Körper im Erschöpfungsschlaf

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Ich sitze auf meinem Bett. An die kühle Wand gelehnt stützt ein Kissen meinen Rücken. Das Handydisplay verrät mir die Tageszeit. 20:30 Uhr. Ich bin wach. Zum ersten Mal an diesem Tag länger als wenige Minuten. Gestern um neun vielen mir plötzlich die Augen zu. Nach zwölf Stunden Schlaf weckte mich die Katze. Wach war ich nicht. Aus einem fernen Nebel bleierner Müdigkeit registrierte ich ihre bitte nach Futter und Freigang. Mit Mühe schleppte ich mich ins Bad und zur Toilette. Nach der kurzen Versorgung meiner Tiger landete ich erneut an der Stelle, aus der ich mich eigentlich soeben erst erhoben hatte. Im Bett. Wenig später fiel ich erneut in komatösen Schlummer.
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Dickdünne Hagebutten

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Es ist schwülwarm, obwohl die Sonne bereits hinter den Wolken verschwunden ist. Mein Bauch ist angestrengt. Seit drei Tagen weiß ich nicht so recht, ob meine Darmentzündung einen neuen Schub ankündigt oder das wechselhafte Wetter mir zusetzt. Draußen im Garten leuchten die Hagebutten. Aus den lieblichen Rosen ist Juckpulver geworden. Auf der Bank vor dem Haus ruhe ich kurz aus. Ich bewundere die kleinen roten Farbkleckse.
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Suizid nach Vergewaltigung

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Ich liege im Bett. Es ist früh am Morgen. Die Katze schnurrt neben mir. Wir kuscheln uns beide in die warme Decke. Meine Gedanken beginnen den Tag mit einem traurigen Thema – dem Tod durch die Folgen von Vergewaltigung. Dabei geht es mir als Ursache gerade weniger um direkte Verletzungen oder Schockzustände während dem Trauma selbst, als mehr um die langfristige Gefahr deshalb verfrüht aus dem Leben zu scheiden. Neben körperlichen Spätfolgen durch den posttraumatischen Dauerstress ist auch die Suizidwahrscheinlichkeit drastisch erhöht. Vergewaltigung ist damit ein Verbrechen, das leider allzu oft permanente Todesnähe in das Leben der Opfer bringt.
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„Ich bin traumatisiert“

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Ja, ich weiß. Das kommt überraschend. 😉

Tatsächlich kam mir die Erkenntnis vor ein paar Tagen nachts im Bett und knallte mit voller Wucht durch bis zum Bewusstsein. Nun mag sich vielleicht die ein oder andere MitleserIn wundern, wie das möglich ist, wo ich doch hier schon so lange über Traumatisierung schreibe. Zu recht. Mir geht es seitdem nicht anders. Immerhin habe ich ja auch schon einen längeren Weg an ambulanter Therapie hinter mir und arrangiere meinen Alltag so, dass sich die Folgen meiner Geschichte möglichst wenig darauf auswirken. Dennoch hat dieser Moment einiges in mir verändert.
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Vom Schmerz im Hier und Jetzt

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Da ist er nun wieder  – der gemütliche Balkonabend. Irgendwie hat er sich in den letzten Wochen so eingebürgert. Manchmal schauen und denken wir einfach so vor uns hin. Ein anders Mal legen wir die Füße hoch, nehmen den Laptop auf den Schoß und beschäftigen uns mit kunterbunten Dingen aus dem Internet. Heute bin ich froh, dass ich sitze. Der Rest ist mir fast egal. Nach einer Wandertour vorgestern ist der Muskelkater nun so richtig in Fahrt. Ich atme tief ein und aus.
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Unpassendes Selbst

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Wer nicht in die Welt zupassen scheint, der ist immer Nahe dran sich selbst zu finden.

Hermann Hesse

Gewichtige Abendgedanken

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Es regnet. Draußen höre ich die Regentropfen auf die Balkonbretter klopfen. Eigentlich ist es ein sanfter Schauer. Dennoch klingen manche Aufplatscher hart. Die Luft ist angenehm zu atmen. Feuchte Kühle schleicht sich in mein Zimmer. Ich schaue unter der Bananenpalme zur Tür hinaus. Würde mir nicht das Dach fehlen, säße ich jetzt gerne auf der Terasse. Nebenbei bemerke ich, dass es finsterer ist, als mir lieb ist. Immerhin ist Sommer. Da mag ich es nicht, wenn es um neun Uhr schon dunkelt. Um jetzt noch etwas zu arbeiten bräuchte ich Licht. Allerdings möchte ich nicht, dass 1738 Mücken sofort laut „Gefällt mir“ schreien und mich besuchen kommen. Also lasse ich das und beschließe den Rest des Abends maximal lichtreduziert zu verbringen.
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„Wie fühlt sich eigentlich…

…eine vergewaltigte Frau?“

Ich sitze ruhig, atme noch einmal tief ein und aus und lasse die Frage einen Moment länger auf mich wirken. Sie kommt aus vollem Herzen von jemandem der verstehen möchte. Das spüre ich. Sie ist es wert beantwortet zu werden, auch wenn sie zunächst komisch klingen mag. Also versuche ich Worte zu finden. Stille trennt mich von der Antwort. Im Suchen nach Sprache finde ich mich selbst kurz selbst wieder. Jeden Tag frage ich mich, wie ich mich eigentlich fühle. Selten gibt es eine wirkliche innere Antwort. Meist besteht sie aus unerschöpflich vielen Facetten, die ich nicht greifen kann.
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Urwaldtauchzug zu eigenen Pfaden

