Expecto Patronum

Es gibt wohl tatsächlich derzeit nichts, was wir uns mehr wünschen würden, als einen Patronus-Zauber, der uns vor den dunkelsten Momenten bewahrt. Ein bisschen Licht, aus den glücklichen Stunden unseres Lebens, das die Hölle erträglicher macht. Wir sind mit unseren Kräften am Ende. Physisch und psychisch. Für viele Tage war es uns nicht möglich auch nur ansatzweise aufzustehen. Eine maximale Erschöpfung drückt uns nieder. Nach drei Schritten sind wir so kaputt, dass wir außer Atem geraten und uns wieder setzen müssen. Jeder kleine Reiz verursacht schmerzhafte Übererregung im Gehirn. Suchtdruck stellt sich ein. Alkohol, Zigaretten, Drogen… egal. Es kostet die letzten Kapazitäten keinen dieser Wege zu gehen.

All das kam mit seinen Extremen nach der letzen Konfrontation. Tränen brechen seitdem immer wieder schwallartig und unkontrolliert aus uns hervor. Dazu kommt, dass wir vermutlich in diesem Zustand entlassen werden. Die Klinikzeit geht zu Ende. Es gibt keine Verlängerung, weil das der Therapeutin zu viel wäre. Ja, ihr. Nicht uns oder der Krankenkasse. Aber das steht nochmal auf einem anderen Blatt und würde als Thema für einen eigenen Beitrag reichen.

Im Moment bleibt uns nur zu hoffen, dass wir nicht an die Wand konfrontiert wurden und sie tatsächlich weiß, was Sie tut. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. „Expecto Patronum“, flüstere ich und wiege mich selbst im Arm. „Expecto Patronum, kleine Sofie.“

Klinikabend

Bild von Cindy Lever auf Pixabay 

Es ist Abend und mittlerweile schrecklich still in der Klinik. In mir hallen die Ereignisse des Tages nach. Ich wünschte die Gedanken in meinem Kopf würden so ruhig und klar vor mir liegen, wie die See auf dem Beitragsbild. Statt dessen ist meine Seele aufgewühlt und brandet in Wellen mit ihrem Schrecken ins Bewusstsein. Es ist gut, dass wir hier sind. Wir haben traurige Gewissheiten gewonnen und wir fühlen. Aus der funktionierenden Marionette, die wie ein Hamster im Laufrad ackert, ist mittlerweile eine sichtbar gebrochene Frau geworden. Aber sie fühlt sich echt.

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Einen an der Waffel

Strahlender Sonnenschein lockt an diesem Tag aus der Klinik zum Spaziergang. Das Wetter gibt alles, um uns Auszeit vom stressigen Reha-Alltag zu verschaffen. Wir freuen uns zwar über die wärmende Einladung, unsere Kräfte bleiben allerdings maximal erschöpft. Vielleicht kann ja Kaffee und Kuchen helfen, um die Reserven wieder aufzufüllen.

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Klinik – Die ersten Tage

Mittlerweile sind wir gut in der Klinik angekommen. Viel können wir noch gar nicht erzählen. Die Abläufe spielen sich erst langsam ein und die ersten therapeutischen Stunden laufen an. Trotzdem wollten wir ein kurzes Update hier lassen. 😊

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Klinikendspurt

So nun ist es bald so weit.
Ab Mitte Februar gehen wir zum ersten Mal in eine Klinik zur stationären Traumatherapie. Wir sind gespannt, wie das für uns sein wird. Vorab gibt es nun aber erst einmal noch jede Menge zu organisieren. Weiterlesen

Birnenkuchen und Sonntagslernereien

Es ist Sonntag. In der Vergangenheit hat sich dieser Wochentag, als fester Auszeittag etabliert. Im Zuge der Vermeidung von erneutem Ausgebrannt sein, haben wir festgestellt, dass wir mindestens einen kompletten Tag in der Woche brauchen, an dem wir überhaupt nichts müssen und nur tun, was sich für unsere Seele gut anfühlt. Heute ist das ausnahmsweise ein bisschen anders. Wir werden nächste Woche eine zusätzliche juristische Prüfung in Sozialrecht ablegen und haben entsprechend noch ein bissschen was zu tun. Das Themengebiet ist doch sehr komplex. Dennoch soll ein gewisser Wohlfühlfaktor nicht fehlen. Für die Pausenverpflegung muss also gesorgt sein…😉

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Sex nach der Gewalt

Wir öffnen die Balkontür und schauen zusammen mit der Katzendame hinaus in die Nacht. Die Luft zieht kühl an unseren Schultern vorbei. Schnell wirft die Haut kleine Frostbeulen. Wir reiben uns den Gänsepullover an den Unterarmen und treten einen Schritt zurück ins Zimmer. Nur noch einmal durchatmen. Das reicht für’s Erste. Während wir die Türe langsam wieder schließen, fühlen wir unseren vibrierenden Körper. Es ist, als würde die Seele ein paar Zentimeter abgelöst von unserer physischen Existenz über der Hautoberfläche schweben und zittern. Sex ist eine komplizierte Sache. Manchmal muss sie sein, nur um hinterher festzustellen, dass sie uns irgendwann umbringen wird, wenn wir so weiter machen. Nichts ist wirklich freiwillig. Nichts ist schön. Viele hier innen wünschen sich das anders. Wer sich durchsetzt ist eine ganz andere Frage.

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Alltagsausschnitte

Wir sitzen auf dem Bett. Unsere nassen Haare tropfen von den Schultern auf das Betttuch. Ein leises Kitzeln zwingt uns dazu die Nase zu reiben. „Hatschiiiiiii!“ Na, nu? Katzenhaare oder Schnupfen im Anflug? Wir entscheiden uns für ersteres. Gut, dass jetzt endlich Feierabend ist. Der Tag hielt mehrere Prüfungen und Anstrengungen für uns bereit. Wir sind froh, dass sie nun erst mal gemeistert sind. Während wir taub-neblig abschalten, lassen wir die letzten Stunden noch einmal Revue passieren…

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Alltag statt zerstören

„Vom Krieg nach Hause zu kommen und sich wieder eine Realität aufbauen zu müssen, verlangt viel Mut. Sich den Alltag nach dem Trauma wieder zurückzuerobern ist viel schwerer, als ebenfalls zu zerstören.“


J. K. Rowling über das Ende der Harry Potter Bücher