Naturgenießer Sonntag

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Das Gras ist noch feucht, als ich mich mit einer Tasse Kaffee darin niederlasse. Als Unterlage dient mir ein altes Handtuch. Die Katzen kuscheln sich freiwillig in meine Nähe. Von außen betrachtet sieht es aus, als hätten wir eine gemeinsame Morgenkonferenz im Grünen. Zu sagen haben wir uns wohl tatsächlich etwas. Es sind lautlose Dinge wie „Ich hab dich lieb“, „Wir sind ein gutes Team“, „Es ist schön zusammen hier zu sitzen“ und „Lange habe ich nicht Zeit. Ich muss zur Jagd.“

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Kann der Himmel dissoziieren? 🙂

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Ich sitze auf der Bank vor dem Haus. Gräser und Sträucher sind regennass vom Gewitter. Ein paar Regentropfen fallen leise zu Boden. Das ist einer dieser Momente, in denen man in der Stille die Pflanzen atmen hören kann. Wir atmen mit ihnen. Die Luft ist angenehm kühl und rein. Wir beobachten die Katzen und unsere Gedanken. Mal mehr wie eine ferne Landschaftssilhouette am Horizont, dann wieder detailliert wie eine Makroaufnahme. Über uns schweben Wolken, die langsam ihre Form verlieren und als dunstiger Nebelschleier am blauen Himmel übrig bleiben.

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Ein Wutbrief an die Zweifler

Lieber Zweifler,
Liebe Zweiflerin,
du kannst einfach wegschauen. Die Chance haben die Opfer ritueller Gewalt nicht. Sie müssen mit dem Leben, was ihnen zugestoßen ist. Die Gewalt ist nicht weniger existent, ob du nun dran glaubst oder nicht. Du kommst dadurch auch nicht weniger mit Betroffenen in Kontakt. Tu uns den Gefallen und hör‘ auf schlecht über uns zu reden und unsere Existenz in Frage zu stellen. Das machen wir mit deinem Erleben ja auch nicht. Schließlich müssen wir anerkennen, dass es Menschen gibt, die ein gewisses Sicherheitsgefühl haben, auch wenn sich die Welt für uns ganz anders darstellt. Wir haben alle schon genug ertragen. Lass uns wenigstens in Frieden heilen.

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Lila Regen

Wir sitzen auf dem Bett und naschen Heidelbeeren aus einem kleinen Eimerchen. Draußen wird es langsam kühl. Meine Schultern frösteln nahe dem leicht geöffneten Fenster. Während ich so vor mich hin fernsehzappe, wird es dunkel. Die Sonne macht für heute Pause. Ich mache mir ein bisschen Licht an. Bei mir wird es noch etwas dauern, bis ich auch zur Ruhe komme. Solange möchte ich meine Umgebung sehen und nicht nur erahnen können. Als ich bei Pixabay nach schönen Fotos suche, fällt mir eine kleine lila Kuhschelle in die Hände. Purple Rain, denke ich. Wir sollten viel mehr im Regen tanzen.

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Ein Punkt im Chaos

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Ich sitze mit der soeben gelieferten Pizza auf dem Bett.
Gut zwei Stunden sind seit der Bestellung vergangen. Das war eine schwere Geburt. Der Fahrer konnte zunächst mein Klingelschild nicht finden, weil man ihm den falschen Namen auf seinen Zettel geschrieben hatte und drehte mit meiner Pizza wieder ab ohne zu läuten. Erst nach einem erneuten Anruf unsererseits im Lokal klappte es dann mit der Essenslieferung.
Jetzt haben wir jedenfalls das bestellte Objekt auf dem Schoß und kriegen es trotz Hunger einfach nicht hinunter. Im Gegenteil. Irgendwie würgt es uns, wenn wir nur daran denken. Wir stellen die Pizza weg. Ich merke, wie in unserem Innen die Anspannung steigt. Mir ist danach zu heulen und schreiben mag ich auch nicht mehr. „Alles blöd,“ schimpft ein kleines Innenkind voll Traurigkeit. „Was ist denn los?“, frage ich nach. „Das triggert alles schrecklich,“ bekomme ich als verzweifelte Antwort. „Blöd, blöd, blöd!“ In mir weint es.
Ich beschließe einfach erst einmal nur zuzuhören, weil ich sonst nicht weiß, was ich jetzt am Besten tun kann. Im Kopf purzelt plötzlich alles durcheinander.

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Was ich heute verstehe…

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…und was mich die Dissoziation zu Beginn meiner Therapie verstehen lies, sind teilweise zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe. Besonders bewusst wurde mir das nochmal, als ich in einem Buch blätterte, in dem ich schon öfter gelesen habe. Die Informationen waren immer in der selben Form darin enthalten, aber sie kamen einfach nicht bei mir an. Gestern viel mir auf, dass ich sie ganz selbstverständlich annehmen konnte. Das liegt vor allem daran, dass wir über die Jahre Fortschritte gemacht haben und dadurch auch anders fühlen dürfen.
Einige Punkte und Gedankengänge möchte ich in diesem Beitrag im direkten Vergleich von früher zu heute aufgreifen.

