Ein Feuerwerk für die Heilung

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Wir heilen.

Das ist es Wert jedes Jahr gefeiert zu werden.

Weil wir hier sind – trotz allem.

Ursprung des Zitates unbekannt

Traumaschamanen

Wir sitzen auf dem Bett. Im Mund klingt noch der süße Geschmack von einem Gebäckstück nach, das wir eben gegessen haben. Im Hintergrund läuft der Stream von „Das große Backen“. Auf dem Schoß liegt ein Buch. Vor ungefähr einer Stunde sind wir von unserer Therapie nach Hause gekommen. Etwas Frust macht sich breit. Wir haben über vieles geredet. Alles war irgendwie wichtig. Der Kern unserer Probleme  kam allerdings erst kurz vor Schluss zum Vorschein, obwohl wir ihn von Anfang an im Kopf fett markiert als dringend dabei hatten. Wir sind den damit verbundenen Emotionen kommunikativ wohl etwas zu lange aus dem Weg gegangen. Nun ist das Gespräch darüber auf’s neue Jahr verschoben. Shit happens…

Wir schmökern weiter in unserem Buch. Dabei stolpern wir über folgendes Zitat:

Ein wirklicher Heiler ist […] ein Grenzgänger, einer, der über die Grenzen der gesellschaftlichen Konventionen hinaus geht. Er muss ein solcher sein, denn Krankheit und Wahnsinn, Tod und Fortpflanzungstrieb, sie lassen sich nicht durch die Gebote der Rationalität und Ethik eingrenzen.
Storl, Wolf Dieter (2018): Wolfsmedizin. Aarau und München: AT Verlag

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Regengeplätscher und Christrosenzauber

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Es regnet. Nein, es schüttet. Wie aus Eimern. Alles was an Wasser im Himmel eingelagert war, findet genau in diesem Moment seinen Weg zum Erdboden. Trotz der Fluten habe ich es mittlerweile wieder ins Haus geschafft. Unter der Türe schüttle ich mich einmal wie ein Pudel, der versucht die Nässe draußen zu lassen. Es gelingt bedingt. Von drinnen sieht die Welt schon besser aus. „Wenn man nicht raus muss, ist das Wetter eigentlich ganz gemütlich“, denke ich und lausche für einem Moment den prasselnden Tropfen am Fenster. Bald ist das Essen fertig. Im Topf dampft der Reis. Die zugehörige Sauce kocht. In der Regenrinne gluckert das Wasser, wie in einem kleinen fließenden Bächlein, ehe es an der Hausecke rauschend nach unten stürzt. Aus den Einkäufen blickt mich eine kleine Christrose mit zart weißem Gesicht an. „Du solltest auf den Balkon, hmm“, sage ich zu ihr. „Hier drin ist es für dich zu warm.“ Ich hadere im Angesicht der Regenfluten. Schließlich ringe ich mich dazu durch doch schnell loszulaufen und ihr einen schönen Platz im Freien zu geben. Als ich fünf Minuten später tropfend wieder hinter dem Fenster an der Balkontüre stehe, strahlt sie von draußen zurück. Mission erfüllt. In meinem Kopf beginnt ein Weihnachtslied zu klingen, durch das ich die pflanzlichen Schneegeschöpfe erst richtig zu schätzen gelernt habe. Die Melodie macht mir ein wohliges Gefühl im Bauch und ich singe es so gerne. „Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit, draußen in Eis und Schnee und wenns in der Winternacht friert und schneit, das tut der Rose nicht weh. Es grünt eine Hoffnung zur Weihnachtszeit, drinnen im Herzen still, dass immer und ewig, so schön wie heut, Frieden werden will.“
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Vom Schmerz wahrer „Lügen“

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„Ein eigenartiger Schmerz durchfährt mich. Alles scheint diffus. Eine einzige Lüge, die sich wie Wahrheit anfühlt und weil sich das alles so wahr anfühlt, ist es irgendwie meine Wahrheit, obwohl es eine Lüge sein muss, denn ich war nicht dabei, aber ich kann es  heute fühlen.“

Dieser Satz aus eigener Feder hat mich heute sehr bewegt. Manchmal fühlt sich der Schmerz für uns genau so an. Der Kopf ist voll von schrecklichen Erinnerungen, die uns aus dem nichts überrollen. Die Dissoziation macht die Welt nebelig und ungreifbar. Der Schrecken von damals wird erneut Realität bis in die kleinste Faser. Gleichzeitig hofft man, dass alles nur ein schlechter Traum gewesen sein mag und klammert sich an den Strohalm, dass sich alles als unwahr herausstellen möge, weil es schier unerträglich ist.

DIS heißt zu akzeptieren, dass das Leben für einen Teil des Selbst an Stationen stattgefunden hat, an die man sich selbst nicht erinnern kann.

