
Ich sitze auf dem Sofa. Meine Finger umschließen kalt das Handy. Während die Daumen auf dem Bildschirm tippen, sehnt sich mein Kopf danach sich in den Text fallen lassen zu können. Lange haben wir das nicht mehr gemacht. Einfach irgendwie den Moment begreifen, indem man ihm seine Sprache entlockt. Welche Worte würde er wohl wählen, wenn er sich beschreiben müsste?
Feiner beständiger Regen fällt zu Boden. In uns schlagen viele Themen Wogen. Im Außen ist viel passiert und die Berichterstattung lässt uns oft nicht kalt. Im innen drängen sich alte Bilder neu nach vorne. Sie haben das nächste Level an Bewusstheit erreicht. Neue Aspekte zeigen sich. Gefühle werden anders fühlbar. Gleichzeitig merke ich darüber auch wie viele starke Mauern in meinem Inneren noch stehen. Es gibt Dinge, die ich nicht begreifen und fassen kann. Undurchdringbare Wände, aus denen hin und wieder etwas unsichtbares nach mir greift. Kaum will ich es ansehen, huscht es davon. Es bestimmt in meinem Leben mit ohne, dass wir uns kennen.
In den letzten Wochen haben wir darüber nachgedacht, ob es an der Zeit wäre, sich mehr zu zeigen. Dem Blog ein Gesicht zu geben. Für unser Thema nochmal anders einzustehen. Manchmal gibt es diesen Wunsch. Unsere momentane Antwort jedoch ist „Nein“. Immer wieder merke ich hier, wie schön und entlastend es ist, an diesem Ort zwischen den Zeilen einfach sein zu können. Er ist da, wenn wir ihn für unseren Ausdruck brauchen, bietet die Möglichkeit zur Kommunikation und er hält uns gleichzeitig den Rücken frei, was unseren Alltag betrifft. Was wir hier geschrieben haben war auf unterschiedlichen Ebenen bereits ein persönlicher Balanceakt, der nicht immer leicht war. Authentizität mit unserem Sein ist uns wichtig. Manches daran würden wir hier vielleicht verlieren müssen, wenn wir mit der Preisgabe unserer Person über Sicherheit noch einmal ganz anders nachdenken müssten und nicht alles so sagen könnten, wie wir es bislang getan haben. Ich mag nicht angestrengt in Worten klauben, um sie der Gesellschaft und ihren Täterschutzregeln irgendwie anzupassen. Das muss ich ohnehin zu oft.
Dazu kommt, dass uns persönlich das Risiko zu hoch ist. Ich merke diesen Zwiespalt in uns, dass mehr Sichtbarkeit oft ein dringendes Bedürfnis ist, gerade von Innenanteilen, die sich ungesehen fühlen. Andererseits funktioniert die Entscheidung um Öffentlichkeit nur, wenn wir innerlich spalten. Entweder mir ist bewusst, dass ich von Gewalt durch einen organisierten und hoch gefährlichen Täterkreis betroffen bin. Dann kommt das nicht in Frage. Im Alltag Schutzmaßnahmen ohne Ende zu ergreifen und mich dann gleichzeitig ins Internet zu stellen ist lebensgefährlicher Irrsinn. Oder ich rede zwar von meiner Betroffenheit, blende aber aus, was das bedeutet. Dann könnte ich zwar mein Gesicht in die Kamera halten, würde das aber nicht lange überleben. Insofern muss man hier wohl auch weiterhin auf mehr Daten zu unserer Person verzichten.
Inzwischen frösteln nicht nur meine Hände, sondern der ganze Körper. Gleich werde ich die Heizung hoch stellen, mir ein paar Nudeln auf den Herd stellen und anschließend versuchen mit Sanftheit durch meinen Tag zu kommen. Es gibt vieles in uns, was unendlich schmerzt. Vielleicht kann es heilen, wenn es das heute einfach nicht muss.
Dein Text hat mich sehr berührt – die Phasen des Verbergens und dennoch zu wissen, dass es einzig und allein um Authenzität geht (Letztlich, aber halt erst gegen Ende des Prozesses), das Verbergen, den zusammengenommenen Mut und das Hin und Her um dieses Thema. Aber auch das erkenne ich in Deinem Text, das wieder und wieder des Gleichen, aber letztlich dann sich wiederfindend auf der nächsthöheren Ebene und hinabschauend, den veränderten Blick darauf – der Wachstum heißt – fast unsichtbar. All das spüre ich heraus – und erkenne es, weil ich da zu Zeiten und Unzeiten da hindurch gegangen bin.💝
Ich möchte auch ein verstehen da lassen.
Das nächste Level der Bewusstheit ist hier ebenso bekannt, wie das ringen um Authentizität, Klarheit, Offeheit und dennoch auch immer das Wissen darum, dass das nicht überall zu jeder Zeit möglich ist.
Ich glaube nicht, dass wir heute noch in reeller Gefahr sind, aber ich weiß auch (noch) viel zu wenig um das, was geschah.
Grüße von uns Drachentänzern
Dana