
In den letzten Tagen denken wir wieder vermehrt über unsere Zeit nach, in der wir verkauft wurden. In verschiedenen journalistischen Beiträgen sieht man immer wieder Streetworkerinnen, die Kondome an Prostituierte verteilen. Auch wir erinnern Situationen, in denen Sozialarbeiterinnen in der Nähe auftauchten, um diese Dinge an die Frauen auf der Straße zu übergeben.
Ich frage mich bis heute, was das soll!?
1. Haben wir und all die Frauen und Kinder im Hintergrund für solche Aktionen jedes mal ordentlich zusätzliche Gewalt kassiert. Reden wurde nur mit Freiern im bezahlten Rahmen toleriert. Meistens hat man die Kondome und Hygieneartikel so schnell wie möglich angenommen, gehofft, dass es niemand gesehen hat und gebetet, dass die Sozialarbeiterinnen möglichst schnell auch wieder das weite suchen, wenn man sich freundlich und verständig zeigt. Ich habe das nie als Hilfe, sondern immer als Zusatzbelastung empfunden.
2. Entscheidet nicht die Prostituierte darüber, ob ein Kondom verwendet wird, sondern der Freier! Wenn dieser eines benutzten möchte, ist das nach meiner Erfahrung das Letzte, was an Ausstattung fehlen würde. Für den Zweck kriegt man die auch von den Zuhältern, solange das erwirtschaftete Geld stimmt. In allen anderen Fällen ist das Verteilen von Kondomen völlig sinnfrei! Wenn der Typ kein Kondom anzieht oder es sich wieder abstreift, wird es die Frau in dem Fall nicht ändern können.
Das Verteilen von Kondomen suggeriert: Die betroffene Frau hat ein gewisses Mitbestimmungsrecht, was, wie mit ihrem Körper passiert. Dem ist jedoch nicht so!
Ein Kondom schütz beim Sex vor übertragbaren Erkrankungen. Es schützt nicht vor sexualisierter Gewalt! Prostitution ist Gewalt gegen Frauen und hat mit Sexualität nichts zu tun! Es geht um Macht. Zur Macht des Freiers gehört deshalb auch die Kontrolle der Vehütung.
Ich finde es pervers mit derartigem Streetwork gleichsam zu sagen: „Wenn ihr als Freier die Frau vergewaltigt, nehmt wenigstens ein Kondom dafür“ und die Verantwortung für den Ablauf der Gewalttat der Prostituierten mit einer Packung Kondome in die Hand zu drücken.
Gut gemeint, aber das falsche Signal!