Gedankensklavin

Kranke Gedanken, die mich denken,
mir einfach keine Ruhe schenken,
mich stumm in eine Richtung lenken,
mein Sein auf eine Spur beschränken,
die Welt im Nebel stumm versenken…

Du denkst mich.

Du standest vor mir im schwarzen Gewand,
erhoben gar drohend die wütende Hand.
Geboren sei ich dir zu dienen.
Mit meinem Leben soll ich sühnen,
wenn ich von deinem Wort mich wende.
Die Folterqual, sie nimmt kein Ende.

Du befielst mir.

Sterbend stand ich zwischen den Welten,
wo mich die Männer weiter quälten.
Wo Stromschlag meinen Körper bog,
man mir von einer Chance log
den Martern dadurch zu entrinnen,
mich ihren Wünschen nach zu sinnen.

Ich gehorche.

Es enden später die Tortouren.
In mir wurde längst eine And’re geboren,
die den Schmerz für mich getragen,
alleine hätt’ ich’s nicht ertragen.
Am kindlichen Körper klebet das Blut,
der die Wünsche des Seelenmörders nun tut.

Du richtest mich ab.

Heute bist du nicht mehr im Realen bei mir,
doch in meinen Gedanken bist du immer noch hier.
Deine Wünsche befehlen sie mir zu tun,
noch immer kann meine Seele nicht ruhn.
Die Bilder, die Folter, die Qualen, das Leid,
sie gehen nicht einfach durch verstrichene Zeit.

Gedankensklavin

© Copyright by „Sofies viele Welten“

Einen Augenblick bitte

Nur einen Augenblick, bitte,
Nimm dir Zeit für mich,
Dass mein und dein Universum sich treffen können.

Nur einen Augenblick, bitte,
Hör‘ mir zu
Und lass für einen Wimpernschlag alleine mich wichtig sein.

Nur einen Augenblick, bitte,
Schweig mit mir,
Dass wir gemeinsam die Lautheit der Stille begreifen.

Nur einen Augenblick, bitte,
Sprich mit mir,
Über das, was ich nicht sagen kann, weil Schmerz die Worte ausradiert.

Nur einen Augenblick, bitte,
Sieh mich an
Und lass mich sichtbar werden durch dein Gesehenwerden.

Nur einen Augenblick, bitte,
Halt mich fest in deinem Arm,
Dass ich mich fühlen kann mit meinen Hautgrenzen.

Nur einen Augenblick, bitte,
Lass mich in dein Herz,
Weil es deine Liebe ist, die mir das Leben rettet.

Nur einen Augenblick
Mitten in der Ewigkeit
Lass uns einfach so sein, wie wir sind
Lass uns Träume malen
Und die Welt neu erfinden
Frei und stark wie ein lachendes Kind.

© Copyright by „Sofies viele Welten“

Wahr-nehmen

„Ich nehme wahr,
was wahr ist,
sonst könnte ich es nicht wahr-nehmen.“

Jeanne Ruland

in Krafttiere begleiten dein Leben, Fledermäuse

Begrabene Samen

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They tried to bury us –
They didn’t know we were seeds.

Sie versuchten uns zu begraben-
Sie wussten nicht,
dass wir Samen sind.

Quelle unbekannt

Wortgeschmeide

Manchmal da liegen Worte an, wie schöne Geschmeide aus Gold oder Silber. Sie schmücken den, der sie spricht ebenso, wie das Gegenüber. Ihr Klang streichelt die Ohrmuscheltrommelfellgehörgangsschneckenhärchen mit seinen Wellen.
Sie schwingen.
Ihr Glanz ist eigen und oft vom richtigen Moment bestimmt. Dann scheinen sie, wie der Lichteinfall der Sonne an manchen Tagen zaubert. Es gibt Worte die klingen mit ihrem Wortkörper genau so, wie das, was sie bedeuten. Und Worte die aus Buchstabenkombinationen bestehen, die mehr sind, als das.
Magie liegt in jedem von ihnen.
Sie zaubern Lachen in Gesichter, malen Tränen in die Augen, sprechen Wünsche, drücken aus, heilen sanft, verletzen schnell.
Du bist der Magier.
Gebrauche sie klug!

Think Pink

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Pinke Steinnelken lächeln uns am Wegrand entgegen. Die knallige Farbe finden wir einfach schön.
Irgendwie besonders.
„Looks like she is in the pink“ – „Sie sieht aus wie das blühende Leben“.
„To be in the pink“ – „Gesund und munter sein“.
Die Sonne glitzert.
Einfach machen.
Das Leben genießen.
Pinkes Wohlfühlsommerfeeling.