Wenn meine Tränen…

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Wenn meine Tränen Sprachen sprächen,
dann flössen sie in Tränenbächen
ganz bunt mit eignen Ausdrucksweisen
laut schluchzend und zu Boden reißend,
bis zart und leise fröhlich glucksend,
schweigend still und gar nicht mucksend,
die Freud‘ und auch den Schmerz ertragend,
am Ende Herz und Seele labend
ins Seelenmeer.

Wenn meine Tränen Menschen wären,
dann würden sie den Menschen ehren
und mit Respekt vom Leid erzählen
bis es aufhört ihn zu quälen,
von Lasten, Angst, Not und Gewalt,
von Seelen ohne Hilf’ und Halt,
die trotzdem stumm ihr Leben meistern
im Kampf mit den Gesellschaftsgeistern,
weil niemand hören will.

Wenn meine Tränen Wunden wären,
dann würd’ ich wohl zu Grunde gehen,
blutüberströmt am Boden liegen
von wortgeformten Dolcheshieben,
zermartert todgeschunden weinend,
nach außen fröhlich lachend scheinend,
am ersten Hilfekurse scheitern,
die Sicht um Seelennot erweitern,
weil kein Arzt sie nähen kann.

Weil meine Tränen Heiler sind,
mit Lieb’ und Fürsorg’ für das Kind,
verbinden sie die Wunden selbst,
entlasten Not, wenn es mal fällt,
sind Zeugen – niemals an mir zweifelnd,
die Seele zart und friedvoll streichelnd,
bedingungslos an meiner Seite,
geben sie in der Nacht Geleite,
lösen aus Muskeln starre Krämpfe,
während ich für mein Leben kämpfe,
bis wir uns in den Armen liegen
und uns glücklich dafür lieben,
dass wir uns selbst gefunden haben,
aus Wunden wurden schöne Narben.
Lasst voll Triumph den Sieg begießen:
Nun können Freudentränen fließen.

© Copyright by „Sofies viele Welten“

Herzglaszerbrechen

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Hinter den Gläsern der grünen Idylle sprang mein Herz. Zurück blieben nur ein paar Scherben. Mich hatte man ausradiert. Bemerkt hat es niemand, wobei „nicht bemerken wollen“ wohl die bessere Bezeichnung wäre. Wenn die Welt draußen blüht, ist ganz gleich wie es hinter der Fassade aussieht.
Dick waren die Scheiben zwischen mir und der Welt. Bald war sie ebenso unwirklich wie die Idylle selbst. Alles unerreichbar fern in Nebel gepackt. Durch die gebrochenen Scherben, sah ich nicht nach draußen und das Draußen schaute bald auch nicht mehr zu mir herein. Wer sieht sich schon gerne die klirrenden Sprünge des Lebens an!?
Doch das Herz, das blieb heil. Es hatte das Grauen hinter sich zurückgelassen und sich einstweilen in Sicherheit gebracht. Später ist es zurückgekehrt. Heute schlägt es tapfer gegen den Schmerz. Es pulsiert in Mitten all der Scherben und spürt sein Leben. Durch die Scheibe kann ich die Idylle sehen – Nicht die von damals , die echte – und Freunde sehen meinen Scherbenhaufen.

Ein chilliger Tag

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„Gar nichts erlebt. Auch schön.“

Wolfgang Amadeus Mozart, Tagebuch vom 13. Juli 1770

Dem Zitat des Komponisten können wir uns am Ende dieses Tages nur anschließen. Trotz verschiedenen Einladungen haben wir den gesamten Nachmittag und Abend zu Hause vor dem Fernseher verbracht. Selbst die strahlende Herbstsonne vermochte uns nicht nach draußen zu locken. Es reichte uns sie von drinnen zu bestaunen. Zu erzählen haben wir deshalb wenig Neues. Das klingt vielleicht langweilig. Schön war‘s trotzdem! Manchmal brauchen wir diese selbst gewählte Auszeit einfach.

❤️

Unpassendes Selbst

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Wer nicht in die Welt zupassen scheint, der ist immer Nahe dran sich selbst zu finden.

Hermann Hesse

Löwenmulti

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Ein bisschen stelle ich mir Heilung genau so vor wie auf dem Bild. Die Innenkinder und verletzten Anteile haben innen ihren sicheren Raum, während die größeren und erwachsenen Alltagspersonen dafür sorgen, dass sie in Ruhe Kind sein und heilen können. Löwenmutter für sich selbst! ❤️

Leere als Inhalt

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Wenn du während der Erinnerungsarbeit denkst, dass du gar nichts mehr wahrnehmen kannst und einfach nicht mehr weiterkommst, bleib stehen und spüre nach, ob es nicht die Leere und das Nichts selbst ist, dass es dann als Puzzlestück deiner Erfahrungen zu entdecken gilt.

© Copyright by „Sofies viele Welten“