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Tränen erzählen

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„Es sind meine Tränen, nicht mein Lächeln, die mich heilen. Heute sagen meine Tränen meine Wahrheit und enthüllen ihre Geheimnisse.“

Ich sitze auf meinem Bett und tippe Worte in die weiße Maske meines Laptops. Es steht mir frei, sie weinen oder lachen zu lassen. Bislang ist sie unbeschrieben.
Damals als Kind waren wir das auch, ehe Erwachsene uns immer mehr Leid hinter die lächelnde Fassade füllten.
Draußen regnet es in Strömen.
Vom Himmel fallen große Tropfen.
Ob wohl auch er über die grausamen Taten weint?

Viele Kinder und Jugendliche freuen sich heute darauf in der Nacht kleine Streiche zu spielen. So ist es hier Brauch. In den Städten und Dörfern werden Feste gefeiert. Man erzählt vom Tanz der Hexen auf dem Blocksberg und genießt gemeinsam Speis und Trank als Überbleibsel des einstigen Fruchtbarkeitsfestes.
Für die Meisten wird der Tag wohl in guter Erinnerung bleiben. Sie werden irgendwann ihren Kindern davon erzählen und traditionelle, lustige Dinge tun. 

von unseren Tränen und Beltane weiterlesen →

Pizzakommunikation für Viele

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Der Sonntag beginnt sonnig und mit großer Dankbarkeit.
Kurz vor Ablauf einer wichtigen Frist beim Finanzamt, haben mir Innenleute geholfen eine Stellungnahme fertig zu schreiben. Vorab habe ich doch ziemlich geschwitzt, weil ich mich einfach nicht ran setzen konnte, so sehr ich es auch wollte. Unerledigt hätte das vermutlich in finanzieller Hinsicht negative Konsequenzen gehabt.
Insofern schonmal „Puh… durchatmen.“

Weiterlesen und uns beim Pizzabacken begleiten→

Schmerzwellen

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Ich sitze auf meinem Bett und schreie.
Laut.
So laut ich kann.
Der Schmerz verhallt in Stille.
Meine Beine verharren taub.
Körper und Kopf sind durchflutet vom alten Grauen.
Irgendwann werde ich müde.
Mit Tränen in den Augen schlafe ich ein.

Mit komischen Zwängen und traurig dumpfen Gedanken wache ich auf.
Wir kämpfen.
Gegen die Selbstzerstörung.
In dichter Watte kreisen unsere Gedanken.
Irgendwie möchte ich schreiben und andererseits bin ich kaum auf dieser Welt.

Noch immer ist es das Ausmaß der Gewalt, das mich förmlich erschlägt.
Und in all dem Nachspüren, weshalb die Situation gerade so ist, wie sie ist und wo der Auslöser liegt, wird mir plötzlich klar, dass ich den ersten Mai ganz vergessen habe.

Gedanken zum Unvorstellbaren

Gestern saß ich in einem sehr persönlichen Gespräch.
„Ich weiß auch nicht, wie ich es beschreiben soll… Ich weiß sicher, dass diese Dinge genau so passiert sind, wie ich sie in meinem Kopf habe. Ich spüre sie in jeder Zelle meines Körpers und bis an die tiefsten Bereiche meiner Seele. Wenn ich aber Anfange mit meinem Verstand darüber nachzudenken, sind sie in ihrer Dimension so unvorstellbar, dass ich sie nicht mehr greifen kann.“
Ich rang darum Ausdruck für das, was in mir vorging zu finden.

Mittlerweile denke ich über diesen Satz aus verschiedenen Gründen nach.
Für mich fasst er eine wichtige Facette ins Auge, wie Zweifel an den Erinnerungen entstehen. Man fühlt was geschehen ist, man spürt es körperlich ganz genau, das entsetzen darüber bebt im ganzen Körper und die Bilder sprengen einem manchmal fast den Schädel. Und dann kommt der Verstand, für den diese Dinge einfach eine Nummer zu groß sind und zack klopfen Zweifel an. Aber wenn ich’s genau nehme und tiefer hinschaue, ist es dennoch kein Unglauben daran, dass die Gewalt geschehen ist. Das spür und weiß ich ja. Es ist eher der Zweifel an unserer Gesellschaft, die all das Schreckliche zulässt. Es ist der verzweifelte Versuch, am schönen Schein festzuhalten und Erklärungswege zu finden, dass etwas so furchtbares nicht unbehelligt geschehen könnte. Es ist der Zweifel an den Umständen nicht an dem „Dass“. Darin steckt eine wertvolle Erkenntnis, die ich daraus mitnehme.
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