Muschelzartheit

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„In der Nacht hatte ein Sturm an der Küste gewütet.
Am Morgen fand ich am Strand einen mächtigen schwarzen Stein, von der Wucht der Sturmflut in zwei Teile zerborsten.
Dicht daneben lag eine kleine Muschel, halb geöffnet, doch noch in beiden Hälften zusammenhängend.
Vorsichtig hob ich sie auf, spähte hinein – und fand eine noch kleinere Muschel darin,
zartrosa schimmernd und völlig unversehrt.“

 

Quelle:
Huber Michaela, Multiple Persönlichkeiten – Seelische Zersplitterung nach Gewalt, Junfermann, Paderborn 2010, Vorbemerkung

Flügel im Käfig

„Wenn man mit gebrochenen Flügeln in einem Käfig sitzt,
kann einem Freiheit wie ein unerreichbarer Schatz erscheinen.

Ich weiß das, weil ich selbst in einem Käfig gesessen habe.“

Beth Kempton

Manchmal scheint das, was man erreichen möchte so unendlich fern.
Das Zielbild klar vor Augen, aber keine Ahnung, wie man es erreichen kann oder soll.
Die Flügel tun weh und die Angst überhaupt nocheinmal darüber nachzudenken und den Träumen nachzufliegen ist rießig, vor lauter Panik vor erneuter Verletzung und dem zerreißenden Schmerz, den jeder Gedanke, wie ein Finger auf altfrischen Wunden, auslöst.
Am liebsten würde man sich dann einfach nur verkriechen und nie wieder irgendetwas tun.

Die Käfige unseres Lebens haben sich im Laufe der Zeit verändert.
Zuerst waren die Gitterstangen hart wie Stahl und von außen fest betoniert.
Dann hatten wir manchmal Freigang mit den zerschundenen Flügeln, die Täter uns gebrochen hatten und die verhindern sollten, dass wir nicht mehr zurückkommen und uns anders entwickeln.
Irgendwann waren die äußeren Grenzen aufgebrochen, aber der Gedankenkäfig blieb, flügelzertrümmernde Gedanken hielten uns im Zaum, wo vorher Täter standen und die Wunden durf-konnten nicht heilen. Manchmal kam es mir so vor, als wären diese Grenzen noch aus viel härterem und unüberwindbarerem Material als die Stahlgitterstangen zuvor.

Seit zwei Tagen fliegen wir.
Erstaunt wie ein Vogelkind, das aus dem Nest fällt, reflexartig anfängt mit den Flügeln zu schlagen und fasziniert von sich und den eigenen bislang unentdeckten Fähigkeiten ist.
Vorher hatten wir gar nicht bemerkt, dass die Flügel Stück für Stück nachgewachsen waren.
Groß und Stark und fähig uns ein Stück zu tragen.
Aber nicht nur nachgewachsen.
Es stecken auch völlig neue Federn drin und sie sind bunter und besonderer, als sie es jemals waren.
Für den Moment fühlen wir Glück.

Wir glauben, dass jeder Mensch Flügel hat.
Selbst, wenn er sie nicht bemerkt.
Wenn sie gebrochen und zerschunden scheinen.
Wenn er sie aus Angst abgelegt hat.
Wenn alles sinnlos und ohne Hoffnung scheint.
Und der ureigenste Instinkt, der in den Flügeln steckt, ist es zu heilen.
Schwingen zu können und zu fliegen.
Und wenn wir sie mit unserem Bewusstsein nicht lassen, dann versuchen sie es heimlich.
Immer wieder.
Jemand oder etwas, das so viel Heilungsinstinkt hat, ist nicht krank oder gebrochen.
Der ist nur vorrübergehend nicht erreichbar.
Zum Kräftesammeln und Flügel aus Tränen kleben.
Glitzerfunkelnde Tränenfedern, neben hoffnungslachendem Gefieder.

Man kann Menschen nicht ihre Flügel nehmen, nur den Glauben in ihre Tragfähigkeit.

Blümchenkräfte

„Wenn es ein Gänseblümchen durch den Asphalt schafft,
findest du ganz sicher auch einen Weg.“

visualstatements.net

Heilung mit Gefühl

Unsere Leiden und unsere Wunden können nur heilen,
wenn wir ihnen mit Mitgefühl begegnen.

Mohandas Gandhi