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Ein heißer Anstrengender Tag geht zu Ende. Wir waren Schwimmen, haben einen Kaffee mit einer Bekannten getrunken und uns soweit ganz gut geschlagen. Der Schrittzähler zeigt rund 3000 Schritte. Dennoch frage ich mich, ob sie uns wirklich vorwärts gebracht haben. Wir sind auf dem besten Weg wieder in das Hamsterrad einzusteigen und rundzulaufen. Der Funktionsmodus ist zurück. Nun könnten wir uns ja über die Rückkehr von „Normalität“ freuen und tun es ein Stück weit auch. Andererseits sind wir uns selbst so fern wie lange nicht. Ich fühle, dass ich nichts fühle. Wie eine leere, fahle Hülle spüre ich gerade noch so viel, dass ich mich ausreichend emphatisch und alltagstauglich verhalten kann. Wie einem Roboter fehlt mir allerdings der Bezug zu mir selbst und den anderen Innens. Die Erfahrung zeigt – das ist eine explosive Konstellation. Früher oder später sucht sich das Trauma den Weg an die Oberfläche und dann knallt es so richtig. Wenn ich jetzt wüsste, wo der Schalter für ein Mittelmaß aus beiden Welten liegt…!?

Wir sitzen auf dem Balkon und blicken in die Sterne. Manchmal würden wir gerne danach greifen. Ich gönne mir eine kurze Traumzeit. Im Geiste bewandere ich die tiefsten Urwälder, die höchsten Berge und tauche durch die Weite von Seen und Meeren. Immer Schritt für Schritt und so, wie es die Umgebung eben zulässt. Bestimmt nun die Umgebung meinen Weg oder bestimme ich ihn frei selbst? Oder lege ich den Weg im Rahmen meiner Möglichkeiten fest, wie es die Umgebung zulässt? Die Gedanken gefallen mir nicht. Nie bin ich völlig frei von äußeren Einflüssen. Da ist nie ein „Nur ich selbst“-Sein. Irgendwie beängstigend. In der Phantasie bestimme ich einfach die Umgebung mit. Das ist einfacher, weil ich sie mit einem einzigen Gedanken meinen Bedürfnissen anpasse. Im Alltag ist das in dieser Form nur sehr begrenzt möglich. Schade eigentlich.

Nachdenklich schaue ich auf das Foto dieses Beitrages, das mir gerade in die Hände gefallen ist. Stufe für Stufe im Rhythmus der Natur. Mein Herz mag die Symbiose von Weg und Wald. Das Moos polstert. Ohne die Umgebung wäre der Pfad wohl kaum so schön geworden. Das lässt ein bisschen Hoffnung wachsen. Mit einer inneren Feder male ich Blumen in mein Leben. Ein bisschen freundlicher wirkt es dadurch. Aus dem Schwarz steigen die Bilder. Sie verbinden sich zu einem bunten Strauß. „Dieses Leben beruht auf einer wahren Geschichte“ und der passende Weg wächst mit dem Menschen, der es lebt.

Kühles Nass und harter Tobak

Ich sitze bei meiner Frauenärztin im Wartezimmmer. Die Luft ist schwül und stickig. Doch hier findet sich etwas Zeit, um die Gedanken wie Buchstabensuppe auf ein Stück Papier auszuschütten. Man weiß nie, ob die Lettern ausreichen alles in Worten auszudrücken. So manches verschwimmt wohl einfach ungesagt im Meer der Erfahrungsbilder aus den letzten Wochen. Bei den Temperaturen lässt sich der Kopf ohnehin am Besten unter Wasser frei bekommen. Stille lange Züge im Schwimmbad haben ihn die letzten Tage oftmals vorm Zerbersten bewahrt.

Da gibt es etwa die Klinikalternative zu Dresden, die mir tatsächlich anbietet mich aufzunehmen, wenn… ja wenn ich mich vorher einer magenverkleinernden Operation unterziehe und das ohne mich auch nur ein einziges Mal gesehen oder persönlich gesprochen zu haben. Nein, das ist kein Witz. Ihr habt richtig gelesen. Nun habe ich bestimmt nicht grundsätzlich etwas gegen Adipositaschirurgie. 160Kg auf knapp 1,80 m Körpergröße sind sicher deutlich zu viel. Mir geht’s hier nur um die Art und Weise wie dieses Angebot zu Stande kam. Die Ärzte dort haben mich nie gesehen, geschweige denn gesprochen. Bislang war ich noch NIE in einer psychiatrischen Klinik, und schon gar nicht auf Reha. Bis vor wenigen Wochen, war die Essstörung NIEMALS offenes Thema in einer Therapie und anstatt mir erst einmal Hilfe anzubieten, gesundes Essverhalten zu erlernen, kommt man nun auf die grandiose Idee das Problem einfach wegzuschneiden. Menschlichkeit ade! Armes Deutschland! Es wird immer besser… Ehrlich gesagt hätten wir an dieser Stelle erwartet, dass man sich als Arzt oder Therapeut die Mühe macht, den Menschen hinter den Kilos erst einmal zu sehen. Wenn man so nicht weiter kommt, kann man gemeinsam immer noch über Alternativen nachdenken.

Dann also doch lieber abtauchen und die Sonne genießen. Fast täglich findet man uns derzeit im Schwimmbad. Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Das Sporteln tut unserem Körper gut und die Seele ist hinterher auch viel entspannter. Und manchmal sitzen wir dann am Beckenrand, lesen ein Buch und freuen uns, dass wir eine beste Freundin haben, die empathisch an unserer Seite beleibt, während die Fachwelt durch Unmenschlichkeit und emotionale Legasthenie glänzt.