch wach. Es ist mitten in der Nacht. Im Kopf bewegen sich Gedanken. Sie suchen einen Schlafplatz.
Eigentlich ist Sommer. Diese Sommernacht ist kalt. Wir ziehen uns die Decke bis zum Kopf. Zu warm. Füße wieder raus. Unser traumageschädigter Darm macht einen Gluckser – wohl eher nicht vor Freude. Eine zweite Fellnase schaut uns auf einmal tief in die Augen. So tief, dass die Schnurrhaare unsere Wangen kitzeln. Schnurren, Treteln und ein lautloses: „Du liegst falsch. Könntest du bitte endlich die Seite wechseln und mich streicheln!?“ Wir kommen der Bitte nach. Die andere Seite war eigentlich bequemer. Mit der Hand im weich-warmen Katzenfell kommen die Kinder zur Ruhe. Ein Lächeln huscht über die traurigen Lippen. Bald wollen die Augen schlafen. Mit beiden Katzen im Arm schlummern wir ins Land der Träume.
Danke, kleine Katzentherapeuten!
Die Welt dreht sich
Ich höre die letzten Worte wie im Nebelschleier. Das Essen, das ich gerade noch kauen wollte, mag meine Kehle nicht mehr hinunter gleiten. Mit Tränen versuche ich den Kauvorgang abzuschließen. Ich stehe auf und trage meinen Teller zur Spüle. Fast blind wasche ich den Löffel und das Geschirr, ehe der Trauerschwall über meine Wangen fließt. Von einem zum anderen Moment ist mir schwindlig. Die Welt dreht sich. Die Worte hallen im Kopf und werden von einem stummen „Wieso?“ beantwortet. Schwanken und taumeln. Wir haben den Boden verloren. Zu viel für unsere Nerven.
Wo ist der Platz, an dem wir einfach mal Ruhe haben!?